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Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes: September 2010


  1. Vielseitige Einsatzmöglichkeiten von Nutzhanf
  2. Lateinamerika diskutiert die Legalisierung
  3. taz – Drogerie
  4. DHV Homepage – Probleme und neue Features
  5. Bätzing ist Sprachpanscherin 2009
  6. Drogen in den Medien: “Horrorknast für Marihuana-Samen”
  7. Meldungen des DHV in Kürze
  8. Termine

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten von Nutzhanf

Hanf ist ein wertvoller und vielseitiger Rohstoff. In Lothringen, einer traditionellen Hanfanbauregion in Frankreich, sollen der Anbau und die Weiterverarbeitung nun stark ausgeweitet werden. Auf bis zu 2500 Hektar wird der Rohstoff wachsen, der danach in der Grenzgemeinde Creutzwald weiterverarbeitet werden soll. Dort entsteht eine neue Anlage zur Faserproduktion, die ab 2011 mit einer Kapazität von rund 12.000 Tonnen Hanfstroh verarbeiten soll. Neben den Fasern liefert Hanf auch große Mengen Samen, die direkt genutzt werden können oder ausgepresst zu wertvollem Hanföl werden. Guy Géronimus, der führende Kopf der dortigen Hanfbauernbewegung, wird von sol.de zitiert: „Heute muss der Bauer schauen, wie er überleben und seine Einkünfte sichern kann. Man muss neue Kompetenzen und neue Märkte im Auge haben, nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch auf dem industriellen Sektor. Und hier bietet Hanf echt neue Chancen.“

Die Fasern finden nicht nur seit Jahren ihre Verwendung in Formel 1 – Helmen, auch als Karosseriematerial für Elektroautos sollen sie dienen. In Kanada wird derzeit durch ein Industriekonsortium das Projekt “Kestrel” vorangetrieben, bei dem ein Verbundstoff aus Hanffasern entwickelt wird, der preisgünstiger und leichter als Fiberglas sein soll. Im Mainstream angekommen ist auch Hanf als Bau- und Isolationsmaterial, inzwischen werden ökologische Fertighäuser angeboten, bei denen neben Holz auch der Hanf eine wesentliche Funktion erfüllt. Hanfschuhe wiederum sind sicherlich noch ein Nischenprodukt, aber als robustes Produkt eine lohnenswerte Investition.

Der Deutsche Hanfverband setzt sich auch für die Förderung des Rohstoffs Hanf in all seinen verschiedenen Erscheinungsformen ein – sei es als Kosmetik, Lebensmittel, Werkstoff oder Mode. Unter unseren Firmensponsoren sind auch namhafte Vertreter der Branche wie Hanf-Zeit, Greenhouse Hanfkontor und das Hanfhaus Reutlingen.

Mehr zum Thema

  • Lothringen: Große Hanf-Plantagen geplant, Saarbrücker Zeitung online, 03.09.2010
  • Schumis Bio-Helm, Focus, 19.02.2001
  • Hanf-Karosserie für Elektroautos, 24. August 2010
  • Holz und Hanf: Ökologische Fertighäuser, 26.08.2010
  • Hanfschuhe als Alternative, 27.08.2010
  • Frequently Asked Questions – Hanf als Nutzpflanze und Rohstoff

Lateinamerika diskutiert die Legalisierung

Während in Kalifornien die Debatte um die Volksabstimmung “Proposition 19”, die eine Legalisierung und Besteuerung von Cannabis vorsieht und am 2. November durchgeführt werden soll, weiter zunimmt, hat sich der Ex-Präsident von Mexiko klar für eine Legalisierung aller Drogen ausgesprochen. Vicente Fox, der von 2000 bis 2006 Präsident war, verurteilte die harte Politik seines Nachfolgers Felipe Calderón. Dieser setzt aufgrund der massiven Korruption innerhalb der mexikanischen Polizei im Kampf gegen die Drogenbanden auf die Streitkräfte, was zu einer weiteren Stufe des Eskalation geführt hat. In den vergangenen drei Jahren starben bei bewaffneten Auseinandersetzungen in Mexiko mehr als 28.000 Menschen.

Fox, der in seiner Amtszeit noch gegen eine Legalisierung war, ist nach eigenen Angaben aufgrund seines “selbstkritischen Geistes” zur Erkenntnis gekommen, dass Prohibition nie funktioniert hat und eine Legalisierung der einzige Weg ist, den Drogenkartellen die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Die USA, vertreten durch den obersten Drogenbekämpfer des Landes, Gil Kerlikowske, gaben bekannt, nichts von einer solchen Forderung zu halten. Präsident Calderón zeigte zumindest Interesse an der Debatte, betonte aber, dass diese Entscheidung nicht von Mexiko alleine getroffen werden könnte, da der Drogenpreis nicht von den Mexikanern sondern den Konsumenten in Los Angeles, New York, Chicago oder Texas bestimmt würde. Fox ist mit seiner Forderung in guter Gesellschaft. Im Frühjahr des letzten Jahres hatten sich bereits die ehemaligen Präsidenten César Gaviria (Kolumbien), Ernesto Zedillo (Mexiko) und Fernando Henrique Cardoso (Brasilien) für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen, der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González forderte jüngst ebenfalls eine weltweite Legalisierung von Drogen.

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taz – Drogerie

Die taz betreibt seit Mitte Februar ein Blog über “Drogen, die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.” Auf der Seite werden inzwischen regelmäßig Artikel zu unterschiedlichsten Themen im Bereich Cannabis, Legalisierung und Drogenpolitik veröffentlicht. Exemplarisch seien hier die Artikel “Michael Knodt über Hanfmythen und ihren wahren Hintergrund” und “Facebook blockiert politischen Diskurs” erwähnt. In ersterem klärt der Chefredakteur des Hanf Journals über Mythen zum “Gengras” und den angeblich massiv gestiegenem THC Gehalt in Cannabis auf, im zweiten Artikel Hans Cousto über die Blockade politischer Cannabiswerbung bei Facebook.

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DHV Homepage – Probleme und neue Features

Die neue Homepage ist im Prinzip fertig, aber immer noch Anlass für zahlreiche kleinere Arbeiten und Verbesserungen.

Bedauerlicherweise war das Formular “Privatsponsor beim Hanfverband werden” für einige Tage kaputt. Wer zwischen 30.8. und dem 7.9. versucht hat, sich anzumelden, und keine Antwort von uns erhalten hat, möge sich bitte nochmals eintragen.

Neu auf unserer Seite ist auf der Startseite die Twitter-Nachrichtenbox. Dort werden automatisch Nachrichten von unserem inzwischen sehr aktiven Twitter-Account eingeblendet. Wir twittern mit unserem Account täglich die neusten Nachrichten zum Thema Cannabis und Drogenpolitik weltweit.

Man kann uns inzwischen auch projektbezogen unterstützen. Den Anfang macht die DHV-Buskampagne. Wer uns helfen will, Werbung auf einen städtischen Linienbus zu bringen (oder wenn dies verboten wird auch auf alternative Werbeträger), der gibt bei seiner Überweisung einfach den Verwendungszweck Buswerbung an.

Wer uns bei der Weiterentwicklung unserer Homepage unterstützen möchte und ein Talent als Designer besitzt, ist hiermit herzlich eingeladen, uns Entwürfe für einen “Ich will Spenden”-Button zu schicken. Dieser sollte sich gut in die Seite einfügen, deutlich, aber nicht aufdringlich sein und muss auch nicht wie der derzeitge Button animiert sein.

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Bätzing ist Sprachpanscherin 2009

Sabine Bätzing, die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hat den fünften Platz der “Sprachpanscher 2009” gewonnen. Als Schirmherrin der Kampagne “Don’t drink too much – Stay Gold” steht sie damit nicht nur für die fachlich “dümmste Kampagne des Jahres”, sondern mit dem Negativpreis des Vereins Deutsche Sprache e.V. auch “für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache”.

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Drogen in den Medien: “Horrorknast für Marihuana-Samen”

Ein krasser Fall von Verfolgung erlebte ein Berliner Tierpfleger in Indonesien. Für 4,9 Gramm Marihuana-Samen (sic!) soll er nach Meinung der Staatsanwaltschaft in Bali für acht Jahre hinter Gitter. Der Anwalt des an Rachenkrebs Erkrankten meinte: “Für meinen Mandanten käme ein solch hartes Urteil ohne medizinische Hilfe einem Todesurteil gleich. Dabei hatte er die Samen, die keinerlei berauschende Wirkung haben, nur als Teil seiner Schmerztherapie dabei.”

Die BILD-Zeitung berichtete darüber besonders emotional:

“Muss dieser Berliner im Knast von Bali sterben?”
“Er hat Rachenkrebs. Er wollte sich einen letzten großen Traum erfüllen. Jetzt sitzt Peter G. (51) auf Bali, Indonesien. Im Knast!”
“Der Berliner Tierpfleger wurde auf der Insel verhaftet, weil er 4,9 Gramm Marihuana-Samen bei sich hatte. Die Staatsanwaltschaft fordert acht (!) Jahre Haft.”

Die Empörung der Zeitung mit den großen Buchstaben über die drohende Verurteilung eines Deutschen im Ausland ist zwar in der Sache korrekt, aber politisch völlig verlogen, ist sie es doch, die an anderer Stelle für die Verbreitung von Horrormeldungen und Drogenmythen verantwortlich ist. Der umstrittene Prof. Thomasius ist regelmäßig der BILD Drogenexperte zum Thema “Jugendliche, die Hortensien rauchen” und anderen BILD Drogengeschichten. Drogenpolitisch spielt die BILD ebenefalls eine negative Rolle, da Politiker ihre Zurückhaltung bei liberalen Aussagen auch über ihre Furcht vor negativen Kampagnen der BILD begründen. Peter Struck, damaliger Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, gab dies in einem Chat im Wahlkampf 2002 offen zu.

“Warum wurde das BtMG bezüglich Cannabis in dieser Legislaturperiode nicht liberalisiert, obwohl es im Wahlprogramm der Grünen stand und es zur Zeit der Regierung Kohl einen Novellierungsantrag der SPD-Fraktion diesbezüglich gab, der neben Herrn Scharpings Ihre Unterschrift trug?” – Frage an Peter Struck
“Ich bekenne, daß wir dies aus Sorge vor Kampagnen in der Bild-Zeitung und der Springer-Presse nach dem Motto “Rot-Grün will unsere Kinder mit Hasch vollstopfen” zurückgestellt haben.” – Antwort Peter Struck

Sichtbar wurde die reaktionäre Haltung der Springerpresse auch bei der Debatte um die “geringe Menge” in NRW, in der das Schwesterblatt der Bild, “Die Welt”, dem SPD Justizminister eine “gnadenlose Liberalität” vorwarf, weil er ausnahmweise mal nicht ein brutalstmöglicher harter Hund sein und den Bürgern etwas mehr Freiheit zubilligen wollte.

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Meldungen des DHV in Kürze


Termine

  • 29.-31. Oktober 2010 Cultiva Hanf Kongress, www.cultiva.at
  • 19-21. November 2010 Cannafest – The Biggest International Hemp Fair, Prague, Czech Republic Prague Exhibition Grounds www.cannafest.cz


Kommentare

3 Antworten zu „Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes: September 2010“

  1. Anonymous

    RE: Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes: September 2010
    Wg. Fox: Erkenntnis wird in erster Linie aus Schmerz gewonnen…

  2. Anonymous

    RE: Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes: September 2010
    Was ist denn mit dem Fox passiert? Das hätte ich nun nicht erwartet. Aber braucht es wirklich knapp 30000 Tote, um zu der Einsicht zu gelangen, dass der War on Drugs und die weltweite Prohibition gescheitert, ja in der Sache vollkommen falsch sind?

    Auffällig vor allem, dass sich einflussreiche Politiker erst nach ihrer Amtszeit besinnen und ihre Einstellung ändern.

    Gut, dass die BILD nochmal ins rechte Licht gerückt wird, obwohl ich Strucks Aussage nicht nachvollziehen kann und sie eher wie eine Notlüge wirkt, denn von 1998 bis 2002 gab es eine (zumindest schweigende) Mehrheit, die sich auch von Springer-Kampagnen nicht gegen mehr Liberalität im Umgang mit Cannabis hätte aufhetzen lassen. Damals erschien mir eine Legalisierung jedenfalls wahrscheinlicher als heute oder in naher Zukunft und auch kleinere Verbesserungen im Bereich Cannabis als Medizin stimmen da nicht positiver.

  3. RE: Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes: September 2010
    Ich habe in der vergangenen Woche das DHV-Mitglied “Hanf-Zeit” besucht, mir die Hanfproduktionskette von der Ernte bis zum Laden angesehen und ein Interview mit den Firmeninhabern geführt.

    Vielleicht ist das ja als Ergänzung zum Thema Nutzhanf interessant http://usualredant.de/tagesrausch/2010-09-14-cannabis-hanf-zeit.html

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