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Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes: April 2010


  1. Sting fordert Legalisierung von Marihuana
  2. Zahlen zur Rauschgiftkriminalität / Kein Drogen und Suchtbericht 2010?
  3. Jahrbuch Sucht 2010 erschienen
  4. ENCOD Bulletin zu Drogenpolitik in Europa
  5. DHV-Finanzbericht 2009
  6. DHV-Flugblatt-Aktion
  7. Meldungen des DHV in Kürze
  8. Termine

1. Sting fordert Legalisierung von Marihuana

Der Musiker Sting veröffentlichte in seinem Blog bei huffingtonpost.com, einer progressiven Onlinezeitung, die laut Spiegel die wichtigste Informationsquelle für Millionen von US-Amerikanern und das einflussreichste Alternativmedium der USA ist, einen offenen Brief mit dem Titel “Let’s end the War on Drugs!” Hier ein Auszug:

“The War on Drugs has failed – but it’s worse than that. It is actively harming our society. Violent crime is thriving in the shadows to which the drug trade has been consigned. People who genuinely need help can’t get it. Neither can people who need medical marijuana to treat terrible diseases. We are spending billions, filling up our prisons with non-violent offenders and sacrificing our liberties.”

“Der War on Drugs ist fehlgeschlagen – aber es ist sogar noch schlimmer als das. Er gefährdet aktiv unsere Gesellschaft. Gewaltverbrechen gedeihen in den Schatten, denen der Drogenhandel überlassen wurde. Leute, die wirklich Hilfe brauchen, bekommen sie nicht. Und auch Leute, die medizinisches Marihuana als Mittel gegen schreckliche Krankheiten brauchen, bekommen es nicht. Wir geben Milliarden aus, um unsere Gefängnisse mit nichtgewalttätigen Straftätern zu füllen und opfern unsere Freiheiten.”

Zudem erwähnt Sting die Drug Policy Alliance (DPA), eine US-amerikanische Legalisierungsorganisation, und ruft dazu auf, diese aktiv zu unterstützen, um in Washington endlich einen Wandel in der Drogenpolitik zu erreichen.

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2. Zahlen zur Rauschgiftkriminalität / Kein Drogen und Suchtbericht 2010?

Ende März stellte die Drogenbeauftragte Dyckmans zusammen mit BKA-Präsident Jörg Ziercke die “Zahlen zur Rauschgiftkriminalität und zu den Drogentoten 2009 in Deutschland” vor. Erfreulich ist die um 8% auf 1.331 Menschen gesunkene Zahl der “Drogentoten”. Dyckmans erklärte hierzu:

“Der Rückgang im vergangenen Jahr zeigt, dass die Drogentodeszahlen langfristig sinken. Diese Entwicklung bestätigt, dass die Angebote zur gesundheitlichen Versorgung für Drogenabhängige notwendig sind und eine Überlebenshilfe darstellen. Unverzichtbare Hilfs- und Behandlungsangebote sind deshalb: Maßnahmen zur Schadensreduzierung, wie die qualitätsgestützte Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, Drogenkonsumräume, Spritzentausch und Kontaktläden sowie die diamorphingestützte Behandlung, die derzeit in die Regelversorgung überführt wird.”

Der Präsident des BKA forderte:

“Sowohl das Beispiel Afghanistan für Heroin als auch das Beispiel Südamerika für Kokain zeigen, dass der Hebel zur Bekämpfung der Drogenkriminalität nach wie vor in den Herkunftsländern anzusetzen ist. Nur wenn es uns gelingt, die Rauschgiftproduktion in den Herkunftsländern zu unterbinden, können wir den Zufuhrdruck nach Europa und Deutschland nachhaltig schwächen.”

Der drogenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion Dr. Harald Terpe bezeichnete diese Forderung als befremdlich. “Welche verheerenden Folgen diese Art der repressiven Drogenpolitik hat, kann man derzeit sehr anschaulich in Mexiko betrachten”, so Terpe in seiner Pressemitteilung.

Abgesehen von diesen beiden Statements ratterten die beiden VertreterInnen der offiziellen Drogenpoltik apolitisch ihre Zahlen von Beschlagnahmungen, Plantagen und Drogenrouten herunter.

Ob Dyckmans dieses Jahr einen eigenen Drogen- und Suchtbericht vorlegt, steht in den Sternen. Auf eine diesbezügliche Frage der SPD im Gesundheitsausschuss antwortete sie nicht und auch in der Jubel-Pressemitteilung der FDP “Sucht- und drogenpolitische Agenda der Drogenbeauftragten Dyckmans ist zukunftsweisend” wird der Vermutung nicht widersprochen, dass der Bericht dieses Jahr vielleicht einfach ausfällt.

Mehr zum Thema

  • Zahlen zur Rauschgiftkriminalität und zu den Drogentoten 2009 in Deutschland veröffentlicht, zum Schwerpunkt: Drogen und Sucht – 25. März 2010 – Pressemitteilung
  • Offenbar kein Drogen- und Suchtbericht für dieses Jahr, Pressemitteilung der SPD Bundestagsfraktion 24.03.10
  • Sucht- und drogenpolitische Agenda der Drogenbeauftragten Dyckmans ist zukunftsweisend, Pressemitteilung der FDP vom 25.03.2010
  • Drogentote: Mehr für Schadensminderung tun, Pressemitteilung des drogenpolitischen Sprechers der grünen Bundestagsfraktion, Dr. Harald Terpe vom 25. März 2010

3. Jahrbuch Sucht 2010 erschienen

Am 7. April veröffentlichte die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) das Jahrbuch Sucht 2010. Schwerpunktthemen dieses Jahr sind Alkohol und Gewalt, sowie Medikamente im Alter. Die Deutschen sind weltweit bei Alkoholkonsum der über 15-jährigen mit 12 Liter reinem Alkohol auf Platz 5, hinter Luxemburg, Irland, Ungarn und Tschechien. Die Fälle von “akutem Rausch” sind stark angestiegen – bei den in den Medien offen gescholtenen Jugendlichen und den in den Medien fast vergessenen Senioren. Die Steigerungen lagen bei der letzteren Gruppe bei 100%-200%! Warum die DHS ihrer Pressemitteilung trotzdem den Titel “Suchtmittelkonsum bleibt stabil – auf extrem hohem Niveau!” gab, darüber kann nur spekuliert werden… Deutlich nüchterner und sachlicher ist das Fazit der DHS: “Akuter Rausch und sog. Komasaufen ist nicht allein ein jugendspezifisches Alkoholproblem.” Senioren sind auch überdurchschnittlich von Medikamentenabhängigkeit betroffen. Obwohl diese Problem den mitverantwortlichen Ärzten und Apothekern durchaus bekannt ist, bleibt es meist im Verborgenen. Deshalb fordert die DHS, die bestehenden Qualifikations- und Kompetenzdefizite bei Ärzten zu schließen, sowie eine aus Bundesmitteln geförderte Studie zu Medikamentenkonsum und -abhängigkeit im Alter.

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4. ENCOD Bulletin zu Drogenpolitik in Europa

Unsere europäische Partnerorganisation European Coalition for Just and Effective Drug Policies (ENCOD) gibt einen kostenlosen, monatlichen Newsletter (“Bulletin”) zu Drogenpolitik in Europa heraus. Dieser wird von Freiwilligen in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt.

Hier der ENCOD BULLETIN ZU DROGENPOLITIK IN EUROPA, NR. 60, FEBRUAR 2010 mit dem Titel “DROGENKRIEG – MEDIENKRIEG” als Leseprobe:

Trotz dass mehr und mehr Personen, Wissenschaftler, Politiker und Intellektuelle bemerken, dass Drogenprohibition eine schlechte Idee ist, ist es auch wahr, dass die übliche Wahrnehmung für den einfachen Bürger noch immer die gleiche ist wie vor Dekaden. Drogen sind schlecht für die Gesundheit und töten, deswegen müssen sie verboten sein! In der öffentlichen Debatte und in den Medien wird nichts gesagt um dem entgegenzutreten. Es gibt eine große Differenz, zwischen dem, was Anti-Prohibitionisten sagen und was von den Menschen gefühlt wird, die dann jene wählen, die neue Gesetze machen.

Aber wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse die Ineffektivität des Prohibitionregimes aufzeigen, warum wird das von den Kommunikatoren unserer Gesellschaft ignoriert? Es ist eine seltsame Situation, nicht zuletzt weil Journalisten in den demokratischen Staaten des Westens darauf bestehen, der Welt zu zeigen, dass sie frei, fair und einzigartig sind und dazu tendieren, Länder, die Zensur praktizieren, zu kritisieren.

Mag es oder auch nicht, das Kriterium damit eine Story veröffentlicht wird, ist, dass viele Menschen sie lesen, hören oder sehen wollen. Deswegen werden wir konstant überflutet mit Meldungen über enorme Drogenbeschlagnahmen, aufgeflogene Kriminelle oder wie das schnelle Glück kommt oder geht, oder auf der traurigen Seite der Story: die Toten und Krankheiten von den vielen Opfern, die wenig Verantwortung tragen, aber durch das Gesetz bestraft werden.

Warum werden wir nicht regulär, nicht einmal zufällig, mit Berichten über die letztendlichen Resultate der Verbotsgesetze konfrontiert? Warum sind die Wissenschaftler oder Politiker, die dieses System in Frage stellen, nicht sichtbar?

Es ist seltsam! Es ist schlimmer als das und es ist nicht nett. Insbesondere wenn wir Berichte in den Nachrichten sehen, welche die Fakten verdrehen. […]

Mehr zum Thema

  • ENCOD BULLETIN ZU DROGENPOLITIK IN EUROPA
  • ENCOD BULLETIN 60 – DROGENKRIEG – MEDIENKRIEG

5. DHV-Finanzbericht 2009

Der Deutsche Hanf Verband hatte im Jahr 2009 ein Budget in Höhe von rund 44.000 Euro.

Also rund 3.660 Euro pro Monat. Davon wurden cirka 2.500 Euro pro Monat (inklusive Nebenkosten!) für Personal ausgegeben. Dafür wurden ca. 65 Arbeitsstunden pro Woche geleistet. Weitere große Ausgabenblöcke waren Reisekosten und Werbekosten (incl. Flyerdruck). Der Rest war für die Aufrechterhaltung unseres normalen Arbeitsalltags (Miete, Anschaffungen, Beiträge, Porto, Bankgebühren etc.) notwendig. Mitglieder und Sponsoren des DHV erhalten einen ausführlichen Finanzbericht.

Die Einnahmen des DHV sind in 2009 um ca. 2.000 Euro gestiegen. Wir danken allen Unterstützern, die das möglich gemacht haben!


6. DHV-Flugblatt-Aktion

Die Flugblatt-Aktion des DHV ist gut angelaufen. Innerhalb eines Monats wurden 18.000 Flugblätter an AktivistInnen verschickt, weitere 5.500 wurden bereits bestellt. Das Flugblatt “Hanf legalisieren! Aber warum eigentlich?” kann zum Selbstkostenpreis beim DHV bestellt werden, um damit die Briefkästen Deutschlands zu mästen oder um sie ganz klassisch in Einkaufszonen zu verteilen. Über weitere Bestellungen würden wir uns freuen! Falls ihr also interessiert seid, Aufklärungsarbeit in Sachen Cannabis zu leisten, dann bestellt die Flugblätter bei Wer mitmacht, kann uns gerne auch ein Foto von sich beim Verteilen der Flugblätter schicken. Diese werden dann gesammelt im DHV-Blog veröffentlicht. Gleiches gilt für Reaktionen, die ihr beim Verteilen erhalten habt.

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7. Meldungen des DHV in Kürze


8. Termine

Dieses Jahr werden in Deutschland wieder zwei große Hanfdemos stattfinden, der Hanftag im Rahmen des Global Marijuana March sowie die Hanfparade. Das Motto des diesjährigen Hanftags ist “Natur pur”, das der Hanfparade lautet “Cannabis ist Weltkultur!”.


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