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DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 18.09.2008

DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 18.09.2008

Newsletter vom 18.09.2008


Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes – Ausgabe September 2008


1. Illegaler Cannabisanbau – Keine Ruhe für Homegrower

Die Hausdurchsuchungen wegen des illegalen Anbaus von Cannabis nehmen kein Ende. Obwohl längst nicht alle Polizeieinsätze im Rahmen der “Aktion Sativa” auch in der Presse landen, vergeht keine Woche ohne neue Schlagzeilen a’la “Drogenzucht ausgehoben”, “Drogenfahnder schließen Hasch-Plantagen” u.s.w. Auch der DHV erhält immer wieder Anrufe und Emails von Betroffenen. Großproduzenten sind selten darunter, wohl aber ehemalige Kunden des Growshops Catweazel.

Nachdem Ende Januar die Kunden heimgesucht wurden, die bei der online-Überwachung in den vorangegangenen Monaten aufgefallen waren, hat die Polizei offensichtlich in den letzen Wochen damit begonnen, die vor Ort beschlagnahmten Daten auszuwerten. Das betrifft zum Teil auch geringfügige und Jahre zurückliegende Bestellungen.

Offensichtlich nutzt die Polizei das gestiegene Medieninteresse am Heimanbau, um massiv gegen die vermeintliche “Drogenmafia” vorzugehen. Dass die Bestellung eines Blumentopfes höchstens auf einen harmlosen Selbstversorger hindeutet, scheint nicht einmal die Richter zu interessieren. Allzu leicht erhält die Polizei in diesen Tagen Durchsuchungsbeschlüsse.

Selbst wer noch nie im Leben mit Cannabis zu tun hatte, bekommt mitunter unangenehmen Besuch in Sachen “Drogenanbau”. Dies musste ein Münchner erleben, der eigentlich nur einen defekten Stromzähler hatte. Der extrem hohe Verbrauch rief die Polizei auf den Plan.
Noch ist unklar, wie die den Stromverbrauch überhaupt in Erfahrung brachte, Fakt ist jedoch, was geschah. Zwei Beamte “erbaten” auf der Suche nach illegalen Hanfpflanzen Einlass in die Wohnung des unbescholtenen 40-jährigen.

Und nun beginnt auch noch die Erntesaison für Outdoor-Cannabis. In den kommenden Wochen wird es vermutlich eher noch häufiger heißen: “Polizei rettet Kleinstadt vor Drogenmafia – 2 Cannabispflanzen beschlagnahmt”

Mehr zum Thema

  • Täglich neue Meldungen auf Google News – Suchbegriff “Cannabis Anbau”
  • Aktuelles Catweazel-Opfer in den Schaumburger Nachrichten “Drogenzucht ausgehoben” (mittlerweile offline)
  • Viel Ärger wegen eines Stromzählers in der Münchner Abendschau “Bauen Sie hier Cannabis an?”

2. Wahlhilfe für bayrische Kiffer

Bayern ist das Land mit den meisten entdeckten BtM-Delikten pro 100.000 Einwohner. Zwei Drittel der Verfahren drehen sich um Cannabis. Mehr als 75 Prozent der Cannabisfälle betreffen einfache Konsumenten. Beinahe täglich “flüchten” bayrische Kiffer in Bundesländer, in denen nicht jeder Polizist auf der Jagd nach “Giftlern” ist. Doch in ein paar Wochen könnte Bayern anders sein!

Erstmals seit fast 30 Jahren wackelt die Alleinherrschaft der CSU. Der DHV fordert die mehr als 600.000 Kiffer des Freistaats auf, sich an der Landtagswahl am 28.09.2008 zu beteiligen. Allen Unentschlossenen gibt er mit seiner drogenpolitischen Wahlempfehlung ein Werkzeug an die Hand, um das Kreuz an der “richtigen” Stelle zu machen.

Im Themenbereich der Website finden Sie für CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke je eine Seite, die Ihnen verrät, wer welche Politik macht, was die Parteien wollen und was von ihren Versprechen zu halten ist.
Kritisch haben wir die Programme durchleuchtet und beziehen in unsere Bewertung auch potentielle Koalitionspartner und die Erfahrungen aus anderen Bundesländern mit ein.

Das sich wählen lohnen kann, zeigt ein Rechenbeispiel. An den Landtagswahlen 2003 beteiligten sich gerade einmal 57,1 Prozent der Wahlberechtigten. Das sind bayernweit nur wenig mehr als 5 Millionen Wähler. Die rund 625.000 Cannabiskonsumenten Bayerns entsprechen somit ziemlich genau 12 Prozent der Wähler. Das ist mehr als Grüne, FDP und Linke bei der letzten Wahl zusammen hatten!

Die Kiffer können also etwas bewegen. Der DHV ruft sie dazu auf, von dieser Möglichkeit gebrauch zu machen. Informieren Sie sich über die Landtagswahl 2008. Gehen Sie wählen und geben Sie Ihre Stimme einer Partei, die eine menschlichere Drogenpolitik will!

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3. Bundeskriminalstatistik – Alle vier Minuten ein Kiffer in Handschellen

Das Bundeskriminalamt hat endlich die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2007 veröffentlicht. Das Dokument informiert über die Entwicklung des Verbrechens in Deutschland und ist auch für gesetzestreue Bürger eine durchaus interessante Lektüre.

Dem Bereich Betäubungsmittel widmet die PKS ein eigenes Kapitel, dem man unter anderem entnehmen kann, dass im Jahr 2007 mehr als 235.000 Drogendelikte aktenkundig wurden. In fast zwei Drittel der Fälle ging es um Cannabis. Alle 3,7 Minuten (223 Sekunden) ein Kiffer in Not – insgesamt 141.319 Fälle! Über 100.000 mal ging es nur um “allgemeine Verstöße”, also den Besitz von Cannabis in kleinen Mengen zum Eigenverbrauch.

Der DHV wird die PKS 2007 in den kommenden Wochen genauer unter die Lupe nehmen und euch unter anderem verraten, wo es sich als Kiffer in Deutschland relativ ungestört leben lässt…

Mehr zum Thema

  • Polizeiliche Kriminalstatistik 2007

4. EU-Studie: Jugendliche gegen Legalisierung von Cannabis

Eine in der gesamten EU durchgeführte Studie zum Thema “Junge Menschen und Drogen” mit mehr als 12.000 Befragten im Alter zwischen 15 und 24 Jahren brachte ein überraschendes Ergebnis. Die Mehrheit spricht sich gegen eine Legalisierung von Haschisch und Marihuana aus.

Im EU-Durchschnitt waren 67 Prozent für die Beibehaltung des Verbots. Nur 31 Prozent hingegen für eine “Neuregelung”. Die anteilig wenigsten Legalisierungsgegner leben demnach in Tschechien (45%) und wenig überraschend in den Niederlanden, wo nur 35 Prozent für das Cannabisverbot sind.
In Deutschland lehnen 69 Prozent eine Cannabisfreigabe ab. 29 Prozent sprechen sich für eine Abschaffung des Verbots aus.

Dennoch ist die Studie nicht der von den Medien herbeigeschriebene “Abgesang auf linke Legalisierungsträume”. Immerhin findet die Legalisierung unter jungen Menschen weit mehr Zustimmung als in älteren Bevölkerungsgruppen. Bei einer vergleichbaren Befragung hatten sich europaweit nur 26 Prozent der Erwachsenen für eine Legalisierung ausgesprochen (Deutschland 19%). Auch wurden die Ergebnisse der Studie zumindest in Österreich öffentlich angezweifelt. Die Jugend der Alpenrepublik habe eine wesentlich liberalere Haltung als es in der EU-Studie dargestellt wird.

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5. Doppelter Erfolg für Cannabispatienten

Markus Trampe (38 Jahre aus Hamm) leidet an der sehr seltenen Nervenkrankheit “Hereditäre Motorisch-Sensible Neuropathie (HMSN) Typ II”. Gegen die fortschreitenden Lähmungserscheinungen wollte er mit Dronabinol kämpfen, doch die Techniker Krankenkasse lehnte seinen Antrag ab. Sie schrieb ihm, dass eine Übernahme der Kosten nur “in besonderen Ausnahmefällen” möglich sei, dabei teilt nur ein einziger Bundesbürger Trampes Schicksal.
Weil er die Dronabinolbehandlung nicht selber zahlen konnte und nicht auf die einzig wirksame Medizin verzichten kann, begann Trampe, Cannabis anzubauen. Es kam was kommen musste und eines Tages beschlagnahmte die Polizei bei Trampe 3,3 Kilogramm Cannabispflanzen.

Womit weder Trampe noch sein Anwalt rechnete, war der Freispruch, der im August vor dem Amtsgericht verkündet wurde. Die Schöffen und der Richter erkannten in der hilflosen Lage des Patienten eine Notstands-Situation und konnten so von einer Verurteilung absehen.

Doppelten Grund zur Freude hatte Trampe nur wenige Tage später. Angesichts des immensen Medieninteresses am Freispruch wollte die TKK kein Risiko schlechter PR eingehen und bewilligte Markus Trampe überraschend am 01.09. die Übernahme der Kosten für eine Behandlung mit Dronabinol.

Mehr zum Thema

  • Bericht über den Freispruch aus Menschlichkeit – Westfälische Anzeiger vom 22.08.2008 “Opiate tun’s doch auch…” (mittlerweile offline)
  • Nur eine Woche später kapierte es auch die TKK – Westfälischer Anzeiger vom 01.09.2008 “Krankenkasse zahlt nun doch” (mittlerweile offline)
  • Informationen über das Problem “Kostenübernahme für Dronabinolbehandlung”

6. In eigener Sache

Immer wieder werden wir gefragt, ob die Arbeit des Deutschen Hanf Verbandes auch außerhalb der Hanfszene wahrgenommen wird. Dass dem so ist und dass die “Nachfrage” nach DHV-Informationen und -Gesprächspartnern kontinuierlich steigt, können Interessierte nun in einem neuen Bereich der DHV-Webseite erfahren.

Seit kurzem gibt es ein umfangreiches Presse- und Medienecho, in dem Sie eine Reihe von Artikeln finden, in denen der DHV eine Rolle spielt. Ergänzt wird das stetig wachsende Angebot durch Fernsehauftritte und Radiointerviews der DHV-Mitarbeiter, die Sie nicht nur sehen und hören, sondern auch im Transscript lesen können.

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7. Termine


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