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DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 12.12.2008

DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 12.12.2008

Newsletter vom 12.12.2008


Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes – Ausgabe Dezember 2008

  1. Geschenktipp Rauschzeichen
  2. Drogenkonsum in Deutschland und Europa – Jedem seine Statistik oder Suchpolitik als Elfmeterschießen
  3. Schweiz: Legalisierungsinitiative gescheitert
  4. Niederlande: Diskussion um Coffeeshops
  5. Keine Strafe für Cannabis am Brandenburger Tor
  6. Weihnachtsspenden für den DHV
  7. Termine

1. Geschenktipp Rauschzeichen

Das Weihnachtsfest steht kurz bevor und manch einer wird wohl langsam ins Schwitzen kommen, weil noch immer Geschenke fehlen. Allen Hanfinteressierten und jenen, die wollen, dass andere es werden, empfehlen wir das Buch “Rauschzeichen – Cannabis: Alles, was man wissen muss” für den Gabentisch.

Das im Mai 2008 im Kiwi-Verlag erschienene Taschenbuch informiert auf gut 200 Seiten über die uralte Kulturpflanze Hanf, ihre Geschichte und ihre Nutzung als Rohstoff, Medizin und Genussmittel. Ein eigenes Kapitel beschreibt den Cannabiskonsum von Jugendlichen und versucht, Eltern Hilfe beim Erkennen und Lösen von Drogenproblemen zu sein.
Ein Überblick über die gesellschaftliche Diskussion über das Cannabisverbot sowie ein Ausblick auf die Chancen und Grenzen eines legalen Hanfmarkts runden Rauschzeichen ab.

Die Kritiker sind sich einig – ein Buch wie Rauschzeichen war längst überfällig. Es informiert umfassend und verständlich über nahezu alle Aspekte der Pflanze Cannabis und bleibt selbst dort, wo die Autoren sich offen zur Legalisierung bekennen, stets objektiv.

“Ein kompaktes Buch mit allem, was man über Cannabis wissen sollte.” Die Welt

“Jeder Kiffer oder jeder, der was über Kiffkultur erfahren möchte, sollte dieses Buch kaufen.” Big Up! Magazin

“Die Autoren haben nicht die Absicht uns den Joint schmackhaft zu machen. Sie wollen vielmehr unsere Drogenmündigkeit fördern. Das Buch ist Aufklärung im Sinne des Wortes.
Grund genug, dieses kenntnisreiche und kurzweilige Buch zu lesen. Besonders empfehlenswert für Eltern, die sich sorgen, weil ihr pubertierender Nachwuchs noch von der Wasserpfeife auf der letzten Party schwärmt.” Susanne Mack, Deutschlandradio

“Es gelingt den Autoren, dem internationalen Forschungsstand angemessen, abgewogen und leicht verstehbar “Alles was man über Cannabis wissen muss” darzustellen. Man möchte deshalb dieses Taschenbuch besorgten Eltern, Lehrern und allen denjenigen, die sich einmal in einer anderen, weniger dramatisierenden Weise über Cannabis informieren wollen, mit gutem Gewissen wärmsten ans Herz legen.” Prof. Quensel

“Das Buch sensibilisiert den Leser bezüglich Hanf und klärt über die verschiedenen Aspekte der Pflanze sorgfältig auf. Dabei haben es die Autoren nicht nötig alte Keulen und Phrasen auszupacken, sondern berichtet stets objektiv über die Sachlage.” Markus S.

“Insgesamt eine sehr informative und kurzweilige Lektüre über Wirkung und Nebenwirkung von Cannabis, über historische, soziale und politische Aspekte der Pflanze, über jugendliche Konsumenten und deren Eltern und über Sinn und Unsinn eines Cannabisverbots.” Gally

“Rauschzeichen – Cannabis: Alles, was man wissen muss” kostet nur 7,95 Euro und ist deshalb auch für jene erschwinglich, die bereits ein Geschenk für Eltern, Verwandte oder Freunde gefunden haben. Rauschzeichen gibt es im gut sortierten Buchhandel, in Head- und Growshops oder z.B. bei Amazon.

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2. Drogenkonsum in Deutschland und Europa – Jedem seine Statistik oder Suchpolitik als Elfmeterschießen

Anfang November veröffentlichte die europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) den “Jahresbericht 2008 zum Stand der Drogenproblematik in Europa”. Parallel dazu publizierten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing den Kurzbericht der Studie “Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2008”.

Immer wenn solche Ereignisse anstehen, greifen sich viele Tageszeitungen einen einzigen Fakt aus der Datenflut heraus und reduzieren die Drogenstatistik auf ein “Weniger Kiffer” oder “Alcopops immer beliebter”.
Vielfach kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Journalisten lediglich die Presseerklärung der Drogenbeauftragten gelesen haben, jedoch keine Zeit bzw. Lust hatten, einen Blick in die Originalstatistik zu werfen.

In diesem Jahr bestimmte die Zunahme des Konsums von Kokain die Schlagzeilen über den EU-Drogenbericht. Mindestens 12 Millionen Europäer haben die Droge (mindestens ein Mal) konsumiert. Vielfach wurde im selben Atemzug über einen vermeintlichen Rückgang des Konsums von Cannabis berichtet. Dabei findet sich der so gar nicht im Bericht der EMCDDA.

“Möglicherweise tritt Europa nun in eine neue Phase ein, da die Daten auf eine Stabilisierung oder sogar einen Rückgang des Cannabiskonsums hindeuten. Die Konsumraten bewegen sich jedoch noch immer auf historisch hohem Niveau,…

Nach vorsichtigen Schätzungen haben mehr als 70 Millionen Europäer mindestens einmal (Lebenszeitprävalenz) Cannabis konsumiert, das entspricht über einem Fünftel der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Jahresbericht Drogen 2008 der EMCDDA (S. 41f.)

Die Frankfurter Rundschau machte daraus ein “Interesse an Hasch sinkt” und lag damit bedauerlicherweise voll im Trend.

Zwei Wochen später konnte Sabine Bätzing einen “echten” Rückgang des Cannabiskonsums verkünden und tat dies entsprechend “deutlich vernehmbar”.

Nach vielen Jahren des Anstiegs ist der Cannabiskonsum zwischen 2004 und 2008 rückläufig. Gaben im Jahr 2004 31 Prozent der 12- bis 25-Jährigen an, schon einmal im Leben Cannabis konsumiert zu haben, sind es 2008 noch 28 Prozent. Bei den 12- bis 17- Jährigen ging im gleichen Zeitraum der Anteil von 15 Prozent auf knapp 10 Prozent zurück. Der Anteil junger Menschen mit regelmäßigem Cannabiskonsum liegt bei 1,1 Prozent der Minderjährigen und 2,3 Prozent der 12- bis 25-Jährigen. Presseerklärung der Bundesdrogenbeauftragten vom 14.11.2008

Damit versuchte Sabine Bätzing nichts anderes, als das Augenmerk der Journalisten auf die wenigen “Erfolge” ihrer Politik zu lenken. Den Anstieg der Zahl der Drogentoten oder das bestehende Ungleichgewicht der Mittel für Prävention und Repression wollte sie verständlicherweise nicht in den Schlagzeilen wiederfinden.

Stattdessen klopfte sie sich selbst auf die Schulter.

Die Zahlen zeigen, dass wir unsere Ziele beim Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum im Wesentlichen erreicht haben. Presseerklärung der Bundesdrogenbeauftragten vom 14.11.2008

Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch schnell, dass die mit viel Tamtam erreichten Ziele weniger Ergebnis politischer Einflussnahme als vielmehr die Fortsetzung eines von der Politik weitgehend unbeeinflussten Trends sind.

Ein Beispiel

Das Arbeitsprogramm des Drogen- und Suchtrats vom 6. März 2006 forderte unter anderem, den Anteil der regelmäßigen Cannabiskonsumenten in der Altersgruppe der 12- bis 25-Jährigen bis 2008 auf unter 3 Prozent zu senken.

Wer in die entsprechende Statistik blickt, stellt fest, dass ebenjener Anteil in den Jahren 1997-2004 bereits von 4,1 Prozent auf 3,1 Prozent gesunken war. Rein zufällig wurde dieser Wert im Jahr der Verkündung des Arbeitsprogramms nicht erhoben, um dann zwei Jahre später verkünden zu können, dass er auf 2,3 Prozent gesunken sei.

Der Drogen- und Suchtrat muss sich den Vorwurf gefallen lassen, ein Ziel gewählt zu haben, dass wahrscheinlich auch ohne das Arbeitsprogramm zustande gekommen wäre. Einen signifikanten Effekt der Maßnahmen kann man den nackten Zahlen schwerlich entnehmen.

Dazu kommt, dass Wissenschaftler grundsätzliche Zweifel am Einfluss der Politik auf Konsumentenzahlen haben. So z.B. Prof. Dr. Bernd Dollinger (Otto-Friedrich-Universität Bamberg):

Entgegen der zahlreichen Auseinandersetzungen um die staatliche Drogenpolitik will ich vorausschicken, dass staatliches Handeln bei weitem nicht die wichtigste Kontextvariable von Drogenkonsum repräsentiert. Erst die Dosis macht das Gift: Staatliches Handeln zwischen Laissez faire und Kontrolle

Vieles deutet darauf hin, dass es dem Suchtrat und der Drogenbeauftragten zur Freude der Medien lediglich gelungen ist, zu vermeiden, einen 10 Jahre andauernden Trend zu behindern.

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3. Schweiz: Legalisierungsinitiative gescheitert

Die Schweizer haben ein deutliches NEIN zur Volksinitiative “Für eine vernünftige Hanf-Politik mit wirksamem Jugendschutz” gesagt. Knapp zwei Drittel (63,2 Prozent) der Wähler lehnten die weitgehende Legalisierung des Konsums sowie des Besitzes und Anbaus von Cannabis für den Eigenbedarf ab. Mit JA stimmten lediglich 35 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 46,1 Prozent größer als erwartet.

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4. Niederlande: Diskussion um Coffeeshops

Die Niederlande gelten als das europäische Land mit der liberalsten Drogenpolitik. Dabei ist die Zukunft der Coffeeshops genannten Cannabisabgabestellen noch lange nicht gesichert. Zwar existieren noch 702 Coffeeshops in 106 Gemeinden, aber viele Städte tun (fast) alles, um ihre Shops los zu werden. So wird die Stadt Rotterdam zum Jahreswechsel 27 von 62 Shops dichtmachen. Kerkrades Bürgermeister Jos Son fordert gar ein landesweites Verbot.

Andere Städte werden durch neue Vorgaben der Regierung zur Schließung von Coffeeshops gezwungen. So kündigte der Bürgermeister der “Welthauptstadt des Kiffens” Amsterdam an, weitere 43 Coffeeshops zu schließen, weil sie zu dicht an Schulen und Jugendeinrichtungen liegen.

Doch auch der Widerstand gegen eine Abkehr von der liberalen Drogenpolitik wächst. Bei einem Treffen der Bürgermeister der Städte mit Coffeeshops sprach sich die Mehrheit (54 von 94) sogar für eine “uneingeschränkte Legalisierung weicher Drogen” aus. Sie sehen die größte Schwäche des Coffeeshop-Modells darin, dass der Verkauf von weichen Drogen in der Öffentlichkeit toleriert ist, der Transport und auch der Cannabisanbau jedoch verboten ist.

Die Städte Eindhoven und Tilburg wollen nun zumindest offensiv nach einer Lösung des Anbauproblems suchen. Dazu wollen sie das Marihuana für die Coffeeshops der Stadt in einem Modellversuch selbst anbauen. Ob der “Feldversuch” zustande kommt und was die Shopbetreiber zum städtischen Gras sagen, ist noch unklar.

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5. Keine Strafe für Cannabis am Brandenburger Tor

Im November ging vor dem Amtsgericht Tiergarten (Berlin) ein Prozess zu Ende, der vor mehr als zwei Jahren auf der Hanfparade 2006 seinen Anfang nahm. Damals hatten die Veranstalter die Abschlusskundgebung der traditionsreichen Legalisierungsdemonstration mit rund 10.000 Nutzhanfpflanzen in ein öffentliches Hanffeld verwandelt.

Es gelang dem damaligen Versammlungsleiter und heutigen DHV-Mitarbeiter Steffen Geyer nun, das Gericht davon überzeugen, dass die öffentliche Zurschaustellung von Nutzhanf keine Verurteilung wegen illegalen Anbaus von Cannabis rechtfertigt. Das Verfahren wurde daraufhin ohne Auflagen eingestellt.

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  • Meldung vom 10.11.2008 “Cannabisanbau am Brandenburger Tor bleibt straffrei!”

6. Weihnachtsspenden für den DHV

Der Deutsche Hanf Verband hat seine traditionelle Spendenaktion zum Jahreswechsel gestartet und hat bereits 430,- Euro erhalten. Wir danken allen Spendern für ihre Unterstützung!

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7. Termine

  • 27.02.- 01.03.2009 Barcelona (Spanien) Spannabis, internationale Hanffachmesse – www.spannabis.com
  • 11.03.- 15.03.2009 Wien Österreich) Vienna 2009, Kongress und Demonstration anlässlich des UN-Drogenmeetings – vienna09.org
  • 01.05.- 03.05.2009 Bern (Schweiz) – Cannatrade, internationale Hanffachmesse – www.cannatrade.ch

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