EMNID-Umfrage "Cannabis 2010" - Alter und Parteipräferenz

  • Veröffentlicht am: 30. Juli 2010 - 19:33
  • Von: Georg Wurth

Weitere Einzelheiten zur EMNID-Umfrage "Cannabis 2010":

Das wichtigste Ergebnis der EMNID-Umfrage, die der Deutsche Hanf Verband mit Partnern durchgeführt hat, habe ich ja heute schon in einer Pressemitteilung kundgetan: Nur 40 Prozent der Befragten sprachen sich für die derzeitige harte Cannabispolitik in Deutschland aus. 54 Prozent sind für einen liberaleren Umgang mit Haschisch und Marihuana, sei es nun eine weitergehende Entkriminalisierung der Konsumenten oder eine vollständige Legalisierung. (Das sind ähnliche Werte wie bei der letzten derartigen Umfrage 2002. Die Politik regiert also schon seit fast einem Jahrzehnt am Volk vorbei.)

Interessant sind aber auch die Daten im Einzelnen, insbesondere was das Alter und die Parteipräferenz der Befragten angeht.

Bei früheren Befragungen gab es einen klaren linearen Zusammenhang zwischen dem Alter der Befragten und der Zustimmung zu Legalisierung und Entkriminalisierung. Je jünger die Leute waren, desto eher waren sie für einen entspannten Umgang mit Cannabis. Bis hin zu den älteren Semestern fiel die Zustimmung steil ab und war bei Rentnern nur noch sehr gering. Diesen Zusammenhang gibt es so nicht mehr:

EMNID-Ergebnisse

Am wenigsten einverstanden mit den harten Cannabisgesetzen und -verordnungen waren jetzt die 30 - 39 jährigen (27 %). Die größte Zustimmung zu einer vollständigen Legalisierung war bei den 50 - 59 jährigen gegeben (26 %). Und sogar die über 60 Jahre alten Befragten waren liberaler gesinnt als die sehr unentschiedene Gruppe der 14 - 29 jährigen. Unter Schülern wollten 44 % die Rechtslage beibehalten und nur 7 % eine vollständige Legalisierung, während sich Großeltern scheinbar Sorgen machen um die Strafverfolgung ihrer Enkel wegen ein paar Hanfblüten.

Überraschende Ergebnisse brachte auch die Frage, welche Partei die Befragten wählen würden:

EMNID-Ergebnisse

Zu erwarten war, dass die CDU-Anhänger die repressive Drogenpolitik noch am ehesten toll finden. Aber selbst bei ihnen gab es dafür keine absolute Mehrheit (48 %). Aber mit der FDP ging die Überraschung schon los: Ihre Anhänger fanden die derzeitige harte Cannabispolitik am schlechtesten und stimmten nur zu 22 % zu, deutlich weniger als Grüne (25 %) und Linke (31 %). Zumindest die Wähler der FDP scheinen also noch echte Liberale zu sein, während sich ihre Partei regelmäßig tot stellt, wenn es um Cannabispolitik geht. die FDP landet bei den DHV-Wahlanalysen regelmäßig hinter Grünen und Linken. Letztere scheinen sich als die Partei der Hanffreunde zu etablieren, die Anhänger der Linken stimmten - abgesehen von den sonstigen Parteien - einer vollständigen Legalisierung mit 23 % am ehesten zu. Deutlich mehr als bei den anderen Parteien wollten sie auch eine konsequente Entkriminalisierung der Konsumenten, inclusive des Anbaus von Hanf zum Eigenkonsum (17 %).

Die Meinungen der Wähler der verschiedenen Parteien gehen längst nicht so weit auseinander, wie es deren Cannabispolitik vermuten lässt. Sogar bei der hardcore-repressiven CDU sind die Wähler tief gespalten: 48 % für und 46 % gegen die derzeitige "harte Hand". Zeit für ernsthafte Diskussionen bei den Konservativen, ebenso wie bei FDP und SPD, sie betreiben ihre Cannabispolitik offenbar völlig am Willen ihrer Wähler vorbei.

Bei der Umfrage wurden noch mehr interessante Fragen gestellt, nämlich zum Konsumverhalten und zur Frage, für wie gefährlich Cannabis im Vergleich zu Alkohol eingeschätzt wird. Auf diese Ergebnisse wird demnächst das Drogenforschungsinstitut INEIDFO eingehen, mit dem wir die Umfrage zusammen durchgeführt haben.


Zum Schluss noch ein Dankeschön an die Sponsoren, die den DHV bei der Finanzierung der Umfrage unterstützt haben: Jelly Joker, Chill House, Grow Bonn, Patrick Daniel, Thomas Weber und andere.

 


 

Mehr zum Thema:

Laut EMNID-Umfrage ist die Mehrheit der Deutschen für ein liberaleres Cannabisrecht
Pressemitteilung des DHV vom 30.07.10

EMNID-Umfrage: Auch in Bayern ist die Mehrheit für ein liberaleres Cannabisrecht
DHV-Cannabis-Blog, 07.10.2010


Schluss mit Krimi. Cannabis normal.
Eine Kampagne des Deutschen Hanf Verbandes

DHV-Anzeige: Schluss mit Krimi. Cannabis normal.

Kommentare

> "die Anhänger der Linken stimmten einer vollständigen Legalisierung mit 36 % am ehesten zu."Schaut nochmal auf die Tabelle: 36 prozent steht bei den Sonstigen.

Erfahren die "Mächtigen" (also alle Parteien) von dieser Umfrage?

[quote name="harvest420"]Erfahren die "Mächtigen" (also alle Parteien) von dieser Umfrage?[/quote]Gute Frage. Ich hatte auf mehr Medienresonanz gehofft, vielleicht kommt da noch was. Ich habe aber vor, allen Bundestagsabgeordneten noch einen entsprechenden Brief zu schicken - abgestimmt auf ihre jeweilige Partei.

Finde es immer wieder lustig, wie Menschen gänzlich ohne Cannabiserfahrung meinen, eine Meinung haben zu müssen. Eine Entscheidung diesbezüglich sollte endlich auf wissenschaftlichen Fakten und nicht auf Populismus beruhen. Das holländische Modell mit seiner De-facto-Legalisierung wäre zumindest ein Schritt in die Richtung zu einer evidenzbasierten Neuausrichtung der Drogenpolitik.

Danke und Respekt für dieses große Engegment in einer Sache in der wohl schon viele Menschen resegniert festellen mussten das es selbst bei größtmöglichem Aufwand schier aussichtslos erscheint etwas zu erreichen weil da mehr Interessen als die im Volk vertretende Meinung hinterstehen. In diesem Sinne Good Vibes :-)

ich finde es schade, dass man in einem sozialstaat immer noch keine volks entscheide gib.bei denen man unabhängig von partei oder wahlpaket abstimmen kann. denn meine meinung ist das eine hand voll menschen niemals für 82.000.000 leute das richtige entscheiden können. was ist denn das richtige? jeder sollte für sich entscheiden können, geh ich ins kino,kaffee trinken, in eine bar gehen und bis zur bewusslosigkeit saufe oder ob ich ganja rauche. fakt ist die können entseiden was sie wollen und das recht nehme ich mir auch raus.ich werde weiter rauchen.denn das recht der freien geistesentfaltung ist auslegungssache. ich habe auf meinen führerschein verzichtet,ich habe meinem land 4 jahre gedient inkl. afghanistan. doch die regierung scheist drauf indem sie mich und tausenden deutschen mitrauchern den rücken kehren und so bekommen sie es von mir wieder. macht wie ihr es wollt ohne auf entscheidungen zu warten.trefft sie selbst sonst wartet ihr ein leben lang. ich zünde meinen spliff und wünsche peace 1985 mofu

[quote name="1985-mofu"]ich finde es schade, dass man in einem sozialstaat immer noch keine volks entscheide gib.bei denen man unabhängig von partei oder wahlpaket abstimmen kann. denn meine meinung ist das eine hand voll menschen niemals für 82.000.000 leute das richtige entscheiden können. [/quote]Das ist ein entscheidender Punkt, wie jetzt auch das Petitionsverfahren zeigt. Ich habe damit die einzige Möglichkeit gewählt, wie sich Bürger offiziell/formal an politischen Diskussionen beteiligen können. Aber selbst wenn man die hohen Hürden des der Mitzeichnungsrelgen schafft, kann man nur erzwingen, dass mal drüber geredet wird. Mitbestimmungsrechte auf Bundesebene, die über die Wahlen alle 4 Jahre hinausgehen, gibt es faktisch nicht. Bei einer Volkabtimmung hätten wir dagegen gute Chancen, zumindest erste Schritte Richtung Legalisierung durchzusetzen. Deshalb - und weil ich ganz allgemein für mehr Demokratie bin - bin ich /bzw. der DHV) Mitglied beim Mehr Demokratie e.V.:http://www.mehr-demokratie.de/Dieser Verein setzt sich seit Jahren und zunehmend erfolgreich für Volksabtimmungen etc ein.

@1985-mofuVielen Dank für das nette feedback!Hier mal wieder der Hinweis: Die Arbeit des DHV ist nur durch die finanzielle Unterstützung derjenigen möglich, die unsere Arbeit für förderungswürdig halten. Die Zahl der regelmäßigen privaten DHV-Unterstützer liegt zur Zeit bei knapp 300. Es werden immer mehr, aber das ist auch nötig, damit der DHV wirklich schlagkräftig wird:http://hanfverband.de/index.php/aktiv-werden/privatsponsor-werdenUnd neben Geld braucht die Sache auch aktive Unterstützer. Geht auf die Hanfdemos in diesem Jahr und schaut euch hier unsere Vorschläge an..:http://hanfverband.de/index.php/faq-uebersicht/legalisierung-von-cannabis

Hallo Georg !Auch ich erhalte regelmäßig Mails von mehr Demokratie e.V., konnte mich aber bis heute nicht dazu durchringen diesem Verein beizutreten.Der Grund ist ganz klar: Wäre heute eine Volksabstimmung über die Todesstrafe, würden über 70% sie einführen.Ich habe nicht viel Vertrauen in die Intelligenz des deutschen Volkes, und nichts ist leichter manipulierbar, als die Meinung der Bidzeitung - gebildeten Masse.Ich sehe einen guten Weg z.B. durch die regelmäßige Erhebung von Daten (durch einfaches befragen offizieller Vertreter von Konzernen usw., wer sich einer Antwort verweigert, wird automatisch negativ eingestuft) und Veröffentlichung dieser in Listen von Produktherstellern, die Cannabisfreundlich- oder feindlich sind.Eine schwarze Liste veröffentlicht unter dem Motto kauft nicht bei Kifferhassern oder etwas milder, kauft nur bei Legalisierungsbefürwortern, würde viel mehr bringen, wie z.B. Umfragen, denn das würde sie treffen, da wo es wirklich weh tut, nämlich am Geldbeutel. Eine solche Aktion würde ein weiteres Feld des Kampfes eröffnen, auf welchem wir trotz erheblicher Kaufkraft überhaupt nichts zu melden haben. Wir könnten einen außerparlamentarischen Druck ausüben welcher sicher auch geeignet wäre, unser Anliegen mal in den Massenmedien eine Chance zu geben. Da würde sicher so manchem Lobbyisten der Arsch auf Grundeis gehen, der jetzt noch ganz offen seine Agitation hinter den Kulissen gegen uns treiben kann. Sie würde einen Keil in die bis jetzt noch geschlossene Front der Wirtschaftsverbände, treiben, da sich sehr schnell Zweige finden würden, die einen Weg sehen würden ihrer Konkurrenz eins auszuwischen, und neue Kunden zu gewinnen, und schon hätten wir eine Lobby, denn wir repräsentieren 5% der deutschen Kaufkraft, oder mehr. Viele Grüße Ralf

@Ralf: Interessante Idee. Ich schätze allerdings, dass sich die wenigsten Firmen überhaupt zu einem solchen politischen Thema äußern wollen würden, mit dem sie im Prinzip nichts zu tun haben...

[quote name="1985-mofu"]ich finde es schade, dass man in einem sozialstaat immer noch keine volks entscheide gib.bei denen man unabhängig von partei oder wahlpaket abstimmen kann. denn meine meinung ist das eine hand voll menschen niemals für 82.000.000 leute das richtige entscheiden können. was ist denn das richtige? jeder sollte für sich entscheiden können, geh ich ins kino,kaffee trinken, in eine bar gehen und bis zur bewusslosigkeit saufe oder ob ich ganja rauche. fakt ist die können entseiden was sie wollen und das recht nehme ich mir auch raus.ich werde weiter rauchen.denn das recht der freien geistesentfaltung ist auslegungssache. ich habe auf meinen führerschein verzichtet,ich habe meinem land 4 jahre gedient inkl. afghanistan. doch die regierung scheist drauf indem sie mich und tausenden deutschen mitrauchern den rücken kehren und so bekommen sie es von mir wieder. macht wie ihr es wollt ohne auf entscheidungen zu warten.trefft sie selbst sonst wartet ihr ein leben lang. ich zünde meinen spliff und wünsche peace 1985 mofu[/quote]Mein Beileid für alle die sich in Afghanistan von unseren Anticannabisfanatikern als Kanonenfutter mißbrauchen lassen.Mein Aufruf ist folgender: desertiert!!! Lasst diese Politikerpisser welche da sind alle von der CDU FDP aber auch SPD und Fischer und alle seine Anhänger bei den Grünen selbst morden.Das einzig gute an Afghanistan ist, das sie als geisteskranke potenzielle Mörder hinfahren und als geistig gesunde Kiffer wieder zurückkommen. Gruß Ralf

Moin,interessante Daten habt ihr da udn teils so wie gewohnt: CDU systemlemminge mit größter verblendung. Sind diese Daten auch so vetrauensvoll und seriös, um in wiss. arbeiten verwendung zu finden?

[quote name="PRO hanf shops"]Sind diese Daten auch so vetrauensvoll und seriös, um in wiss. arbeiten verwendung zu finden?[/quote]Es war zumindest eine repräsentative Umfrage mit 1001 Teilnehmern. Wir haben mit EMNID bewusst ein Meinungsforschungsinstitut gewählt, das in der Lage sein sollte, seriöse Daten zu liefern.

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