Trotz voller Bedrocan-Lager: Für deutsche Cannabis-Patienten reicht es nicht

  • Veröffentlicht am: 10. Februar 2016 - 13:14
  • Von: Michael Knodt

Kürzlich mussten wir über erneute Lieferausfälle von Medizinal-Hanfblüten berichten, da seit Januar bei vier von fünf Sorten wieder erhebliche Engpässe herrschen. Anlass genug, der Sache genauer auf den Grund zu gehen. Die erste Anfrage bei Bedrocan ergab, dass die Firma derzeit alle fünf Sorten bevorratet und letzte Woche noch gar nicht wusste, dass es für deutsche Patienten derzeit eng ist. Der neue Lieferant Pedanios antworte sehr schnell und ausführlich auf die Anfrage, kannte den Grund der Lieferengpässe allerdings auch nicht im Detail.

"Durch den erstmaligen Import von Medizincannabisblüten im Dezember 2015 war Verfügbarkeit von Cannabisblüten durch die Pedanios GmbH gegeben. Diese Verfügbarkeit reduzierte sich ab dem 21. Januar nach und nach über die einzelnen Sorten. Heute [Anm.: am 4.2.2016] haben wir die letzte Einheit Bediol an ein Apotheke in Baden-Württemberg abgegeben. Insofern kann ich die Aussage, dass im Januar eine generelle Unterversorgung mit Medizincannabis in Deutschland bestand, inhaltlich nicht teilen. Jedoch teile ich die Aussage, dass nicht zu jedem Zeitpunkt alle Sorten durch die Pedanios GmbH vorgehalten werden konnten und tagesaktuell kein Medizincannabis durch die Pedanios GmbH an Apotheken geliefert werden kann. [...]. Die Pedanios GmbH hat kein direktes Vertragsverhältnis zur Firma Bedrocan B.V. in den Niederlanden, sondern bezieht die Arzneimittel vom Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC), einem Substitut des niederländischen Gesundheitsministeriums. Dort werden alle Anträge seitens ausländischer Arzneimittelgroßhändler für den Export z.B. nach Deutschland. Das BMC versendet auch physisch die Arzneimittel nach Deutschland. Voraussetzung hierfür ist eine gültige Einfuhrerlaubnis durch die Bundesopiumstelle,"  hieß es auf Anfrage seitens der Firma.

Der andere Lieferant von Bedrocan, Arzmittelgroßhändler Fagron, antworte bislang gar nicht. Blieb also nur das Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC) in den Niederlanden, das dem dortigen Gesundheitsministerium unterstellt ist. Das hat in seiner heutigen Antwort klar gestellt, weshalb deutsche Patienten wohl auch zukünftig mit Lieferschwierigkeiten zu rechnen haben:

" [...]. Im Laufe der Jahre ist die Anzahl von Patienten in den Niederlanden und im Ausland langsam angestiegen. Eine erhöhte Nachfrage seit 2013 hat zum Aufbau einer zweiten Anbaulokalität durch die vom BMC beauftragten Produzenten geführt. Diese zweite Produktionsstätte öffnete ungefähr vor einem Jahr und konnte zur Verdreifachung der Produktion führen. Allerdings war es nicht möglich, den gewachsenen Bedarf vollumfänglich zu decken. Ein Anbauzyklus dauert ungefähr vier Monate, danach folgen die Analyse und der Verpackungsprozess. Derzeit ist genug Cannabis auf Lager, um den niederländischen sowie den Bedarf der meisten anderen Länder zu decken. Wir haben im vergangenen Jahr schon viel mehr nach Deutschland exportiert, aber wie Sie wissen, hat sich die Situation in Deutschland verändert und die Zahl der Patienten steigt schnell an. Die deutschen Behörden und der Anbieter Fagron stehen in engem Kontakt [mit uns], um über Lösungen zu reden. Für weiterreichende Informationen zu diesem Thema rate ich Ihnen, Ihre eigenen Behörden zu zu kontaktieren, da diese sich bezüglich der Import-Mengen und der aktuellen Entwicklung in Deutschland besser auskennen," antwortete die Rechtsabteilung des BMC.

Da sich viele Inhaber einer Ausnahmegenehmigung aufgrund fehlender Kostenerstattung die benötigte Dosis ohnehin nicht leisten können, ist der derzeit offiziell festgestellte Bedarf wahrscheinlich sowieso nur ein Bruchteil dessen, was allein die rund 500 registrierten Patienten wirklich benötigen. Wenn es jetzt schon nicht reicht, werden die Probleme im Falle des Wegfalls der Ausnahmegenehmigungen und der angekündigten Kostenerstattung für Bestandspatienten noch größer. Sollte sich die Lage nicht innerhalb kurzer Zeit im Form einer Übergangslösung ändern, stehen den anerkannten Cannabis-Patienten noch schwierigere Zeiten bevor als ohnehin schon. So lange, bis eine noch zu gründende Cannabis-Agentur vielleicht irgendwann einmal in Deutschland eine eigene Produktion für die Patienten ermöglicht.

Kommentare

Wer als Patient - gefangen in der § 3 BtMG-Falle - inständig gehofft hatte, es werde sich auf politischem Wege 2016 (endlich) etwas dauerhaft zum Positiven ändern beim Thema Cannabis-Medizin, hat seinen Timer vermutlich um fünf bis sieben Jahre zu früh gestellt.

Bleibt die vage Aussicht, dass das Bundesverwaltungsgericht angesichts der wenig hoffnungschwangeren Entwicklung zumindest in der Causa Fischer dem Begehr des Klägers vollumfänglich Recht gibt und ihm Eigenanbau als Notwehrmaßnahme wegen "Staatsversagen" ermöglicht.

Termin der mündlichen Verhandlung:
Mittwoch, 6. April 2016, 11 Uhr
Bundesverwaltungsgericht, Dienstgebäude Leipzig

Und so wird ein zeitweiliges Drama zu unendlichen Geschichte!

Jedem sollte klar sein, daß die Formung der Cannabis Agentur in Deutschland noch Jahre dauern wird, sowie die in Betriebnahme der National organisierten Anbaufirmen.

So kann es vorkommen, daß durch die vereinfachte verschreibung weit mehr Patienten leiden werden als derzeit!

Einzig effektive gegenmaßnahme wäre die erlaubnis zum eigenanbau!

Dies geht aber nur für einen teil der Patienten!

Ist ab heute wieder verfügbar (alle Sorten) habe per Express bestellt 8 Euro extra aber es ist heute angekommen.

Hallo,

wie gesagt, grundsätzlich ist was da, aber das BMC kann nicht alle Bestellungen der Großhändler annehmen derzeit. Meine Apotheke kann frühestens am 28.2 liefern, obwohl vor einer Woche bei Fagron schon bestellt. Kommt auch auf den Großhändler an wie es aussieht, Fagron hat sich ja leider nicht geäußert. Welchen Großhändler hat deine Apotheke? Vielleicht kann man noch rausfinden, wie die Prioritäten überhaupt gesetzt werden bei der Verteilung. ich weiß von mindestens 10 Fällen, denen es geht wie mir. 4 Wochen keine Versorgung.

 

Update 14:32: Eben ruft meine Apotheke an, Bedrocan ist wieder lieferbar........Das verstehe wer will, aber auch eine woche wartezeit ist zu lang..

@Micha, frag noch mal in der Apotheke nach, mir wurde vor 2 Wochen schon von der Apotheke gesagt das einer der Lieferanten ab 10.02.2016 wieder liefern kann. 8 Euro extra und du hast es am nächsten Tag. Ich beziehe in Hessen. Großhändler ist glaube ich Pedanios GmbH soll auch etwas günstiger sein.

Verstehe auch nicht warum du eine Woche warten musst? Wenn ich angenommen Montag bestelle ist es meistens Mittwoch - Donnerstag dann in der Apotheke. Kommt entweder mit der Post oder Transoflex, als ganz normales Paket ohne zusätzliche Versicherung oder Eigenhändiger.
Ich verstehe das alles nicht, ich vermute es liegt an deiner Apotheke.
Was zahlst du???
Ich bin momentan noch der einzigste in der Apotheke, zahle aktuell 15 Euro pro Gramm, die Besitzerin hat mir aber gesagt wenn noch jemand dazu kommt wirds dann auch "günstiger".

Hi,

ne es liegt nicht an meiner Apo, weil ich weiß, dass es anderen auch so ging. Es liegt am BMC, die die Kontingentean die Großhändler verteilen bzw daran, dass es oft nicz reicht, bis die nächste Ernte kommt.

Ansonsten hätte die Rechtsabteilung nicht diese Antwort verfasst...und ich habe ja zudem noch mit einer  Mitarbeiterin auch direkt gesprochen.  Ich kann mir gut vorstellen, dass es vor der nächsten Ernte wieder knapp wird.....we ll see

 

Ich zahle 15 Euro pro Gramm und meine Apo bedient relativ viele Patienten und ist ziemlich "erfahren".

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