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Umfrage infratest dimap 2025/26: Weiterhin Mehrheit für CanG, aber Zustimmung für Fachgeschäfte stark gesunken

Die Zustimmung zum Verkauf von Cannabis in Fachgeschäften ist überraschend stark gesunken, von 59% auf 42%. Die im Konsumcannabisgesetz (KCanG) der Ampel-Regierung enthaltene Legalisierung des Besitzes geringer Mengen und des Eigenanbaus von bis zu drei Pflanzen wird aber weiterhin von einer Mehrheit der Befragten unterstützt (58% bzw. 54%).

Seit 2014 gibt der DHV jedes Jahr bei infratest dimap eine Umfrage in Auftrag, um die Meinung der Deutschen zu einer echten Legalisierung von Cannabis mit Verkauf in Fachgeschäften herauszufinden. In Absprache mit dem Umfrageinstitut ist die Frage neutral formuliert und seit 2014 im Wesentlichen gleichlautend:

In Kanada und vielen US-Bundesstaaten können volljährige Personen Cannabis legal in Fachgeschäften erwerben. Stimmen Sie folgender Aussage hierzu eher zu oder eher nicht zu? „Cannabis sollte in Deutschland für Volljährige legal und reguliert erhältlich sein, zum Beispiel über Fachgeschäfte wie in Kanada oder den USA.“

Die Ergebnisse von infratest dimap zeigen einen allgemeinen Aufwärtstrend, aber auch erhebliche Schwankungen:


Jedes Jahr fragen wir uns vor der Umfrage, wie sehr wohl die negative Berichterstattung in den Köpfen der Leute angekommen sein mag, die regelmäßig von den Gegnern der Legalisierung angefacht wird, zum Beispiel von Polizeigewerkschaften, der Bundesärztekammer oder von Vertretern von CDU und CSU. Die Umfrage vor einem Jahr, ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG), überraschte mit einem starken Anstieg der Zustimmung zum Verkauf von Cannabis in Fachgeschäften. Nachdem es legal war, Cannabis für den Eigenkonsum zu besitzen, schienen die Leute verstanden zu haben, dass die konsumierten Cannabisprodukte irgendwo herkommen müssen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, selbst anzubauen. Die Zustimmung zu Fachgeschäften wuchs in diesem Jahr um 12 Prozentpunkte von 47% auf 59%, Ein Jahr später ist die Zustimmung zum Verkauf von Cannabis in Fachgeschäften allerdings wieder um ganze 17 Prozentpunkte von 59% auf 42% zurückgegangen:

infratest dimap fasst das Ergebnis so zusammen:

Die Zustimmung zu der Möglichkeit, Cannabis wie in den USA oder Kanada in Fachgeschäften beziehen zu können, ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Stimmte 2024 erstmals eine deutliche Mehrheit der Wahlberechtigten diesem Modell zu, sind es nunmehr nur noch vier von zehn (42 Prozent). Das ist der niedrigste Wert seit Oktober 2017.

Wie bereits in der Vergangenheit unterstützen vornehmlich jüngere Menschen die Abgabe von Cannabis in Fachgeschäften. Unter den Anhängern der Linken findet das Modell die größte Unterstützung, gefolgt von Anhängern der Grünen. Während das SPD-Lager eher gespalten ist, lehnen die Anhänger von AfD und Union die Abgabe von Cannabis in Fachgeschäften mehrheitlich ab.

Dieses Ergebnis liegt uns seit Anfang Dezember vor und ist ein herber Rückschlag in unseren Bemühungen, die Bevölkerung von der Sinnhaftigkeit der Regulierung des Cannabismarktes in Deutschland zu überzeugen. Dieses Ergebnis wollten wir aber nicht allein stehend in die laufende Debatte über mögliche Rückschritte beim CanG (KCanG & MedCanG) hineinwerfen. Schließlich hat das CanG gar nichts zu tun mit der Einführung von Cannabis-Fachgeschäften. Was Cannabis als Genussmittel angeht, hat das KCanG lediglich den Besitz kleiner Mengen zum Eigenverbrauch, den Anbau von bis zu drei Pflanzen zum Eigenverbrauch und den gemeinsamen Anbau in Anbauvereinigungen legalisiert. Ende 2024 hatten wir anlässlich des neuen Gesetzes auch danach gefragt, was die Leute vom legalen Besitz und Eigenanbau halten. Auch hier gab es eine klare Zustimmung, so dass wir diesmal zunächst nicht danach gefragt hatten. Nach dem schlechten Ergebnis zu den Fachgeschäften haben wir diesen Auftrag aber Anfang Januar nachgeholt, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Konkret lauteten die Fragen:

Seit 2024 ist in Deutschland der Besitz geringer Mengen von Hanf, auch bekannt als Cannabis oder Marihuana zum Eigenverbrauch erlaubt, ebenso der private Anbau von bis zu drei Hanfpflanzen zur Selbstversorgung. Wie sehen Sie das? Sollte in Deutschland der Besitz kleiner Mengen Cannabis wieder als Straftat verfolgt werden oder nicht?

Und sollte der private Anbau von bis zu drei Hanf-Pflanzen in Deutschland künftig wieder verboten werden oder nicht?

Der Rückgang von 1 bzw. 2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr ist statistisch kaum signifikant. Die Zusammenfassung von infratest dimap zu dieser Umfrage:

Der Besitz geringer Mengen von Cannabis zum Eigenkonsum ist in Deutschland seit April 2024 legal. Ebenso wie vor gut einem Jahr spricht sich eine Mehrheit dafür aus, die aktuelle Regelung beizubehalten. Vier von zehn fordern eine Rückkehr zu den alten Verbotsregelungen.

Auch an der Erlaubnis, bis zu drei Hanfpflanzen privat anzubauen, möchte eine Mehrheit der Wahlberechtigten weiterhin festhalten, auch wenn die Zustimmung hier etwas geringer ausfällt als für den legalen Konsum.

Wie gehabt findet die Entkriminalisierung den höchsten Zuspruch unter jungen Menschen und Personen mit formal hohem Bildungsabschluss, ebenso unter Anhängern von Grünen und Linken. Während die Anhänger der SPD mit leichter Mehrheit zu einer Beibehaltung der aktuellen Regelung tendieren, sprechen sich Anhänger von AfD und Union mehrheitlich dafür aus, wieder zu den alten Verbotsregelungen zurückzukehren.

Ein Frage zu den Anbauvereinigungen haben wir übrigens nicht gestellt. Davon abgesehen hat die Umfrage klar gezeigt, dass die Errungenschaften des KCanG weiterhin von einer Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland unterstützt werden. Was eine echte Legalisierung von Cannabis mit Verkauf in Fachgeschäften für Erwachsene angeht, geht der Kampf aber nicht nur in der Politik weiter, sondern auch um die öffentliche Meinung.

Hier findet ihr eine Übersicht über alle bisher vom DHV in Auftrag gegebenen Umfragen.

Und hier findet ihr die vollständigen Dateien von infratest dimap zu den in diesem Beitrag beschriebenen Umfragen:


Kommentare

2 Antworten zu „Umfrage infratest dimap 2025/26: Weiterhin Mehrheit für CanG, aber Zustimmung für Fachgeschäfte stark gesunken“

  1. Daniel Birk

    Der Rückgang der Zustimmung zu Cannabis-Fachgeschäften liegt aus meiner Sicht weniger an fehlender Akzeptanz für die Legalisierung als an einem einfachen Fakt: Das Apotheken-Cannabis funktioniert. Das Angebot ist gut, sicher und für viele völlig ausreichend – warum also noch extra Fachgeschäfte?
    Ein Blick nach Uruguay zeigt, dass es auch ohne solche Läden geht. Dort ist Cannabis seit 2013 legal und kann über Apotheken, Eigenanbau und Anbauvereine bezogen werden. Auch in Deutschland bekommt man inzwischen Cannabis über Apotheken und Online-Rezepte. Dazu kommt der große Vorteil: geprüfte Qualität und Kontrolle. Warum sollte man dieses gut funktionierende System wieder zurückdrehen?
    Wenn der Staat unbedingt „Missbrauch“ verhindern will, dann bitte soll er eben pragmatisch das Apotheken-Cannabis nur für registrierte Erwachsene freigeben, so wie in Uruguay. Eine einfache Lösung, die sich in Deutschland sofort umsetzen lässt – und weniger kompliziert ist als neue Ladenstrukturen aufzubauen, an denen offenbar immer weniger Leute Interesse haben.

  2. einSatiriker

    Die aktuelle Umfrage des Deutschen Hanfverbands zeigt einen deutlichen Rückgang der Zustimmung für den legalen Verkauf von Cannabis in Fachgeschäften – von 59 % im Vorjahr auf nur noch 42 % in der jüngsten Erhebung. Gleichzeitig unterstützen nach wie vor mehr als die Hälfte der Befragten die allgemeinen Legalisierungsaspekte wie Besitz geringerer Mengen und Eigenanbau. Dieses Auseinanderdriften ist bemerkenswert und verlangt eine kritische Einordnung.

    Es mag verlockend erscheinen, diesen Rückgang allein mit allgemeiner Skepsis in der Bevölkerung zu erklären. Doch ein Blick auf die politische Realität legt nahe, dass die öffentlichen Wahrnehmung und das Vertrauen in Fachgeschäfte nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern stark durch die laufenden politischen Debatten geprägt werden. Insbesondere der Gesetzentwurf von Gesundheitsministerin Warken, der Telemedizin-Verschreibungen und den Online-Versand von medizinischem Cannabis einschränken bzw. verbieten möchte, wirft ein Schlaglicht auf diese Dynamik.

    Gerade **Medizinal-Cannabis-Fachgeschäfte** und Online-Apotheken standen und stehen massiv unter politischer Kritik, werden in Gesetzesentwürfen regelrecht in die Ecke der „missbräuchlichen Nutzung“ gestellt und zum Teil faktisch rückabgewickelt. In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht so nicht nur Unsicherheit, sondern auch der Eindruck, dass selbst der medizinische Bereich, der eigentlich auf Vertrauen, Seriosität und Patientenwohl aufbaut, politisch angegriffen wird. Wie sollen Verbraucherinnen und Verbraucher Vertrauen in eine neue Form des regulierten Verkaufs fassen, wenn im gleichen Moment der medizinische Teil der Branche politisch in die Steinzeit der Direktsichtbarkeit zurückverbannt wird — als gelte für Cannabis: “Je mehr Kontrolle, desto weniger Vertrauen”?

    Wenn der Gesetzgeber im medizinischen Sektor Telemedizin-Rezepte abschafft und Online-Versand verbietet, dann klingt das in der Öffentlichkeit leicht nach „Nur für Kranke, aber bitteschön persönlich, bitte schön teuer – und vor allem: digital bitte nicht!“. Diese Mischung aus Regulierungshaltung und digitaler Angst erzeugt nicht nur administrative Barrieren, sondern wirkt auch wie ein offenes Misstrauensvotum gegenüber den Strukturen, in denen Fachgeschäfte als vertrauenswürdige Akteure hätten auftreten können.

    Vielleicht drückt sich in den Umfragewerten daher mehr aus als nur eine simple Meinung zum Ladenlokal an der Ecke: Ein Teil der Bevölkerung spiegelt damit auch ihre Frustration über eine uneinheitliche, politisch getriebene Debatte wider — eine Debatte, in der Fachgeschäfte nicht unbedingt als Teil einer modernen, verantwortungsvollen Regulierung erlebt werden, sondern eher als weiteres politisches Spielfeld. Und das wiederum ist ein Problem – nicht nur für die Branche, sondern für die Glaubwürdigkeit der gesamten Cannabis-Politik.

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