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Spice soll im Januar verboten werden

Die Drogenbeauftragte Bätzing hat gestern mit viel Medienecho verkündet, dass die Modedroge Spice noch im Januar verboten werden soll.

Dass die Kräutermischung nur eine Tarnung für den synthetisch hergestellten Wirkstoff JWH-018 ist, hatten wir ja schon in unserer DHV-Meldung vom 16.12. berichtet. Zu dem Zeitpunkt haben wir schon allen davon abgeraten, Spice zu konsumieren oder zu verkaufen, da es sich um ein betrügerisches Produkt mit ungewissen gesundheitlichen Auswirkungen handelt. Was wir da noch nicht wussten: JWH-018 steht im starken Verdacht, krebserregend zu sein, wie mir von mehreren Chemikern zugetragen wurde.

Das ist wohl auch für die Bundesregierung nun wohl Grund genug, Spice per Eilverordnung so schnell wie möglich zu verbieten. Nach § 1, Absatz 3 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) dürfte das auch ohne weitere formale Probleme schnell über die Bühne gehen, muss dann aber nach einem Jahr vom Bundesrat bestätigt werden. Nach der Logik des BtMG ist das konsequent und aus meiner Sicht weniger zu beanstanden als es das z.B. bei Zaubersalbei und anderen pflanzlichen Drogen war (s. dazu die DHV-Meldung vom 07.08.07), denn sowohl eine relativ große Verbreitung der Droge als auch eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Droge erheblich gesundheitsschädlich ist, sind gegeben. Auch dass eine Abhängigkeit möglich ist, hat praktischerweise ein “Suchtforscher” aus Dresden bestätigt. Damit sind die wesentlichen Kriterien für ein Verbot erfüllt.

Das grundsätzliche Problem wird dadurch aber nicht gelöst. In der DHV-Meldung zu Spice haben wir schon deutlich gemacht, dass die ausufernde Anwendung des BtMG bei allen möglichen pflanzlichen Genussmitteln überhaupt erst zu solchen Tarn-Produkten wie Spice führt. Außerdem ist Spice die Vorhut einer neuen Spezies von Drogen. Wir werden bald überschwemmt werden mit einer Vielzahl von Drogen aus Pharmalaboren, es gibt hunderte von chemischen Substanzen, die eine Rausch erzeugen und (noch) nicht verboten sind. Es zeichnet sich ein Kampf der Regierung gegen Windmühlen ab, denn nach heutiger Rechtslage müssen bei jedem Verbot zunächst die obigen Kriterien erfüllt sein. Unterdessen werden die Pharmafirmen den Markt höchst legal mit neuen “Lifestile”-Produkten überschwemmen, was mit Viagra und Hirnstimulanzien wie Modafinil schon längst begonnen hat. Letzere Substanz wurde sogar extra aus dem BtMG herausgenommen, um den Vertrieb durch einen Pharmakonzern möglich zu machen.

Es ist an der Zeit, dass wir einen vernünftigen Weg finden, den Drogenhandel so zu organisieren, dass die Kunden die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, was sie konsumieren wollen und was nicht – und das bei größtmöglicher Information der Konsumenten in Fachgeschäften. Ein Produkt wie Spice mit einer unberechenbaren Chemikalie als Wirkstoff dürfte unter solchen Umständen kaum eine Chance z.B. gegenüber reinen Hanfblüten haben.

Interessanterweise kann man zwischen den Zeilen lesen, dass Bätzing davon ausgeht, dass viele Cannabiskonsumenten durch das Verbot von Spice zu “Original” zurückkehren werden, was vermutlich durchaus kein schlechter Deal für die Gesundheit der Konsumenten ist. So verstehe ich zumindest die Aussage aus ihrer Pressemitteilung:

Sabine Bätzing geht davon aus, dass das Interesse an der „Modedroge“ nach Bekanntgabe des Verbots abnehmen wird. „Diese Kräutermischungen waren gerade deshalb so interessant, weil sie scheinbar legale Substanzen enthielten. Besonders die Cannabiskonsumenten sahen darin eine „legale Ausweichmöglichkeit“.


 

Pressemitteilung der Drogenbeauftragten Bätzing zum angekündigten Spice-Verbot

Welt online, 30.12.08 Modedroge “Spice” wird im Januar verboten

Meldung des DHV, 16. 12. 2008, Spice – Betrügerischer Kräutermix ist Beleg falscher Drogenpolitik


Kommentare

8 Antworten zu „Spice soll im Januar verboten werden“

  1. Forscher der Uni Freiburg
    Forscher der Uni Freiburg haben in Konkurrenzprodukten von Spice, namentlich “Smoke”, “Sence” und “Yucatan Fire” ebenfalls chemische Zusätze entdeckt. Außerdem haben sie ein Verfahren entwickelt, mit dem Spice im Blut nachwei

  2. Anonymous

    Danke für den Hinweis, die
    Danke für den Hinweis, die Daten sind wohl schon etwas älter gewesen =)

    trotzdem ändert das nichts an der Tatsache, dass bei kontrollierter Freigabe weniger konsumiert wird als bei striktem Verbot…

  3. Anonymous

    #5 nur zur Richtigstellung,

    #5 nur zur Richtigstellung,
    von wegen 14 Jahre Haft in GB:

  4. Anonymous

    Mal wieder was neues von der
    Mal wieder was neues von der Bätzing:

    “Eine Legalisierung von Cannabis würde den Gebrauch verstärken und wäre angesichts seiner Risiken nicht zu verantworten.”

    In Wirklichkeit ist der Cannabiskonsum in den Niederlanden geringer, als in Grossbrittannien (wo es bis zu 14 Jahre Haft darauf geben kann).

    Regelmässiger Cannabiskonsum ist aber auch in Deutschland weiter verbreitet als in den Niederlanden.
    (http://www.cedro-uva.org/stats/national.97.html) und (http://www.ift.de/download/Sucht%2044%20Repraesentativerhebung%201997.pdf)

    Beim Vergleich mit den USA, wo es für Cannabis sogar lebenslängige Strafen gibt, sieht es ähnlich aus: Es konsumieren nur halb soviel Niederländer ab 12 Jahren mindestens monatlich Cannabis als Amerikaner (2,5 Prozent bzw. 5 Prozent).

    http://www.drugwarfacts.org/thenethe.htm

  5. Anonymous

    Ich finde das Verbot ist viel
    Ich finde das Verbot ist viel zu vorschnell. Verbote sollten meiner Meinung nach erst erteilt werden wenn es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt mit denen ein Verbot begründet werden kann. Im Moment liegt gegen Spice nichts vor außer Vermutungen. Und sämtliche ach so bösen Dinge die über Spice vermutet werden, sind über Zigaretten längst belegt. Wie will man ein Verbot von Spice begründen ohne gleichzeitig Zigaretten mit verbieten zu müssen?

    * nichtdeklarierte Inhaltsstoffe
    * psychoaktiv
    * krebserregend
    * suchterzeugend

    Auch hier sollte wie bei Tabakprodukten gelten: der mündige Bürger kann selbst entscheiden was er zu sich nimmt und was nicht, hat aber ein Recht darauf über sämtliche Inhaltsstoffe informiert zu werden.

  6. Anonymous

    Hallo,

    Hallo,
    also dem vorangegangen ist nicht mehr viel zuzufügen, völlig korrekt das es ziemlich verwunderlich ist, wie schnell es gehen kann das etwas verboten werden kann. Auch wenn man bedenkt, wielange war Spice jetzt schon käuflich, 4 Jahre? Nun, persönlich habe ich jtzt kein Problem damit, was mir zu schaffen macht, ist die Trägheit der Politik sowie die Sensationslust und die Halbwahrheiten bei den Medien, vor allem auf Cannabis bezogen, gestriger Zeitungsartikel, Rauschgift: Polizeibeamte durchsuchen 50 Fahrgäste im Zug, bei denen dann 6 das Pech hatten erwischt zu werden, was genau und wieviel stand wieder nicht dabei, nur bei der Autobahn kontrollierten Menschen war eine geringe Menge Gras und Amphetamine gefunden worden. In einem Atemzug Rauschgift und Cannabis ist für mich ein gezielter Versuch zur weiteren Volksverblödung. Das Spice gesundheitsschädlich ist, mag ich gerne glauben, wenn man bedenkt das da Chemie drin ist, aber wenn es darum geht, müsste generell der Tabak und der Alkohol verboten werden, egal ob Naturprodukt oder nicht, das der Konsum schädliche Folgen haben “kann” ist ja mehr als bewiesen, wenn wir mal alle Straftaten oder Unfälle unter Alkohol beiseite lassen, sind doch die langzeitigen Folgeschäden, die wir überall beobachten können. Ich trinke keinen Alkohol und bin auch nicht für ein Verbot, wir werden aber immer mehr zu einem unmümndigen Bürger herabgesetzt, der Alkohol zu jeden Anlass trinken darf um darüber wegzusehen aber kein Canna konsumieren darf, weil es ach ja so gesundheitsschädlich ist oder Psychosen auslösen kann? Die ” Firma ” S. Bätzing tischt dem Volke seit jeher unzulängliche Fakten auf, wie Konsumrückgang und erfolgreiche Behandlung von Klinikpatienten, erstens wenn es ein Konsumrückgang gibt aber immer mehr erwischt werden, passt das nicht zusammen, zweitens dürfte auch klar werden, das die Leute die in irgendeine Weise eingeliefert werden etc. ganz andere Probleme haben.In Bezug auf Kapmf gegen die Windmühlen, es ist doch viel einfacher für S.Bätzing und Co. ein medienwirksames Verbot gegen eine Substanz zu verabschieden um das Volk ruhig zustellen, als das man sich vernünfig und dauerhaft mit einer Problematik auseinander setzt. Wie hab ich mal so schön gelesen, das Amt ist nur dazu da um sich für die weitere Politkariere zu profilieren, auch wenn die jahresberichte eh nur Fake sind und 90% des Volkes es nicht verstehen, eben Augenwischerei….. Fortsetzung folgt ,-)

    P.S.

    Hey, grade erst gesehen, netter Reim von aXXL, ist eigentlich ein Autoaufkleber wert

  7. Anonymous

    Verbote sind immer dann von
    Verbote sind immer dann von Interessen,
    wenn Politmafia-Pharmazielobby-Fressen
    ethisches Handeln wie süchtig-besessen
    zugunsten der eigenen Profite vergessen.
    Dies Kranke-Verarschen, Patienten-Erpressen
    lässt in jährlichen Statistiktoten sich messen.
    Im Süden, im Norden und mittig in Hessen
    kannste mit Hanf
    Spice- wie Bätzing-Elend umso besser vergessen…

  8. Anonymous

    Ich finde es sehr interessant
    Ich finde es sehr interessant, wie schnell ein Verbot erlassen werden kann, im Gegensatz dazu, wie langsam wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer Gesetzesänderung führen, siehe Legalisierung von Hanf.

    Auch interessant finde ich die Tatsache, dass bei Tabak es anscheinend keinen Politiker interessiert oder für notwendig erachtet, die bis zu *2.000 Zusatzstoffe* (Zucker, Kakao, Honig, usw.) zu nennen, obwohl klar ist, dass zum Beispiel Zucker im Tabak die Abhängigkeit steigert. In diesem Punkt sind wohl keine “weiteren Tests” notwendig, was die Inhaltsstoffe von Tabak betrifft.

    Es wird immer offensichtlicher, dass nicht etwa *Wissen, Logik oder Pädagogik*, sondern lediglich reine *Ideologie und Industrie-Interessen* die Hanf-Prohobition am Leben hält.

    Mir fällt auf, dass in den Medien kein direkter Zusammenhang aufgezeigt wird zwischen Hanf und Spice-Zusatz.
    Wahrscheinlich nimmt Frau Bätzing an, dass in diesem Fall Bürger anfangen nachzudenken, dass es ja auch einen *medizinischen Nutzen* von Hanf gibt.

    Der sollte aber nach Möglichkeit nicht in der Bild-Zeitung oder im Heute-Journal thematisiert werden, da es potentiell Millionen von Menschen in Deutschland gibt, denen der medizinische Nutzen von Hanf gelegen käme, die aber dies nicht wissen, da diese Klientel immer noch glaubt, dass Haschisch gespritzt wird.

    Es ist ja für uns offensichtlich, dass Hanf in den Medien immer mies dargestellt wird.

    Aber wer weiss, vielleicht ist diese Spice-Geschichte der Anfang davon, dass die Medien gezwungen sind, auf dieses Thema zu *reagieren, zu recherchieren* und nach aktuellem *wissenschaftlichen Stand* zu informieren.

    Ich finde jedenfalls ein Verbot von Spice interessanter für die Legalisierung von Hanf als ein weiterer legaler Verkauf.

    Michael