Europäischer Drogenbericht 2020 vorgestellt

  • Veröffentlicht am: 22. September 2020 - 18:35
  • Von: Sascha Waterkotte

Immer mehr Drogen werden in Europa hergestellt und noch nie wurde so viel Kokain sichergestellt. Aber auch um die Verbreitung von Cannabis geht es im heute von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) vorgelegten Europäischen Drogenbericht 2020. Cannabis ist gemäß der Schätzungen der EBDD nach wie vor die mit Abstand verbreitetste Droge mit Blick auf die Jahres- und Lebenszeitprävalenzen. Zudem geht die EBBD anhand von Bevölkerungsumfragen davon aus, dass

“Cannabis von schätzungsweise rund 1 % aller Erwachsenen in der Europäischen Union täglich oder fast täglich konsumiert [wird], genauer gesagt an mindestens 20 der letzten 30 Tage. Die Mehrzahl davon (60 %) sind unter 35 Jahre alt und rund drei Viertel sind männlich.”

Auch bei der Strafverfolgung liegt Cannabis in der Europäischen Union weiterhin an der Spitze: 2018 wurden insgesamt 3,3 Millionen Cannabispflanzen sichergestellt (in Deutschland 101.598). Von den insgesamt rund 1,3 Millionen Sicherstellungen von Drogen allgemein entfielen 71 Prozent (!) auf sichergestellte Cannabisprodukte. Der Anstieg des THC-Wirkstoffgehalts wird ebenfalls thematisiert:

“Ferner enthalten Cannabisharz und Cannabiskraut heute im Schnitt doppelt so viel THC wie noch vor zehn Jahren. Insgesamt gesehen heißt das, dass die dringende Notwendigkeit besteht, diesen Bereich stärker zu überwachen. Diese und andere Fragen wie beispielsweise die Verfügbarkeit von Produkten mit wenig THC, die wegen ihres hohen CBD-Gehalts (Cannabidiol) angepriesen werden, sind Gegenstand der Untersuchung in einer der nächsten Ausgaben der EMCDDA-Informationsreihe „Cannabis: controversies and challenges“.

Ein klares Zeichen für die gescheiterte Verbotspolitik im Bereich Cannabis liefert der Bericht ebenfalls: Im Bereich der neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) machten 2018 vor allem synthetische Cannabinoide und Cathinone mit 77% aller sichergestellten NPS aus.

Daniela Ludwig und der Fokus auf das Koks
Nach der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Chef des BKA zur Vorstellung des Lageberichts Rauschgiftkriminalität legt die Drogenbeauftragte in ihrer aktuellen Pressemitteilung den Fokus auf Kokain:

Der Europäische Drogenbericht zeigt, dass der zunehmende Kokain-Konsum nicht nur ein deutsches, sondern auch ein europäisches Problem ist. Die europäischen Strafverfolgungsbehörden müssen stärker zusammenarbeiten bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, die massiv Kokain nach Europa einführt und zum Teil auch hier produziert. Gleichzeitig muss klar sein: Die große Nachfrage nach Kokain hier in Europa ist Teil des Problems, ohne gezielte Prävention geht es nicht!

Kokain made in Europa? Angesichts der sichergestellten Kokablätter (243 kg in 2018) und Kokapaste (184 kg) sicherlich möglich, allerdings eher eine Randerscheinung, da absolut unwirtschaftlich. So oder so ist Kokain auf dem Vormarsch, gezielte Prävention soll es auch hier richten. Ob demnächst auch eine Kokain-Präventionskampagne unter der Federführung der Rosenheimerin an den Start gehen wird, bleibt abzuwarten. Vorher sollte ja eigentlich “Mach Dich Schlau” kommen, ihre für September 2020 angekündigte Cannabis-Präventionskampagne.

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Kommentare

Ich möchte eine Gegenkampagne starten mit dem Motto "Kiff Dich schlau" und suche noch Geldgeber.

Ja, die Busts der in Europa betriebenen Kokain-Produktionsstätten nehmen eindeutig zu. So wie Brokkoli, wenn man ihn ausreichend düngt.

Einfach Abgabestellen für Kokain - würde vieles erleichtern 🙏🏿

Legalisiert endlich Cannabis. Ein Verbot bringt gar nichts. Ich sitze hier und trinke ein paar Bier, weil mir das Gras ausgegangen ist und könnte kotzen. Ich habe keine lust mehr mich wie ein Krimineller zu fühlen nur weil Ludwig meint bei 15g da musses ja ums dealen gehen.

Kenne viele Leute in Kananda die raten mir nur zu denen zukommen, die gehen gemütlich innen' Laden und kaufen sich ihre paar gram für ne Woche. Die sollen endlich mal hinne machen und aufhoeren Stuss von sich zu geben.

Bin der gleichen Meinung . Eine legalisierung wie in Kanada oder Californien muss her,ich will keine Diskussionen mehr.Bin als selbstzahler Cannabis Patient und selbst diese Situation ist unglaublich schlecht. Btmg Rezept , Arzt Gebühren und dann zahlt man noch Unsummen auch wenn die Apotheke die Hilfstaxe anwendet (falls Lieferbar ) Legalisierung jetzt.

Je stärker und effektiver man Cannabis verfolgt, desto mehr drängen weitaus gefährlichere Substanzen wie Kokain, Designerdrogen (incl. Synthetische Cannabinoide) etc auf den Markt, mit fatalen gesundheitlichen Folgen für die Konsumenten.
Unsere verfehlte, alleine den Schwarzmärkten überlassene Drogenverfügbarkeit, wirkt wie ein tragischer Brandbeschleuniger auf die ganze Sache und wird künftig zu noch größerem sozialen Elend führen, indem noch mehr menschliche Existenzen vernichtet werden.
Ist es das wert?
Legalisisierung durch Schaffung staatlich kontrollierter Bezugsmöglichkeiten in Verbindung mit umfassender Aufklärung letztlich aller Drogen, ist die einzige Möglichkeit, das ganze Problem wenigstens zu entschärfen und ihm einen menschlicheres Antlitz zu verleihen.

Also ich sehe das Ganze etwas pragmatisch, denn die künftigen Jahrzehnte wird z.B. eine Polizei oder schlicht ein Ordnungsamt dann weniger mehr rausfinden müssen, warum es hier und da "so verdächtig riecht", sondern auch, warum diverse Gruppierungen so enthemmte und aggressive Tendenzen aufweisen. Da besteht dann entweder die Möglichkeit des exzessiven Konsums von Alkohol (wobei das dann ja praktischerweise auch recht einfach am Geruch zu erkennen ist) oder es steht dann in enger Verbindung mit einer steigenden Affinität zu Kokain-Konsum, welcher u.a. dann unter gegebenen Umständen eine Bereitschaft zu Brutalität und Skrupellosigkeit erhöht und mal nebenbei, auch den sogenannten Jugendschutz DIESbezüglich erheblich erschweren wird... Glückwunsch!

Kleiner fun-fact am Rande: Kokain fand u.a. als Substitutionsmittel gegen die synthetische Vorstufe zu Heroin Anwendung (Ab 1879 wurde Kokain verwendet, um Morphinabhängigkeit zu behandeln, siehe Wikipedia)
Aber Morphin gibt´s ja heutzutage auch ganz legal auf Rezept von der "Gesundheits-Industrie" zur "Behandlung" von Schmerzen, während diverse Substanzen die Schmerzen (oder Krankheiten) überhaupt hervorrufen können auch von Selbiger hergestellt oder schlicht und einfach schon z.B. mit chemisch durchsetzter Ernährung aufgenommen werden können...

2019: 74000 tote durch Alkohol. 2019: 1398 Tote durch Rauschgift! Ja man muss definitiv noch mehr
Aufklären ! Allen voran diese heuchlerischen Politmarrionetten. Wenn doch die Gesundheit angeblich
so wichtig ist, warum wird nicht dort angesetzt wo sie am meisten Gefährdet wird? Minimal
Kompetent, Maximal kontradiktorisch - Deutsche Drogenpolitik !

Wenn die Broccoli beauftragte spricht verstehe ich nur noch Gemüsesuppe.

"Strafverfolgung und Prävention"? Hat doch ueberhaupt nichts gebracht ueber Jahrzehnte gesehen,
außer Existenzen vernichtet und viel Kosten verursacht... Ein Kampf gegen Windmühlen! Sagt die
Brokolitante ja sogar selber! Jedes Gramm was fehlt, heizt nur den Markt an, und kommt dann doch
zum höheren Preis an. Was fuer ein Quatsch. Nichts ändert sich, nichts entwickelt sich, alles im Stillstand- typisch CDU...
P.S. Frau Ludwig: "Prävention ist keine Salbe?" XD Ähm, Frau Ludwig, Niveau ist auch keine Handcreme!

Blah blah, wir schränken Drogen ein, die enorm gesundheitsschädlich sind. Richtig. Dieser Spruch
wurde ihnen präsentiert von Paulaner. Oder Krombacher. Oder Wodka Gorbatschow.
Darauf erstmal ne Flasche Vodka für 4,99€. Prost!

Was ist so schwer daran zu verstehen das man mit der Legalisierung den gesamten Schwarzmarkt aushebelt?
Alle Drogen gehören zumindest dekriminalisiert, man sollte sie nicht bewerben dürfen so wie Alkohol
im Fernsehen und sie sollten auch nicht im Supermarkt verkauft werden.

oder Zucker.

Kokain ist uncool.

Geil, wie deutsche Prävention wirkt!

Hmm, es gäbe sicherlich einen Weg, allerdings halte ich den Weg der schon, (generell bei allen Substanzen die man in unserer Welt der Moderne allgemeinhin als Drogen definiert) seit Jahrzehnten beschritten wird, unter den gegebenen Umständen (auf gut-deutsch: Kriminalisierung) für einen völlig Falschen. Drogen sind und waren eben auch nunmal schon immer etwas, was die Menschheit begleitet und wohl auch geprägt hat. Weiß Gott was heutzutage alles anders wäre, ohne diverse Substanzen, deren Wirkung eventuell auch sogar erheblichen Einfluß auf die Entwicklung diverser Innovationen oder Erfindungen gehabt haben. Kokain z.B. enstammt ja im Prinzip auch der Natur und ist auch in der Medizin schon vielseitig zum Einsatz gekommen und findet sogar meines Wissens nach heute noch Anwendung (Der Einsatz von Kokain für Eingriffe am Kopf ist nach der deutschen Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung weiterhin zulässig, lt. Wikipedia) sowie auch Opium, in Form von Morphin aus dem mittlerweiße ja das Diacetylmorphin (Heroin) geworden ist. Ich denke, was wir Menschen aus diesen ursprünglich natürlichen Substanzen gemacht haben oder haben werden lassen, (mit der Einstellung, dem Umgang oder der Verfälschung demgegenüber) ist eben auch irgendwie sprichwörtlich unnatürlich...
Trotzdem habe ich selbst noch niemals irgendetwas "härteres"(auch so ein Begriff) zu mir genommen, als Cannabis.

Die Pharmalobby arbeitet Hand in Hand mit den Ärzten.
Bei allen die ich nach Cannabis fragte kommen die gleichen Argumente. Opiate und Triptane sind altbewährte Mittel und kein Thema zur Verschreibung. Aufklärung ist auch an den Universitäten nötig.

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