"Turbo-Cannabis" - Eine Einordnung

  • Veröffentlicht am: 16. Januar 2020 - 12:32
  • Von: Sascha Waterkotte

Unter dem reißerischen Titel “Suchtmediziner warnen vor Turbo-Cannabis” hat sich unter anderem Rainer Thomasius zu Wort gemeldet in der Debatte über die Gefahren  gestiegener THC-Gehalte. Durch gezielte Züchtungen ist der THC-Gehalt in Marijuana/Hanfblüten über die letzten Jahrzehnte hinweg tatsächlich gestiegen - was für sich genommen keine neue Entwicklung ist.
Vielmehr ist dieser Vorgang einleuchtend bei einem auf Gewinnmaximierung getrimmten Schwarzmarkt, was allerdings ein Argument für und nicht gegen eine Legalisierung ist: In einem legalen Markt erwarten Konsumenten nicht nur Transparenz und Cannabis ohne Verunreinigungen und Streckmittel, sondern auch eine Vielzahl von Sorten mit unterschiedlichem THC- und CBD-Gehalt. Kirsten Kappert-Gonther, drogenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, bringt es auf den Punkt: "Wenn ein Nutzer oder eine Nutzerin auf dem Schwarzmarkt Cannabis kaufen, ist das so, als würden Sie in eine Kneipe gehen und sagen, ein Glas Alkohol bitte. Sie wissen nicht, was sie bekommen."
Produktinformationen in einem legalen Markt sind tatsächlich der entscheidende Punkt. Denn nicht nur der THC-Gehalt ist entscheidend für die Verträglichkeit, sondern vor allem das THC/CBD-Verhältnis, denn CBD verringert die potentiell negativen Auswirkungen von THC. Konsumenten, die die Wahl haben, werden sich für verträglichere Sorten entscheiden.
Schäden durch Cannabis können nur in einem legalen Markt minimiert werden. Doch nicht nur Erwachsene würden von einer legalen Abgabe profitieren. Zudem würde eine staatlich kontrollierte Abgabe, in Kombination mit passenden Präventionsmaßnahmen, problematischen Konsummustern bei Jugendlichen, wie im verlinkten Tagesschau-Artikel am Beispiel einer 15 Jährigen beschrieben, eher Einhalt gebieten als ein unkontrollierter Schwarzmarkt. Und da in diesem Artikel vieles vermengt wird, möchten wir nochmals grundsätzlich festhalten: Kein seriöser Legalisierungsbefürworter fordert die Legalisierung ohne gleichzeitig einen besseren Jugendschutz zu fordern - das wüsste auch die Redaktion der Tagesschau, würde sie sich mit unseren Positionen, speziell zu den Themen Gefahren des Cannabiskonsums und konsumierenden Jugendlichen, befassen.

Und was steckt hinter diesem “Turbo-Cannabis?”
Anstatt kritisch zu hinterfragen, warum es zu einer Steigerung des THC-Gehalts kam und ob nicht vielleicht die Prohibition selbst schuld an dieser Entwicklung ist, berichtet im Folgenden Michael Uhl, Leiter des LKA-Drogenlabors in Bayern, von seinen Erfahrungen. Laut Uhl lag der durchschnittliche THC-Gehalt bei Marihuana vor dreißig Jahren bei etwa einem Prozent. “Die Superware, Jamaica-Gras, hatte vier Prozent”, so Uhl weiter. In der Tat war das oftmals Outdoor angebaute und nach Deutschland importierte Marihuana früher nicht so potent wie die heute überwiegenden Indoor-Züchtungen. Was Uhl hier aber unterschlägt: Vor dreißig Jahren wurde überwiegend nicht Marijuana, sondern Haschisch konsumiert, welches auch damals bereits eine wesentlich höhere THC-Konzentration als das oft bemühte Hippie-Gras hatte. Der Konsum von Haschisch war daher bis vor einigen Jahren auch wesentlich weiter verbreitet. Die Steigerung des THC-Gehaltes in den tatsächlich konsumierten Cannabisprodukten ist deshalb weit weniger gestiegen als es immer wieder in den Medien dargestellt wird, was entweder nicht in den Grundtenor des Artikels passt oder nicht recherchiert wurde.

Auftritt Thomasius
Rainer Thomasius behauptet, dass Cannabis aufgrund seines gestiegenen THC-Gehalts mittlerweile ein “hochpotentes Halluzinogen” mit der “Qualität von LSD” sei. Setzte der Jugendpsychiater vor einiger Zeit hinsichtlich des Gefährlichkeitspotentials bei Cannabis auf den Vergleich mit Heroin, beschränkt sich der Hamburger nun auf die angeblich halluzinogene Wirkung von Cannabis und den immer mit Psychose verbundenen regelmäßigen Konsum. Angesichts der Entwicklungen in Colorado ist er überzeugt, dass eine Legalisierung automatisch zu Sucht, Psychosen und Selbstmord führe. Auf welche Quellen er sich dabei beruft, entzieht sich unserer Kenntnis. Laut uns vorliegenden Studien hat der Prohibitionsverfechter aber erneut eine selektive Auswahl getroffen, da er hier konsequent positive Entwicklungen nach der Legalisierung, beispielsweise die nicht explodierte Zahl jugendlicher Konsumenten, unter den Tisch fallen lässt. 

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Kommentare

... und nicht zu vergessen, dass das erstmalige Auftauchen von synthetischen Cannabinoiden (Spice...) einhergeht mit einer Zunahme von Horrortrips und psychischen Entgleisungen. Auch normales Straßengras ist manchmal damit behandelt, da billig, so jüngste Analysen. Klar dass es da zu vermehrten Problemen kommen kann. Wäre Weed legal, dann gäbe es kontrollierte Qualität und keine russisch Roulette mit anschließendem Psychiatrieaufenthalt.

Vielen Dank für diese Richtigstellung. Ich war entsetzt über diese mangelhaft recherchierte und einseitige "Reportage" seitens der Tagesschau und finde solche Berichtigungen von offizieller Seite sehr wichtig.

das problem is nur das diese richtigstellungen von sehr wenigen gesehn werden. der schaden ist bereits angerichtet... finds ne frechheit was so von "Prof. Dr. med." (das ich nid lach) Rainer Thomasius für müll verzapft wird.

ein sehr gut geschriebener artikel. er setzt sich punkt für punkt mit den halbwahrheiten und lügen, die in dem br24/tagesschau artikel erzählt werden, auseinander. leider haben die ein vielfaches der reichweite des dhv. nun haben tausende, (wahrscheinlich) vor allem älteren herrschaften, eine meinung aufgetischt bekommen. man hat hier ängste geschürt. vor allem bei menschen die keine ahnung vom thema haben. ich persönlich höre meiner mutter schon schimpfen, das ich doch endlich aufhören soll dieses turbo-gras zu rauchen. freue mich schon auf diese diskussion. ps: ich bin lange volljährig.

Wenn irgendwelche Thomasiusse oder Qualitätsmedien wie z.B. BILD Fakten verzerrt darstellen, ist das schon schlimm genug. Als noch viel gewöhnungsbedürftiger empfinde ich, daß die öffentlich-rechtliche ARD munter mitspielt. Ich bin gezwungen GEZ-Gebühren zu zahlen, um überhaupt am Internet partizipieren zu können. Ich möchte aber nicht, daß mein Geld dann dazu verwendet wird, menschenfeindliche Kampagnen mitzutragen. Es werden täglich Menschen in diesem 'war on drugs' mißhandelt. Mein Geld wird verwendet, um die Propaganda zu produzieren, die dies rechtfertigt. Ich möchte das nicht mittragen. Ein Boykott ist für mich nicht möglich. Ich empfinde das als Unverschämtheit.

Das sehe ich genau so. Mich würde es brennend interessieren ob man gegen die Sendung nicht rechtlich vorgehen kann. Denn die ARD ist zur Wahrheit verpflichtet und nicht zur Propaganda, denn nichts anderes war die sendung. Ich würde mir wünschen, dass der DHV was dagegen tut. Ich bin seit dem Abend am Grübeln ob ich mir das leisten kann!

Bitte schreibt doch mal den öffentlich Rechtlichen, anstatt hier, da Arbeiten bestimmt auch viele betroffene Kiffer die sich darüber freuen. Die öffentlich Rechtlichen fühlen sich verpflichtet beide Seiten darzustellen. pro und kontra. https://www.deutschlandfunk.de/cannabis-freigabe-kiffen-fuer-die-staatskasse.724.de.html?dram:article_id=334536 Ich bin froh, das ich mit GEZ die vierte Säule der Demokratie stützen kann. Lieber in einer Demokratie für Hanf kriminalisiert, als in einer Diktatur exekutiert. Viele AfD-Fans drohen den Kiffern doch unverholen in den Kommentarspalten von BUMMER ( nach Jaron Lanier: Behavior of User Modified and Made into an Empire for Rent)-so genannter Social Media - mit dem Tod bei erfolgter Machtübernahme nach dem Tag X. Hanfige Grüße

Traurig und schade das GEZ Gelder für diese reißerische Aktion verpulvert wurden. Das war Reefer Madness 2.0 der Rassist Harry J. Anslinger wäre stolz auf den Bayrischen Rundfunk! Das Suchtmedizinier für einen Schwarzmarkt sind ist eindeutig falsch ich höre hauptsächlich das Gegenteil

Solche Aussagen werden keinem Professor Titel gerecht. Aber das Signal stimmt, also...

Mit ihren christlichen Selbstverständnis von einer Rotarierwelt in der es nur Alkohol gibt, zerstört die CDU/CSU Leben. In Baden-Württemberg haben sie mich für Konsum über Hörensagen auf eine Entzugsstation gesperrt und unter 1200 mg Seroquel gesetzt. Die spielen nicht fair. Wir sollten aufhören fair zu spielen. Vielen Dank Georg für deine wertvolle Lobbyarbeit gegen Pharma- und Alkoholindustrie, sowie gegen das antihedonistische Weltbild der Kirche.

was bringt es diesen Quatsch zu lesen? Geschweige denn diesen Blödsinn zu kommentieren!!!!

Wenn wir jetzt aufhören gegen diese Ungerechtigkeit zu kämpfen haben wir schon verloren es wird nicht besser nur noch schlimmer wir sind viel mehr die Dunkelziffer der Konsumenten ist viel höher wir müssen diesen humbug ein Ende setzen es geht nur wenn sich echt alle anschließen damit diesem Terz ein Ende hatt ich möchte nicht kriminalisiert werden nur weil es einem Staat nicht passt wenn ich lieber rauche anstatt mir wie früher anderen scheiss reinzuziehen der mir neben cannabis angeboten wird und der teuflischen Substanz Alkohol kann man kaum ausweichen ich wa vier Jahre trocken bis ich meinte wieder damit anzufangen katastrophal nicht nur für mich auch für andere die damit ein Problem haben aber die Kasse klingelt und der riskante Konsum ist auch viel höher als es immer so schön dargestellt wird

Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert! https://www.youtube.com/watch?v=AR3Ynx0s8gE

Hallo, Turbogras hin oder her. Wie wäre es, auch im Sinne der Akzeptanz und der Mehrheitsbildung, wenn Ihr die Bemühungen zur Legalisierung erst mal darauf ausrichtet, Cannabis mit niedrigem THC-gehalt, z.B. max 1% zu legalisieren? Dann laufen solche Skandalisierungen ins Leere und den Gegnern fehlen noch mehr Argumente. Zudem sehen dann auch gemäßigte Gegner mit der Zeit, dass mit der Legalisierung eben nicht die Kiste der Pandorra geöffnet wird...

Super Artikel! Sehr gut geschrieben mit vielen, qualitativen Informationen!

Zunächst einmal echt vielen Dank liebes DHV Team für diesen Artikel! Ohne euch wäre ich wohl nicht aufmerksam geworden auf diesen, nun ja, Blödsinn gelinde ausgedrückt. Ich habe mal ein bisschen recherchiert und finde es doch sehr erstaunlich um nicht zusagen skandalös, dass niemand von den normalen Medien diese Aussagen kritisch aufgreift! Immer nur findet man Blogger oder Twitterer oder solch sagen wir Einzelkämpfer mit kritischen Meinungen dazu: Die Mainstreammedien brauchen sich aufgrund solch abstruser Berichterstattungen nicht wundern, wenn ihnen die Leserschaft davonläuft und von Lücken- oder gar Lügenpresse die Rede ist. Der Suchtmediziner Thomasius hat berufsbedingt den ganzen Tag mit Jugendlichen und Kindern (!) zu tun, die leider cannabisabhängig geworden. Diese statistische Ausnahmeerscheinung vermittelt ihm als täglichen Begleiter natürlich einen unipolar negativen Eindruck dieser Droge. Und so kommt es auch, dass der Artikel mit einem Anti-Legalisierungs-Schlusswort von ihm endet: "Die Legalisierung führt zu Sucht, Psychosen und Suiziden unter Cannabiseinfluss". Wieso ist das aber so? Weshalb hinterfragt solche abstrusen Aussagen niemand aus den normalem Medien sondern immer nur Leute wie ihr zum Beispiel oder andere eher kleine Akteure? Solange so etwas unwidersprochen in den Medien erscheint und unkritisch wiedergegeben wird, solange hält sich dieser Irrglaube zum Schaden aller. Unglaublich :( Jedenfalls danke für euren unermüdlichen Einsatz! Gruß Kathi

-Alter Wein in neuen Schläuchen. Das Turbo-Cannabis hieß doch mal Killerweed. Bei der Sorte NYC Diesel wäre ein Turbo im Namen ja durchaus lustig. -Kann es sein, dass das Wort "Schwarzmarkt" auch rassischtische Wurzeln hat? -Was den THC-Wert angeht sagte Skunkman Sam ( u.a. Mitentwickler von Sativex und Züchter der Sorte Finola) in Hash Church, daß auf hohen THC- und geringen CBD- Wert schon in den 60ern und 70ern selektiert wurde, weil es den Züchtern besser gefallen hat. (Er sagt Haze gab es in Californien schon um 1970, wenn ich mich recht erinnere da noch ohne Einkreuzung von Thai Genetik. Leider hat die reine originale Haze aufgrund der Prohibition ein Problem mit Gendrift, droht also als Polpulation zu degenerieren und auszusterben. Das Problem, es braucht mindestens(!)10000 Männchen und Weibchen aus Samen um eine Sorte zu erhalten, jedes Jahr wieder.) Das ganze hätte erst recht stattgefunden mit legalen Möglichkeiten, wage ich zu behaupten. Erst später haben Messungen dies überhaupt zeigen können, das CBD rausgezüchtet und THC vermehrt wurde. Was ja nun auch geziehlt eingesetzt wird. Die Züchtung eines hohen Zuckergehaltes in der Bete kam ja auch nicht durch ein Verbot selbiger, sondern weil man Zucker wollte. Kiffer wollen halt THC mit Terpenen, trotz Verbot. In Haschisch aus Afghanistan ist/war der THC und CBD Gehalt gleich, weil nicht auf THC selktiert wurde, nur auf Trichombesatz. Somit sind in der Population einer Afghan Landsorte Individuen mit viel THC und wenig CBD, sowie umgekehrt, und welche mit 50/50 THC und CBD. Ein Afghani#1 Hybride hat dagegen kaum CBD. Es ist die bewusste gärtnerische Züchtungsarbeit durch Selektion der erwünschten Qualitäten. Wie bei allen anderen Kulturpflanzen auch. Die allermeisten modernen Ganjasorten wurde garantiert nicht von Mafiosi gezüchtet! Vielleicht ist das ja inzwischen so? Das kann man auch nicht wie bei der Alkoholprohibition mit Schnaps gleichsetzen. Dann gäb es nur Haschisch und Extrakt, kein Ganja auf dem illegalen Markt. Immer schon war das reinste Haschisch das mit dem höchsten THC Gehalt das teuerste und beliebteste, aber auch das seltenste. Dadurch, dass sich der Anbau von der "Dritten Welt" in die "Erste" verlagerte, was auch durch die Prohibition begünstigt wurde, aber sicher - vielleicht in geringerem Umfang - sowieso stattgefunden hätte, wurde auch gezüchtet durch Selektion und Hybritisierung ausserhalb des traditionellen Anbaus. Der THC Gehalt ist bei moderner Urproduktion von Ganja hoch durch die gätnerische Arbeit der Stecklingsvermehrung, was relativ gleichbleibende Eigenschaften garantiert, wohingegen in ursprünglichen Anbaugebieten immer aus dem Samen vermehrt wurde und damit verschiedenste Qualitäten von Wirkstoff- Gehalt innerhalb der Population zum Audruck kommen. Hanfige Grüße

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