Wahlanalyse zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 06.09.2026

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Ebenso wie Drogen nicht alles im Leben sein sollten, ist natürlich auch Drogenpolitik nicht der einzige ausschlaggebende Punkt bei einer Wahlentscheidung. Der Wahl-O-Mat liefert einen Überblick über die Positionen der Parteien zu unterschiedlichen Themen. Erkundigt euch bei Interesse auch über kleinere Parteien, wir betrachten hier nur die größeren! Auf abgeordnetenwatch.de könnt ihr euch über die Politiker eures Wahlkreises informieren und ihnen Fragen stellen. Informiert euch und geht wählen! Seid euch bewusst, dass die Möglichkeiten der Bundesländer begrenzt sind. Eine vollständige Legalisierung ist nur auf Bundesebene möglich. Die Bundesländer haben etwas Spielraum bei der “geringen Menge” (anderer illegaler Drogen), beim Führerscheinrecht, dem Umgang mit CSCs, bei Modellprojekten und Drug-Checking.

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Was bisher geschah & Wahlprognose

Sachsen-Anhalt wurde in der letzten Legislaturperiode durch eine Koalition von CDU, SPD  und FDP regiert, der zunächst Reiner Haseloff (CDU) bis zum 28. Januar 2026 als Ministerpräsident vorstand. Haseloff trat dann zurück, um seinem Nachfolger Sven Schulze (CDU), der zuvor als Wirtschaftsminister firmierte, bessere Chancen im Wahlkampf zu eröffnen. Haseloff trat wiederholt als entschiedener Gegner des CanGs in Erscheinung. Bei der Bundesratsabstimmung zum CanG enthielt sich das Land Sachsen-Anhalt aufgrund der bestehenden Koalition jedoch. 

Cannabis-Anbauvereinigungen sind in Sachsen-Anhalt beim Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) angesiedelt. Dessen Präsident ist Alexander Nissle von der SPD. Der Bereich der Behörde, welcher sich mit den Anbauvereinigungen befasst, ist dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung unter der Ministerin Petra Grimm-Benne (SPD) zugeordnet. Aktuell hat das Bundesland bisher 17 genehmigte Vereine. 

Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit dem CanG werden in Sachsen-Anhalt zentralisiert und nicht kommunal, wie in vielen anderen Bundesländern, durch das Landesverwaltungsamt geahndet. Stand März 2026 gab es seit Einführung des CanG insgesamt 18 Bußgeldbescheide. Das dürfte im Bundesdurchschnitt eine sehr niedrige Zahl sein. Die verhängten Bußgelder bewegten sich zwischen 50 Euro und 650 Euro.

Sachsen-Anhalt ist eines von sechs Bundesländern, in denen es keine legalen Drogenkonsumräume gibt. 2025 verzeichnete Sachsen-Anhalt einen historischen Höchststand bei der Zahl der Drogentoten.
Drug-Checking-Projekte gibt es bisher noch nicht in Sachsen-Anhalt. Erste Planungen für ein mögliches Projekt laufen in Halle. Der Ausgang der Landtagswahl dürfte maßgeblich für die Erfolgsaussichten dieses Projektes sein. 

Im Bundesland ist mit der Saale/Unstrut-Region das nördlichste Hauptweinbaugebiet Deutschlands beheimatet. Beim riskanten Alkoholkonsum liegen laut dem Alkoholatlas 2022 sowohl die Männer mit 15,5% (16,1% Deutschland) als auch die Frauen mit 7,6%  (11,1% Deutschland) unter dem Bundesdurchschnitt. 

Aktuelle Wahlprognosen findet ihr hier.

Grünen

Die Grünen sind die einzige größere Partei in Sachsen-Anhalt, die einen ausdrücklich dediziert drogenpolitischen Abschnitt in ihrem Wahlprogramm hat und sich explizit für eine moderne Drogenpolitik ausspricht. In dem Programm gibt es einige konkrete Ziele. Es sollen u.a. bürokratische Hürden für CSCs abgebaut, eine neue Kinder- und Jugendarbeit entwickelt, Drug-Checking und Drogenkonsumräume geschaffen, der Nichtraucherschutz gestärkt und digitale Suchthilfeangebote ausgebaut werden. Ein starkes Programm, das in dieser Form keine andere Partei in Sachsen-Anhalt bietet!

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Linke

Das drogenpolitische Wahlprogramm der Linken Sachsen-Anhalt ist enttäuschend. Das kennt man ansonsten anders von dieser Partei. Die Antworten auf unsere Wahlprüfsteine sind großteils sehr überzeugend und verdeutlichen, dass Expertise vorhanden ist. Ein merkwürdiger Beigeschmack bleibt leider wegen den aufgeführten drogenpolitischen Aktivitäten, die sich so nicht finden lassen. Insgesamt kann man als Hanffreund die Linke dennoch wählen. Wahlempfehlung mit kleiner Einschränkung.

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FDP 

Das drogenpolitische Wahlprogramm der FDP enttäuscht. Dafür überzeugen die Antworten der Liberalen auf unsere Wahlprüfsteine mit einem klaren Bekenntnis zur Entkriminalisierung und dem Versprechen, sich für eine echte Legalisierung mit Fachgeschäften einzusetzen. Die dokumentierten drogenpolitischen Aktivitäten der letzten Legislaturperiode hätten umfangreicher ausfallen können, was für Koalitionsfraktionen aber nicht ungewöhnlich ist. Dafür verspricht man, sich auch zukünftig für Modellprojekte zum Drug-Checking und zur Cannabisabgabe einzusetzen. Insgesamt können wir daher für die FDP eine Wahlempfehlung für alle Hanffreunde aussprechen, auch wenn die Grünen deutlich vorne liegen.

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SPD

Die SPD hat ein in drogenpolitischer Hinsicht schwaches Wahlprogramm. Auch die Antworten auf unsere Wahlprüfsteine können nicht überzeugen. Die SPD Sachen-Anhalt ist sicher kein Vertreter einer Rückkehr zur Prohibition, aber fremdelt an einigen Stellen doch merklich mit der Entkriminalisierung und wirkt wenig überzeugt von diesem Schritt. Insgesamt scheint das Thema Drogenpolitik beim Landesverband Sachsen-Anhalt keinen allzu großen Stellenwert zu besitzen. Davon zeugen die nicht vorhandenen eigenen Initiativen. Für Hanffreunde ganz sicher nicht die beste Option bei dieser Wahl. Etwas besser als die CDU, aber nicht viel.

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CDU 

Ein Lippenbekenntnis zur Stärkung von Suchtprävention im sonst schwachen Programm. Ausweichende Antworten auf unsere Wahlprüfsteine, die sogar so weit gehen, dass ein CDU(!)-Landesverband sich nicht eindeutig gegen eine vollständige Legalisierung positioniert. Die CDU Sachsen-Anhalt verwundert mit ihrer unbestimmten Haltung angesichts der generell ablehnenden Ausrichtung der Bundespartei in Bezug auf Cannabis. Das reicht natürlich nicht für eine Wahlempfehlung an Hanffreunde, aber das Fazit ist deutlich weniger negativ, als es sonst bei der CDU der Fall ist.

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BSW

Das BSW interessiert sich nicht für Drogenpolitik und es bleibt auch nach einigen Jahren noch immer unklar, wie sich die Partei zum Thema Cannabis positioniert. Auf unsere Wahlprüfsteine hat das BSW als einzige Partei nicht geantwortet. Wer so schlecht organisiert ist, sollte besser keine politische Verantwortung übernehmen. Hanffreunde und Menschen, denen das Thema Drogenpolitik wichtig ist, sollten diese Partei nicht wählen!

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AfD

Die AfD hat weder konkrete drogenpolitische Ideen im Wahlprogramm, noch wirken die Antworten auf unsere Wahlprüfsteine durchdacht und stringent. Inhaltlich eiert die AfD herum und weicht häufig aus. Immerhin positioniert sich die Partei eindeutig gegen eine Legalisierung von Cannabis und sonstige progressive Ideen im Umgang mit Drogen. Damit ist unsere Wahlempfehlung für alle Hanffreunde eindeutig: Finger weg von der AfD!

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Eindeutiger Sieger unseres Wahl-Checks zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Grünen. Die Partei hat mit großem Abstand das beste drogenpolitische Wahlprogramm aller Parteien und konnte reichlich Aktivitäten für eine moderne Drogenpolitik in der letzten Legislaturperiode vorweisen. Unsere klare Wahlempfehlung für alle Hanffreunde!

Dahinter folgen FDP und Linke, ohne dass wir hier eine Gewichtung vornehmen wollen. Beide Parteien haben leider ein schwaches Wahlprogramm, überzeugen aber mit ihren Antworten auf unsere Wahlprüfsteine. Beides solide Optionen für alle Hanffreunde. 

Die SPD konnte hingegen nur in Ansätzen überzeugen. Man merkt der Partei an, dass sie mit der Entkriminalisierung noch immer fremdelt und sehr vorsichtig agiert. Schlechtes Wahlprogramm und auch die Antworten auf unsere Wahlprüfsteine sind durchwachsen. 

CDU und BSW hingegen können wir nicht zur Wahl empfehlen. Auch wenn der CDU-Landesverband erfreulicherweise viel weniger Rückschrittsfantasien hat als die Kollegen in anderen Bundesländern und negative Antworten auf unsere Wahlprüfsteine tunlichst vermeidet, reicht das nicht für eine Wahlempfehlung. Das BSW bleibt weiterhin die große Unbekannte in puncto Drogenpolitik. Dieses Thema scheint die Partei schlichtweg nicht zu interessieren. Es existiert keine Positionierung zu zentralen Fragen und damit auch keine Verlässlichkeit für potentielle Wähler. Beide Parteien sind keine Wahloptionen für Hanffreunde.  

Die AfD hat sich als einzige größere Partei in Sachsen-Anhalt klar gegen eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen und möchte sich aktiv für eine Rücknahme der aktuellen Entkriminalisierung einsetzen! Für das Thema “Drogen” interessiert sich die AfD nur als Mittel der Diffamierung und Ausgrenzung von Menschen. Diese Partei ist für alle Hanffreunde absolut unwählbar. Finger weg!

Sagt den Parteien eure Meinung!

Was auch immer ihr wählt, teilt den Parteien eure Meinung mit!

Deshalb nun der vielleicht wichtigste Hinweis zum Schluss: Jeder, dem Cannabispolitik am Herzen liegt, sollte den Parteien mitteilen, warum er sie gewählt oder nicht gewählt hat. Das erhöht das Gewicht einer einzelnen Stimme enorm! Es reicht ein Einzeiler wie:

Grüne, Linke, FDP: „Ich habe Ihnen diesmal meine Stimme gegeben, weil Sie sich für eine liberale Cannabispolitik einsetzen und erwarte von Ihnen, dass Sie das Thema die nächsten fünf Jahre auch voranbringen!“

SPD: „Ich habe Ihnen noch meine Stimme gegeben, erwarte aber, dass Sie sich in Zukunft klarer für eine liberale Cannabispolitik einsetzen.

AfD, CDU, BSW: „Ich hätte mir vorstellen können, Sie dieses Jahr bei der Landtagswahl zu wählen, habe aber wegen ihrer repressiven Drogenpolitik davon Abstand genommen.“

Hier die passenden E-Mail-Adressen der Parteizentralen: