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Wie effektiv ist die Repression – UN-Drogenmeeting in Wien


Meldung des DHV vom 11. 3. 2009

In Wien findet in den kommenden Tagen das 52. Treffen der Commission on Narcotic Drugs (CND), dem höchsten Beratergremium der UNO in Sachen Drogen, statt.
Heute und morgen soll auf “ministerieller Ebene” darüber diskutiert werden, welche Erfolge das 10-Jahres-Programm zur Ausrottung der Pflanzen Mohn und Hanf sowie des Kokastrauchs gebracht hat. Danach wird über die Strategie der nächsten Dekade beraten.

Dare to Act - Kampagne von Dr. Frederik Polak Kampagne von Dr. Frederik Polak “Dare to Act!

A Drug Free World?

1998 hatten die UN-Mitgliedsstaaten unter dem Titel “A Drug Free World – We Can Do It” beschlossen, den Endspurt im Krieg gegen Drogen einzuläuten. Heute stehen sie vor den von Experten schon damals prognostizierten Trümmern ihrer Politik.
Trotz investierter Milliarden und fragwürdiger Kampagnen, wie dem weiträumigen Versprühen von Herbiziden gegen vermeintliche Felder mit Drogenpflanzen, nahmen weder die Anbauflächen noch die produzierte und konsumierte Menge illegalisierter Drogen ab.

Im Gegenteil. Mit dem durch US-geführte Streitkräfte erzwungenen Ende der Talibanherrschaft in Afghanistan nahm das Land wieder seinen Spitzenplatz unter den Lieferanten für Opium und Heroin ein. In der Grenzregion Mexikos zu den USA tobt ein brutaler Konflikt der Drogenverbreiter und ihrer Jäger, der allein 2008 mindestens 1600 Menschen das Leben kostete. Jüngst machte die britische Gesundheitsbehörde Schlagzeilen, weil sie verkündete, im Königreich sei eine Line Kokain mittlerweile vielerorts billiger als ein Bier im Pub.

Drogenproduktion und -konsum wächst

Selbst das UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime, Weltdrogenbehörde) zieht eine ernüchternde Bilanz. Der Weltdrogenreport 2009 verweist auf die “besorgniserregende Entwicklung” bei der Drogenproduktion.

Wer angesichts dieser Zahlen eine Neuausrichtung der Politik des Weltdrogenrates erwartet, wird wohl enttäuscht werden. Die vom Italiener Antonio Maria Costa geleitete Kommission für Betäubungsmittel (CND), gibt Fehler nur ungern zu.
Angesichts immer drängenderer Fragen nach Sinn und Wirksamkeit der Drogenverbote, die insbesondere von Nichtregierungsorganisationen, aber z.B. auch von der Regierung Chiles gestellt werden, verschob man kurzerhand den Fokus der Veranstaltung.

Porträt von Antonio Maria Costa, Leiter der UNODC Antonio Maria Costa, Leiter der UNODC

100 Jahre Drogenkontrolle mit zweifelhaftem Ergebnis

Statt mit dem gescheiterten 10-Jahres-Plan will sich die 1997 gegründete Behörde mit den Erfolgen ihrer Arbeit seit 1909 (?) beschäftigen!
Stolz “beweist” Costa in dem wenige Tage vor dem Meeting in Wien veröffentlichten “2. Teil des Weltdrogenberichts 2009” die Effektivität der “Anstrengungen zur Drogenkontrolle”.

For those who doubt the effectiveness of drug control, consider this. In 1906, 25 million people were using opium in the world (1.5% of the world population) compared with 16.5 opiate users today (0.25% of the world population). In 1906/07, the world produced around 41,000 tons of opium – five times the global level of illicit opium production in 2008.


It makes no sense to unravel this achievement, that has been a century in the making, by loosening controls on drug use.


Etwa: All jene, die die Effektivität der Drogenkontrolle bezweifeln, sollten folgendes bedenken. Im Jahr 1906 konsumierten weltweit rund 25 Millionen Menschen Opium (1,5 Prozent der Weltbevölkerung), im Vergleich gibt es heute 16,5 Millionen Opiatkonsumenten (0,25 Prozent der Weltbevölkerung). In den Jahren 1906/07 wurden weltweit ungefähr 41.000 Tonnen Opium produziert – fünf Mal so viel wie die weltweite Produktion illegaler Opiate im Jahr 2008.


Es ist nicht sinnvoll, diese Erfolge, die ein Jahrhundert gebraucht haben, jetzt zu gefährden, indem man die Kontrolle über Drogen lockert.

Statt zuzugeben, dass selbst massiver Einsatz von Geld, Gewalt und Militär im inzwischen mehr als 30 Jahre tobenden “Krieg gegen Drogen” weder Drogenelend verhindert hat, noch Schaden von der Gesellschaft abwenden konnte, tut der Leiter der Weltdrogenbehörde so, als müsse man sich nur ein wenig mehr anstrengen, um das “Problem Drogenkonsum” ein für alle Mal zu lösen.

Georg Wurth vom Deutschen Hanf Verband hält den repressiven Ansatz der Drogenpolitik für gescheitert: Es gibt kaum Hinweise dafür, dass Drogenverbote den Konsum der jeweiligen Substanzen senken. Klar ist aber, dass die Strafverfolgung viele negative Auswirkungen für Konsumenten und die gesamte Gesellschaft hat. Es wird Zeit für neue Wege in der Drogenpolitik.

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