Hanfverband begrüßt längst überfälliges Gesetz zu Cannabis als Medizin

Pressemitteilung des Deutschen Hanfverbands vom 04.05.2016

Das Bundeskabinett hat heute das Gesetz zu Cannabis als Medizin verabschiedet, welches die Verkehrs-, Verschreibungs- sowie Erstattungsfähigkeit von Cannabismedikamenten herstellen soll. Jetzt wird es in den Bundestag eingebracht, um dort beraten zu werden. 

Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanf Verbandes, sieht in dem Beschluss den entscheidenden Durchbruch für Cannabis als Medizin in Deutschland.

Cannabisblüten werden durch die Neuregelung fast ein Arzneimittel wie jedes andere. Anstelle des bürokratischen Umweg über individuelle Ausnahmegenehmigungen können in Zukunft Ärzte Cannabisblüten über ein normales Betäubungsmittel-Rezept verschreiben und in bestimmten Fällen können sie auch von den Krankenkassen erstattet werden.

Maximilian Plenert, wissenschaftlicher Mitarbeiter des DHV und selbst betroffener Patient, sieht in dem Beschluss das Ergebnis jahrelanger Prozesse von Patienten gegen die Blockadehaltung der Bundesregierung.

Der Einsatz von Cannabis als Medizin wurde bisher nahezu ausschließlich durch erfolgreiche Klagen von Patienten vorangebracht. Die Politik hat das Recht der Patienten auf medizinische Versorgung blockiert, wo sie nur konnte.

Der wichtigste Kritikpunkt des DHV am aktuellen Gesetzentwurf ist die Blockade beim Eigenanbau durch Patienten. Diesen zu verhindern wird explizit von der Bundesregierung als Zweck des Gesetzes genannt. Der Anbau durch Patienten ist aber bis auf weiteres die einzige Möglichkeit, Versorgungssicherheit, Sortenvielfalt für jede Diagnose sowie die reale Verfügbarkeit ihres Medikamentes unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten sicherzustellen. Wurth geht davon aus, dass das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zum Eigenanbau vorerst gültig bleibt und das BfArM Anbauanträge von Patienten genehmigen muss.

Kritisch sieht Wurth die Ultima-Ratio-Regelung bei Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Patienten müssen weiterhin alle anderen möglichen Medikamente, zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen, probiert haben, um eine Kostenerstattung zu erhalten - selbst wenn bereits klar ist, dass Cannabis ihnen hilft.

Weitere Kritik übt Plenert an der verpflichtenden "Begleiterhebung".

Der Zwang, für die Kostenerstattung an einer Begleiterhebung teilzunehmen, ist ethisch höchst fragwürdig. Ebenso ist vollkommen unklar, wie auf Grundlage dieser Daten Richtlinien für die Erstattung von Cannabisblüten erstellt werden sollen. Wir fordern ein vernünftiges staatliches Forschungsprojekt zu Cannabis als Medizin. Viele Patienten haben bereits in der Vergangenheit angeboten, freiwillig an einem solchen Projekt mitzuwirken, jedoch hat die Bundesregierung dieses Angebot nicht wahrgenommen. Es gilt Jahrzehnte der verhinderten Forschung im Bereich Cannabis nachzuholen, damit Cannabis in Zukunft mit der gleichen Evidenz eingesetzt werden kann wie andere Medikamente. Ebenso muss die Bundesregierung zur Umsetzung des Gesetzes die Bildungslücken in der Ärzteschaft schließen.

Kommentare

Dann lest doch die Kommentare welche ich im Forum der Tagesschau geschrieben habehttp://meta.tagesschau.de/id/111300/cannabis-auf-kassenkosten-kabinett-billigt-gesetzentwurf. Es geht hier nicht nur um irgendein Prinzip sondern um ein Medikament! Welchen Menschen ist Humanität egal?

Dort ist mein Name demokrat84.

Das ist zwar gut, jedoch tatsächlich überfällig. Mir fällt jetzt nicht wirklich ein Zacken von der Krone. Patienten, so wie ich selbst, haben einen Akt der Bürokratie hinter sich, was neben allen anderen Verpflichtungen im Lebensalltag einfach nur nervtötend und anstrengend ist. Denn neben Bundesinstituten für Arzneimittel, Krankenkassen und kostspieligen Privatbehandlungen, gibt es auch noch die Arbeit und die Familie. Wenn man sich überlegt, dass diese Regierung innerhalb eines Tages gegen die allgemeine Haltung der Bürger, die Visapflicht für die Türkei abschafft ist das Geplänkel um Cannabis einfach nur ein Witz. Es macht mich geradezu wütend. Was Patienten aber auch Konsumenten hier teilweise durchmachen müssen ist absolut gegen die Menschenwürde. In einem perfieden Verwaltungsakt die Leute passiv aggressiv zu belästigen ist abartig. Warum soll alles "geregelt" sein, wenn uns doch die Freiheit so wichtig ist? Welches Problem muss man haben um Leuten den Eigenanbau zu verbieten? Seit fünf Jahren engagiere ich mich in diesem Bereich und habe dabei eine Menge über unsere Politik gelernt. Als erstes, Politik wird grundsätzlich nicht für die Bürger gemacht. Zweitens, ist dies keine Demokratie sondern ein Regim und drittens gibt es die Freiheit hier in keinster Weise. Ich halte die etablierten Partein in Bezug auf unsere Verfassung mittlerweile sogar für höchst fragwürdig. Wie gesagt, passive Aggression ist mit körperlicher Gewalt gleichzusetzen. Folter kann auch physisch wie psychisch ausgeführt werden. Egal worum es geht, es wird mit Angst und Druck gearbeitet. Vom befristeten Arbeitsvertrag über Sozialleistungen, von Existenzängsten bis zur Ausbeutung. Weil Menschen glauben sie dürfen andere beherrschen und genau hier liegt der Fehler. Ich sehe dass jeden Tag quer durch die Gesellschaft, vor allem wieviel Potential von Menschen nie ausgeschöpft wird weil sie mit sinnfreiem Bockmist beschäftigt werden, wie Game of Throns, Sex and the City, Internetpornos die schon Kinder schauen und unzähligen anderen Bildungsvernichtern. Hier sollte mal reguliert werden. Nicht Cannabis macht Menschen dumm, sondern Menschen verdummen Menschen! Aber das ist ja legal.. Zudem die Argumentation, Cannabis könnte der Psyche schaden. Mag sein aber nicht so wie die von mir oben aufgeführten Tatsachen. Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit machen krank, sowie das Geschwätz der Politiker ( vorallem wenn man da zuhört), oder deren Programme. Nicht Cannabis, das mach nämlich nur müde. Traurig ist dass diese Entwicklung noch gar nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Noch eine Anmerkung: Die CDU sollte dringend das "C" streichen, da sie nicht mit christlichen Werten gemein hat, die SPD bitte das "S" da sie alles ist aber sicher nicht sozial.
Liebe Grüße aus Dortmund!

Nachtrag:

Menschen in Intakten Familien, mit mäßigen existenziellen Sorgen und einer gewissen Eigenverantwortung entwickeln keine problematischen Konsummuster. Schlüsselkinder, deren Eltern den ganzen Tag arbeiten als auch die diversen Lebensmodelle diesr Zeit führen in die Sucht und dabei spielt es keine Rolle ob es Esssucht, Alkoholismus etc. ist. Ursachen lassen sich pauschal auf den gesellschaftlichen Kontext herunterbrechen und dieser wird von der Politik gestaltet. Deswegen empfinde ich die Argumentation von Mortler, Merkel und co. auch als eine Frechheit und Anmaßung.

Für mich hat sich nach wie vor nichts geändert. Ich werde keine Luftsprünge machen, denn ich habe garantiert keine Kraft mehr noch Anträge zu stellen um dann eventuell mal Erstattungsfähiges Cannabis zu bekommen. Es gibt für mich nach wie vor keine Alternative ausser die Selbstmedikation. Vielen dank lieber Hanfverband, aber Kampf sieht letztendlich ander aus. Viel Erfolg noch, ich habe jedenfalls die Hoffnung vollends verloren.

Deine Position kann ich gut nachvollziehen. Du wirst aber verstehen, dass wir viele Jahre bzw. Jahrzehnte auf eine Kostenübernahme für Cannabispatienten hingearbeitet haben und diese daher grundsätzlich sehr begrüßen. Natürlich werden wir auch weiter für das Recht auf Eigenanbau kämpfen - das eine schließt das andere nicht aus.

Ich bin manchmal auch nur ein wenig voreillig, natürlich führt ihr einen guten Kampf. Ich wende mich ja auf keinen Fall vom DHV und deren Arbeit ab (nichts für ungut). Es spricht lediglich der Frust auf die CSU/CDU (Grünen?) aus mir und ich gebe euch hier fälschlicherweise die Schuld. So wie ich hier in einigen Kommentaren lesen kann gibt es immer noch Menschen die mglw. auch schlimmer dran sind. Bezeichnend für unsere Pharma Diktatur ist auch das Vergiftungs muss. Ich würde denen mal gerne etwas von meinem Stuhlgang schicken. Nochmal, ihr macht nen TOP JOB und ihr lasst euch nicht Einschüchtern.

Wohin soll das führen?

Seit 10 Jahren, als ich einen schweren Unfall hatte, werden mir starke Medikamente (Opiate) verschrieben. Vor einigen Jahren wurden die Nebenwirkungen immer schlimmer. Es wurden mir dann andere Medikamente (auf der gleichen Basis) verschrieben – mit den gleichen, ähnlichen oder noch schlimmeren Nebenwirkungen.

Auf der Suche nach möglichen Alternativen stieß ich dann im Internet auf Cannabis. Alles in allem machte es einen positiven Eindruck auf mich. So fragte ich dann meinen Schmerztherapeuten vor knapp einem Jahr, was es damit auf sich hat.

Als ich das Wort Cannabis erwähnte, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und sagte: fangen Sie jetzt auch noch damit an.
Er erklärte mir, dass er grundsätzlich gegen eine Legalisierung von Cannabis sei und erzählte mir von den verheerenden Nebenwirkungen dieser Pflanze, u.a. von Psychosen, Stimmen im Kopf und anderen Halluzinationen.

Im gleichen Atemzug berichtete er mir aber von einigen Patienten, die ihm anvertraut hatten, dass sie morgens eine „Tüte“ rauchten - und dass es ihnen dann besser ginge.
Außerdem sagte er beiläufig, dass es in meiner finanziellen Situation eh unmöglich sei, die Kostenübernahme zu realisieren, falls ich eine Genehmigung dazu bekommen würde.
Anmerkung: ich beziehe eine Rente wegen voller Erwerbsminderung, die leider so gering ist, dass ich zusätzlich noch vom Sozialamt abhängig bin (d.h. Hartz IV).
Da könne ich auch gleich „zum Bahnhof gehen, um mir das Zeug zu besorgen“, was dann wahrscheinlich sogar billiger wäre, fügte er noch hinzu.

Natürlich werde ich das nicht tun, zum einen weil ich nicht wüsste, wen ich da ansprechen sollte, zum anderen weil es gesetzlich verboten ist und ich viel zu viel Angst hätte, erwischt und bestraft zu werden. Außerdem weiß man nicht, welcher Dreck dem Cannabis beigemischt wird und last but not least wäre es für mich immer noch unerschwinglich (ob nun billiger oder nicht).

Meine Frage: Wenn es denn wirklich zu dieser Gesetzesänderung kommt (und ich das noch erleben darf), was hat es dann bei einer Kostenübernahme mit dieser „Begleiterhebung“ auf sich?
Wie muss ich mir das vorstellen? Wohin soll das führen?

Wie ist dann das Procedere? Der Artzt stellt Btm Rezept aus und fertig? Die Kasse zahlt. Gilt das ab sofort?

So wie ich das verstanden habe, kann dann Dein Arzt, wenn die Indikation aus medizinischer Sicht vorliegt, Dir auf BTM Rezept Cannabis Blüten oder Extrakte verschreiben. Eine andere Frage ist, ob Du es von der Kasse bezahlt bekommen wirst... das soll wohl nur dann erstattet werden, wenn Du a) schon mind. 1 Jahr wegen des Gesundheitsproblems in Behandlung bist und b) an einer Begleitstudie teilnimmst. Frechheit, aber immerhin kann man dann ab Anfang / irgendwann 2017 wenigstens im Prinzip legal an "medizinisches" Gras kommen, ohne eine explizite Ausnahmeerlaubnis zu haben.

Dass der Schuss aber wenigstens teilweise nach hinten losgehen wird, ist schon jetzt klar... denn die Einmischung in die Therapie geht gar nicht. Menschen zu zwingen, die kaum Geld übrig haben, an einer Studie teilzunehmen, nur damit sie überhaupt in den Genuss des für sie notwendigen Medikaments kommen können, nennt man Erpressung oder gar Nötigung. Daher hält der Gesetzentwurf keiner Überprüfung stand und wird voraussichtlich auch schon recht bald von anderen Gesetzen überholt werden, selbst wenn es 2017 erst mal so kommen sollte, wie Herr Gröhe und die Seinen vorsehen.

Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll nach dieser Entscheidung.
In einem Bericht habe ich gelesen, dass mit 800.000 Patienten zu rechnen ist. Wenn schon bei aktuell 500 Patienten keine Versorgungssicherheit besteht, wie soll es dann in Zukunft funktionieren?
Nur mal angenommen, es werden wirklich 800.000 Patienten, bei einer Tagesration von 1 Gramm und 15 € pto Gramm würden für die Krankenkassen Kosten in Höhe von jährlich 4,38 Milliarden € entstehen. Für mich steht fest, ohne Eigenanbau wird das nicht funktionieren!!

Was bedeutet das jetzt, wenn ich über Schlafstörungen klage (12 Jahre 3-Schicht-System)?
Muss ich jetzt alle Schlafmittel ausprobieren, die meist Benzodiazepinderivate sind, oder Hypnotika, die alle nen schrecklichen Überhang bewirken.

ich schließe mich mit meiner frage mehr oder weniger Lino Pacetti an.ich habe einige erkrankungen,die gar nicht alle behandelbar sind,weil sich eben die medikamente nicht miteinander vertragen würden oder in ihrer wirkungsweise gegenseitig widersprechen.hinzu kommt,dass viele aufgrund von vorerkrankungen nicht probiert werden können.ua habe ich starke einschlafstörungen.und ich frage mich nun auch:wann genau gilt man denn nun als austherapiert?kein vernünftiger arzt wird in fällen wie meinen dennoch alle möglichen medikamente ausprobieren,da einige eben kontraindiziert sind.ist das gleichbedeutend mit "austherapiert sein",wenn man viele medis gar nicht erst probieren kann?wenn ja,dürfte das mit der kostenübernahme durch die KK in fällen wie meinen ja doch machbar sein...

Wenn der Arzt eindeutig feststellt, dass bestimmte Medikamente kontraindiziert sind, dann müssen diese nicht eingenommen werden, um als "austherapiert" zu gelten. Entscheidend ist die Unterstützung durch den behandelnden Arzt.

dankeschön!das bestätigt,was ich mir dachte-dass es eben nicht sein kann,dass man gezwungen wird,sich sinnlos chemie einzuwerfen,die einem voraussichtlich mehr schaden zufügt,als dass sie nützt.

Es ist anderen Zeit vernünftig mit den Medikament "Cannabis" umzugehen. Uns mus klar werden was für Möglichkeiten in dieser Pflanze stecken.?!P

Cannabis bei Clusterkopfschmerz Obervorsicht, es wird unter den faqs aus einer Liste des BfArM unter anderem der Clusterkopfschmerz als Erkrankung aufgeführt, welche mit Cannabis behandelt werden könnte. Ich rate dringend davon ab, denn während einer Attacke bestehen in und um das Auge der betroffenen Seite Schmerzen in der maximalen von den Nerven übertragbaren Stärke (10 von möglichen 0 bis 10), das ist nicht die Zeit, sich wahrnehmungsintensivierende Stoffe zuzuführen. Wenn's denn nun unbedingt Naturmedizin sein soll: dann 0,1g (Dosierung einhalten!, hat dann keinerlei berauschende Wirkung) bei Dunkelheit 5 Tage in Umgebungsluft getrocknete Psilocybe semilanceata (Spitzkegeliger Kahlkopf). Das bricht bei mir (und angeblich 80% der Patienten) innerhalb von 20 Minuten die Attacke ab und bewahrt mich für 3 Tage vor Attacken. Oder ganz gesetzestreu: Die Inhalation von 100%-igem Sauerstoff durch Maske erlöst 50% der Patieten, mich nicht. Die subcuttane Injektion von Xylonest (Zahnarztcoca) in den Ästen 1, 2 (bei mir) oder 3 des Trigeminus hilft bei mir. Alle Schmerzmittel, einschließlich Morphine sind, weil der zuständige Nerv an den Hypothalamus andoggt, absolut wirkungsfrei. Während eines stationären Aufenthalts in der Kieler Schmerzklinik sollten die Doktoren dort mit "off-label-use"-Medikamenten eine Lösung finden; danach mal mit Suchmaschine die Inhaltsstoffe mit der wirksamen Substanz des Pilzes vergleichen, fällt bei der Betrachtung der Strukturformeln etwas auf?

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