Vorsicht Falle: Bei der Verschreibung von Cannabis auf Privatrezept muss der Patient auch die Arztkosten tragen

  • Veröffentlicht am: 6. April 2020 - 16:20
  • Von: Michael Knodt

Den Hanfverband erreichten in den vergangenen Wochen zahlreiche Hilferufe aus dem Südwesten. Dort hatte die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz ein Schreiben verschickt, das einem Arzt die Verschreibung von Cannabis auf Privatrezept untersagt hatte. Daraufhin hatten viele Patienten Bedenken ob der grundsätzlichen Rechtmäßigkeit von Privatrezepten geäußert. Die Pressestelle der Landesärztekammer hat nun auf Nachfrage darauf hingewiesen, dass es sich in den angefragten Einzelfällen um Versicherte gehandelt habe, die zwar Cannabis auf Privatrezept erhalten hätten. Die dafür notwendige Behandlung sei jedoch mit der Kasse abgerechnet worden. In so gelegenen Fällen verweist die Landesärztekammer völlig zurecht auf die Unzulässigkeit der Verschreibung. Es ist nicht möglich, sich auf Kassenkosten behandeln zu lassen und sich im Rahmen dieser Behandlung ein Privatrezept ausstellen zu lassen.

Patienten müssen auch die Behandlung bezahlen
Wer sich entscheidet, einen Arzt auf privater Basis zu konsultieren, verzichtet auf alle Krankenkassenleistungen. Dazu gehören neben der Kostenübernahme für die verschriebene Arznei eben auch die Behandlungskosten. Wie teuer so ein Besuch oder auch eine Folgeverschreibung ist, ist in der Gebührenordnung für Ärzte festgeschrieben. Im Schnitt werden beim Erstbesuch zwischen 50 und 100 Euro fällig, die Folgeverschreibungen sind gewöhnlich günstiger. Grundsätzlich ist es aber rechtens, sich Leistungen, für die die Kasse wahrscheinlich nicht aufkommt, verschreiben zu lassen und diese selbst zu bezahlen. Demnach ist Cannabis auf Privatrezept im Prinzip nichts anderes als eine IgeL-Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung). Auch hier zahlen die Kassen weder Behandlung noch Arzneikosten. Allerdings werden IgeL-Leistungen in Arztpraxen offen angesprochen und fast schon beworben, während medizinisches Cannabis bislang noch gar nicht als Individuelle Gesundheitsleistung wahrgenommen wird. Deshalb raten wir Privatpatienten an dieser Stelle, ihre Ärztinnen und Ärzte dringend darauf hinzuweisen, die Behandlungsleistung oder die Verschreibung nicht mit den Kassen, sondern mit dem Patienten selbst abzurechnen. In diesem Falle kommt es lediglich zwischen Arzt und Patient zu einer Geschäftsbeziehung, die weder Kasse noch Ärztekammer je zu Gesicht bekommen.

Kommentare

Dürfen auch Ärzte, die keine Privatpraxis haben an gesetzlich Versicherte Selbstzahler verschreiben?
Wird da zwischen Privat und Kassenärztlichen Praxen unterschieden?

Hi,

ja. Jeder Mensch darf um Privatbehandlung bitten. es hängt dann vom doc ab,

ab er zusagt, aber den meisten ist es recht.

Seltsam, bei jedem Schnupfen untersucht mich mein Hausarzt auf Kasse und verschreibt mir dann Gelomyrtol + Globuli auf Privatrezept. Das müsste doch dann auch verboten sein?! Dann sollen die Kassen die Idee aber mal konsequent durchziehen.

das hatte ich so auch schon. bei der TK kann man auch einen gewissen Betrag im Jahr an naturpraeperaten welche privat verschrieben wurden zurückerstatten lassen. hier wünsche ich mir eine klaerung des Sachverhalts.

Sind Sie sich sicher, dass es ein Privatrezept war? Hört sich eher nach dem grünen Empfehlungsrezept an.

Klasse, es wird immer bekloppter in diesem Land!

Während bei Kostenübernahme die Krankenkassen neuerdings durchgesetzt haben weniger (~10€/g) an die Apotheken bezahlen zu müssen, dürfen die Patienten, deren Ärzte Angst vor dem Papierkrieg haben aber dennoch ihren Patient mit einem Privatrezept im Sinne ihres geleisteten hypokratischen Eides unterstützen, weiterhin den vollen Betrag von ~20,-€ am Thresen der Apotheke blechen.
Jetzt soll dazu noch der Arztbesuch auf Kosten des Patienten gehen?
Ich könnte mich von Tag zu Tag mehr aufregen, bald ist es wieder soweit und meine episodische Clusterschmerzphase ist wieder im Anmarsch, jetzt aus gesundheitlichen Gründen arbeitslos geworden kann ich nicht mal mehr die 20€/g bezahlen welche teilweise nur einen Tag reichen, nein, ich darf mich mehrmals täglich wieder mit Triptanen kaputtspritzen wo eigentlich höchstens eine tägliche Anwendung gesundheitlich vertretbar wäre.
Wie einfach wäre es 1-2 Pflanzen auf dem eigenen Balkon wachsen zu lassen, aber die Konsequenzen wären den Erhalt der eigenen Gesundheit gegen den Status eines schwerst kriminellen Verbrechers einzutauschen.
Wie lange noch?

Eben. Gleiches für Antibabypille, Vitamin-D und andere solche Dinge. Noch nie den Arztbesuch oder die Rezeptausstellung dafür bezahlen müssen, aber eigentlich gleicher Ablauf.

Und wie sieht es aus, wenn ich ohnehin zur Untersuchung kommen muss (Regeltermine) und das Rezept dabei mitnehmen kann? Wie kann/soll/muss hier getrennt werden?

Obwohl das laut DHV "völlig zurecht" geschieht gibt es hier einige Verständnisprobleme für mich? Vielleicht kann hierauf nochmal genauer eingegangen werden.

Das musst Du mit dem Arzt selber klären, am betsen bei der Anmeldung. Aber: Eigentlich braucht der Arzt für den Vorgang keine Chipkarte. Sollte die abgefragt werden, würde ich einfach genauer nachhaken und darauf hinweisen, dass eine Privatbehandlung eine Vertragsleistng zwischen Arzt und Patient ist, die gar nicht bei Kasse auftauchen dürfte. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, denn oft macht die Anmeldung das "Einbuchen" automatisch und ist sich der Folgen gar nicht bewusst. Ich denke bei Cannabis wird auch genauer hingeschaut, ob die Formalitäten bezüglich der Gebührenordnung auch genau eingehalten werden, wäre ja nicht das erste Mal, dass Cannabis Flos eine Art Sonderbehandlung erhält. 

Meiner Meinung nach Unsinn, denn ich wurde vom Psychotherapeuten auch schon per Privatrezept mit dexamphetamin behandelt. Übernimmt auch keine Kasse... Warum geht das dann? Behandelt werde ich ja wegen meiner Krankheit, nur das Medikament zählt die Kasse nicht, also Privatrezept.

Okay. Wechsel man den Blickwinkel, bitte. Wieso sollte die Versichertengemeinschaft für eine Privatleistung zahlen, deren Arzneikosten der Patient auch selber trägt? Ob das nun ethisch okay ist, sei mal dahin gestellt, aber leider zählt nicht meine Meinung, sondern die Gebührenordnung. Nur wer den Gegner versteht kann ihm Paroli bieten. Es reicht schon, wenn der Arzt die Austellung eines "Widerholungsrezepts" mit 3,15 Euro bei der Kasse abrechnet. Denn auch diesen eig. lächerlichen Betrag von sage und schreibe 3,15 Euro (http://www.e-bis.de/goae/Goae00000019.html#2)  darf der Doc nicht über die Kasse abrechnen wg. Privatrezept. Und Dir, lieber Bernd :-), muss ich ja nicht erzählen, dass bei Cannabis immer genauer hingeschaut wird als bei anderen Arzneien. Ist ja nicht das erste Mal.

In den Moment, wo ich im Rahmen einer Privatbehandlung nach der Chipkarte gefragt werde, stimmt was nicht. Da werde ich hellhörig und frage nach, ob und wieso iwas an die Kasse geht.

Seit/ab wann gilt das denn, war das bisher ein Einzelfall oder kommt das jetzt auf alle zu( NRW)?

Aber im allgemeinen sind Privatrezepte doch Gang und gebe... Ich war Mal bei einem Hausarzt der hat ausschließlich Privatrezepte verschrieben. Somit müssten alle Ärzte widerrechtlich handeln. Im Endeffekt muss der Arzt doch wissen was er macht. Man kann doch nicht erwarten, dass der Patient als Leihe alles weiß... Mir ist es im Endeffekt ja erst Mal egal was der Arzt mit der Kasse abrechnet. Mein Beitrag bleibt ja sowieso der selbe

Danke für den Artikel. Jetzt gibt es aber auch einen Anteil von regulären Privatpatienten in der Bevölkerung. Viele davon sind Beamte, die einen bestimmten Anteil von den Beihilfestellen der Dienstherrn erstattet bekommen könnten, den Rest dann über die private Zusatzversicherung. Dieses Thema wurde beim DHV m. e. noch nicht richtig aufgegriffen. Dies wäre aber dringend notwendig, da bei den konservativen Beihilfestellen von Bund und Ländern dies ein Tabu - Thema ist. Die privaten Zusatzversicherer haben ebenfalls kein Interesse an dem Thema, da hier ja mit einer neuen Therapieform/Medikation mit höheren Kosten zu rechnen ist, welche in der Versicherungskalkulation aber nicht berücksichtigt wurde. Die Fragestellung, ob der vor vielen Jahren abgeschlossen Versicherungsvertrag diese Therapie beinhaltet wird negiert. Mfd dwk.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Die Menschen werden (zumindest die meisten) nicht wegen Cannabis behandelt, sondern wegen einer schwerwiegenden Erkrankung, die ihr Leben sehr einschränkt. In der Regel ist es so, dass man schon zig kassenärztliche Behandlungen und Untersuchungen hatte vorher. Und weil die KK die helfende naturheilkundliche und nebenwirkungsarme Behandlung nicht bezahlt, sollen auch die Untersuchungen, die sowieso hätten stattfinden sollen und evtl. andere zusätzliche Medikamente, Maßnahmen auch nicht bezhalt werden, bzw. von der KK übernommen? Wo bleiben unsere Rechte, werden uns immer mehr abhanden genommen? Ich habe schon oft im Rahmen einer ärztlichen Behandlung auch Kassenrezepte, Privatrezepte und grüne Rezepte gleichzeitig bekommen, alles andere wurde trotzdem von der KK abgerechnet. Wenn ein notwendiges und am besten - bei manchen als alleiniges - helfendes verschreibungspflichtiges Medikament, welche keine schwerwiegenden Nebenwirkungen macht, von der KK verpönt ist und die Kosten nicht übernommen werden, obwohl der Arzt das befürwortet, bleibt einem ja nichts anderes übrig, wenn man sich nicht mit schweren chemischen Keulen kaputt machen lassen will, die noch nicht mal gut helfen in vielen Fällen. 😡

...dass die Krankenkassen nichts anderes tun als das was ihr Name suggeriert: Die Kranken zur Kasse zu bitten. Ich habe 9 Monate in der Mainzer Uniklinik über eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet und somit einen teiferen Einblick bekommen. Die Wahrheit ist die Krankenkassen zweifeln ständig von Krankenhaus bereits erbrachte Leistungen an und zahlen diese nicht. Dem Krankenhasu entstehen dadurch finanzielle Probleme, welche wiederum auf das Personal abgewälzt werden welches immer mehr leisten muss mit immer weniger Mitarbeitern zum gleiche Gehalt. Es ist leider auch Praxis das nicht examinierte Mitarbeiter auf Aufgaben angesetzt werden die lediglich examinierte Mitarbeiter ausüben dürften was eine Gefahr für den betroffenen Mitarbeiter und die Patienten darstellt. Ich habe ebenfalls live erlebt wie höherer Besuch bewußt angelogen wurde von meiner damals Vorgesetzten Frau S. die ganz klar und wissentlich falsche Aussagen betreffs der Mitarbeitersituation, Auslastung und dem Verhältnis examinierter / nicht-examinierter Mitarbeiter im Blut- (auch für mikrobiologische Proben und Pathologisches Material zuständig) und Patiententransport. Unser Gesundheitssystem ist keines, es ist ein auf wirtschaftliche Faktoren ausgelegtes Krankheitssystem. Der Name Krankenhauas, Krankenkasse usw. nennt es doch bereits beim Namen. Warum heißt es sonst nicht Gesundungszentrum? Wäre ja alleine vom Psyschologischen Effekt nachweisbar heilsamer...
Es ist auch definitiv gegen die Würde des Menschen was da so alles abläuft und das beziehe ich nciht nur auf diese eine Institution. Wie kann man den Menschen dafür Strafen sich mit Natruheilmitteln/Naturgenußmitteln ohne Schädigung Dritter (von finanziellen Machtgebilden und Kontrollorganen mal abgeshen) selbst zu versorgen/zu behandeln? Wieso müssen Bauern Geld daüfr zahlen dass sie ihr eigenes Saatgut herstellen dürfen? Einmal nachgedacht zerfällt das Bild von unserem freien Land ziemlich rapide in Mosaike eines scheinheiligen Lügengebildes welches zu nicht unerheblichen Teilen durch Gier und Mißgunst zusammengehalten wird.
Ziviler Ungehorsam ist heutzutage nun mehr Notwehr geworden, zum Schutze der angeblich gesetzlich gewährleisteten Unversehrtheit die man uns für teures Geld verkauft...
-Stell die richtigen Fragen und die Antworten werden dich frei machen, allerdings muss man bereit sein Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Ich bekomme ausschließlich Triptane für meine Migräne mit dem Argument es ist ungefährlicher oder wirksamer.
Ich kann mir jederzeit alle möglichen, hoch suchterzeugenden, Opiate wegen Rückenschmerzen, Schlafmangel, Stress oder einfach nur Angst beim Hausarzt oder dem nächsten Neuro auf Kasse holen.

Cannabis wäre in meinem Fall nicht nur eine sehr wirksame und kostengünstige(bei Eigenanbau), sondern auch eine gesündere alternative zur allgemeinen Schulmedizin.
Schwarzmarkt fällt ja völlig Flach mit gefährlichen Streckmitteln und Überdosierung wegen falscher Sorte, vor allem bei Ängsten.

Der DHV ist für Millionen von Menschen in Deutschland eine der wichtigsten Institutionen ob bewusst oder unbewusst.
Ich habe immer noch Hoffnung in den nächsten Jahren Botaniker zu werden :-)

Da fallen ja die Hühner von der Stange !! Hab ich das jetzt richtig verstanden?? wenn privat Rezept,,,dann auch die Arztkosten / Besuche??Es ist zum erbrechen,,wie wenig die Ärzte und die Krankenkassen informiert sind über Cannabis. Durch diese Unwissenheit,,passieren soviele Fehler,,aber die Hauptsache,,,die vor allen anderen Dingen steht,,ist doch mal wieder klar ersichtlich !! Wer sich wo am meisten bereichern kann. .Ihr lieben Ärzte,,und Krankenkassen,,,wie gut das es den Schwarzmarkt gibt !!
Wer schlau ist , bleibt dabei.Ich bin fassungslos,,unter Legalisierung,,,verstehe ich aber etwas ganz anderes !!

Selbst wenn man sich jetzt Privatbehandeln lässt und dann ein Privatrezept erhält, bekommt man dann auch ein Canabis-Patienten-Ausweis oder dergl.?

Dürfen Ärzte in Rheinland-Pfalz nun weiterhin, wie bundesweit üblich, auch auf Privatrezept verschreiben oder ist das den Ärzten tatsächlich untersagt?

Wenn es Ihnen tatsächlich untersagt sein sollte, was wären die Konsequenzen, wenn Sie es dennoch über Privatrezept verschreiben?

"Es ist nicht möglich, sich auf Kassenkosten behandeln zu lassen und sich im Rahmen dieser Behandlung ein Privatrezept ausstellen zu lassen."

Gibt es hierfür eine Quelle?. Es gibt beispielsweise online Arzt-Termine per Smartphone-App, die von den den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Die Ärzte stellen dort aber per se nur Privatrezepte aus, die man dann auf sein Smartphone geschickt bekommt.

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