Regierung plant einfacheren Zugang zu Cannabis als Medizin?

  • Veröffentlicht am: 4. Februar 2015 - 10:38
  • Von: Florian Rister

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler kündigte im Interview mit der Welt an, dass die Regierung noch in diesem Jahr einen Gesetzesentwurf zur Kostenübernahme für Cannabis durch die Krankenkassen in den Bundestag einbringen wird. Damit folgt sie scheinbar einer alten Forderung des Hanfverbands und des Selbsthilfenetzwerks Cannabis als Medizin.

Ob sie damit wirklich medizinische Cannabisblüten meint, oder nur präparierte Arzneimittel wie Sativex oder Dronabinol, ist bisher nicht eindeutig klar. Die bisherigen Statements sind sehr vage gehalten, niemand sollte sich zu früh freuen. Der DHV hat telefonisch beim Büro der Drogenbeauftragten nachgefragt, ob sich die aktuelle Ankündigung nur auf Präparate wie Sativex und Dronabinol, oder auch auf natürliche Cannabisblüten beziehen soll. Der Sprecher erklärte, diese Details würden erst im Laufe des Jahres gemeinsam mit dem Gesetzesentwurf festgelegt.

Wenn es zukünftig wirklich eine Kostenübernahme für medizinische Cannabisblüten geben sollte, wäre dies auf jeden Fall ein wichtiger Schritt hin zu einer ordentlichen medizinischen Versorgung der Patienten in Deutschland. Allerdings sollte sich die Bundesregierung dann auch fragen, ob der Anbau des Cannabis nicht besser direkt in Deutschland stattfinden sollte, um die Kosten für die Allgemeinheit zu senken. Momentan werden Cannabisblüten von der Firma Bedrocan aus den Niederlanden importiert, und in Deutschland zu Preisen zwischen 15€ und 25€ pro Gramm an die Patienten abgegeben.

Einigen Patienten würde aber auch eine Kostenübernahme nicht wirklich weiterhelfen. Die Firma Bedrocan bietet momentan ausschließlich 4 verschiedene Sorten an, und kann die hohe Nachfrage in ganz Europa kaum bedienen. So kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Viele Cannabispatienten schwören auch auf ganz spezielle Cannabissorten. Es gibt nämlich hunderte, wenn nicht tausende verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Wirkstoffkompositionen und dementsprechend unterschiedlichen medizinischen Wirkungen. Daher wird die Forderung nach legalem Eigenanbau für Patienten in Zukunft weiter ein zentraler Aspekt unserer Arbeit sein.

Seitdem 2006 das Verfassungsgericht entschieden hatte, dass die Versorgung von Patienten mit einem notwendigen Medikament durchaus im öffentlichen Interesse liegt, und daher das Bundesinstitut für Arzneimittelrecht und Medizinprodukte (BfArM) im Jahr 2008 anfing, entsprechende Anträge auf die Verwendung von medizinischem Cannabis zu genehmigen, leiden alle Patienten, die nicht mit einer prall gefüllten Brieftasche gesegnet sind, unter mangelnder Versorgung und hohen Kosten. Trotz unzähliger juristischer Klagen und einer klar positiven Haltung der deutschen Bevölkerung, wies das Bundesgesundheitsministerium das ihm unterstellte BfArM an, Anträge auf Eigenanbau von Cannabis weiter konsequent abzulehnen. Mit Verweis auf die finanzielle Notlage der Patienten hatte ein Kölner Gericht letztes Jahr einigen Patienten das Recht auf Eigenanbau zugesprochen. Auch hiergegen hat die Bundesregierung Widerspruch eingelegt.

Georg Wurth, Vorsitzender des Deutschen Hanfverbands:

Kaum zu glauben, dass die Regierung jetzt ein Herz für Cannabispatienten entdeckt hat. Der Verdacht liegt nahe, dass mit der Erstattung durch die Krankenkassen der Eigenanbau verhindert werden soll. Die Erstattung durch die Krankenkassen ist richtig und wichtig. Aber jetzt werden wir sehen, ob die Regierung weiterhin die Weichen Richtung Pharma-Produkte stellt oder ob sie sich dem internationalen Trend anschließt und auch preiswerte natürliche Hanfblüten einbezieht.

Kommentare

Ach was, wir sollen doch nur alle Mundtod gemacht werden. Selbst wenn die Krankenkassen zahlen, heißt das doch nichts. Auch wenn man auf ein einfaches BtmG Rezept tatsächlich Blüten haben dürfte, so muss es, wie im Bericht erwähnt auch erst einmal verfügbar sein. Es wird langsam Zeit das die Farbe bekennen. Wie oft muss die Polizei noch vollkommen überzogen Patienten drangsalieren? Wie viele müssen noch sterben?

Frage wäre, wie man uns helfen will...
wer entscheidet ob meine schmerzen stark genug sind?
mein Hausarzt?
oder muss der Patient schon fast tot sein?
Ich behaupte dass keiner unser leid nachvollziehen kann, außer man ist betroffen.
Macht es Sinn den Staat zu verklagen wenn es im Einzelfall verwehrt wird und trotzdem starke Schmerzen vorhanden sind.
Die normal Medizin hat bei meiner Frau und bei mir nicht oder nur bedingt geholfen. Wir hatten es dann mit Cannabis probiert und hups, alles war gut. Meine Frau hat schweren Morbus Chron A. und die dazu Begleiterscheinungen, hat auch mehrere not op hinter sich, hat eine Beckenangleichung und Klumpfüße die immer schmerzen. Ich selber bin Chronisch krank, mit Rücken, Gelenke, Diabetes (gespritzt) Arthrose und so kleine Sachen noch... wir haben es mehrfach ausprobiert und sind letztlich frei von Cannabis weil es halt illegal ist und wir eine strafverfolgen aus dem Weg gehen wollen... jetzt ist es so, dass wir unter nicht verschwindenden schmerzen leiden, weil die Schulmedizin uns nichts bringt bzw. bedingt. Meine Frau ist zu 80% und ich zu 50 % Behindert durch die Krankheiten... ach, selbst der Chemo versuch bei Frau ging deutlich in der Hose. dabei ist sie erst 38 Jahre und ich 47.

Ich wäre für volle Freigabe unter der Rücksicht starken Jugendschutz und Genussfreigabe ab 21. Kranken Menschen soll geholfen werden, sofort!!! … wer es glaubt.

Lg docdc

Hallo Docdc

Ihr könntet jetzt schon versuchen, den Weg zu einer Ausnahmegenehmigung zu gehen. Wenn ihr wisst, dass Cannabis euch hilft, solltet ihr euch nicht mit schlechteren Medikamenten abfinden.
Schon unseren Patientenratgeber gelesen?

https://hanfverband.de/themen/medizin/ratgeber-fuer-patienten

Wenn danach noch Detailfragen sind, meldet euch bei uns. Ansonsten solltet ihr halt erstmal die Ärzte in eurer Umgebung abklappern, und nach jemandem suchen, der sich für das Thema offen zeigt.

Eigentlich eine schöne Nachricht, wenn nur das "Kleingedruckte" nicht wäre. Denn es bleibt trotz allem dabei, das die Anhänger von CDU/CSU nicht wirklich an Cannabis als Medikament glauben. Daher auch Mortlers Erwähnung,.."es ist nicht ganz einfach festzustellen wer wirklich(!) Cannabis benötigt"!!. Denn es bleibt dabei das nur "austherapierte" Patienten eine Möglichkeit dafür bekommen, also erst nachdem Sie mit härteren Opiaten behandelt worden sind-und eben diese ausser Organschäden zu keiner Besserung mehr geführt haben. Desweiteren sieht man dies auch an den Preisen für med. Cannabis, die weitaus höher sind als der Preis auf der Strasse, weil man verhindern wollte/möchte das Patienten ihr Medikament an 3.e weiterveräussern! Was heist,das man den Med. Grund für die Einnahme nicht ganz glaubt!..(PS.: gleiche Medikamente sind im Ausland weitaus günstiger-schon jetzt!!) Bleibt also nur zu hoffen das es doch möglich sein kann über den eigenen Tellerrand hinaus zu Blicken um weiteren Pat. Medikamente anbieten zu können. ( BSP.: USA - Med. für Kinder mit schwerster Epilepsy; Krebspat. und zwar vor schädigenden Opiaten; .... ). Aber leider scheint es als seie diese Ankündigung nur ein Schritt der Pharmalobby, die lieber einigen wenigen ein Med. erstattet ( zum günstigeren Bezugspreis als die Pat. selber !!), anstatt der Erlaubnis auf Eigenanbau ( Köln!!) zuzustimmen und somit einer mögl. generellen Re-Legalisierung den Weg zu öffnen.

Welcher Arzt hat schon mal Kefir empfohlen?
Grundsätzlich funktioniert das nur in einer Form in dem genügend Geld für die Pharmalobby rausspringt. Nicht die Politik kann hier die Weichen stellen. Die Entscheidung liegt allein bei Unternehmen wie Bayer HealthCare Pharmaceuticals, Boehringer Ingelheim, Merck KGaA usw.
Wenn da nicht Umsätze ab einem zehnstelligen Bereich zu erwarten sind, wird es der deutschen Politik untersagt hier entsprechend Gesetzesentwürfe zu verwirklichen und es bleibt nur Schall und Rauch.
Die deutschen Politiker sind leider nur Huren der Wirtschaftsmagnaten.
Der Lobbyismus regiert das Geld, und Geld regiert die Welt!

Kommt/Wird wie in den USA, so hat es da auch angefangen!

TTIP sei dank ;-)

Das ist der erste Schritt hin zur Legalisierung glaube kaum das Krankenkassen das komplett bezahlen wollen/können, die kosten sind schon immens sagen wir mal 1000€/Person im Monat(rechnet das mal hoch).
Zudem wird Bedrocan nicht den kompletten Bedarf decken können und auch aus Kostengründen muss man sich überlegen in Deutschland anzubauen.
Demnach müsste sich die Gesetzeslage doch soweit ändern das Cannabis nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fällt oder sehe ich das falsch.

Wie du unserem Artikel entnehmen kannst, steht bisher nicht fest, ob sich die Äußerungen auf natürliches Cannabis oder nur auf Präparate beziehen.

Ich bin mir sehr sicher die Äuserung bezieht sich auf ein von der Pharmaindustrie erzeugtes Präparat. Unsere amtierende Regierung wird doch seit Jahren von denen geschmiert, bezahlt, gesponsort...wie man das auch immer nennen mag. Man kann nicht im ernst glauben es würde irgendeine Entscheidung getroffen welche nicht im Sinne der Pharmaindustrie ist. Die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen wird dabei schon immer mit Füßen getreten.

Frau Mortler sprach von einer einheitlichen Grenze für den Eigenbedarf (6gramm). Ohme da zuviel herein zu interprätieren, geht es zwar um den med. Gebrauch aber auch um generell bessere Lösungen im Rechtssystem. A) So viele Stimmen aus Wissenschaft, Recht, Presse der öffentlichen Debatte kann auch eine CDU nicht völlig ignorieren. B) Es gibt einen globalen Trend zur Liberalisierung. C) Wird das Papier durch den Bundestag und einige Oppositionsparteien werden auch auf die ein oder andere Weise versuchen Einfluss zu nehmen. D) Dieses Jahr findet der UN Komvent zu Drogen statt und Cannabis wird auch hier bei den Hardlinern nicht mehr ignoriert werden können. E) Sollte ein schmales Gesetz verabschiedet werden geht die Debatte weiter ( nicht mehr aus den Medien wegzudenken) und dann sitzen sie nächstes Jahr an einem neuen Entwurf. Man kann es sich auch wirklich schwer machen. Danke Frau Mortler dass Sie sich für schwerkranke Menschen engagieren.

lesen und teilen

http://www.encod.de/info/Drogenpolitik-Staatsverschuldete.html

Ich denke dieser (überfällige) Schritt wird ein Pyrrhussieg sein. Die wahren Beweggründe das sich die Konservativen hier bewegen sind den Eigenanbau der Patienten weiterhin zu verhindern. Die Kassen zahlen dann (theoretisch) aber wenn keine Medizin verfügbar ist, nutzt das nichts.
HabAuchNeMeinung

Das wird bestimmt wieder so ein Drecks Deal wie damals mit den Samen. Man gebe Schwerstkranken ein paar Blüten, dafür wird ein neues Gesetzt gegen Growshops beschlossen, oder Rauchzubehör wie Bongs wird verboten. Da fallen mir zu oft Wörter wie Sishas, Ich glaube die Mortler kennt den Unterschied nicht.

Bei unserer Regierung könnte ich mir gut vorstellen, dass sie diesen Entwurf nur nutzen um uns anschließend in den Rücken zu fallen.
Die sollen aufhören die Pharma Konzerne zu unterstützen und endlich den Zugang zu natürlichen Hanfblüten ermöglichen.
Viele Menschen sind medizinisch drauf angewiesen und seit Jahrhunderten hilft die Natur mit natürlichen Produkten dem Menschen bei der Heilung von Erkrankungen.
In meinen Augen wäre es der Schritt in die richtige Richtung zumal unsere Gesetzte im Bezug auf Cannabis meines Erachtens nach sowieso ziemlich überzogen sind, wenn man sich mal so einige Urteile in den Bereichen ansieht.
Initiative Zeigen und legalisieren !!
Liebe Grüße
Push Kush

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