Neue Studie zur Gefährlichkeit von Drogen erschienen

  • Veröffentlicht am: 17. November 2010 - 11:20
  • Von: Maximilian Plenert

Meldung des DHV vom 06.12.2010


Prof. David Nutt, der ehemalige oberste Drogenberater der britischen Regierung, sorgt einmal mehr für Wirbel. In einer neuen Studie kommt er zusammen mit anderen Drogenexperten zum Schluss: "Alkohol ist die schädlichste Droge, noch vor Crack und Heroin"

David Nutt, ehemaliger oberster Drogenberater der britischen Regierung und Professor for Neuropsychopharmakologie am Imperial College in London", CC-Image by Lucy Goodchild / Imperial College London

Eine Gruppe Drogenexperten um Professor David Nutt (Independent Scientific Committee on Drugs, ISCD) und Dr. Leslie A. King (Fachberater der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, EMCDDA) haben vor einem Monat in London eine Studie zur Gefährlichkeitsbewertung von Drogen vorgestellt. Auf Grundlage von 9 Kriterien zur Gefährdung des einzelnen Konsumenten und 7 Kriterien in Zusammenhang mit den Gefährdungen anderer erstellten sie eine Skala von 0 bis 100. Der Anspruch der Forscher ist zusätzlich der, dass diese Skala proportional zur Gefährlichkeit der Drogen ist, also eine Drogen mit 50 Punkten halb so gefährlich wie eine mit 100 Punkten ist. Das Ergebnis ist in folgender Tabelle dargestellt und spricht für sich selbst. Die Studie "DJ Nutt and others. Drug harms in the UK: a multicriteria decision analysis. Lancet 2010; 376: 1558 " kann hier kostenlos eingesehen werden.

Gefährlichkeitsranking nach David Nutt

Ranking der wichtigsten Drogen nach einer Gefährlichkeitsbewertung von David Nutt, Bild von Maximilian Plenert

Bereits im Jahr 2007 hatte Nutt in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet eine ähnliche Untersuchung vorgestellt. Nutt und seien Kollegen hatten zwei unabhängige Expertengruppen gebeten, die häufigsten legalen und illegalen Rauschmittel hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit zu bewerten. Die legalen Rauschmittel Alkohol und Nikotin landeten damals auf Platz 5 bzw. Platz 9, während die illegalisierten Drogen Cannabis und Ecstasy als vergleichsweise ungefährlich eingestuft wurden. Auf Grundlage dieser Daten kritisierte Nutt als Vorsitzender des Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) wiederholt die Drogenpolitik der britischen Regierung. Die Einteilung und Bewertung der Drogen sei „schlecht durchdacht und willkürlich“ („The current drug system is ill thought-out and arbitrary”). Insbesondere störte ihn die Umstufung von Cannabis von der Drogenklasse C nach B. In der Kategorie B befindet sich Cannabis nun wieder in der Gesellschaft mit Drogen wie Amphetamin, während die Kategorie C eher Medikamente wie Diazepam und Schlaftabletten beinhaltet. Die Strafen für Besitz und Handel sind natürlich auch entsprechend unterschiedlich. Cannabis wurde erst 2004 - auf Empfehlung des ACMD - von der Kategorie B nach C umklassifiziert, um so Cannabiskonsumenten weniger stark zu verfolgen und den überschaubaren Auswirkungen der "weichen Droge" eher gerecht zu werden. 2007 erfolgte dann auf Anweisung von Premierminister Gordon Brown die Rückumstufung. Vor einem Jahr wusste sich der damalige Innenminister Alan Johnson nicht mehr anders zu helfen als Nutt von seinem Amt zu entheben...

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Kommentare

Ich verwette meinen arsch darauf das diese studie mal wieder schön unter den Tisch gekehrt wird!

[quote name="Phillip Timmer"]Ich verwette meinen arsch darauf das diese studie mal wieder schön unter den Tisch gekehrt wird![/quote]
Bestimmt -.- !

Anonymous schrieb:
name="Phillip Timmer" schrieb:
Ich verwette meinen arsch darauf das diese studie mal wieder schön unter den Tisch gekehrt wird!
Bestimmt -.- !

2020 Cannabis ist kein Brokkoli 🥦 Prost 🥂 eure CDU

Ich Frage mich ganz ernsthaft, wie diese Wisentschfaftler zu dieser Einschätzung kommen. Ich kann nicht glauben, dass Cannabis weniger schädlich sein soll, als GHB, Benzos oder gar Ketamin.
Allgemein sollte man vielleicht auch die Einteilung in harte und weiche Drogen überdenken, denn entscheidend für das Gefährdungspotential einer Substanz ist der Umgang mit selbiger.
Die Handhabbarkeit einer Droge wird dabei von einer Illegalität stark negativ beeinflusst, daher sollte man nicht nur die Legalisierung von Cannabis, sondern auch die Freigabe aller Drogen befürworten und nicht immer nur über das böse Gift Alkohol schimpfen. Letzten Endes kann nur eine vernünftige Prävention eine Schadensminimierung erzielen. Die Prohibition dagegen führt weder zu einer Reduzierung des Konsums, noch zu einer Lösung der gesellschaftlichen Herrausforderungen, die Drogen eben mit sich bringen.

ich bin mir sicher,wer dem Teufel ein Schnippchen schlagen will und wirklich etwas gegen den Terrorismus unternehmen will, der legalisiere Hanf

Wer sich nicht beim Lancet registrieren möchte, findet den Artikel auch unter:
http://www.easl.eu/assets/application/files/f1eac1031dc66cd_file.pdf

Es sollte jedoch nicht übersehen werden, und dieser Hinweis fehlt mir eigentlich im obigen Text, dass sich die Studie explizit mit dem Fall des SubstanzMISbrauchs befasst und nicht mit der Gefährlichkeit einer Droge als solcher (was mE eh nur begrenzt sinnvoll sein dürfte). Eine klare Definition von 'misuse' ist im Artikel aber leider auch nicht gegeben.
Interessant ist auch zu sehen dass der größte Faktor für den '1. Platz' von Alkohol die 'ökonomischen Folgen' sind (erst danach Verletzungsrisiko und familiäre Probleme). Also Legalisieren weil ein kiffender Arbeiter den Profit weniger schmälert als ein saufender? Letztlich sollte diese ethische Frage nicht durch die wirtschaftlichen Implikationenen ( = auch Ideologie) beantwortet werden.

Diese Studie hat meiner Meinung nach nicht viel mit der Realität zu tun. Nur das Alkohol in der Gegend von Heroin anzuordnen ist kann ich verstehen.

Lasst mal die Kirche im Dorf, das ist doch keine Studie, das ist eine Auflistung, die einfach nach willkürlichen Kriterien erstellt wurde. Wählt man die Kriterien anders (z.B. mehr Gewichtung auf Konsumenten trotz illegalität) steht Hanf weiter oben.

Willkür un zu nichts zu gebrauchen.

Naja bei der Frage nach der legalisierung von Internetpiraterie oder Bankraub geht es doch auch in erster linie um den Wirtschaftlichen schaden für die Gesellschaft oder ? allerdings finde ich abere Grafik auch nicht ganz so nützlich, für den Gesetzgeber aber bestimmt....besser ist die grafik auf seite 5 da kann man auf der x achse ganz klar die Gefahr für den Konsumenten ablesen und wem das nicht genau genug ist kann sich ja auf seite 6 die differenzierteren Risikofaktoren selber zusammenbasteln

@DaveChappelle, "eine Auflistung, die einfach nach willkürlichen Kriterien erstellt wurde"

Hast du den Inhalt der Studie nicht gelesen? In Verbesserung zu der 3 Jahre zuvor erschienenen Studie wurde 16 Kriterien hinzugezogen und von einem Team gewichtet: "the criteria were weighted to indicate their relative importance". Dabei wurden ähnliche Arbeiten verglichen, die vergleichbare Gewichtungen liefern.
Natürlich geht das nicht objektiv sondern subjektiv - deshalb auch das Team und die vielen Kriterien, so dass das Ergebnis selbst bei anderer Gewichtung nicht wesentlich anders ausfällt. Und eine Grafik, die die Gefährdung einzelner (Crack vor Heroin, Meth) der anderer (Alkohol vor Heroin) gegenüberstellt, ist auch enthalten.

Immer dieses hin und her ,wenn es so weitergeht zerstört sich die Welt selbst.
Viele die Cannabis Konsumieren wissen auch wie man mit sowas umgeht.
Würden halt mal alle Menschen [b]nachdenken[/b] und mal [b]überlegen[/b] wie eingesperrt wir eigentlich in Deutschland Leben .
[i]Ich bin Dafür[/i] das [b]Cannabis Legal[/b] wird, jeder Mensch mit normalen Verstand weiß auch was er nicht oder schon machen soll.
Die Legalisierung würde viel verändern ,auch der [b]Schwarzmarkt[/b] würde zusammenbrechen was Natürlich gut Für die Staaten wären und somit würde der Staat gut Geld verdienen. Ganz Ehrlich solange es [b]Illegal[/b] ist solange gibt es auch [b]Kriminalität [/b]. Lg [b]FREEDOM[/b] :-) :lol: :-) Stimmt und Helft mit und schon geht es uns besser ""

Ich hab auch nicht wenig rumexperimentiert,
versteh aber einfach nicht, warum MDMA harmloser als THC sein soll.

Sowohl psychisch als auch physisch hat diese Substanz doch weitaus heftigere Auswirkungen.

10 davon gehören zu meinen täglichen Muntermachern...lol einige von den 10 aber auch weil ich sie Krankheitsbedingt nehmen muss. Sehr gute Statistik die wieder einmal zeigt wie die Medien uns mit falschen Informationen in die Irre führen.

hat jemand mal korrelationswerte dazu? mich würde ja interessieren, wie die validität dieser neun kriterien aussieht und ob das dann tatsächlich noch so signifikant ist..

[quote name="d"]hat jemand mal korrelationswerte dazu? mich würde ja interessieren, wie die validität dieser neun kriterien aussieht und ob das dann tatsächlich noch so signifikant ist..[/quote]

hallo d, meldet du dich deswegen bitte einmal direkt bei mir max.plenert@hanfverband.de

Man sollte bedenken,hier wird das Schadenspotenzial gerechnet,das Heilungspotenzial von den Stoffen sollte meines erachtens aber auch berücksichtigt werden.Dann sollte sich der Platz von Hanf wohl noch sehr verändern zum guten. ;-)

Klingt unglaubwürdig, sich Steroide zu verabreichen ist ja wohl gefährlicher als zu kiffen!

Irgend etwas stimmt hier nicht. Ich glaube die Giftigste Droge ist Krokodil (billiger Heroin ersatz aus Russland), die Konsumenten versterben innerhalb von 3 jahren danach müsste Christal meth kommen (es zerstört den Lörper völlig) dann müssste Heroin kommen und danach Alkohol usw. Warum werden hier Pilze, LSD, Ecstasy, Steroie und Methadon als weniger gefährlich als Cannabis eingeordnet. Alle diese Drogen sind für körperlichen verfall und Todesfälle bekannt. Nach welchen Kriterien wurde hier bewertet, Zufallsprinzip ?

[quote name="Tom 23"]Nach welchen Kriterien wurde hier bewertet, Zufallsprinzip ?[/quote]

Die gesamte Studie gibt es hier: http://www.researchgate.net/publication/6424313_Development_of_a_rationa...

Einfach mal komplett durchlesen, danach kann man sich dann gerne über einzele Punkte streiten.

Ich muss eine Präsentatin über Iligale Drogen halten und ich wolte fragen ob mir jemand sagen kann wo ich infomationen her bekomme das sich meine Präsentatin nicht nur auf diese untersuchung stützt.

[quote name="Jana"]Ich muss eine Präsentatin über Iligale Drogen halten und ich wolte fragen ob mir jemand sagen kann wo ich infomationen her bekomme das sich meine Präsentatin nicht nur auf diese untersuchung stützt.[/quote]

Die beiden Studien von David Nutt sind leider relativ einmalig. Er verweist jedoch auf folgende Studie aus den Niederlanden die ähnliche Ergebnisse brachte:

van Amsterdam JGC, Opperhuizen A, Koeter M, van den Brink W. Ranking the harm of alcohol, tobacco and illicit drugs for the individual and the population. Eur Addict Res 2010; 16: 202–27.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20606445
http://www.karger.com/Article/FullText/317249

Mir fiele noch http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2013/165_oktober/s03_1013... ein

Und http://books.nap.edu/html/marimed/ch3_t4.html
Die im März 1999 veröffentlichte Studie des renommierten "Institute of Medicine" der amerikanischen Akademie der Wissenschaften untersuchte im Auftrag der US-Regierung u.a. auch das Abhängigkeitspotenzial von Cannabis. Laut dieser offizielle Studie entwickelt folgender Anteil unter den Probierern folgender Drogen später irgendwann eine Abhängigkeit:
Nikotin: 32%, Heroin: 23%, Kokain: 17%, Alkohol: 15%, Cannabis: 9% (IOM-Studie, Kap. 3, Tabelle 4)

Endlich einmal jemand, der sich wissenschaftlich mit der Materie befasst. Nicht immer nur das dumme bla bla bla von denen, die noch nie im Leben einen Joint geraucht haben.
Gruß Belo. Z

Hallo,

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass der Link zur Studie (...zur Gefährlichkeit von Drogen...) nicht mehr aktuell ist. Er führt zu http://www.thelancet.com

LG

Hallo Alex,

vielen Dank für den Hinweis. Ich habe den Link mal korrigiert.

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(10)61462-6/abstract

Hanfige Grüße

Florian Rister (DHV)

Kann es evtl. daran liegen, dass Cannabis mit 22 Punkten im Mittelfeld liet, weil es keine kontrolierten Markt gibt, in dem Cannabis ohne Zusätze von anderen Stoffen produziert wird, in dem man keine Streckmittel verwendet? Vielleicht trägt dies ja auch nur zu so einem Ergebnis bei, welches Cannabis in einem solchen Licht darstellen lässt.

Leglize It!

Hallo!
Ich bin der Auffassung, dass eine generelle Einstufung der Gefährlichkeit von Drogen ein Ansatz zum Umgang mit legalen wie auch illegalen Substanzen für die Zukunft ist und auch bleiben wird.
Jeder Körper und jede Seele reagiert individuell - daher meine Zweifel, dass damit irgendwem geholfen ist.
Aber meine Erfahrungen sagen mir, dass es nicht ganz daneben ist, sich mit dem Thema Drogen mal grundsätzlich zu befassen.
Ich halte Alkohol und Tabak für am aufdringlichsten und gefährlichsten.
Außerdem sind diese legalen Drogen immer verfügbar und daher am ehesten ein gesellschaftliches Dilemma.
Bleibt dran an dieser Thematik, denn Sie geht uns alle etwas an.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Ziehm

P.S. Keine Macht den Drogen - die Macht liegt bei einem selbst, Sie zu beherrschen.

Also ich bin ein starker Befürworter für Cannabis und dessen Legalisierung aber diese Tabelle wurde wohl von einem gemacht dem irgendjemand komplett ins Gehirn gesch**sen hat. Komplett sinnlos und unnötig Alkohol über Crack und Heroin zu stellen. Durch die Aussage hat dieser Typ jede Kredibilität in seiner Materie verloren.

Hallo Alle!
Ich habe heute nach der zitierten Studie gesucht. Keiner der angegebenen Links wollte mir heute den ganzen Artikel anzeigen. Mein Fehler??? Über einen aktuellen Link würde ich mich freuen!

Manchen der Kommentatoren würde ich wünschen, dass sie ein bisschen sachlicher würden..
Bitte bedenkt das Wort Missbrauch! (Medizinische Anwendungen sollten sich da nichteinreihen, was leider auch nicht so sicher ist - vgl. Schmerzmittel in den USA)

Die Macht liegt bei uns selbst: Hm, das Wesen einer Sucht liegt darin, dass der Süchtige die Macht verliert. Damit möchte ich (im Gegensatz zu manchen Therapeuten) den Süchtigen nicht völlig aus seiner Verantwortung entlassen. Die Verantwortung setzt aber schon früher an, nämlich bevor der Einzelne in die Sucht verfällt.

Alkohol wird mE viel zu oft verharmlost. Verbieten ist schwierig, weil man ihn sehr leicht selbst herstellen kann. Wie es mit Alkohol am Steuer ist, ist schwer exakt abschätzbar, weil von vielen individuellen Faktoren abhängig (das hat mir ein Drogenspezialist gesagt).

Einen weiteren Aspekt möchte ich noch erwähnen (ich weiß nicht, ob er in dem Artikel im Lancet behandelt worden ist), nämlich das Problem der "Einstiegsdroge". Das trifft sicher auf Alkohol und Nikotin zu, aber eben auch auf Cannabis; ich bin sicher, dass dies auf jede verharmloste Droge zutrifft.

Meine Einstellung: Finger weg von alledem!

(Übrigens gibt es auch nicht-stoffgebundene Süchte wie einkaufen, spielen, Internet, Sex,... die auch oft verharmlost werden.)

Ausweg aus einer Sucht sehe ich nur in einer grundlegenden Umstellung des Lebens.

Schöne Grüße
Peter

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