Kanadisches Unternehmen liefert Cannabis für deutsche Apotheken

  • Veröffentlicht am: 28. Juli 2016 - 15:10
  • Von: Jochen Eichelmann

Das Unternehmen Canopy Growth Corporation meldet in einer Pressemitteilung, dass das getrocknete Cannabis seiner Tochterfirma Tweed für den Verkauf in deutschen Apotheken zugelassen wurde. Die Firma MedCann wird den Vertrieb übernehmen. Auf Nachfrage des DHV teilte Tweed mit, dass zwei Sorten Cannabisblüten, Argyle und Princeton, in Deutschland verkauft werden sollen. Die Lieferung sei bereits versandt und soll bald in Deutschland ankommen.

Hoffnung für deutsche Patienten?

Mit der Zulassung des neuen Unternehmens, das einer der größten Anbieter von medizinischem Cannabis in Kanada ist, wächst die Hoffnung bei deutschen Patienten auf eine flächendeckende und konstante Versorgung. Im Moment gibt es in Deutschland knapp 800 Patienten, die Cannabis als Medizin nutzen. Bei der Versorgung der Apotheken kam und kommt es häufig zu Lieferengpässen. Auch die Auswahl an Cannabissorten ist bisher noch sehr gering. Jetzt wird das Angebot von Cannabisblüten in deutschen Apotheken um zwei neue Sorten erweitert, weitere könnten womöglich bald folgen. Laut Tweed ist die erste Lieferung bereits unterwegs nach Deutschland und der Verkauf könnte sehr bald beginnen.

Medizinisches Cannabis aus Kanada

Vor wenigen Monaten überraschte bereits die kanadische Firma Tillray mit ihrer Ankündigung, Cannabis-Präparate in Kapselform in das EU-Land Kroatien zu exportieren. Jetzt werden erstmals legale Cannabisblüten zur medizinischen Verwendung über den Atlantik verschifft. Kanada ist mit hunderttausenden Patienten, über 30 Firmen und riesigen Produktionsanlagen weltweit eines der führenden Länder im Bereich Cannabis als Medizin. Im Vergleich zu den Niederlanden werden dort deutlich größere Mengen an Cannabis legal umgesetzt. Die neue liberale Regierung unter Justin Trudeau hat außerdem angekündigt, Cannabis komplett legalisieren zu wollen.

Die jetzt erteilte Exportgenehmigung ist bemerkenswert und wird international viel Aufsehen erregen. Auch andere Länder sind am Export von Cannabis zu medizinischen Zwecken interessiert, z.B. Jamaika.

Hohe Kosten für Medikamente

Im Moment sind die Kosten für medizinische Cannabisblüten in Deutschland sehr hoch. Blüten vom bisher einzigen zugelassenen Hersteller Bedrocan aus den Niederlanden werden in den Apotheken für ca. 15 Euro pro Gramm verkauft - oft auch noch mehr. Ob die Preise für Cannabis aus Kanada niedriger werden, ist bisher aber nicht klar. In Kanada selbst liegen die Preise für ein Gramm medizinisches Cannabis teilweise bei unter zehn kanadischen Dollar, was etwa sieben Euro entspricht.

Schlechtere Karten für einheimische Unternehmen?

Womöglich wird sich die neue Marktsituation auch auf die deutschen Bewerber für den Anbau von medizinischem Cannabis auswirken. Die Bundesregierung hat es versäumt, rechtzeitig Rahmenbedingungen für den heimischen Anbau von medizinischem Hanf zu setzen. Dadurch werden deutsche Start-Up Unternehmen bei einem Markteinstieg in starker Konkurrenz stehen. Die im letzten Jahr durch die Regierung angekündigte Gesetzesänderung ist immer noch nicht realisiert. Die geplante Cannabisagentur, die für die Vergabe von Anbaulizenzen zuständig sein wird, gibt es noch nicht. Deutsche Bauern und Unternehmer werden kaum beraten und wissen nicht, welche Bedingungen sie in Zukunft für eine mögliche Lizenzerteilung erfüllen müssen.

So verstreicht für interessierte Unternehmen wichtige Zeit. Wahrscheinlich wird es nicht einfach sich auf dem neuen Markt durchzusetzen, wenn bereits andere Unternehmen aus dem Ausland hierher exportieren dürfen, die große Produktionsanlagen und Lagerreserven haben. Tweed teilte uns mit, dass sich das Unternehmen auch durchaus vorstellen kann in Deutschland Cannabis für medizinische Zwecke anzubauen, sobald es die rechtliche Situation zulässt.

Stärkung der internationalen Marktführer statt Förderung lokaler Bewerber

So wird zunächst auf Import gesetzt. Große Unternehmen erschließen sich, ohne heimische Konkurrenz, die Märkte und lokale Bauern, Grower und Unternehmer können nicht vom Cannabis-Boom profitieren. Die Position der ohnehin weltweit marktführenden Unternehmen wird noch weiter gestärkt. 

Zweigeteiltes Fazit

Sicherlich ist der Einstieg von Tweed in den deutschen Markt für medizinisches Cannabis eine wichtige Meldung. Den transatlantischen Handel von Cannabisblüten hätten sich Legalisierungsbefürworter und Cannabispatienten vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen können. Eine immer größer werdende gesellschaftliche und politische Akzeptanz für Cannabis als Medizin war hierfür die Voraussetzung. Auch weil der Einstieg von Tweed ins Geschäft dazu beiträgt, dass Patienten zuverlässiger mit ihrer Medizin versorgt werden können, ist das zunächst eine gute Nachricht.
Leider ist aber auch erkennbar, dass sich die deutsche Regierung nicht genügend auf die neuen Realitäten einstellt und offensichtlich kein Interesse daran hat, deutschen Unternehmen eine faire Chance auf Teilhabe an diesem Markt zu geben. Viele deutsche Unternehmen sind daran interessiert. Es bleibt die Hoffnung, dass die Regierung jetzt schnell handelt und zügig die Bedingungen für eine Lizenzerteilung durch die zu schaffende Cannabisagentur klärt, bevor internationale Unternehmen sich den deutschen Markt aufteilen.

Kommentare

Aber wo gehen die blüten denn jetzt hin un wer verteilt die? Die agentur ist jawohl noch nicht eingeführt?!

Die geplante Cannabisagentur wird nur für den Vertrieb von in Deutschland angebautem Cannabis benötigt. Für den Import von Cannabisblüten ist momentan noch das BfArM zuständig.

Vielleicht versucht die Bundesregierung dadurch, die Produktion von Cannabis aus D heraushalten zu können. Nach dem Motto "Wenn schon überhaupt, dann wenigstens so wenig wie möglich." Man wird sehen, ob es irgendwann noch ein good old 'made in germany' geben wird.

Der Preis, den "wir" dafür zahlen müssen, ist eben der Preis.

Ein Schritt nach vorne würde ich sagen, auch wenn es sich um importiertes Hanf handelt. Deutschland war da halt wieder mal etwas zu langsam. Ich denke jedoch nicht, dass es für nationale Unternehmen ein großes Problem darstellt. In Zukunft wird sich Cannabis auch in Deutschland weit verbreiten und ein Bedarf an unterschiedlichen Pflanzen geben. Cannabis wird immer ein schwer politisches Thema werden - wer darf wo und wann verkaufen ...

Ich glaube die Regierung macht das mit absicht. Es wird doch nur das nötigste Unternommen, damit niemand sein Weed selber anbaut. Ich fände die Lösung der Grünen oder von den Linken vorzuziehen.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr die Feigheit und Angst deutscher Entscheidungsträger vor dieser "Teufelsdroge"

Wer medizinsich wirksamen Cannabis möglichst billig haben will, geht ein höheres Risiko, dass das Gras schlecht kontrolliert, mangelhaft angebaut und zu vermutlich schlechteren als Mindestlohnkonditionen bearbeitet worden ist.

Die Geschäftsführung von BEDROCAN (Tjalling Erkenlens) hat sich bereits vor Jahren gewünscht hat, ihr europäischen Monopol werde baldmöglichst zum Wohle des Patienten durch andere Anbieter aufgebrochen.

Nun ist es (bald) soweit.
Wünschenswert, dass weitere Anbieter und wirksame Sorten hinzukommen.
Mit fairen Preisen so wie unbürokratischer Kostenerstattung.

Fragwürdig, wieso Deutschland Cannabis nicht selbst herstellt oder herstellen lassen will. Ich verstehe die Gründe nicht dazu.
Trotzdem sind wir auf einem guten Weg, auch wenn alles noch Zeit braucht.
LG Jan

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