Hintergründe der Kemptner Koks-Affäre bleiben im Dunkeln

  • Veröffentlicht am: 27. Januar 2015 - 15:04
  • Von: Michael Knodt
Polizist

Knapp ein Jahr nach der Entdeckung von 1,8 Kilogramm Koks im Spind des Leiters der Kemptner Drogenfahndung hat der Prozess vor dem dortigen Landgericht begonnen. Bereits zum Prozessauftakt wurde klar, dass das Gericht dem Angeklagten einen Deal angeboten hat: 35.000 Euro und sieben Jahre Haft für Vergewaltigung, schwere Körperverletzung, eine 1,49 Promille-Psychopharmaka-Fahrt und fast zwei Kilo Koks, dessen Herkunft nicht geklärt ist. Wer in Bayern auf 500m² Graspflanzen anbaut, erntet und verkauft muss übrigens mit einer ähnlich harten Strafe rechnen.

Voraussetzung für so einen Deal wie in Kempten ist ein voll umfängliches Geständnis, was Armin N. dann auch gleich am ersten Prozesstag abgelegt hat. Der Angeklagte hat einfach gesagt, was das Gericht hören will. Er sei auf den falschen Weg gekommen,  konnte den beschlagnahmten Drogen nicht widerstehen und habe schließlich  die Kontrolle über seinen Job und sein Privatleben verloren. Nach einem Jahr U-Haft sei er geläutert und so weiter und so fort. Außerdem hat er seiner Ex, die er im Kampfanzug gewürgt und zum Oralsex gezwungen hatte, wohl im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs Geld gezahlt und sich für seine Untaten entschuldigt. Die sagt jetzt als Hauptbelastungszeugin nicht mehr im Zeugenstand gegen Armin N. aus, die Vergewaltigungs-Vorwürfe gelten nach dem Täter-Opfer Ausgleich ohnehin als ausreichend belegt. So können ihr auch keine Fragen zur Herkunft des Koks ihres Gatten gestellt werden.

Denn nur die Herkunft des Koks hätte für den Ex-Polizisten noch zum Problem werden können. Er behauptet weiterhin, einen Teil  bereits vor Jahren zu Schulungszwecken von der Staatsanwaltschaft erhalten zu haben, zudem habe er sich immer mal etwas von beschlagnahmten Blöcken abgekratzt.  Der damals zuständige Kemptner Staatsanwalt konnte diese Version zu Lebzeiten nicht bestätigen, stand dem Gericht allerdings jetzt nicht mehr als Zeuge zur Verfügung. Staatsanwalt Herbert Pollert war während der Ermittlungen zur Herkunft des Kokains „nach kurzer, schwerer Krankheit überraschend verstorben“, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Der Spiegel schreibt hingegen, der als Prozess-Zeuge ungemein wichtige Staatsanwalt habe sich während der laufenden Ermittlungen das Leben genommen. Die Vermutungen, das Koks stamme aus Mafia-Kreisen, wollte Armin N. Vor Gericht nicht bestätigen. Das Allgäu gilt seit den 1980er Jahren als Rückzugsgebiet des "Ndrangheta"-Clans. Als sich zwei des Kokainhandels verdächtigte Kemptner Mafiosi 2008 nach einem Tipp kurz vor einer Razzia nach Italien absetzen konnten, war der Chef-Drogenfahnder eigener Aussage zufolge bereits heftig am Koksen. Die beiden wurden inzwischen nach Deutschland ausgeliefert, die undichte Stelle ist bis heute nicht entdeckt. Die Gegend zwischen Kempten und Memmingen gilt bereits seit den 1980er Jahren als Kokain-Hotspot. Mafia-Expertin Petra Reski glaubt, dass Koks im Spind sei italienischen Ursprungs. Doch ohne belastende Aussagen und mit einem totem Zeugen gilt natürlich auch für Armin N. die Unschuldsvermutung. Das Urteil wird bereits für den 9.Februar erwartet. Allein die für so einen großen Prozess doch sehr kurze Verhandlungszeit lässt vermuten, dass weder die tatsächliche Herkunft des Kokains noch irgendwelche Hinterleute bekannt werden. Der ebenfalls zu sieben Jahren Haft verurteilte Grower aus Nürnberg war übrigens, genau wie Armin N., in vollem Umfang geständig.

Im Kempten hingegen feiern die Nachfolger des vom Wege abgekommenen Beamten weiterhin beachtliche Erfolge beim Kampf gegen das Organisierte Verbrechen. So konnten Beamte der Füssener und der Kemptener Drogenfahndung bei einem Schlag gegen die örtliche Rauschgift-Szene nach monatelangen Ermittlungen im Zuge von 12 Hausdurchsuchungen bei zwei Personen geringe Mengen nicht näher bezeichneter Drogen finden. Da es in Bayern lediglich für Cannabis eine „Geringe Menge“ gibt, handelt es sich bei den Drogen höchstwahrscheinlich um Gras oder Haschisch.

Kommentare

Da sieht man's doch wieder wer in diesem Land regiert : Die Kriminalität, wette Merkel & Mortler lachen sich schwer ins Fäustchen über die doofen "Kiffer" die sich dauernd so vorführen lassen während ihr Schützling geschützt wird, Zeit zum aufwachen, nichts geschieht hier ohne Zufall..

Glaub sogar die lachen sich schlapp und scheckig!

Er hatte es versucht.
Ich entlaste den Polizeibeamten in Sachen Kokain. Kokain ist ein verblüffender Stoff. So "schlicht in der Wirkung" im Verhältnis zum Preis. Und dennoch ein absolutes Halleluja!
Ein Anteil der Menschen dieses Planeten hat eine Affinität zu Dingen auf irgend eine Art und Weise. Da sind Arbeitsuchende, Menschen in Vollzeitbeschäftigung, Bürger die es zu etwas gebracht haben und Leute die sich eigentlich nie Sorgen machen müssten. Und dennoch gilt: Ein Anteil an Menschen, unabhängig des sozialen Statutes, unterliegt einer Suchtproblematik. Ich sammel und handel Edelmetalle. Andere fahren auf Porzelanpuppen ab, Briefmarken, Euromünzen, Blechdosen, Drogen jedweder Art usw. und so fort. Und der Patient in diesem Fall sammelte Kokain. Ich verstehe die Leidenschaft zum Sammeln eines oder mehrerer Dinge.
Entlasten wir ein Opfer des Systems, wie wir es uns doch seit Jahren wünschen was psychoaktive Substanzen angeht. Ich gönne dem Mann, dass wenigstens hinter Ihm Teile des Systems stehen und ihn so weit wie möglich decken. Er muss sein Leben in Zukunft nun unter erschwerten Umständen bestreiten wie tausende Cannabiskonsumenten.
Alle anderen Vorwürfe und publizierten Vergehen (Ehefrau, Zahlungen etc.) sind hier nicht das Thema, denn es geht hier, bei uns, um die Drogenpolitik.
Sehen wir hier doch einen Menschen aus dem System, mit repressiver Drogenpolitik, welcher nun selbst Opfer seiner selbst ist. was er sicher sich selbst nie so zugedacht hat, da er ein Drogenproblem hat.
Willkommen an Bord.

Wenn man das liest muss man wirklich davon ausgehen das es in Deutschland folgender Maßen abgeht:

Bürger ruft Polizei weil 2kg koks gefunden
Polizei kommt begutachtet und ruft Drogendezernat wegen 1kg koks
Drogendezernat übernimmt und gibt 500gr bei der Staatsanwaltschaft ab
Staatsanwalt prüft die Beweislage und erhebt Anklage wegen 100gr koks
Gericht stellt Verfahren wegen nicht öffentlichem Interesse und Geringfügigkeit von 0.3gr ein.

Cannabis ist ein praktischer grüner Schutzring für die weißen und roten päckchenschubser, mit was für Stress hätten da die hochfliegenden Herren zu rechnen wenn Gras legal wird. Menschheit werd doch erwachsen

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