Entwürdigende Urin-Screenings auch bei der MPU

  • Veröffentlicht am: 23. Mai 2021 - 12:05
  • Von: Sascha Waterkotte

Tagtäglich erleben Cannabiskonsumenten entwürdigende Situationen im Straßenverkehr, wenn es um Urintests in aller Öffentlichkeit geht. Auf diesem Wege verlieren regelmäßig Menschen wegen nicht spürbarer Restkonzentrationen an THC und seinen Abbauprodukten ihre Fahrerlaubnis. Auch wenn Urinkontrollen freiwillig sind und somit unbedingt verweigert werden sollten, lassen sich nicht wenige Menschen darauf ein und erleben Eingriffe in ihre Intimsphäre, wie die zahlreichen Kommentare unter unserem letzten Video zum Thema zeigen. Doch auch bei der MPU ergeben sich ähnlich peinliche Situationen.
Ist das Ergebnis der Urinprobe positiv und das der danach erfolgten Blutprobe über 1 ng/ml THC/Serum, folgt in der Regel die Aufforderung zu einer MPU. Diese kann man üblicherweise nur bestehen, wenn man zum Zeitpunkt der Begutachtung schon mindestens 6 Monate Abstinenznachweis forensisch gesichert nachweisen kann. Dies kann über Haaranalysen oder mit unvorhersehbaren Urinkontrollen erfolgen, die allerdings grundsätzlich unter Sichtkontrolle zu erfolgen haben. Am Untersuchungstag selbst erfolgt standardmäßig eine weitere Urinkontrolle unter Sicht. Nur so könne ausgeschlossen werden, dass keine Fake-Genitalien genutzt und Fremdurin abgegeben wird, so die Richtlinien. Bei medizinischer Verwendung von Cannabis werden teilweise Urinscreenings angeordnet, um den möglichen Gebrauch weiterer berauschender Substanzen zu überprüfen. 

Welche bizarren Auswüchse diese Sichtkontrolle hat, zeigt das Beispiel eines Cannabispatienten, der durch Mitarbeiter des TÜV Nord per Kamera beim Urinieren beobachtet wurde und uns daraufhin kontaktierte. Auch wenn die hier getätigten Kamerabilder nicht gespeichert werden dürfen und unter die ärztliche Schweigepflicht fallen, stellt diese Verfahrensweise einen erheblichen Eingriff in die Intimsphäre und eine weitere extrem unangenehme und erniedrigende Angelegenheit dar. Es bedarf einer Reformierung der MPU sowie dieser übergriffigen Praxis!

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Kommentare

Um das mal knallhart zu erfragen, ist das auch gängige Praxis bei (jungen) Frauen? Wird da auch so genau hingeschaut? Was stimmt mit dieser Gesellschaft nicht??? „Liebe“ Politiker, kommt doch bitte endlich mal in der Realität und im 21. Jahrhundert an!
Oder macht wieder richtig einen auf Mittelalter und exekutiert wieder Leute, die solche „gefährlichen“ Dinge tun, wie zum Beispiel illegale Drogen zu konsumieren. Scheiterhaufen, Erhängen, Kopf abschlagen, willkommen in der Vergangenheit! Und ja, natürlich ist das NICHT ernst gemeint, aber dieses ständige „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ muss verdammt nochmal aufhören, wir wollen eine zivilisierte Gesellschaft sein, dann verhaltet euch auch gefälligst so! Die Würde des Menschen ist UNANTASTBAR! Naja, manchmal eben auch nicht, wenn man sich die Praxis dazu anschaut.

Leider ja, bei mir wurde ziemlich genau geschaut, vom Herrn Doktor höchst persönlich, wie man sich dabei fühlt, will ich nicht erläutern, angenehm war es auf jeden Fall nicht!

Ich bin eine Frau und bei meiner MPU, letztes Jahr, war ich 24. Also ja, ein aktuelles Beispiel, wie aktuell gearbeitet wird.
Bei dem Verein, wo ich pinkeln musste, gab es keine Toiletten mit Kameras für Frauen. Nach meiner Nachfrage wurde mir erzählt, dass zu wenige Frauen dahin kämen, es würde sich nicht lohnen. Stattdessen war ich in einem großen Bad, wo der Arzt zwei Meter frontal vor mir stand und mich keine Sekunde aus den Augen verlor. Das war stark unangenehm, dass man sowas erniedrigendes, wie in einen Becher pinkeln, vor gespannten Augen ableisten muss.
Bei meinem letzten Termin, nachdem der Arzt mich schon "gut" kannte, durfte ich mir noch sexuelle Anspielungen von dem 60 Jahre alten Mann gefallen lassen. Ebenso weitere Sprüche bei der körperlichen "Untersuchung".
Leider sind die Menschen immer am längeren Hebel.
Stay clean ✌

Immer! dokumentieren!
Unauffällige Diktiergeräte haben ein Kugelschreiber-Outfit, 20€ sind es wert, diesem Gesochse an die Karre/Beine zu pinkeln. Dann im Net (YT o.ä.) verbreiten LASSEN.
mfG  fE

...die Mitarbeiter des TÜV Nord... nach Möglichkeit bitte auch (lebens-)gefährlich.
Deren beauftragtes Wirken soll vor >10 Jahren Industrie-Silikon-Brust-Implantaten den Unbedenklichkeits-Segen erteilt haben.
mfG  fE

Die Kamera ist wenigstens noch die in meinen Augen harmloseste Variante.
Bei mir selbst wurde ich (männlich) von einer Ärztin begleitet, dabei wurde sichergestellt, dass meine Hose/Unterhose MINDESTENS unter den Knien und mein Oberteil über dem Bauchnabel war.
Hinsetzten war auch nicht, die Gefahr von Manipulation war zu hoch, laut ihrer Aussauge. Somit musste ich im Stehen, vor ihren Augen, direkt in einen Becher pissen. Dies hat mich sehr geprägt und hat mich psychisch so geschädigt, dass ich nun nicht mal mehr in einer normalen Männertoilette mit Sichtschutz mein Geschäft lassen kann.
Solche Maßnahmen sind erniedrigend und schädigen langfristig die Psyche!

Und das beste noch zum Schluss, ich bin nie im Straßenverkehr aufgefallen, mein Drogentest, der nach einer Hausdurchsuchung angeordnet wurde, war negativ auf ALLE Drogen. Einziger Punkt war, bei mir wurde eine größere Menge Cannabis, sowie synthetische Drogen gefunden.
Somit war der einzige Grund, warum die MPU angeordnet wurde, weil ich bei der Polizei ein Geständnis abgelegt habe. Schon vor der Verhandlung hat die Polizei der Führerscheinstelle dies mitgeteilt.
Deshalb redet NIE mit der Polizei, JEDES WORT WIRD GEGEN EUCH VERWENDET!
Egal was ist, holt euch einen Anwalt und lasst ihn sprechen!

und welche berufliche Entwicklung planst Du?
Ich kenne (gemäßigte) Alkoholiker, tätig? in Planung/Konstruktion E-Technik/Maschinenbau; zum Glück, deren Werke knicken schon in der physischen Realisierung.
Als (jemals gewesener) Cannabis-Konsument (außerhalb der Arbeit) sollte man darauf gefasst sein, dass beizeiten (alte) MPU-Ergebnisse aus dem Hut gezaubert werden, mit denen, mit Verweis auf i.w.S. Sicherheitsbedenken, berufliche Grenzen gesetzt werden können.
Der Wahn, Cannabiseure wirtschaftlich zu ruinieren, bietet noch einige Optionen.
mfG  fE

Krass, ich bin geschockt durch was du gehen musstest. Das es einen so schädigt kann ich mir gut vorstellen.
Ich habe die mpu noch vor mir und frage mich wie ich diesen Prozess schaffen soll.. Seit dem ich denken kann leide ich unter einer schüchternen Blase. Kann man da vielleicht mit denen reden das man sich vorher entblößt und dann alleine sein Geschäft beendet oder würden die darauf nicht eingehen ?
Ich hoffe das es sich bei dir wieder normalisiert!

Hey Dtime,

natürlich kannst du mit den Beteiligten der MPU reden, jedoch kann ich dir vorher schon garantieren, dass dies nicht möglich ist. Die Gefahr vor Manipulation ist zu groß (Urin mit Wasser verdünnen / Fake-Urin-Schmuggel in Anus oder anderen Körperöffnungen usw.). Wie gesagt, dass hört sich jetzt eventuell verstörend an, aber die Ärzte wollen ganz genau sehen, wo der Urin herausläuft.

Eine Alternative gibt es noch: Haaranalyse
Jedoch musst du dann sichersein ob du 6 Monate nicht mehr zum Friseur willst, danach eine Glatze rasieren und dann wieder 6 Monate warten. Ebenso ist die Haaranalyse sehr anfällig, wenn dir ein Cannabis/Drogen-Konsument durch die Haare schreicht (Anhaftungen), oder du in einem Raum bist, wo gekifft wird.

Wie gesagt die unverfälschlichste und der sicherste Test, ist der Urintest, jedoch musst du dir dann diese Schikanen überdich ergehen lassen.

Und noch eine letzte Anmerkung:
Wenn ihr wie Junkies bzw. wie der letzte Dreck behandelt werdet, lasst euch nicht unterkriegen! Redet mit Freunden / Familie darüber und arbeitet an euren Stärken.
Geht wählen und kämpft für die Legalisierung und werbt für ein Deutschland ohne Diskriminierung und Unterdrückung und MIT Gesundheitsschutz!

PS: Die CDU AFD CSU und SPD sprechen sich alle POSITIV über die MPU-Maßnahmen aus und setzten alles daran, dass die Füherscheinproblematik bestehen bleibt!

Im September wird der Bundestag NEU gewählt!

Auch ich musste mich bisher schon 9 Urinkontrollen unterziehen. Da ich nie pinkeln kann, wenn jemand mit drin ist, muss ich mich immer komplett ausziehen und darf dann alleine in der Toilette sein.
Nach den ersten Kontrollen musste ich immer weinen und wollte den Nachweis abbrechen, einfach super entwürdigend.

LG, Lisa

Es üblich, dass man bei der Urinabgabe immer überprüft wird. Bei der Dekra hier ist ein größerer Spiegel über dem Spülkasten angebracht, der nach unten geneigt ist. Die Ärztin steht dann 2m hinter einem ... wie es bei den Damen läuft, weiß ich nicht.

Nun, letztlich muss sichergestellt werden, dass nicht manipuliert wird. Ne Leibesvisitation vor der Urinkontrolle wäre wohl ein bisschen too much und auch viel zu zeitintensiv, oder?

Eine Prüfung via Kamera und Monitor erscheint mir weitaus angenehmer, als wenn persönlich auf's Geschlechtsteil geschaut wird. Man sollte sich aber überzeugen dürfen müssen, dass hier nichts gespeichert wird ...

Mich wundert, dass das der DHV das als großen Skandal verkauft. Es sollte doch längst klar sein, dass Urinkontrollen, die einen rechtlichen Wert haben sollen, nicht einfach so abgegeben werden. Dann könnte man seinen Pinkelbecher ja auch gleich von zu Hause mitbringen.

Absurd ist es nur, dass man bei nichtigen Delikten überhaupt so eine Tortur über sich ergehen lassen muss.

dass Urinkontrollen unter Sichtkontrolle abgegeben werden müssen, war klar. Uns ging es mit diesem Artikel darum, Menschen zu erreichen, die davon eben noch nichts wussten. Und das große Problem hast du ja selbst genannt: "Absurd ist es nur, dass man bei nichtigen Delikten überhaupt so eine Tortur über sich ergehen lassen muss."

Und genau das soll sich ändern, Menschen sollen sich nicht mehr wegen nicht wirkender Restmengen von Cannabis im Blut sich so eine erniedrigende Prozdedur gefallen lassen müssen!

LG,  Sascha [DHV]

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