Cannabisagentur kein Tabu mehr - Baut das BfArm bald selbst an?

  • Veröffentlicht am: 9. Oktober 2014 - 9:18
  • Von: Michael Knodt
 

Ausbaufähig: Die Versorgung mit Cannabis als MedizinIm Juli feierten viele Medien das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln und meldeten, in Deutschland hätten jetzt drei Inhaber einer Ausnahmegenehmigung für Medizinalhanf-Blüten die Erlaubnis, Cannabis als Medizin anzubauen. Leider hatten Günther Weiglein und seine beiden Mitkläger keine Genehmigung zum Eigenanbau erklagt, sondern lediglich die Unrechtmäßigkeit der Ablehnung ihres Antrags erstritten. Das ist insofern wichtig, als dass das BfArm trotz des Urteils die Erlaubnis erteilende Behörde bleibt und lediglich die Gründe der Ablehnung nicht ausreichend waren. So könnte die Bundesopiumstelle andere Gründen suchen, um den drei Klägern den Eigenanbau zu untersagen, doch nach der Berufung gegen den Richterspruch aus Münster wird es nach Schätzung der Betroffenen ohnehin noch geschätzte zwei Jahre dauern, bis das letzte Wort oder besser Urteil gesprochen ist. Bis dahin werden Cannabis-Patienten auf keinen Fall selbst anbauen dürfen, Notlage hin oder her, die Mühlen der Justiz nehmen nur sehr bedingt Rücksicht auf akute Erkrankungen.

 

Vielleicht doch eine Cannabisagentur?

Noch vor zwei Jahren hatte das Bundesgesundheitsministerium die Gründung einer Cannabisagentur kategorisch abgelehnt. Auf eine Kleine Anfrage zur Gründung einer solchen Agentur zu Forschungszwecken von Bündnis 90/ Die Grünen antwortete die damalige Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ulrike Flach(FDP) ablehnend: Dem wissenschaftlichen Forschungszweck könne im Einzelfall durch Einfuhr von (Frisch-)Pflanzenmaterial Rechnung getragen werden. Die Errichtung einer entsprechenden Agentur habe derzeit aus Sicht der Bundesregierung keine Priorität, hieß es damals von höchster Stelle.

Nachdem jedoch selbst Marlene Mortler neulich meinte, "dass wir im Bereich Cannabis als Medizin durchaus tiefer nachdenken müssten, um noch mehr Menschen auch die Chance zu geben das Ganze quasi via Krankenschein beziehungsweise via Antrag zu genehmigen", scheint die grundsätzliche Ablehnung in der Behörde vorsichtiger Skepsis gewichen zu sein.

Einer Meldung von Spiegel-online zufolge, der im September beim Bundesgesundheitsministerium telefonisch nachgefragt hatte,  sei die Gründung einer solchen Agentur zur Versorgung von Cannabis-Patienten in Deutschland durch das Bundesgesundheitsministerium zu "prüfen".  Böse Zungen haben schon vor dem Einlegen der Berufung vorausgesagt, dass die Bundesrepublik Deutschland eher in den sauren Apfel einer Cannabis-Agentur inklusive staatlichen Anbau beißt, als Not leidende Patienten selbst Gras anbauen zu lassen. Jetzt, wo aufgrund der Notlage vieler Erlaubnisinhaber eine endgültige Niederlage vor Gericht nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, gibt es erste Zeichen des Umdenkens. Vorbild könnten die Cannabisagenturen der Niederlande oder aus Kanada sein, wo es Patienten mit wenigen Ausnahmen auch nicht erlaubt ist, ihre Medizin selbst anzubauen.

Kommentare

Das ist meiner Meinung nach bzgl. der Versorgung der Patienten mit Ausnahmegenehmigung dringend notwendig. Ich bin selber im Besitz der Genehmigung und erlebe seit Dezember 2013 das das dritte Mal wochenlange Lieferprobleme bestehen. Solche Fälle bei Pharma Medizin sind undenkbar. Dieser Zustand ist für Patienten unhaltbar. Wobei ich aber befürchte das das dann wie in Kanada läuft und Bedrocan hier dann auch zumindest zu Beginn die Exklusiv Rechte bekommt. Vor allem darf das nicht nur gemacht werden um den Eigenanbau zu verhindern. Aber so viel Geld wie in der Branche zu verdienen ist wird es wohl so kommen.

Moin.
BfArM-Präsident Prof. Dr. Karl Broich teilt im Antwort-Schreiben auf meine Glückwünsche zur Präsidentschaft am 26. September 2014 mit

[quote]Derzeit ist die Einrichtung einer Cannabis-Agentur nicht erforderlich. Ob sich diese Einschätzung in Zukunft ändern wird, kann derzeit nicht beurteilt werden.[/quote]

Korrektur: Die Urteile wurden nicht in Münster gefällt, sondern in Köln. Quelle (mit Aktenzeichen): http://www.vg-koeln.nrw.de/presse/pressemitteilungen/14_140722/index.php

[quote name="Micha"]Korrektur: Die Urteile wurden nicht in Münster gefällt, sondern in Köln. Quelle (mit Aktenzeichen): http://www.vg-koeln.nrw.de/presse/pressemitteilungen/14_140722/index.php...

Danke, habs gleich mal korrigiert. Micha hatte sicher das Verfahren aus Münster von vor etwa einem Jahr in Kopf, bei dem ein ähnliches Urteil gefällt wurde.

http://hanfverband.de/index.php/nachrichten/aktuelles/1887-acm-oberverwa...

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