Pressemitteilung des Deutschen Hanfverbands vom 13.01.2026
Morgen wird der Gesundheitsausschuss des Bundestages ab 16:00 Uhr in einer Anhörung den Gesetzentwurf der Bundesregierung beraten, mit dem die Online-Verschreibung von medizinischem Cannabis erheblich eingeschränkt werden soll.
Der Deutsche Hanfverband kritisiert in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme die Pläne der Bundesregierung zur Verschärfung bei telemedizinischer Verschreibung von Medizinalcannabis und zum Versandverbot von Cannabisblüten als Rückschritt im Hinblick auf die geplante Digitalisierung des Gesundheitswesens.
Der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form würde den Zugang zu medizinischem Cannabis erheblich einschränken, da entsprechend spezialisierte Ärzte in Deutschland kaum in der Fläche vorhanden sind. Ein Versandverbot von Cannabisblüten bedeutet für Patienten zusätzliche Kosten bei der Beschaffung ihres Medikaments und diskriminiert besonders mobilitätseingeschränkte Menschen in ländlichen Regionen.
Der beobachtete deutliche Anstieg von Verschreibungen per Privatrezepten im Vergleich mit kassenärztlichen Verschreibungen in den letzten Jahren ist laut Hanfverband kein Zeichen von möglichem Missbrauch, sondern ein deutliches Indiz dafür, dass die Hürden für die Kostenübernahme einer Cannabistherapie noch immer zu hoch sind. Ärzte fürchten mögliche Regresse und Patienten müssen in der Konsequenz selbst für ihre Arzneimittel aufkommen.
Zudem sind viele Hausärzte und normale Apotheker angesichts von hunderten verschiedenen medizinischen Cannabissorten überfordert. Spezialisierte Mediziner und Versandapotheken ermöglichen hingegen eine bestmöglich individuell angepasste Cannabistherapie für jeden Patienten. Der bisherige Gesetzentwurf würde also neben dem Zugang auch die Qualität der Versorgung deutlich einschränken.
Wenn der Gesetzgeber einen möglichen Missbrauch von Medizinalcannabis unterbinden möchte, sollte dies nicht über eine Verschlechterung beim Zugang zu medizinischer Versorgung geschehen, sondern über einen einfacheren Zugang für Erwachsene zu Cannabis als Genussmittel. Dafür müssen die Bedingungen für Anbauvereinigungen verbessert und deren bürokratische Überregulierung verringert werden. Weiterhin sollte die legale Abgabe von Cannabis im Rahmen von Modellprojekten erforscht werden. Hierzu liegen bereits Anträge von zahlreichen deutschen Kommunen vor, die nur genehmigt werden müssten. Ohne diese Maßnahmen läuft die geplante Verschärfung des Zugangs zu medizinischem Cannabis letztendlich auf eine Stärkung des Schwarzmarktes hinaus.


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