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Hanfverband gratuliert Nicole Krumdiek


Meldung des DHV vom 20. 2. 2007

Die Rechtswissenschaftlerin Dr. Nicole Krumdiek ist mit dem Studienpreis der Universität Bremen ausgezeichnet worden. Sie erhält die Ehrung für ihre Dissertation “Die national- und internationalrechtliche Grundlage der Cannabisprohibition in Deutschland”.Der Deutsche Hanf Verband schließt sich den Glückwünschen der Zeitung taz an und wünscht weiterhin viel Erfolg beim Kampf gegen das Cannabisverbot.

Mehrere Zeitungen nahmen die Verleihung des Studienpreises der Universität Bremen an Frau Dr. Nicole Krumdiek zum Anlass, um über die juristische Diskussion des Verbots von Cannabis durch das BtMG zu berichten. Der Stern befragte die Autorin des beim Lit-Verlag erschienenen Buches über den aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen des Konsums von Cannabis, zu den Ergebnissen ihrer Forschung, zum Märchen von der Einstiegsdroge Cannabis und ihrer Vorstellung von der legalen Abgabe von Hanf.
Die Ehrung der Arbeit ist auch Unterstützung für den Verein für Drogenpolitik, in dessen Vorstand Dr. Krumdiek als Beisitzerin tätig ist.


Auszüge aus dem Interview des Stern

“Cannabis-Freigabe
Die Mär von der Einstiegsdroge
Von Jan Zier

Mit dem drohenden Ende der Heroinfreigabe für Schwerstabhängige kommt auch Schwung in die Debatte über das Verbot von Cannabis. Die Juristin Nicole Krumdiek hat sich Gesetzeslage angesehen und kommt zu dem Ergebnis: Ein Verbot ist rechtlich nicht länger haltbar.

Gibt es ein Recht auf Rausch, wie es einst Richter Wolfgang Neskovic im Landgericht Lübeck proklamierte?
Ich plädiere darauf, dass man den Menschen Eigenverantwortlichkeit überträgt. Wenn etwas nicht groß gefährlich ist, dann besteht ja für den Staat auch nicht die Notwendigkeit, das strafrechtlich zu verbieten. Das Strafrecht ist immer nur das letzte Mittel, um ein Verhalten zu sanktionieren. Und die Selbstschädigung ist in unserem Rechtsystem grundsätzlich straffrei. Es verbietet ja auch keiner, jeden Tag Fast Food zu essen oder Bungee-Jumping zu machen. Das muss dann auch für den Umgang mit Cannabis gelten. Die bestehenden Gefahren sind so hinreichend kalkulierbar, dass ein Verbot nicht mehr gerechtfertigt ist.

Konservative halten Haschisch und Marihuana immer noch für eine Einstiegsdroge.
Es kursiert ja auch immer noch das Märchen, dass Spinat viel Eisen enthält. Das sind Vorurteile, die sich halten. Wer das glauben will, glaubt das auch. Aber national wie international sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse einhellig: Cannabis fungiert nicht als Einstiegsdroge. Es ist höchstens die erste illegale Droge. Voran geht immer noch der Konsum von Zigaretten und Alkohol.

Dann müsste man also konsequenterweise auch den Alkohol verbieten?Nein, logisch wäre es, auch Cannabis freizugeben.

Wie sollte die Freigabe von Cannabis organisiert sein?
Vorstellbar sind beispielsweise Cannabis-Cafés, wie man sie aus den Niederlanden kennt, unter strenger staatlicher Aufsicht und Kontrolle. Das muss auch so sein, um die Vorgaben der EU zu erfüllen. Der private Handel aber muss verboten bleiben, auch müsste gewährleistet sein, dass das Cannabis nicht über die Grenze geht.

Sind die Niederlande also ein Vorbild?
Grundsätzlich schon. Aber sie widersprechen sich insofern, also sie den Verkauf tolerieren, den Ankauf aber kriminalisieren. Dies geschieht allerdings aufgrund von UN-Vertragsverpflichtungen. Vorbildlich hingegen ist, dass in den Cannabis-Cafés kein Alkohol ausgeschenkt wird, dass nur geringe Mengen abgegeben werden, dass Jugendliche dort keinen Zutritt haben. Das könnte Deutschland übernehmen.

Woher kommt die Angst vor der Freigabe von Cannabis?
Meiner Meinung nach ist das eine jahrelang gepflegte staatliche Panikmache. Natürlich muss man Angst haben, dass ein Kind schwerstdrogenabhängig wird. Aber bei Cannabis ist die Angst geschürt, auch durch gezielte Verschleierung in den Medien, etwa im “Spiegel”. Dort wurden bewusst falsche Sachen wieder gegeben, Studien falsch zitiert. In der 4000-jährigen Geschichte von Cannabis ist nicht ein einziger Todesfall auf Cannabis zurückzuführen, auch wenn oft von “Drogentoten” die Rede ist. Das Cannabisverbot kommt ja aus den USA. Dort ist es vor allem aufgrund moralischer und rassistischer Einstellungen entstanden. Deutschland hat dem seinerzeit nur zugestimmt, um selbst weiter Opiumhandel betreiben zu können.

Dabei könnte man viel Geld sparen, wenn man Cannabis freigeben würde.Ja. Die Strafverfolgungskosten würden entfallen, dazu viel Bürokratie. In Cannabis-Cafés könnten Jobs geschaffen werden, und Cannabis könnte besteuert werden. Es gibt Schätzungen, denen zufolge der Staat nach einer Freigabe eine Milliarde Euro jährlich einnehmen würde.”


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