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DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 09.03.2007



1. Trend zum Marihuana-Anbau in Deutschland

Nachdem wir bereits im vergangenen Monat gemeldet haben, dass sich die Zahl der in Berlin beschlagnahmten Cannabispflanzen in den letzten drei Jahren versechsfacht hat, häufen sich die Meldungen über aufgeflogene Cannabisplantagen auch in anderen Bundesländern. Inzwischen ist der Trend zu Berichten über den illegalen Anbau von Cannabis nicht mehr zu übersehen. Auch der DHV wird immer wieder von Medienvertretern auf dieses Thema angesprochen. Allein im Februar erreichten uns vier solcher Anfragen.

Bereits Anfang des Monats, nutzte Georg Wurth vom Deutschen Hanf Verband die Möglichkeit, im RBB-Fernsehen Stellung zum Thema Eigenanbau in Wohnungen zu nehmen. Dabei forderte er eine Legalisierung des Anbaus für den eigenen Bedarf, weil durch diese Maßnahme unter anderem dem organisierten Verbrechen Geld entzogen würde. Anlass für den Bericht war ein Prozess gegen die Betreiber zweier zur Cannabisplantage umgebauter Wohnungen.

Die Polizei reagiert mittlerweile auf die sich ändernde Situation und verstärkt die Suche nach illegalen Cannabisplantagen. Besonders in Grenznähe zu den Niederlanden stößt sie immer wieder auf besonders große Plantagen. Oft ist es dabei der Zufall, der die Beamten auf das illegale Tun hinweist.

Mehr zum Thema

  • Artikel der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 03.02.2007

Quellen

  • RBB- Abendschau vom 02.02.2007
  • Artikel der Aachener Zeitung vom 12.02.2007

2. Drogen im Straßenverkehr wieder verstärkt Thema in den Medien

Neben dem Trend zum Eigenanbau von Cannabis wird in den Medien auch wieder verstärkt über Drogen im Straßenverkehr berichtet. Die Meldungen stehen im Zusammenhang mit der vom Bundesverkehrsminister geforderten Einführung der Null-Promille-Grenze für Fahranfänger und den gestiegenen Zahlen bei Fahrten unter Drogeneinfluss. Letzteres begründen Experten in erster Linie mit strengeren und häufigeren Kontrollen.

Neben seriösen Berichten über laufende Präventions- und Aufklärungskampagnen, erscheinen in der letzten Zeit auch regelmäßig Artikel, die in einer Überreaktion jeden Unfall mit Cannabis konsumierenden Beteiligten gleich zu einen Drogenunfall machen – unabhängig davon, ob überhaupt eine relevante Menge THC im Blut war.

Mehr zum Thema

  • Pressemitteilung des Innensenators von Hamburg vom 19.02.2007

Quellen

  • Artikel des Radios Hamburg vom 28.02.2007

3. Großbritannien: Gestrecktes Gras – Ergebnis erfolgreicher Polizeiarbeit?

Nicht nur in Deutschland sind Verunreinigungen in Cannabisprodukten ein Problem. In Großbritannien sah sich sogar das Gesundheitsministerium zu einer Warnung vor den Gesundheitsgefahren gezwungen.

Von 25.09. bis 05.10.2006 führte die Polizei in Großbritannien die “Operation Keymer” durch, deren Ziel es war, die heimische Cannabisproduktion “mit der Wurzel auszureißen”. Im Laufe der Aktion wurden hunderte illegale Cannabisplantagen zerstört und ihre Betreiber verhaftet. Als Bestätigung des Erfolgs der Aktion sahen es die Verantwortlichen an, dass Cannabiskonsumenten in den folgenden Monaten über eine deutliche Verknappung des Angebotes klagten.

Die entstandene Marktlücke blieb nicht lange unbemerkt und niederländische Großhändler machten sich daran, die Insel mit Nachschub aus kontinentaler Produktion zu versorgen. Seither häufen sich auch in Großbritannien Berichte über verunreinigtes Marihuana.
Am Anfang wurde noch über die Art der Streckmittel gerätselt. Eine Analyse im Auftrag der Organisation “UK Cannabis Internet Activists” brachte dann Ende Dezember traurige Gewissheit. Die der UKCIA zugespielte Probe enthielt winzige Glaskügelchen. Klein genug, um beim Rauchen bis in die Bronchien vorzudringen, wo sie erhebliche Schäden verursachen können.

Mit mehreren Pressemitteilungen gelang es der UKCIA, Berichte in den britischen Tageszeitungen Guardian und Eastern Daily zu platzieren. Darin wurde das britische Gesundheitsministerium aufgefordert, in Zukunft die Verunreinigungen in Cannabisprodukten zu beobachten und gegebenenfalls Warnungen auszusprechen. Zunächst lehnte Minister Milch dies ab, weil Cannabis ein illegales Gut und die Konsumenten deshalb selbst schpd seien, wenn sie es benutzen.
Als Reaktion auf die Ablehnung rief die UKCIA Cannabiskonsumenten dazu auf, sich beim Gesundheitsminister zu beschweren, weil ihrer Meinung nach von den Beimengungen größere Gesundheitsgefahren ausgehen, als von “sauberem” Cannabis. Auch ein Internet- Fernsehsender berichtete über die Situation.

Am 16.01.2007 veröffentlichte das britische Gesundheitsministerium schließlich eine offizielle Warnung vor verunreinigtem Marihuana.

Mehr zum Thema


4. Expertenkomitee der WHO empfiehlt Umstufung von Dronabinol

Laut einem Ende Januar veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das WHO Expert Committee on Drug Dependence (ECDD) bereits im vergangenen März beschlossen, Dronabinol und ähnliche Produkte in eine weniger strenge Kategorie psychotroper Substanzen einzuordnen.
Folgt die Betäubungsmittelkommission der UNO (Commission on Narcotic Drugs, CND) der Empfehlung wird synthetisches THC bald in die Klasse III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel) aufgenommen. Dies würde die weltweite Forschung der Wirkungen von THC immens erleichtern und ermöglicht es den Mitgliedsstaaten der UNO nationale Gesetzte zu erlassen, die die Verabreichung durch Ärzte und Apotheken regeln.

Interessant ist der Bericht auch, weil in ihm erstmals auf Mptinationaler Ebene anerkannt wird, das THC therapeutisch wertvoll sein kann. Der Bericht nennt unter anderem positive Effekte bei der Bekämpfung von Nebenwirkungen bei Chemotherapien, Verbesserung der Lebensqualität von AIDS-Kranken und erfolgreiche Behandlung von chronischen Schmerzen.

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5. Schweiz: Bizarrer Streit um Viehfutter aus Hanf

Die Schweizer Firma SanaSativa und das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) streiten sich öffentlich über die Verwendbarkeit von Viehfutter aus Hanf.

Während die BLW in Tageszeitungen vor der Verfütterung warnte und auf das seit März 2005 geltende Verbot der Verfütterung von Hanf an Nutztiere hinwies, machte SanaSativa mit einer groß angelegten Anzeigenkampagne Schlagzeilen, in der Hanf als Futtermittel für Kühe empfohlen wird.

Das BLW hatte 2005 eine Anlage der Futtermittelverordnung geändert und damit “Hanf oder Produkte davon in jeder Form oder Art” von der Verfütterung ausgenommen. SanaSativa pocht hingegen auf die Eintragung von “getrockneten Kräutern, oberirdischen Pflanzenteile” in die eidgenössische Futtermittelliste. Diese nehme lediglich Hanfsamen von der allgemeinen Zpassung als Futtermittel aus.

Die verhärteten Fronten lassen es sehr wahrscheinlich erscheinen, dass die Frage endgültig wohl erst vor Gericht geklärt wird. Bis dahin gehen Schweizer Bauern mit der Verfütterung von Hanf das Risiko ein, ihre Produkte nicht verkaufen zu dürfen.

Mehr zum Thema

  • Webseite der Firma SanaSativa

Quellen

  • Artikel der Zeitung Der Bund vom 20.02.2007

6. Termine


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