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DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 07.03.2006

DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 07.03.2006

Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes – Ausgabe März 2006


1. Protestmailer: Hessen soll einseitige Drogenpolitik beenden

In allen Bundesländern besteht ein Missverhältnis zwischen Repression und Prävention in der Drogenpolitik. Die Budgets der Drogenhilfe werden deutschlandweit gekürzt, während für die Verfolgung einfacher Drogenkonsumenten Unsummen aufgewendet werden. In keinem Bundesland ist dieses Problem so stark ausgeprägt wie in Hessen. Dies wird durch neue Zahlen und Aussagen der amtierenden CDU- Landesregierung besonders deutlich. Deshalb hat der Deutsche Hanf Verband das Bundesland Hessen für die neue Protestaktion ausgesucht.

“Hessen soll einseitige Drogenpolitik beenden”
Regelmäßig erreichen uns Meldungen der Hessischen Landesregierung, in denen von steigenden Konsumentenzahlen im Bereich Cannabis, vom immer niedrigeren Einstiegsalter und den gefährlich gestiegenen THC-Gehalten berichtet wird. Keine dieser Meldungen verzichtet darauf mehr Geld für Prävention insbesondere an Schulen zu fordern. Gleichzeitig werden die für Suchtprävention und Beratung bereit gestellten Mittel seit Jahren gekürzt. Im Jahr 2004 erreichten sie mit nur 556.000 Euro den niedrigsten Stand seit 10 Jahren. Im gleichen Zeitraum sank das durchschnittliche Erstkonsumalter von 17,5 Jahre (1993) auf 16,4 Jahre (2004), während sich die Anzahl der Cannabiskonsumenten in der Altersgruppe 18 bis 39 Jahre fast verdreifacht hat. An dieser Entwicklung hat auch die massive Ausweitung von Polizeieinsätzen nichts ändern können.

“Je früher Jugendliche zum Joint greifen, desto größer ist das gesundheitliche Risiko für eine psychische Abhängigkeit. So wirkt Cannabis oft als Verstärker von Problemen, die die Jugendlichen durch den Konsum eigentlich lösen oder verdrängen wollten.” Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger

Wer fordert, “Präventions-, Beratungs- und Therapieangebote müssten sich stärker mit dieser Zielgruppen auseinandersetzen, um frühzeitig einen problematischen Cannabiskonsum zu erkennen und angemessene Hilfen anbieten zu können”, muss auch die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung stellen.
Geld genug hat das Land Hessen. Immerhin gibt die Hessische Regierung jedes Jahr mindestens 75 Millionen Euro für die Verfolgung von Cannabiskonsumenten aus. Das ist rund 135-mal so viel wie für Präventionsmaßnahmen!

Laut Landesregierung setzt die hessische Drogenpolitik auf die drei Säulen “Prävention, Beratung und Therapie, sowie Repression”. Es wird Zeit das bestehende Ungleichgewicht der Mittel zu korrigieren. Bereits ein Prozent der Mittel für Repressionsmaßnahmen könnte die Möglichkeiten in den Bereichen Prävention und Beratung mehr als verdoppeln!

Gegen die einseitig repressive Drogenpolitik in Hessen könnt ihr mit einer eigenen oder vorgefertigten Protestmail bei den zuständigen MinisterInnen protestieren!

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2. Deutschland/ Österreich/ Kanada: Weltweite Aktionen gegen Hanfsamenversender und ihre Kunden

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es weltweit Polizeiaktionen gegen (Online-)Versender von Hanfsamen, so geschehen in Österreich und Kanada. Dabei werden zunehmend Kundendaten beschlagnahmt. Gestützt auf diese Daten wird dann gegen den illegalen Anbau von Cannabis vorgegangen.
Längst macht die Polizei bei ihren Bemühungen nicht mehr an Landesgrenzen halt. So kam es nach der Beschlagnahmung von Kundendaten der österreichischen Firma Hanfsamen.at zu dutzenden Hausdurchsuchungen und Razzien in Deutschland.
Mittlerweile haben Presse und Politik das Thema aufgegriffen und ein Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Drogen der bayrischen Linkspartei hat dazu eine Pressemitteilung herausgegeben. Auch der Deutsche Hanf Verband setzt sich für eine Legalisierung von Hanfsamen und des Hanfanbaus zum Eigenkonsum ein.

Quelle:

  • Allgemeine Zeitung, 23.02.2006 “Hanfsamen online verkauft – Polizei schnappt Cannabisbauern”

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3. Italien: Parlament verabschiedet extrem hartes Drogengesetz

Das Italienische Parlament hat ein lange geplantes, extrem hartes Drogengesetz verabschiedet. Auch für den Besitz so genannter weicher Drogen wie Haschisch oder Marihuana drohen künftig Gefängnisstrafen. Wer beim Joint-Rauchen erwischt wird, muss damit rechnen, dass ihm Führerschein oder Reisepass entzogen werden.
Das neue Gesetz sieht für den Besitz aller Arten von Drogen, von Cannabis bis Heroin, Gefängnisstrafen von sechs bis zwanzig Jahren vor – wenn die gefundene Menge über den so genannten persönlichen Bedarf hinausgeht. Anders als in den ersten Entwürfen sind die Mengen, ab denen diese drastische Strafen vorgesehen sind, jedoch nicht direkt im Gesetz enthalten, sondern sollen jetzt vom Gesundheitsminister festgelegt werden. Im Entwurf war z.B. die Rede davon, dass ab 0,3 Gramm (!) Cannabis von Handel ausgegangen werden soll.

Auch heftige Proteste der Opposition halfen nichts. So sagte der Grünen-Politiker Paolo Cento:
“Die neue Drogenvorschrift ist eine Schande. Sie schickt einen Menschen ins Gefängnis, nur weil er einen Joint raucht. Die Regierung ist tolerant gegenüber denjenigen, die Drogenhandel im großen Stil betreiben, aber intolerant gegenüber demjenigen, der einen Joint raucht.”

Quelle:


4. Medizin: Cannabis doch Einstiegsdroge!?

Niederländische Forscher veröffentlichten im vergangenen Monat die Ergebnisse einer Studie mit 219 Zwillingspaaren, von denen einer vor seinem 18. Lebensjahr Cannabis geraucht hat und der andere nicht. Damit wollten sie den Einfluss von Cannabis auf den Konsum von “harten Drogen” untersuchen. Ihr Ergebnis: Wer vor dem 17. Lebensjahr Cannabis konsumiert, hat ein sechsfach höheres Risiko später auch Drogen wie Ecstasy und Kokain zu konsumieren.
Was von der Presse schnell zur Wiedergeburt der Einstiegsdrogentheorie verklärt wurde, erlaubt diesen Schluss in Wirklichkeit nicht. So werden in der Studie keinerlei Aussagen über Faktoren wie vorausgehenden Alkohol- und Nikotinkonsum gemacht.

So will denn auch die Studienleiterin und Neurologin Jacqueline M. Vink ihre Ergebnisse nicht als Ruf zur neuerlichen Kriminalisierung von Cannabiskonsumenten verstanden wissen. Immerhin zeige die Studie auch, “dass häufiger, hoher Cannabiskonsum in den toleranten Niederlanden relativ selten ist – verglichen mit restriktiveren Ländern wie Australien oder den USA.”

Wer problematischen Drogenkonsum verhindern will, muss demnach auf liberale Drogenpolitik in Kombination mit Jugendschutz und Präventionsarbeit setzten.

Quelle:

  • Artikel in der Ärztezeitung “Cannabis als Einstiegsdroge”
  • Interview mit Jacqueline M. Vink

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5. Merkwürdiges: Haschischkäufer klagt bei Polizei über Drogen

In Darmstadt hat sich ein Mann bei der Polizei über die mindere Qualität von ihm erworbener Drogen beschwert. Wie das Polizeipräsidium in der südhessischen Stadt am 16.Februar berichtete, wurde der 52-Jährige bei den Ermittlern vorstellig, weil er seinen Dealer wegen Betrugs anzeigen wollte. Den Beamten sagte der Mann, er habe 200 Gramm Haschisch für 400 Euro erworben.
Das Rauschgift sei aber “von absolut minderwertiger Qualität und überhaupt nicht genießbar”, berichtete der Drogenkonsument nach Angaben von Polizeisprecher Ferdinand Derigs.

Die Beamten hätten sich jedoch außer Stande gesehen, dem 52-Jährigen beim Umtausch behilflich zu sein. Stattdessen seien sie in die Wohnung des Mannes gefahren, hätten das Rauschgift beschlagnahmt und ein Ermittlungsverfahren gegen den Drogenkonsumenten eingeleitet. Der betrügerische Händler wurde zur Fahndung ausgeschrieben.

Quelle:

  • N24.de vom 16. Februar 2006 “Haschischkäufer klagt bei Polizei über Drogen”

6. Termine

  • 24.-26.03.2006: Bern, Internationale Hanffachmesse Bern – Cannatrade.ch
  • 06.05.2006: Überall in der Welt MMM
  • 05.08.2006: Berlin, Hanfparade – Hanfparade

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