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Cannabis und Schizophrenie

Eine dänische Studie zu “Schizophrenie und Cannabis” machte die letzten Wochen in den Medien die Runde und wurde sogar im Rahmen der parlamentarischen Befragung des Gesundheitsministers durch einen CDU-Abgeordneten aufgegriffen. Sie dient den Gegnern einer Legalisierung in Deutschland als vermeintlich deutliches Zeichen, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen.  Dass das Verhältnis von Cannabis und Schizophrenie keinesfalls so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick in der dänischen Studie erscheint, darauf weist der Mediziner Chuck Dinerstein in seinem Beitrag für den American Council On Science and Health (ACSH) hin.

Ausgangspunkt der dänischen Studie sind Vermutungen über einen Zusammenhang von Cannabiskonsumstörungen (engl. Cannabis Use Disorder – CUD) und Schizophrenie, die in älteren Studien geäußert wurden. Ziel der neuen dänischen Studie ist es, diesen vermuteten Zusammenhang hinsichtlich des Alters und des Geschlechts zu differenzieren und spezifische Risikofaktoren zu erarbeiten.

Dazu wurden Daten des dänischen Gesundheitssystems von 1972 bis 2021 ausgewertet, in denen Personen im Alter von 16 bis 49 Jahren erfasst sind. Anschließend wurden Korrelationen zwischen dem Auftreten einer Schizophrenie und verschiedenen demografischen und medizinischen Faktoren wie Geschlecht, Herkunft, anderen psychischen Erkrankungen oder verschiedenen Konsumstörungen (Alkohol, Cannabis, andere Drogen) aufgezeigt:

Es ist wichtig zu beachten, dass es sich hier nur um statistische Beziehungen handelt, die keine Aussagen über einen kausalen Zusammenhang treffen. Statistisch gesehen leiden mehr Männer als Frauen an Schizophrenie, 9,1% sind nicht Dänemark geboren, 5,8% aller Betroffenen weisen eine Alkoholkonsumstörung auf, 0,9% eine Cannabiskonsumstörung und 3,4% eine anderweitige Konsumstörung usw.

Anschließend nehmen die Autoren der Studie jedoch einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Cannabiskonsumstörung und dem Auftreten einer Schizophrenie an, berechnen alters- und geschlechtsspezifische Risikofaktoren und schlussfolgern, dass, falls die Annahme stimme, 15% der Fälle von Schizophrenie bei Männern durch die Vermeidung einer CUD verhindert werden könnten:  

Assuming causality, approximately 15% of recent cases of schizophrenia among males in 2021 would have been prevented in the absence of CUD; by contrast, among females, 4% of recent cases of schizophrenia would have been prevented if they did not have CUD.”

Das Henne-Ei-Problem

Dass diese Annahme eines einseitigen kausalen Zusammenhangs fragwürdig ist, untermauert Dinerstein in seinem Beitrag für den ACSH mit zwei älteren Studien zum Thema Schizophrenie und Substanzmissbrauch. So zeigt eine weitere dänische Studie von 2019, die ebenfalls Daten des dänischen Gesundheitssystems nutzt, einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein einer schizophrenen Erkrankung und der Entwicklung einer Substanzgebrauchsstörung auf:

“A diagnosis of schizophrenia was positively associated with the risk of developing substance abuse … primarily associated with an increased risk of abuse of cannabis, alcohol, stimulants and other substances”.

Eine weitere Studie untersuchte die zeitliche Abfolge der Entwicklung einer Substanzgebrauchsstörung bei von Schizophrenie betroffenen Personen. 27,5% hatten bereits vor dem Auftreten der ersten schizophrenen Episode eine Substanzgebrauchsstörung. Bei 34,6% entwickelte sich diese im gleichen Monat wie die erste schizophrene Episode und bei 37,9% trat die Substanzgebrauchsstörung erst nach der schizophrenen Erkrankung auf. Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass eine Kausalität weder in die eine noch in die andere Richtung durch die Daten erhärtet wird:  

“Drug abuse preceded the first symptom in 27.5%, followed it in 37.9%, and emerged within the same month in 34.6% of the cases. The study demonstrates a remarkable association between first-episode schizophrenia and substance abuse, but a unidirectional causality is not supported, nor is a specific psychotic disorder in comorbid cases.”

Cannabis könnte vielleicht ein Trigger oder Risikofaktor für das Auftreten einer schizophrenen Episode sein. Aber eine allgemeine Aussage, dass 15% der Fälle von Schizophrenie bei Männern direkt durch eine Cannabiskonsumstörung bedingt sind, sei wissenschaftlich nicht haltbar, schlussfolgert Dinerstein.
Um diese Aussage wirklich treffen zu können, müsste mehr über die genauen Umstände und Mechanismen der Entstehung einer Schizophrenie bekannt sein. Ansonsten wäre Selbstmedikamentation, mit dem Ziel einer Abdämpfung der Krankheitssymptome, eine ebenso plausible Erklärung für den beobachteten statistischen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Substanzgebrauchsstörungen.


Kommentare

13 Antworten zu „Cannabis und Schizophrenie“

  1. Scheinklaenge

    Aussagen in Deutschland falsch gedeutet?
    In der englischen Zusammenfassung steht nicht, dass eine Kausalität zwischen Cannabis-Missbrauch und Schizophrenie festgestellt worden sei, sondern, dass Fälle hätten vermieden werden können, angenommen, es gäbe eine Kausalität:
    Conclusions
    “Young males might be particularly susceptible to the effects of cannabis on schizophrenia. At a population level, assuming causality, one-fifth of cases of schizophrenia among young males might be prevented by averting CUD.”
    Es geht hier außerdem um “disorder” also pathologischem Missbrauch, nicht einfach um Gebrauch aller Art.
    Die Schlussfolgerung der Studie ist allerdings ein Aufruf, aktiver nach THC und Metaboliten bei Patienten zu suchen. Übrigens ist hierzulande die Praxis, dass schon bei geringem Gebrauch z.B. eine Psychotherapie oder eine ambulante psychiatrische Diagnostik nicht von der KK übernommen wird, da der geringste Gebrauch von BtM angeblich ausreiche, um sämtliche positive Effekte einer ambulanten Therapie zunichte zu machen. Den Patienten, die offen einen Konsum ansprechen, oder bei dennen er zufällig entdeckt wird, werden folglich ambulante Therapien verweigert. DAS ist doch eine sehr fragwürdige Herangehensweise. Würde man systematisch bei allen Patienten mit psychischen Beschwerden nach THC-Metaboliten suchen, würden vermutlich spürbar mehr Therapien abgelehnt. Wegen der Kriminalisierung würden viele Patienten davor zurückschrecken, sich so einem Screening zu unterziehen und gar nicht erst zum Arzt gehen.

  2. Stinker

    Ich habe die Diagnose
    Ich habe eine Schizophreniediagnose und bin Cannabispatient.
    Bekomme das zum Schlafen. Nur ausgeglichene Sorten.
    Und kleine Mengen da Selbstzahler.

    Wenn der DHV Fragen hat, einfach auf den Kommentar melden mit einem Kommentar,
    dann rufe ich beim DHV an.

    Bekomme das Cannabis seit Jahren.

    LG

    1. Hallo ich habe auch Schizophrenie seit fast 6 Jahren und habe Angstzustände nähme Medikamente aber das hilft leider nicht immer und wenn ich einen geraucht habe geht es mir viel besser komme dadurch gut durch den Tag und die Nacht aber wie bekomme ich dafür medizinisches weil jeder weiß das was auf der Straße giebt ist oft gestreckt

  3. M.A.Haschberg

    Unzureichende Erklärung.
    Dieses Problem mit den angeblichen Schizophrenien ist in erster Linie ganz klar der Illegalisierung durch Schwarzmärkte geschuldet.
    Hätten wir ausreichenden Jugendschutz durch eine flächendeckende Aufklärung und legale Verkaufsstrukturen durch Fachgeschäfte, könnte jeder Konsument genau ersehen, um welches Produkt mit welcher Stärke es sich im Einzelnen handelt.
    Ich möchte nicht wissen, wie viele Fälle dabei auf das Konto unzulässiger Beimischungen, wie den sehr gefährlichen synthetischen Cannabinoiden, gehen.
    Da werden wieder Fakten verdreht und wichtige Zusammenhänge nicht richtig eingeordnet.
    Ich persönlich hatte trotz meines sehr langen Konsums mit dieser wunderbaren Pflanze außer der sinnlosen Repression noch keinerlei Probleme. Im Gegenteil. Besonders das THC ist reiner Balsam für meinen gesamten Organismus. Da hätte eine Schizophrenie erst gar keine Chance.

    1. Peter

      Konsum mit Tabak oder ohne?
      Und was auch gefehlt hat: Es wurde sehr wahrscheinlich mal wieder nicht gefragt ob Tabak mit im Spiel war. Ich weiß jetzt nicht wie vielen es so geht aber bei mir ist es ein wirklich gewaltiger Unterschied ob ich mit Tabak konsumiere oder ohne und per Vaporizer.

    2. Peter

      Orgasmus
      Vor allem ist Cannabis Balsam für meinen Orgasmus 🙂 Also Cannabis-Orgasmen die sind schon ziemlich …. angenehm 🙂 Um nicht zu sagen einer der Hauptgründe von zumindest meinem Konsum. Was hat eine Psychologin in einer Schmerzklinik geschrieben: “…konsumiert zur Steigerung des Lustgewinns”. Wow – das muss ja echt Donnerschläge in konservativen Ohren auslösen. “Lustgewinn” – also, also, also das geht ja nun wirklich nicht. Denkt denn keiner an die Kinder!!!Elf1

  4. greenness

    Du hättest deinen Arzt fragen
    Du hättest deinen Arzt fragen sollen, ob er glaubt, daß er Menschen anfixt, wenn er Morphium spritzen muß. –

    Ganz abgesehen davon ist die ganze Diskussion, ob Cannabis gefährlich ist, für die Frage ob Legalisierung irrelevant.

    Es ist deutlich aufgezeigt worden, daß die Konsumentenzahlen und der rechtliche Status einer Substanz nicht zusammenhängen. Warum konsumieren in den Niederlanden weniger Jugendliche Cannabis als in D? Warum wurde während der Alkohol-Prohibition in den USA kräftig weitergesoffen?

    Warum konsumieren in D überhaupt Menschen Cannabis, wo es doch verboten ist? –

    Ich finde es schade, daß in der Öffentlichkeit nicht über die wirklichen Gründe für die Ausbildung einer (Substanz-)Sucht gesprochen wird. Wenn das mehr Menschen klar wäre, könnte endlich mal wirklich geholfen werden. (Vorbeugend)

    1. Peter

      “Haben Sie Angst vor Bier?”
      [quote=greenness]Du hättest deinen Arzt fragen sollen, ob er glaubt, daß er Menschen anfixt, wenn er Morphium spritzen muß. –
      [/quote]

      DEN merke ich mir mal 🙂 Ansonsten frage ich Menschen immer ob sie in Anbetracht von 70.000 Tote in Form von Alkoholkonsum (direkt wie indirekt) eigentlich Angst vor Bier haben. Oder Riesling. Oder das sie psychische Probleme bekommen und warum nicht 🙂

      Aus dem Krankenhaus entlassene vollstationäre Patientinnen und Patienten 2016

      Psychische und Verhaltensstörungen: 1.222.241
      durch Alkohol: 322.608
      durch andere psychotrope Substanzen: 110.245

      Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2018
      https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Jahrbuch/jb-gesundheit.pdf

  5. Peter

    Noch einText zum Thema
    Menschen mit Problemkonsum brauchen Hilfe. Keine Strafverfolgung. Umsomehr gilt das für psychisch Kranke, die Therapie und nicht Strafe brauchen. Drohung mit Bestrafung und sozialer Ausgrenzung dürfte bei einer Krankheit, die ohnehin durch extreme Angstzustände und Verarmung von sozialen Kontakten gekennzeichnet ist, wenig produktiv sein.

    Ich kann übrigens auch aus eigener Erfahrung mitreden. Auch ich habe den kompletten Weg durch. Von MISSbrauch bis in die Psychiatrie (Und Nein, keine Psychose sondern Depressionen) wobei ob das jetzt an Drogen lag oder nicht ist nicht eindeutig. Das ist ein wenig wie Henne und Ei. Unklar was zuerst da war: Probleme die zu Drogen führten (was meist der Fall ist) oder umgekehrt (eher nicht)) bis jedenfalls wieder zu einem vernünftigen GEbrauch (sic!).

    Eine Wendepunkt war, das ich ein Rezept bekam. Also erst mal einen Vaporizer gekauft und den Tabak weggelassen. Das sorgte

    – für weniger Kopfkino
    – Keine Atemwegsprobleme mehr
    – und einem runterdosieren nach und nach. Von 500mg am Tag auf etwa 500mg in der Woche und weniger.

    Das Problem war vor allem das Nikotin! Das hat mich einen Kopf nach dem anderen rauchen lassen bzw. Joint bauen lassen.

    Und ich habe mich endlich getraut eine Feinwaage zu kaufen. Das tat ich nie weil ich immer Sorge hatte, dass es bei einer Hausdurchsuchung dann heißt “Aha – Dealer-Utensilien!” Ich wusste da erst überhaupt zum ersten Mal was ich so für Mengen verkonsumiere. Funfact: Es war weniger als gedacht. Ich glaube viele überschätzen die Menge. So ist dann das “halbe Gramm im Joint” vielleicht nur die Menge von 300mg oder weniger.
    Aber wie auch immer: Ist heute alles kein Problem mehr. Dank medizinischer Legalisierung! Wenn man denn Zugang dazu hat.

    Ein weiterer Punkt war: Wenn ich zu einem Dealer bin. dann kaufte ich da auch gleich mal auf Vorrat ein. Wer weiß wie man wieder dazu kommt. So. Und dann lag das Zeug ständig in Reichweite.

    Oder Paranoia: Viele Konsumenten bekommen eben wegen des Verbots einen schlechten, paranoiden Trip. Das war, als ich mein Rezept hatte, auf einen Schlag weg! “Endlich kann mir keiner mehr was!”. Das dache ich zumindest, bis ich die ersten Berichte laß bei denen Patienten (!) eben doch wieder Ärger mit der Polizei bekamen. Bei einer Legalisierung (also nicht nur eine Entkriminalisierung, nur über CLubs und nur “Staatsgras” – damit kriegst du den Schwarzmark eben NICHT weg) wären zumindest diese Ängste vermutlich weitgehend weg.

    Hätten wir einen Fachhandel, dann könnte ich mir da, in dem Wissen mir jederzeit was holen zu können, was fürs Wochenende besorgen. Fertig.

    Hätte mich mal jemand lieber mit Erfahrung aufgeklärt. Aber in den 90ern gabs das alles nicht. Internet kam ja erst gerade. Und du konntest mit keinem vernünftig darüber reden.

    Wer das erste Mal Alkohol trinkt weiß noch nicht was passiert wenn er zuviel erwischt. Der richtige Umgang will erlernt sein. Dabei können unerfahrene Konsumenten von den Erfahrungen von Erwachsenen profitieren. Wenn aber schon allein der Besitz verboten ist dann findet der Konsum vorwiegend heimlich statt, wo niemand beobachten kann wie vernünftig oder unvernünftig damit umgegangen wird. Auch wird kaum jemand offen über eigene Erfahrungen berichten, wenn er damit zugeben muss, ein Gesetzesbrecher zu sein. Statt aus den Erfahrungen von Erwachsenen lernen zu können werden Jugendlichen dazu verdammt, aus den eigenen Fehlern lernen zu müssen, manchmal mit tragischen Konsequenzen.

    Heute geh’ ich mit einem Rezept in die Apotheke und kann mir unter 30 Sortem von nahezu 0 bis 20% THC raussuchen was ich will. Sauber. Mit Infos und Beratung. Beim Dealer auf der Straße hast du die Möglichkeit nicht. Da hast du auch keine Alterskontrollen. Aber dann wieder rumheulen wie potent Cannabis mittlerweile doch geworden ist. Und das ist ebenfalls eine Folge der Prohibition. War in den USA beim Alk nicht anders. Bier und Wein gabs kaum, dafür reichlich Schnaps. Möglichst viel Wirkstoff auf möglichst wenig Volumen. Besser zum Schmuggeln und es “knallt” mehr. Nicht selten gabs schlecht gebrannten mit entsprechenden Folgen. Mehr gesundheitliche Probleme, mehr Kriminalität.

    Fragt mal Eltern wie gut bei ihren Kindern Verbote funktionieren. Das Verbot bringt gar nichts. Hätte ich Kinder, dann hätte ich Interesse daran dass sie gar keine Drogen nehmen. Legal oder illegal. ABER: Wenn Sie welchen nehmen würden, dann würde ich wollen das sie das möglichst Sicher tun. Stichwort Safer-Use. Daher bin ich sehr für Aufklärung statt Verbote. Ja man kann mit Drogen Spaß haben. ABER: Sie können auch gefährlich werden. Daher Regel #1: Verliere niemals den Respekt vor Drogen! (Ja, auch Alkohol.) Wenn du den Trip nicht (mehr) genießen kannst, dann war es zuviel. Und es heißt ja auch unter anderem GENUSSmittel. Und wenn es einem nicht gut damit geht, dann sollte man es sein lassen. Oder kurz: Übertreibe es nicht. Weder mit Menge noch mit Konsumfrequenz.

    Was aber unter Garantie nicht funktioniert ist wenn ich mich hinstelle, mit dem Zeigefinger rumfuchtle und “Du darfst das nicht, weil das ist Verboten!” sage.

    Ich würde wollen das meine Kinder bei Problemen mit Drogen zu mir kommen können. Ich will, wenn sie heimlich rumexperimentieren und etwas schief geht, dass die einen Arzt rufen können ohne Angst haben zu müssen mit der Polizei in Konflikt zu geraten. Aber genau das passiert! Auch bei Erwachsenen. So wird empfohlen erst beim Eintreffen von Rettungskräften über Drogen zu sprechen, weil sonst kommt beim Anruf einer Rettungsdienststelle u. U. die Polizei mit. Es ist fatal wenn Leute aus Angst vor Polizei keine Hilfe rufen!

    Ich würde auch nicht wollen das die das gleiche durchmachen wie ich: Jede Menge Ärger im Leben wegen Drogen. Oder besser: Nicht wegen Drogen sondern wegen dem “zu oft zu viel” Problem.
    Und genau so wie ich manche Leute kennen die einen Problemkonsum aufweisen kenne ich Leute die eben absolut keinen Problemkonsum aufweisen. Diversen Quellen nach liegt die Quote bei 10% (Problemkonsum) zu 90% (eben kein Problemkonsum). Und das sind ganz stinknormale Menschen durch alle Schichten. Teils mit Familie. Und die reden mit ihren Kindern darüber. Ohne Hysterie. Und dann verstehen die das auch, dass es hier nicht um “die Alten geht die mir alles verbieten wollen” sondern das man sich Sorgen macht. Ohne wie so ein Oberlehrer oder Moralapostel rüberzukommen. Tatsächlich war eine Frage die mir sehr häufig an Infoständen gestellt wurde: “Nehmen Sie Drogen?”. Die wollten oftmals einfach nur wissen ob sie sich da mit jemandem unterhalten der Ahnung hat. Dann fühlten die sich auch ernst genommen.

    Die Menge macht das Gift zum Gift. Da simmer uns glaub auch einig. Ein Joint hier und da ist ne andere Nummer als 20 Köpfe am Tag. Trotzdem kenne ich Menschen die jeden Tag kiffen. Gerade Patienten.
    Und leider habe ich nur als solcher auch Zugriff auf unterschiedliche Sorten. Es gibt ja nicht nur das eine Cannabis. Es gibt Blüten mit einem THC Gehalt von nahezu 0 bis über 20%. Dieses Aussuchen hätte ich gerne in Fachgeschäften. Nicht nur für Patienten. Wo sich Freizeitkonsumenten ebenso beraten lassen können. DA kann ich Infos mitgeben mit Safer-Use Hinweisen.
    Und wenn es dann mal echt brennen sollte, dann möchte ich mit Ärzten darüber sprechen können ohne, wie sehr oft geschehen, gleich “an die Wand genagelt” zu werden. Weil Ärzte und Therapeuten entweder gar nicht oder noch schlimmer falsch informiert sind.

    Bei Heroin und Co. das gleiche: Bei JES Bundesverband e.V. gibt es eine Gruppe “Angehöriger von verstorbenen Drogenkonsumenten”. Sogar die sagen dir, das viele noch leben würden, wäre das Verbot nicht. Weil auch hier: Die sterben selten an der Substanz. Sondern an unerwartet potentem Material, unhygienischen Umständen und schlechter, medizinischer Versorgung.

    Das Verbot ist das mit Abstand dämlichste woran man noch festhalten kann!

    Und es wäre auch schön wenn Menschen in einer Psychotherapie über das Thema sprechen können ohne Gefahr zu laufen, das die Therapie wegen “Gefährdung des Therapieerfolges” abgebrochen wird und man doch bitte erst mal in einer Suchtklinik abstinent werden soll (Das ist mir passiert. Zwei Mal.) Bei einer privaten Therapeutin war das überhaupt kein Problem. Das Wort Cannabis oder Drogen löst leider immer noch bei viel zu vielen Ärzten und Therapeuten Schnappatmung aus. 1-2 Bier in der Woche: “Kein Problem!” aber 1-2 Joints oder Konsum via Vaporizer: “Also DA müssen Sie aber erst mal in einer Suchtklinik!!!” Da ist sofort die URsache für alles gefunden. Ohne das man mal näher hinschaut, *warum* jemand konsumiert. Das muss aufhören! Sofort! Es kann nicht sein das therapiewillige Menschen keine Therapie machen können wenn sie keine Abstinenz nachweisen können. WIr müssen echt mal weg von dieser “Entweder 100% oder gar nicht” Denkweise. Egal welches Thema oder welcher Bereich.

    Es kann doch nicht sein, dass man mit Menschen denen man sich anvertrauen will (und auch soll!), über sowas nicht sprechen kann, weil die NULL Ahnung haben. Die wissen nichts! Außer das Drogen irgendwie böse sind. Als ich beim Hausarzt nach Cannabis auch nur angefragt hatte kam als Antwort: “Ich lasse mich doch vom Staat nicht zu Dealer machen!”. Danach hat der mich nie wieder gesehen. Das Vertrauen in den Arzt ist in der Sekunde schlagartig auf unter Null gesunken. Also wenn man nicht mal darüber *reden* kann, dann ist das fatal wenn dann solche Dinge passieren. Bleibst nur schweigen oder lügen. Und das bei “Vertrauenspersonen”. Das kann doch echt nicht wahr sein.

  6. Die Kausalität

    Eine neue Studie hat ergeben,
    Eine neue Studie hat ergeben, dass Taschentücher Erkältungen auslösen können.

  7. Makes NoSense

    Cannabis und Schizophrenie
    Hallo,

    in der Studie wird sehr verwaschen formuliert. Es ist doch rein logisch unmöglich, dass 15% der Schizophrenie-Fälle bei Männern verhindert werden können, wenn bei gerade mal 1,3% der mit Schizophrenie diagnostizierten Männer eine Cannabis Use Disorder vorliegt!
    Salopp gesagt würde das ja bedeuten:
    Wenn einer Aufhört zu kiffen, dann erkranken 10 weniger an Schizophrenie!
    Diese Aussage ist schizophren.
    Ich denke es ist so zu deuten, dass von den 1,3% der schizophrenen Männer mit CUD 15% die Schizophrenie hätten vermeiden können, wenn sie keine CUD mehr hätten. Das wären dann knapp 0,2% aller Schizophrenie-Fälle bei Männern.

    1. Peter

      Danke. Wollte ich auch eben schreiben.
      Ich habe die – oder eine der – Studien auch gelesen. Ich bin echt schlecht in Rechnen aber wenn man mal die Zahlen zerlegt kommt eigentlich wieder genau das raus was ich schon seit Jahren immer wieder predige. Hier mal der Text. Free for use:

      Psychosegefahr
      ==============
      Nach derzeitigen Erkenntnissen kann Cannabis möglichweise bei besonders dafür veranlagten Menschen eine bereits latent vorhandene Schizophrenie zum Ausbruch bringen. Etwa ein Prozent („nur“) der Bevölkerung ist davon gefährdet. Die Krankheit bricht vorwiegend in der Altersgruppe zwischen 18 und 30 aus. Über die Ursachen ist wenig bekannt.

      Die Entstehung von psychotischen Entwicklungen ist multifaktoriell. Inwieweit eine Kausalität zwischen Cannabiskonsum und Psychosen besteht, ist wissenschaftlich umstritten.

      Würde Cannabiskonsum schizophrene Psychosen nicht nur verfrüht auslösen sondern sie verursachen, dann wäre mit der steten Verbreitung des Cannabiskonsums seit Anfang der 60er Jahre eine Zunahme von Schizophrenie zu vermuten gewesen. Das Gegenteil war jedoch der Fall.

      Ein derartiges Risiko ist jedoch kein vernünftiger Grund, Menschen zu bestrafen, die Cannabis konsumieren, ohne dadurch zu Schaden kommen. Umsomehr gilt das für psychisch Kranke, die Therapie und nicht Strafe brauchen. Drohung mit Bestrafung und sozialer Ausgrenzung dürfte bei einer Krankheit, die ohnehin durch extreme Angstzustände und Verarmung von sozialen Kontakten gekennzeichnet ist, wenig produktiv sein.

      “Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Cannabiskonsum und dem Entstehen einer Psychose gibt, kann noch nicht endgültig sicher beantwortet werden. Denn hier ist sich die Forschung uneinig. Forscher in Spanien konnten jetzt beispielsweise keinen Zusammenhang feststellen.”

      Quelle: https://www.leafly.de/spanien-neue-studie-zu-cannabis-und-psychose/

      Weitere Infos:
      Cannabis & Psychosen – Wie zuverlässig ist die Lancet-Datengrundlage?
      https://hanfverband.de/nachrichten/news/cannabis-psychosen-wie-zuverlaessig-ist-die-lancet-datengrundlage

      Cannabis und Psychosen: Sind die Gene Schuld? Testverfahren möglich?
      http://highway-magazin.de/news/medizin/psychosen-bei-cannabis-sind-die-gene-schuld-testverfahren-moeglich

      Übrigens:

      “[…] Forscher fanden heraus, dass Kinder, die immer starker Luftverschmutzung ausgesetzt waren (zum Beispiel in Großstädten) ein deutlich höheres Risiko haben, an Psychosen zu erkranken. “Eines der deutlichsten Ergebnisse der letzten Jahrzehnte ist eine Verbindung zwischen Stadt und Psychose”, sagte Joanne Newbury, Hauptautorin der Studie am King’s College London gegenüber CNN. “Kinder, die in städtischen statt in ländlichen Gebieten geboren und aufgewachsen sind, entwickeln fast doppelt so häufig eine Psychose im Erwachsenenalter.””
      https://www.stern.de/neon/herz/psyche-gesundheit/luftverschmutzung–forscher-entdecken-zusammenhang-mit-psychosen-bei-teenagern-8649354.html

      The legalisation of cannabis in Canada did not influence the risk for psychosis and schizophrenia.
      “The legalisation was not associated with significant changes in cannabis-induced psychosis or schizophrenia in the provinces Alberta and Ontario”
      https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35019734/

      Ich kann mir auch vorstellen was an der Stelle dann kommt: “Ja früher da war das Zeug ja auch noch nicht so stark!” Aber da haben wir es ja wieder: Das Verbot sorgt dafür, das Cannabis immer potenter wird! Wie bei der Alkoholprohibition: Es gab kaum Wein und Bier. Aber dafür jede Menge Schnaps. Möglichst viel Wirkstoff auf möglichst kleinem Volumen. Verkauft sich besser und kann man besser schmuggeln. Ich bin sicher, gäbe es Läden mit einer Auswahl – nicht jeder würde zum stärksten Weed greifen das da ist.

      “Man muss Gesetze kompliziert machen” (Horst Seehofer beschrieb in einer Rede, wie sein Innenministerium heikle Ideen durch den Bundestag bringt.)

    2. Ekkehard Pölert

      Wenn einer Aufhört zu kiffen, dann erkranken 10 weniger…
      “Wenn einer Aufhört zu kiffen, dann erkranken 10 weniger an Schizophrenie!”
      Da kannze ma kuckn, wie wichtich das Verboht dieser satanischen Teuffelsdroge iss !!!

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