Streit über »echte« und »unechte« Cannabispatienten

Die PZ berichtet in ihrem Artikel über den Kampf um die Deutungshoheit des Begriffes „Cannabispatient“ im Rahmen des Gesetzesentwurf zur Verschärfung des MedCanGs und erwähnt auch die DHV-Kritik an den Äußerungen von Niedersachsen Gesundheitsministers.

In der Diskussion spielt auch der mutmaßliche Bezieherkreis eine Rolle. Schon bei der MedCanG-Anhörung im Gesundheitsausschuss Mitte Januar gab Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband (DHV) zu Protokoll, dass es nach seiner Einschätzung deutlich mehr »echte« Cannabispatienten auf diesen Plattformen gebe als unterstellt. Praxen seien eben oftmals ein Nadelöhr, weshalb sich die Betroffenen an die Onlineplattformen wenden würden.

DHV beklagt »Fake News«

Es gebe natürlich auch Konsumenten unter den Patienten, räumte Wurth ein. Ein Bedarf an einem regulierten Zugang zu Cannabis sei also offensichtlich. Mit der Telemedizin könne der Bedarf gedeckt werden, so der Cannabis-Aktivist. Den Zugang zu verschließen, würde ihm zufolge den Schwarzmarkt aufblühen lassen.

Das Thema Cannabis verfängt – etliche Medien nehmen die geplanten Verschärfungen auf. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) beklagte vergangene Woche in einem Interview mit der »Neuen Osnabrücker Zeitung«, dass unter den geltenden Regelungen die GKV teilweise auch den Freizeitkonsum finanziere. Der DHV warf Philippi daraufhin vor, er verbreite »Fake News«, denn der Anstieg der Verordnungen gehe eben auf Privatrezepte zurück; der Allgemeinheit entstünden keine Kosten.

Der Gesundheitsminister, der aktuell auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) ist, bekräftigte jetzt gegenüber der PZ seinen Vorwurf. Zwar erfolge der mutmaßliche Missbrauch zum größten Teil über Privatrezepte und damit als Selbstzahlerleistung. »Dass in einem gewissen Umfang auch ein Bezug von Medizinalcannabis zum Freizeitkonsum über die GKV-Versorgung und damit zu Lasten des Solidarsystems erfolgt, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden«, so Philippi.