Weiterhin Hausdurchsuchungen bei Kunden von Bremer Growshops

  • Veröffentlicht am: 16. Dezember 2014 - 16:50
  • Von: Florian Rister

Im Juni berichteten wir euch von Razzien in mehreren Bremer Head- und Growshops, bei denen teilweise auch Kundendaten beschlagnahmt wurden. Im Zusammenhang damit kam es auch zu Hausdurchsuchungen bei Kunden solcher Geschäfte, denen auf Grund des Kaufs von legalem Equipment wie Lampen oder Blumentöpfe der Vorwurf des Anbaus von Cannabis gemacht wurde. Aktuell gibt es weiterhin Hausdurchsuchungen auf Grund der beschlagnahmten Kundenlisten und wir vom DHV rechnen mit weiteren Durchsuchungen bis weit ins nächste Jahr hinein.

Offensichtlich wertet die zuständige Staatsanwaltschaft die Daten, bewußt oder unbewußt, sehr langsam aus. Im Gegensatz zum Fall Catweazel aus dem Jahr 2008 gibt es keine großangelegten Razzien bei dutzenden Kunden gleichzeitig, sondern die Hausdurchsuchungen verteilen sich zeitlich und räumlich sehr stark. Es scheint auch so, dass bevorzugt Kunden mit etwas größeren Bestellungen polizeilichen Besuch bekommen, während im Fall Catweazel auch Wohnungen von Menschen durchsucht wurden, die nur ein paar Blumentöpfe oder ähnlich kleinteilige Dinge bestellt hatten.

Aktuell läuft eine weitere Welle von Durchsuchungen. Bei uns sind mehrere diesbezügliche Berichte eingegangen. Es ist offensichtlich: Die im Juni polizeilich erhobenen Daten werden weiterhin ausgewertet. Man muss aber auch klar sagen, dass es hierbei nur um alte Bestellungen geht! Wer nach dem Juni 2014 noch in einem der betroffenen Geschäfte bestellt hat, muss nicht damit rechnen, dass die Polizei im Besitz der Bestelldaten ist.

Wir vom DHV halten die Durchsuchungen für klar rechtswidrig, da alleine die Bestellung von legalen Waren in einem normalen, deutschen Geschäft, eigentlich keinen strafrechtlichen Anfangsverdacht darstellt, der die Durchsuchung von Privaträumen und damit einen Verstoß gegen staatlich garantierte Grundrechte rechtfertigen könnte. Davon sind wir nach unserem Rechtsverständnis überzeugt. Daher suchen wir weiterhin nach Betroffenen, die bereit wären mit Unterstützung des DHV gegen eine solche Hausdurchsuchung juristisch vorzugehen, um die Rechtswidrigkeit feststellen zu lassen. Wenn niemand sich wehrt, werden Polizei & Staatsanwaltschaften bundesweit auch in Zukunft solche Aktionen durchführen.

Einer der betroffenen Head- und Growshops, Udopea Bremen, hat ebenfalls eine aktuelle Information auf seiner Facebookseite veröffentlicht und trägt mit seiner offensiven Informationspolitik erheblich zur Aufklärung der derzeitigen Situation bei. Die Firma wehrt sich auch weiterhin gegen eine Gewerbeuntersagung durch die Stadt Bremen, die zwar vorläufig aufgehoben wurde, aber weiterhin droht.

Kommentare

Wow - wie kriminell die Polizei hier vorgeht.
Kriminell im Sinne von unmoralisch und übergriffig.
Als ich die Polizei in der Wohnung hatte, fand sie 0,12 Gramm Marihuana.
Und das zu sechst! Asservate wie die Specksteindose, in der sich die böse Droge befand und eine herzförmige Holzdose verschwanden bei der Polizei.
Anschliessend erpresste mich die Staatsanwaltschaft damit, daß, wenn ich auf Schadensersatz verzichte, man "alle" anhängigen Verfahren (man hatte bei einer Taschendurchsuchung weitere 0,8 Gramm gefunden) einzustellen bereit sei.
Ich war stinksauer auf die kriminelle Haltung der Behörden - mein Rechtsanwalt riet mir heftig, auf eine Auseinandersetzung zu verzichten - die Staatsanwaltschaft vergesse nie; sie sei sehr rachsüchtig.

Sehr aufschlussreich also, die Sache - gruselig, die Reise zu dieser Erkenntnis.

Die unglaublich tiefe Unbewusstheit der Staatsdiener zu erfühlen, ist erschreckend, manchmal furchterregend.

Das Kollektivbewusstsein braucht wohl noch Zeit, aufzuwachen.

Die fb-Seite von Udopea ist nicht erreichbar.

öhm, doch isse: http://www.udopea.de/
war vielleicht ein Internetschluckauf

Sind Konsumenten damit nicht laut Definition politisch Verfolgte ? In diesem Fall könnten sie doch in liberaleren Ländern Asyl beantragen..:-D

Das erinnert mich in seiner Sinnlosigkeit alles ein wenig an die Verfolgung der Nutzer nicht postzugelassener Modems in den 80ern oder 90er. Anfangs wollte die Post selbst einen Roboterarm, der einen Telefonhörer automatisch abhebt und in einen Akustikkoppler drückt, nicht tolerieren. Günstige Hayes-kompatible Modems für 1/5 des Preises deutscher Modelle, sonst überall im Einsatz aber hier verboten, hatten noch Mitte der 90er für Hausdurchsuchungen gesorgt, auch bei mir. So wurden die jetzt gehätschelten Netzpioniere damals verfolgt! Ein Wendepunkt war die Beschlagnahme sämtlicher Kommunikationsgeräte eines Journalisten. Dann hob das Internet ab, und die Sache hatte sich auf einmal erledigt.
Später, nach der Legalisierung, ist sowas dann vergessen. Also schön dokumentieren, was hier jetzt vor sich geht. Später reden sie sich raus, es sei ja eine andere Zeit gewesen, blah blah. Aber nein, man sieht hier und jetzt und mit den heute verfügbaren Informationen, was vor sich geht. Das ist volle Absicht. Der verbohrte Typ Mensch hinter solchen Aktionen ist immer derselbe.

Was genau heißt nach dem Juni 2014??? Ironischerweise habe ich am Sonntag den ersten Juni dort Blumentöpfe bestellt. Sind die Durchsuchungen Bundesland bedingt oder Bundesweit? Lg

Damit war es nicht "nach Juni" und du musst damit rechnen, dass die Polizei deine Bestelldaten vorliegen haben.

Die Durchsuchungen sind bundesweit, beziehen sich aber auf Bestellungen bei Udopea Bremen.

Eine Hausdurchsuchung wegen legaler Gegenstände... die Initiatoren des Ganzen sollten sich wirklich in Grund und Boden schämen. Es dauert nicht mehr lange und wir leben wieder in einer Zeit in der jeder Angst und Panik bekommt, wenn sich auch nur ein "Polizist" nähert.
An dieser Stelle hat man der staatlichen Gewalt einfach zu viel Macht zugestanden, welche auch schamlos ausgenutzt wird.
Wenn sowas weiter gestattet wird kann man unser Grundgesetz auch gleich in die Altpapiertonne werfen!

Grundgesetz?Das ich nicht lache...In diesem Land hat man nur schön Steuern abzugeben,ansonsten sollen wir die Klappe halten.
Hier ein link für Dich Herbert http://www.strafverteidiger-schueller.de/2014/11/20/operation-jubil%C3%A4um-des-lka-bremen-gegen-udopea-und-deren-kunden-so-schnell-geht-es-mit-der-hausdurchsuchung//

Lies Dir bitte auch die anderen Fälle durch.Dir werden sich die Nackenhaare hochstellen,versprochen!
Bin auch betroffen,mal gucken wann die netten Beamten bei mir auflaufen....

In diesem Sinne.... GUTEN RUTSCH .....

Schluss mit Krimi, Cannabis muss Legalisiert werden.

Deutsch Politiker sowie Behörden werden noch merken das Mann das Geld nicht essen kann,
die bringen nur Unruhe in das Volk, so lange es kein Recht und Gerechtigkeit gibt.
Das bringt alles nur zur Unruhe und Hass.

Die Hausdurchsuchungen gehen fleissig weiter. Es scheint auch völlig unerheblich zu sein, was man dort vor mehr als 2 Jahren gekauft hat. Das Rostock Amtsgericht stellt auf jeden Fall die Anordnungen für Dursuchungen aus.

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