Uruguay startet die Cannabisproduktion – Verkaufsbeginn ist im Frühjahr 2016

  • Veröffentlicht am: 8. Oktober 2015 - 15:06
  • Von: MarianaPinzon

Als die Nachricht der Legalisierung von Anbau, Handel, Verkauf und Konsum von Marijuana in Uruguay 2013 durch die Medien ging, feierten viele die Grüne Revolution. Gut zwei Jahre sind vergangen, bis die Details zur Umsetzung des von der Regierung von President Mújica beschlossenen Gesetzes geklärt wurden. Nun teilt die Regierung mit, dass sie zwei Firmen beauftragt hat, den Anbau von bis zu 2 Tonnen Marijuana pro Jahr zu betreiben. Uruguay ist damit einen entscheidenden Schritt vorwärts gekommen auf dem Weg, der erste Nationalstaat der Welt zu werden, der den Cannabismarkt vollständig und offiziell reguliert.

22 Firmen haben sich um die Lizenz für den Cannabisanbau beworben. Die beiden Firmen Simbiosis und INCORP haben nach langer Prüfung den Zuschlag bekommen und dürfen nun auf einem dem Innenministerium zugehörigen Gelände in der Nähe von Montevideo mit der Produktion beginnen. Der erste Verkauf in Apotheken wird erst im Frühjahr 2016 erwartet. Das Innenministerium wird für die Sicherheit der Plantagen sorgen und das Institut für die Regulierung und Kontrolle des Cannabis ( Instituto de Regulación y Control del Cannabis – Ircca) wird für die Registrierung der Konsumenten und teilhabenden Apotheken zuständig sein.

Apotheker diskutieren, ob sie Cannabis verkaufen wollen

Laut dem Gesetz 19.172 ist es möglich, bis zu 6 Pflanzen im Eigenanbau zu züchten, Cannabis Clubs mit bis zu 45 Mitgliedern zu bilden, welche für ihre Mitglieder den Anbau kollektiv organisieren, und die Cannabisblüten in Apotheken zu kaufen. Für alle drei Möglichkeiten ist es nötig, sich bei dem Ircca zu registrieren; die Registrierung für die Kunden läuft über die staatliche Post. In Apotheken können bis zu 10 Gramm pro Woche und insgesamt 40 Gramm Blüten pro Monat zum Preis von 35 Pesos – umgerechnet knapp über einem Dollar – erworben werden.

Während die Apothekeninhaber sich größtenteils auf das Geschäft freuen (ca. 30% des Endpreises verbleibt bei der Apotheke), ist der Verband der Apotheker noch mitten in der Diskussion. Apotheken sollen sich freiwillig am Programm beteiligen können, doch viele Apotheker sind der Meinung, dass der Verkauf von Drogen zum Genusskonsum den Zielen der Apotheken – die Gesundheitsförderung der Bevölkerung - widersprechen würde.
Das Gesetz wurde mit dem Ziel verabschiedet, den Konsum von Cannabis zu regulieren, um die Gesundheit der Konsumenten zu schützen und Schadenminimierung zu betreiben. Weiterhin solle mit dem staatlich regulierten Verkauf der Schwarzmarkt ausgetrocknet werden, um so der organisierten Kriminalität Mittel abzuziehen.

Aufklärungskampagne der Regierung startet bald

Die Regierung reagiert auf die Kritik des Apothekerverbandes mit dem Versprechen, eine intensive Kampagne zur Aufklärung über problematischen Konsum, Risiken des Konsums und die Mitverantwortung beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu lancieren, welche die Bevölkerung als Ganzes im Blick hat. Regierungsmitglied Juan Adrés Roballo betont, das Gesetz sei mit einem Fokus auf individuelle Rechte verabschiedet worden und sei in Einklang mit den internationalen Menschenrechten.

Man darf gespannt sein, wie viele Apotheken von ihrem Recht, sich dem Verkauf von Cannabis wegen Gewissensgründen zu verweigern, Gebrauch machen. Immerhin ist es für die Gesundheit der Konsumenten förderlich, wenn sie ihr Cannabis in der Apotheke beziehen können, statt es auf dem Schwarzmarkt zu erwerben. In Montevideo haben bereits 120 Apotheken angekündigt, dass Sie Cannabis verkaufen werden. 2.800 Personen haben sich für den Eigenanbau registriert und 17 Clubs sind derzeit im Prozess der Genehmigung für den Kollektivanbau. Es bleibt spannend in Uruguay!

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Kommentare

Phantastisch.
Würde mich gleich morgen registrieren lassen.
Vorher fass ich dieses Teufelszeug auch nicht an, erst wenn sie durch Legalisierung wieder zu den Pflanzen der Götter befördert wird.

Es wäre toll wenn sich unsere Lügen-Politrik daran ein Beispiel nehmen würde.
Das Einzige was mich etwas stört ist diese Registrierung, denn falls sich die politischen Verhältnisse in dem Land drastisch verändern würden und/oder evtl. ein "rauschgifthassender" Diktator an die Macht käme...jeder kann sich ausmalen was dann mit denen die sich registriert haben passieren würde.
Vielleicht ist es ja auch nur die jahrzehntelange Angst erwischt zu werden, das heimlich konsumieren müssen, öffentliche Plätze zu meiden wo öfters kontrolliert wird, und und und, das mich so denken lässt.
Aber ich habe auch Hoffnung auf bessere Zeiten, wenn man sieht das immer mehr Länder diese ungerechte menschenverachtende Prohibition beenden.
Legalize it - endlich, und zwar jetzt und nicht erst irgendwann.

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