Polizeiliche Kriminalstatistik: Zahl der Cannabisdelikte 2017 auf historischem Rekordhoch

  • Veröffentlicht am: 17. Mai 2018 - 19:39
  • Von: Michael Knodt
Cover & Zahlen - Quelle: Dl-de/ PKS Bundeskriminalamt, 2013, 2014, 2016, 2017 / by-2-0

Vergangene Woche stellten das Bundeskriminalamt und die Drogenbeauftragte Marlene Mortler die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2017 vor. Das Papier belegt, dass die repressiven Maßnahmen gegen Cannabiskonsumenten 2017 einen neuen Negativrekord erreicht haben. Noch nie gab es - mit großem Abstand - so viele Strafverfahren gegen Cannabiskonsumenten in Deutschland wie im Jahr 2017! Im Zeitraum vom 1.Januar bis zum 31. Dezember 2017 wurde in insgesamt 204.904 (2016: 183.015) Fällen wegen Cannabis ermittelt. 166.236 (2016: 145.915) Fälle davon waren sogenannte Konsum- und Besitzdelikte, bei den restlichen 42.279 (2016: 37.100) Fällen ging es um Handel, Schmuggel und den Besitz nicht Geringer Mengen. Insgesamt machen Cannabisdelikte 3,9 Prozent aller in Deutschland erfassten Straftaten aus. Sie sind somit einer der häufigsten Ermittlungsgründe bei den in der PKS erfassten Delikten. Auch die Gesamtzahl der erfassten Drogendelikte ist auf 321.757 (2016: 302.594) hoch geschnellt. 

2017 ist die Zahl der Cannabisdelikte in beiden Kategorien insgesamt um weit über zehn Prozentpunkte gestiegen und somit so hoch wie noch nie zuvor. In einem Land, das von sich behauptet, Cannabiskonsumenten und der Besitz Geringer Mengen seien entkriminalisiert, ist die zunehmende Kriminalisierung seiner Bürgerinnen und Bürger aufgrund solcher Eigenbedarfsdelikte rational kaum nachvollziehbar. Ob der jüngste Sinneswandel von Frau Mortler auch mit den neuen Zahlen, die das Scheitern der aktuellen Cannabis-Politik verdeutlichen, zusammenhängt, lässt sich allerdings nicht belegen. Die Drogenbeauftragte hatte sich in einem gestern veröffentlichen Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung für eine Buße oder eine obligatorische Beratung statt einer Strafanzeige bei kleineren Cannabisdelikten ausgesprochen.

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Kommentare

Hi(gh)

warten wir mal ab wie hoch die Zahlen dieses und im Lauf der Jahre werden....
Polizeiaufgabengesetz "sei dank"

MfG aus Bayern :)
Petey Green

Die PKS war, ist und wird niemals repräsentativ sein. Man sollte Sie immer im Spannungsfeld zwischen Anzahl Hilfsbeamter der StA (sowie etwaiger Neubeantragung personeller Mittel) / Ermittlungszwang und polizeilicher Verfolgungsintensität / Erfassung der sog. Hellfeld-Kriminalität und Nichtaktualisierung der Verfahrensgänge. Zusammenfassend: die PKS ist politisches Instrument und nicht mehr.

Es ist ja auch furchtbar einfach Kiffer zu jagen,

dazu reichen schon große Sonnenbrillen, Basecaps, ausgefallene Hüte, Hawaihemdenträger, Harleyfahrer, lustige Aufkleber, Musikgruppen-Aufkleber, Festival-Folge-Schilder und, und, und um ins Raster zu fallen. Anschauen reicht auch schon. Die Quote ist riesig bei ein paar Millionen Cannabiskonsumenten.
Wenn man nach dem Anhalten noch einer Subkultur, wie Punk, Skater, Hip Hopper, Metal-Fan oder einfach nur Vans an, zugeordnet werden kann, reicht das schon im südlichen Gefilde um Sachen unterstellt zu bekommen und dann nehmen die einen auch einfach mit wenn nicht gepisst werden möchte.

Kann mir bitte jemand sagen, wo man die Konsum- und Besitzdelikte aus der PKS2017 rausliest? Ich finde die Angaben leider nirgendwo. Vielen Dank schon mal für die Hilfe!
Ach und in eurem Artikel ist ein kleiner Zahlendreher. Es wurden in 2017 204.904 Cannabisdelikte begangen, nicht 209.204 :)

Danke für den Hinweis, ist korrigiert.

Die "Allgemeinen Verstöße" (=konsumbezogene Cannabisdelikte, 166.236) findest du in dieser Tabelle in Zeile 960:

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2017/Standardtabellen/Faelle/STD-F-01-T01_excel.xlsx?__blob=publicationFile&v=3

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