Kein "Gen-Gras" gefunden

  • Veröffentlicht am: 17. April 2015 - 15:44
  • Von: Michael Knodt

Das Gerücht von transgenem Hanf macht seit Jahren immer wieder im Zusammenhang mit potenten Cannabis-Indoorzüchtungen die Runde. Doch trotz gebetsmühlenartiger Wiederholungen von Regulierungs-Gegnern gibt es bislang keinen Anhaltspunkt für gentechnisch veränderte Blüten. Unter Genmanipulation versteht man die künstliche Veränderung des Erbgutes. Dieses besteht aus vier Basen, den Bausteinen der DNA. Diese Basen werden bei der Genmanipulation – vereinfacht gesagt – untereinander „ausgetauscht“ und ein Lebewesen mit neuen Eigenschaften entsteht. Schon vor 13 Jahren hatten die beiden italienischen Forscher Tito Schiva und Saverio Alberti versucht, transgene Hanfpflanzen zu erzeugen, was damals nicht funktioniert hat. Die Forscher waren nach ihren fehlgeschlagenen Versuchen der Meinung, Hanf  sei sogar gegen Genmanipulationen resistent, wie die „Sonntagszeit“ Nr. 7 vom 17. Februar 2002 in „Das Leuchten der Blumen“  berichtete. "Ziel der Studien war ursprünglich die Herstellung von handelsüblichem Hanf, der von unerlaubten Rauschmittelsorten zuverlässig unterschieden werden sollte. Doch erwies sich ausgerechnet Hanf gegen eine Genmanipulation resistent“.

Neueste Forschungsergebnisse untermauern die damalige These der Italiener. Der Wissenschaftsjournalist Andreas Fischer hat in seinem Sciblog einen Artikel zu den jüngsten Erkenntnissen zu genetisch manipuliertem Hanf vorgestellt. Fischer schreibt, es sei zwar nicht unmöglich, Hanf gentechnisch zu verändern, aber doch sehr kompliziert. Tatsächlich ist es bei Hanf viel schwieriger, transgene Pflanzen zu erzeugen als bei den meisten anderen Nutzpflanzenarten. Fischer geht nach Auswertung einiger, weniger Proben aber davon aus, dass das Gras, das derzeit angebaut wird, keine transgenen Eigenschaften hat: "[...] Es war der einzige positive Befund bei allen Proben mit hohen Gehalten. Wenn High-THC-Sorten gentechnisch erzeugt würden, wäre ihr Anteil weit höher. [...]. Vermutlich war diese eine Probe einfach mit anderem genetisch veränderten Pflanzen kontaminiert, zum Beispiel zur Tarnung angepflanztem Mais. Das ist jetzt natürlich nur eine einzige Studie mit einer Handvoll Proben, auf der Basis kann man keineswegs ausschließen, dass da draußen doch noch irgendwo GMO-Cannabis rumschwirrt." 

Vielleicht ist auch ein uraltes Growbuch vom "Grünen Zweig" Schuld an der Entstehung des Gerüchts über transgegen Hanf ? Der Autor behauptete in dem heute nicht mehr aufgelegten Underground-Manifest Mitte der 1980er Jahre, dass LSD-Guru Tim Leary mithilfe Herbstzeitlosen potente Cannabis-Mutanten erzeugt habe. In der Knolle dieser weit verbreiteten Zierpflanze findet sich Colchizin, ein hochgiftiges und krebserregendes Alkaloid. Die im Volksmund Spindelgift genannte Substanz kann niedrig dosiert gegen Gicht helfen, ruft aber ebenso Mutationen bei Pflanzen hervor, wenn man deren Saatgut mit einer Colchizin-Lösung behandelt. Kalifornische Grower-Kreise um Tim Leary sollen Mitte der 1970er Jahre nach dem Wälzen einschlägiger Fachliteratur mit Colchizin experimentiert haben. Einige der so erzeugten Mutanten  seien extrem potent gewesen und hätten, statt der üblichen fünf bis neun, bis zu 13 fingerige Blätter gehabt . Einige seiner "Schüler" hätten das Verfahren dann kopiert und verfeinert.  Die erste Generation der Pflanze sei hochgiftig gewesen, doch das Saatgut der Folgegenerationen sei unbedenklich und verfüge über die gleichen (hochpotenten) Eigenschaften, sprich produzierten besonders viel Wirkstoff. Die niedrige Überlebensquote, die aufgrund von Giftrückständen auftretende Ungenießbarkeit der ersten beiden Generationen und vor allem die nicht zu unterschätzende Gesundheitsgefährdung beim Hantieren mit der Substanz, soll allerdings eine großflächige Verbreitung dieser Methode verhindert haben.
Doch selbst wenn das eines Tages wissenschaftlich belegt werden könnte, würde es sich dabei nicht um "Gen-Gras" handeln, denn die Erzeugung von Mutationen mit speziellen Eigenschaften verändert die Anordnung innerhalb der DNA nicht Die Methode ist seit 50 Jahren in der Landwirtschaft verbreitet. Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, die schon Jahrzehnte bei uns als Viehfutter und als Rohstoff für Backwaren, Bier und Fertigbreie kultiviert wird, wurde auf diese Art und Weise gezüchtet. Gleiches gilt für einige Rübensorten, diverse Futterpflanzen, und beispielsweise auch für Stiefmütterchen. Die Anwendung von Colchizin gilt in Botanikerkreisen als eine der gängigsten Methoden, Mutationen zu erzeugen und wurde schon bei fast allen bekannten Kulturpflanzen angewendet, erzeugt allerdings keine transgenen Pflanzen, sondern natürliche Mutationen, wie sie in der Natur auch vor kommen können.

 

 

Kommentare

Sehr fundiert und sachlich korrekt.
Vielen Dank dafür!

So, dann wäre ja auch mal wieder ein Argument der Prohibitions-Verfechter entkräftet und zwar, dass "Genmanipuliertes" Marihuana von heute viel "gefährlichere" "!Schäden!" anrichten würde, sorry für die Ausdrucksweise aber: Klugscheißerisches nixwissendes Dummschwalllaberpack!!! Warum fühlen sich Leute die von nix ne Ahnung haben dauernd dazu berufen den Mund aufzumachen? THC hat zur Entwicklung der Menschheitsgeschichte beigetragen!!! Schon mal an so was gedacht? Dass primitive Primaten mithilfe psychoaktiver Substanzen weltverändernde Erkenntnisse erlangten? Enge Gestirne bald schon erloschen....

Sehr schöner Artikel. Ich hätte eigentlich die ganze Zeit schon gedacht das das Weed welches so rumgeht alles schon Gen manipuliert ist zwecks Ertragsoptimierung. Auch das Marihuana so schwer genetisch zu verändern ist macht mich einerseits glücklich, doch anderseits kann ich damit meine Hoffnungen auf ein Weed welches nicht so lange auf die Urin Tests wirkt, wohl begraben.
MfG

Stimmt, bis jetzt gab es keines... Aber leider ist diese Drecksfirma Monsanto wie wild am forschen und anscheinend ist es ihnen jetzt gelungen:
http://worldnewsdailyreport.com/monsanto-creates-first-genetically-modified-strain-of-marijuana/

Hi Udo

Schau dir mal die anderen Berichte der von dir genannten Website an ;) Oder such in dem Artikel nach Quellen. Beides wird dir helfen zu verstehen, wieso solche Artikel geschrieben werden.

Aberaber,war da nicht mal ein Bericht im Hajo daß Bedrocan zur Zeit an der Genetik rumschrauben möchte?
Laut eines Patienten welchen ich auf einer Demo kennenlernen durfte,gehen einige Patienten aufgrund der anderen Wirkungsweise der Apothekensorten davon aus daß diese bereits genetisch verändert seien.Andere behaupten aufgrund der zwar starken aber nicht typisch *stoned/entspannt* wirkenden Eigenschaften es seien synthetische Cannabinoide als Versuch im Spiel.
Wer weiß was unsere Bundesregierung alles für Spielchen spielt nur um im Medikampf Geld schöpfen zu können.
Es geht offensichtlich eine Regulierung einher,zur Zeit.Leider werden sicherlich wieder die Koruptesten an der Sache der roten Rock tragen.

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