Kanada legalisiert am 17. Oktober

  • Veröffentlicht am: 22. Juni 2018 - 11:48
  • Von: Michael Knodt

Obwohl das Abgeordnetenhaus am Dienstag Bill C-45 zur Legalisierung von Cannabis mit 205 zu 82 Stimmen verabschiedet hat, wird die Regierung Trudeau den angepeilten Termin zum 1. Juli knapp verpassen. Das Gesetz musste dem Senat am Mittwoch noch einmal vorgelegt werden, nachdem es dort vergangene Woche Ärger um den Eigenanbau gegeben hatte. Der Senat hatte neben 12 anderen Änderungen gefordert, dass es Sache der einzelnen Provinzen sei, den Anbau zum eigenen Bedarf zu erlauben oder zu verbieten. Daraufhin sagte Gesundheitsministerin Ginette Petitpas Taylor:

"[...]. Kanadier dürfen zu Hause Bier oder Wein produzieren, manche züchten sogar Tabak. Sie können bereits Cannabis für medizinische Zwecke anbauen, und wir sind der festen Überzeugung, dass die Gesetzgebung einheitlich sein sollte, wenn es um Cannabis zum Freizeitgebrauch geht.. [...]. "

Premier Trudeau drohte den konservativen Senatoren gar: "Andrew Scheer, der Sprecher der konservativen Senatoren, hat die Senatoren im Ausschuss, die er immer noch kontrolliert, aufgefordert, Spielchen zu spielen, um dies (die Verabschiedung von Bill C-45) zu verlangsamen und sich so in die Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses einzumischen."

Die so gescholtenen Senatoren haben dann einen Tag nach dem Abgeordnetenhaus auch mit 52 zu 29 Stimmen für Bill C-45 gestimmt, ohne den Eigenanbau zum rechtlichen Flickenteppich zu erklären. Mit Einführung des Gesetzes dürfen Kanadier bis zu vier Pflanzen für den eigenen Bedarf anbauen, höchstens 30 Gramm Cannabis mit sich führen, bis zu 30 Gramm Cannabis mit anderen Erwachsenen teilen und ihr Gras entweder im lizenzierten Fachgeschäft oder online erwerben. Der Senat hätte das Gesetz mit einer Ablehnung am gestrigen Mittwoch zwar weiter verzögern, jedoch nicht mehr verhindern können. Durch das anfängliche Geplänkel des Senats um ein paar Pflanzen wird das Gesetz jedoch erst am 17. Oktober in Kraft treten.

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Kommentare

Ein großer Tag für die Menschheit.
Ich hoffe, dass ich meinen Enkeln irgendwann einmal von der dann fernen Vergangenheit erzählen kann, in der man weltweit 100 Jahre lang eine Hexenjagd auf Hanf vernstaltet hat.

Hervorragend! Was ich besonders erfrischend finde, das ist diese Selbstverständlichkeit, mit der die Gesundheitsministerin in ihrem Statement den Hanf mit anderen Drogen gleichstellt. Es macht Mut zu hören, dass es noch Politiker gibt, die ihrem Volk Vertrauen schenken, anstatt die Bürger wie Kinder zu behandeln und bei allem immer nur den Teufel an die Wand malen. Der Schritt, den die Kanadier nun gehen, ist angesichts der Legalisierungswelle in den USA nur konsequent. Als nächstes fällt hoffentlich Mexiko, auch wenn die dort mächtigen Drogenkartelle sicherlich kein Interesse am freien Handel mit dem Hanf haben dürften. Umso wichtiger ist es, dass der Staat sich durchsetzt.
Ach, es ist immer wieder schön, wenn alte Themen neu gedacht werden. Kanada, du bist ein Sehnsuchtsort!

Auch wenn ich selber nicht betroffen bin so geht mir die Art und Weise, wie mit diesem Thema, besonders aber mit Betroffenen (Usern) in diesem Lande umgegangen wird. Ein Paternalismus, wie er schlimmer im Mittelalter nicht sein konnte. Es ist erbärmlich zu sehen, was für eine Entwicklung es rund um den Hanf in immer mehr Staaten dieser Erde gibt, vergleicht man das mit der Situation in D. Hier wird das nächste große Wirtschafts-feld (nach der IT)aus purer und dümmlicher, rückwärtsgewandter Ideologie einfach so ignoriert und sich ohne Not abgekoppelt. Forschungen, Hanf betreffend werden bei Bedarf ins Gegenteil verdreht um eine Scheinargumentation gegenüber diesem ins Feld zu führen und und und. Das übelste aber ist in meinem Augen, daß hier ganz gezielt und bewußt die OK gemästet wird. Wozu, für was soll das gut sein? Cui bono? Reicht es denn nicht, was zum Beispiel in Mexiko vor sich geht? Will man das kopieren, mit allen Folgen zehntausenden von Toten? Nein, Politiker, die sich mit Unwahrheiten gegen eine Legalisierung und für eine weitere Mästung der OK (ob bewußt oder unbewußt mag ein jeder für sich selbst beurteilen) einsetzen und dies in Wort und Tat sind der Garant dafür, daß D immer schneller und unaufhaltsamer zu einem 3. oder 4. Welt-Land degradiert wird.Die Folgen sind denen schlicht egal, die Realität hat sich nun mal deren Ideologie anzupassen. Kann man solche Menschen noch ernst nehmen? Hätte man zu Zeiten als das Auto erfunden und zu einem Massenbewegungsmittel wurde genauso gehandelt, würden wir alle heute garantiert mit dem Pferd zur Arbeit reiten.

Ja das Massenvernichtungsmittel Auto: 10.000 Tote im Jahr (allein in DE) halte ich zumindestens fuer einen triftigen Grund etwas zu verbieten. Ja mit dem Pferd zur Arbeit, vllt. auch eher mit einem vernuenftig ausgebauten Massentransit ? ^^

Und nicht nur die Organisierte Kriminalitaet wird gefoerdert, insb. werden Menschen kriminalisiert. So laesst sich ebend (wie auch in anderen Bereichen) leichter Repression gegen Menschen verueben, die nicht so sind wie die Herrschenden es gerne haetten. Aber auch das hat eine lange Tradition in Deutschland...ok keine ganz so lange wie der Hanf (Man beachte die Germania mit dem Hanfblatt als Symbol der Deutschen)

Apropos Mitttelalter - Paternalismus hin oder her, dort wurd Hanf (bzw. Natur im allgemeinen) nicht verboten.

In Deutschland kann man jedem Dealer nur raten : Wählt die CDU / CSU und ihr bleibt im Geschäft.

Aber Glückwunsch Richtung Kanada. Klasse hingekriegt.

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