Cannabishändler in Burghausen von der Polizei erschossen

  • Veröffentlicht am: 31. Juli 2014 - 11:10
  • Von: Florian Rister
 


Am Freitag, den 25.07., wurde im bayrischen Burghausen der 33-jährige Andre B. erschossen. Erst gab es sehr wenige Informationen zu dem Vorfall. Die Polizei berichtete nur, dass zwei Zivilbeamte einen Mann entdeckt hätten, gegen den ein Haftbefehl wegen eines BTM-Deliktes vorlag. Die beiden Beamten seien dem Mann dann in einen Hinterhof gefolgt, wo es nach seinem Fluchtversuch zur Schussabgabe gekommen sei.



Zunächst schien also für Außenstehende völlig unklar, was eigentlich passiert war. Am Montag berichtete die Bild-Zeitung als erste Zeitung mit Hintergründen sowie Fotos und Zeugenberichten vom Tatort. Demnach habe B. nach einer 5-jährigen Haftstrafe wieder mit Cannabis gehandelt. Er sei entgegen erster Gerüchte unbewaffnet gewesen und auf sehr kurze Entfernung mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet worden. Der Polizist gab an, er habe versucht in die Beine zu schießen.

Die Cousine von Andre B. äußert sich drastisch: „Das war eine Hinrichtung.“

Ein LKA Sprecher kommentierte laut Bild: „Normal ist es üblich, dass Polizisten bei solchen Einsätzen versuchen sollen, auf die Beine zielen. Wir werden uns ins Zeug legen, den Fall so schnell wie möglich aufzuklären. Das schulden wir auch dem Opfer.“

Nach dem Erscheinen des Artikels wurden neue Vorwürfe gegen die Polizei laut. Viele Zeugen hatten den Vorfall beobachtet und machten jetzt ihrer Wut Luft. Nachdem es am Freitagabend bereits eine Demonstration vor dem Polizeipräsidium gegeben hatte, die durch die Polizei mit starken Kräften aus benachbarten Gemeinden begleitet und schließlich friedlich beendet wurde, erschienen jetzt immer mehr Zeugenaussagen in den Medien. Besonders die Lokalzeitung Rosenheim24 berichtete intensiv.

Demnach waren die beiden Zivilbeamten, entgegen den offiziellen Angaben, bereits 2 Stunden vor dem Todesschuss vor Ort und inspizierten in aller Ruhe den Hinterhof, wo sie auch die Kinder bemerkt haben müssen, die dort spielten. Nach dem Schuss sei dann von keinem der Beamten ein Versuch zur Ersten Hilfe unternommen worden. Der Krankenwagen sei sogar erst 45 Minuten nach dem Vorfall eingetroffen, als schon unzählige Polizeibeamte am Tatort waren. Ähnliche Berichte erreichten auch den DHV von einem Zeugen, der nicht genannt werden möchte.

Mittlerweile ist der Schütze vom Polizeidienst vorläufig suspendiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung. Nicht wegen Totschlag oder Mord. Das maximale Strafmaß für fahrlässige Tötung beträgt 5 Jahre. Viele Beobachter rechnen jedoch eher mit einer Bewährungsstrafe unter einem Jahr, da der Polizist damit seinen Job behalten könnte.

In der zuständigen Polizeidirektion Rosenheim gab es immer wieder Berichte über gewalttätige Beamte. Im Jahr 2011 hatte der dortige Polizeichef einen 15-jährigen so verprügelt, dass danach 4 Zähne wackelten. Gegen einen anderen Polizisten aus Rosenheim gab es Anfang 2014 einen Prozess: Er hatte einen Mann mehrere Stunden lang krankenhausreif geschlagen.

Ganz offensichtlich geht es bei dem aktuellen Fall des erschossenen Cannabishändlers nicht nur um Hanf. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Deutschland keine unabhängigen Kontrollstellen, die Bürgerbeschwerden gegen Polizeibeamte überprüfen. Hierzulande ermitteln Polizisten gegen Polizisten, wodurch die Ermittlungen nur selten mit hohem Eifer betrieben werden. Dennoch: Der aktuelle Fall des erschossenen Hanfhändlers Andre B. wäre auch durch eine Legalisierung von Cannabis zu verhindern gewesen. Schon seine lange Zeit im Gefängnis war unnötig und nur einem dummen Gesetz geschuldet, das längst auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.

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