Alle Jahre wieder - weniger Hortensien

  • Veröffentlicht am: 27. März 2011 - 6:24
  • Von: Michael Knodt
 

Man sagt der Garten- & Zierpflanze cannabisähnliche Wirkung nach, wenn man die Blüten, Blätter oder jungen Triebe raucht. Landeskriminalämter beschäftigen sich immer wieder mit Diebstahlsanzeigen, von Anwohnern aus deren Vorgärten Hortensientriebe geschnitten und mitgenommen wurden. Allerdings warnen Apothekerverbände, Polizei und Sachverständige vor dem Gebrauch, da das Rauchen von Hortensien gesundheitsschädigende Blausäure freisetzt.

Seit Anfang diesen Jahres gibt es wieder vermehrt Meldungen und Klagen über Hortensien-Diebstahl wie z.B. in Schleswig-Holstein, da sollen es in den zurückliegenden Monaten bereit mehr als 1.000 entsprechende Diebstahlsanzeigen gegeben haben. Laut NDR.de ist der Hortensienklau in ganz Deutschland verbreitet. Die Polizei beschäftigt sich schon seit teilweise über 10 Jahren mit diesen Vorgarten-Vergehen. Die Szene sei ja experimentierfreudig, so ein Sprecher eines LKA.

Die Blütendolden oder auch die Blätter und jungen Triebe werden getrocknet, gemahlen und geraucht.

Als Gartenpflanze ist die Hortensie (Hydrangea ) harmlos. Doch der chemische Prozess, der beim Rauchen von Hortensien in Gang gesetzt wird, kann gefährlich werden. Apothekerin Christiane Springer von der Hollefeldschen Apotheke in Versmold (NRW) erklärt: »Es entsteht eine Blausäureverbindung, die in die Arbeit der Zellen eingreift und ihre Atmung unterbricht. Der Körper bekommt keinen Sauerstoff.« Man nennt das auch Cyanid-Vergiftung, wobei sich durch eine Hemmung oder Blockade der Atmungskette eine erschwerte Verwertbarkeit des im Blut gebundenen Sauerstoffs äußert (innere Erstickung).

In der „Deutschen Apotheker Zeitung“ vom 18.12.2008 wird weiterhin vor den enthaltenen Substanzen Hydrangin und Hydrangenol (Isocumarin) gewarnt. Auf Nachfrage des DHV erklärt uns der Sachverständige Franz Mayer mit Verweis auf die Werke von Christian Rätsch („Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“ ) und Bert Marco Schulde , „ dass weder wirkender Stoff, noch Wirkungsweise aufgeklärt sind.“ Dies bestätigt auch das Pharma- und Chemieunternehmen Merck in seinem Sicherheitsdatenblatt über Umbelliferon (Hydrangin), aus dem hervorgeht, dass es keine quantitativen Daten über die Toxizität vorlägen.

Laut Christan Rätsch kommt Hydrangenol in den Blättern vor, „das für Kontaktallergien verantwortlich gemacht wird“. Weiterhin geht Mayer davon aus, dass für die beschriebene Rauschwirkung - Rätsch führt Hortensien in einer Tabelle der Cannabissubstitute auf - nicht ausschließlich eine Cyanid-Vergiftung verantwortlich gemacht werden kann. Allerdings wird in Bert Marco Schuldes „Psychoaktive Pflanzen“ und von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe vom Konsum abgeraten, da es durch die Aufnahme von größeren Mengen der freigesetzten Blausäure viele Folgen von Bewusstlosigkeit über Störungen des zentralen Nervensystems bis hin zum Tod kommen kann.

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