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Infomationen zu Legal Highs

Nach dem Verbot von Spice werden jetzt Lava Red und andere mit synthetischen Cannabinoiden versetzte Räuchermischungen verkauft. Die Zeitungen berichten teils reißerisch und die Politik reagiert mit unwirksamen Verboten. Worin die Gefahren der Legal Highs bestehen und warum sie überhaupt aufgetaucht sind, weiß der Deutsche Hanfverband.

Wie alles begann

Im Sommer des Jahres 2008 geriet die Räuchermischung Spice vermehrt in die Schlagzeilen. Spice war zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre auf dem Markt. Lange Zeit war auch völlig unklar, welche Inhaltsstoffe genau den Rausch auslösen. Zuerst entdeckt THC-Pharm in Auftrag des Drogenreferats Frankfurt am Main den Wirkstoff JWH-018, ein synthetisches Cannabinoid, in den Kräutern. Später findet das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg in Auftrag des Bundeskriminalamts das synthetische Cannabinoid CP-47,497 in Proben. Der Hersteller hat immer bestritten, der Räuchermischung Wirkstoffe beizumengen und betonte die Natürlichkeit seines Produkts. Mittlerweile waren weitere ähnliche Produkte erhältlich. Der Deutsche Hanfverband riet daraufhin vom Konsum ab und forderte die Händler auf, Spice aus dem Programm zu nehmen.

Als klar war, was verboten werden konnte, wurde die Bundesregierung tätig. Mit der 22. Änderungsverordnung des Betäubungsmittelgesetztes (BtmG) am 22. Januar 2009 wurden JWH-018 und CP-47,497 per Eilverordnung verboten. Nur wenige Monate später tauchten die ersten Nachahmerprodukte auf. Sie enthielten das legale JWH-073. Bald konnte man aus einer breiten Auswahl synthetischer Cannabinoiode wählen, die im Internet, auch in Reinform, bestellt werden konnten. Der Deutsche Hanfverband bloggt, dass sich die Palette angebotener Substanzen vermutlich stark vergrößern werde. Ein Jahr nach dem ersten Verbot von sythetischen Cannabinoiden zieht die Bundesregierung nach und unterstellt am 22. Januar 2010 JWH-019 und JWH-073 dem BtmG.

Modedroge, Horrortrip, Lebensgefahr – die zweite Welle medialer und politischer Aufmerksamkeit

Natürlich dauerte es nicht lange, bis die nächsten synthetischen Cannabinoide mit Kräutern vermengt und in Tüten verpackt über die Ladentheken wandern. Eine der neuen Mischungen heißt Lava Red und ist bald die bekannteste von ihnen. Im November greift die Süddeutsche Zeitung als erste wieder eine Krankenhauseinliefung von vier Jugendlichen auf, die zuvor Alkohol getrunken und Lava Red geraucht haben. Immer mehr Jugendliche landen nach einer vermutlichen Überdosierungen oder Mischkonsum in Krankenhäusern. Die Beschwerden reichen von Herzrasen, Kreislaufbeschwerden sowie Übelkeit und Erbrechen über aktue psychotische Zustände bis hin zu Krampfanfällen und Ohnmacht. Im Dezember häufen sich die Meldungen in den Zeitungen.

Am 6. Dezember tagt der Sachverständigenauschuss für Betäubungsmittel und empfiehlt der Bundesregierung unter anderem JWH-015, JWH-081 und JWH-122 aufzunehmen.

Am 14. Dezember berichtet unter anderem die Pharmazeutische Zeitung online, dass die niedersächsischen Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) das Landeskriminalamt mit der Untersuchung von Lava Red beauftragte.

Am 20. Dezember werden in derselben Zeitung dann die Ergebnisse veröffentlicht:

 

„Vergangene Woche hatte eine Analyse des Landeskriminalamts Niedersachsen ergeben, dass die Kräutermischung «Lava Red» das synthetische Cannabinoid JWH-122 enthält. Das Gutachten liegt der Pharmazeutischen Zeitung vor. JWH-122 ist mit dem natürlichen Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol strukturell nicht verwandt, hat jedoch eine ähnliche psychoaktive Wirkung. JWH-122 ist ein Strukturanalogon von JWH-018, einer der Wirkkomponenten der Kräutermischung «Spice», die vor einem Jahr verboten wurde. JWH-122 fällt derzeit nicht unter das Betäubungs-, wohl aber unter das Arzneimittelgesetz.“

Daraufhin haben wir beim Landesgesundheitsministerium angefragt, ob uns das Gutachten übermittelt werden könnte. Leider wurden wir enttäuscht. Uns wurde nicht wie angefragt das gesamte Gutachten zugänglich gemacht. Auch wird nicht erklärt, wieso es uns nicht zugänglich gemacht wird oder werden kann. In der Antwortmail werden allerdings einige methodische Details der Analyse ausgeführt und auf das Ergebnis der 36. Sitzung des Sachverständigenausschusses für Betäubungsmittel wird verwiesen.

Interessant ist, dass das Ziel der Untersuchung eigenen Angaben des Ministeriums lediglich war festzustellen, ob Inhaltsstoffe unter das BtmG fallen. Das bedeutet, dass es scheinbar nicht darum ging, Konzentration des Wirkstoffs und Konzentrationsschwankungen zwischen verschiedenen Proben festzustellen. Dies spielt aus unserer Sicht aber eine wichtige Rolle bei den auftretenden massiven Gesundheitsproblemen. Mit Wissen um eventuelle Konzetrationsschwankungen könnte man sinnvoll und nachvollziehbar über die möglichen Folgen des Konsums aufklären. Diese Möglichkeit möchte das Gesundheitsministerium lieber nicht wahrnehmen. Stattdessen will man einfach nur wissen, was man als nächstes verbieten soll.

Ebenfalls am 20.Dezember meldet sich auch die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) zu Wort. Den Eindruck eines gesundheitspolitischen Anspruchs schafft sie hervorragend zu vermeiden. Sie gibt ihre Pressemitteilung direkt gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) heraus.

„Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse müssen wir vor der missbräuchlichen Anwendung aller sog. ‘Legal High’–Produkte dringend warnen. Mit dem Konsum sind unkalkulierbare gesundheitliche Risiken verbunden“ so Dyckmans.

Das BKA droht reflexartig mit Strafmaßnahmen:

„Der Umgang mit solchen Produkten ist jedoch nach dem Betäubungsmittelgesetz strafbar, sofern sie Betäubungsmittel enthalten. Sind ähnlich wirksame Substanzen enthalten, die nicht als Betäubungsmittel eingestuft sind, gelten bei einer pharmakologischen Wirkung des Produktes die Bestimmungen und Strafvorschriften des Arzneimittelgesetzes. “

Wie es weitergeht

Wann die aktuell geplante Änderungsverordnung des BtmG (u.a. JWH-015, JWH-081, JWH-122) beschlossen wird und in Kraft tritt ist uns noch nicht bekannt. Wir werden natürlich weiter recherchieren und euch über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Zum Lesen empfehlen können wir ein Interview mit Prof. Wolfgang Rascher in der Nürnberger Zeitung, der über die oberflächliche Betrachtung der meisten Tageszeitungen hinaus geht. Informationen über die Chemie der Substanzen findet ihr bei der EMCDDA. Zudem hat DHV-Mitarbeiter Maximilian Plenert dem Thema Research Chemicals im November 2010 einen Blogeintrag gewidmet.