Behauptung

Der FAZ-Redakteur Thomas Jansen behauptet in seinem Kommentar, dass ein impliziter Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Drogentoten unter dreißig Jahren und der Verabschiedung des CanG bestehen würde.

Einordnung

Die Korrelation zwischen der Entwicklung von Drogentoten und der Verabschiedung des CanG mag formal korrekt sein, aber sie ist rein zufälliger Natur. Ein kausaler Zusammenhang besteht nicht, wird aber von dem Autor indirekt angedeutet. Daher ist die Behauptung zumindest irreführend.

Hintergrund

Die Aussage von FAZ-Radakteur Thomas Jansen im Detail:

„Die Verharmlosung von Drogenkonsum hat einen Preis. Da hat Hendrik Streeck völlig recht. Und dieser Preis ist hoch, definitiv zu hoch: Das zeigt die am Dienstag veröffentlichte Zahl der Drogentoten im Jahr 2025. Seit 2021, damals kündigte die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag die teilweise Legalisierung von Cannabis an, hat sich die Zahl der Drogentoten unter zwanzig Jahren verdoppelt.“

Daraus schlussfolgert Jansen, dass das Cannabis-Gesetz der Ampel wieder abgeschafft werden solle, da es der „Tendenz zur Verharmlosung von Rauschgift“ Vortrieb leisten würden. Dies würde „die Lage nicht von heute auf morgen verbessern. Dafür braucht es vor allem mehr Prävention. Aber sie wäre zumindest ein Signal in die richtige Richtung.“

Quelle: FAZ

Ausführliche Einordnung der Aussage:

Die angesprochenen Zahlen zur Entwicklung der Drogentoten unter 30 Jahren lassen sich nicht nachvollziehen. Sie stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesdrogenbauftragen Hendrik Streeck. Datengrundlage der Zahlen sollen Erhebungen des BKA sein. Auf der Internetpräsenz des BKA lassen sich diese Daten jedoch nicht finden. Dennoch gehen wir davon aus, dass die genannten Daten  korrekt sind. 

Die Korrelation mag faktisch korrekt sein, ein kausaler Zusammenhang besteht jedoch nicht. Allein durch Cannabiskonsum sind keine Todesfälle bekannt. Selbst unter den Polyvalenten Vergiftungen mit Todesfolge taucht natürliches Cannabis nicht in den Daten des Drogenbeauftragten auf. Für synthetische Cannabinoide sind hingegen 3 monovalente und 14 polyvalente Todesfälle aufgeführt. Ein direkter Zusammenhang zwischen Cannabis und Drogentoten ist damit nicht belegbar.

Zudem ist auch der von Thomas Jansen angedeutete Weg von Cannabis hin zu gefährlicheren Drogen wissenschaftlich längst überholt. Die Einstiegsdrogen- oder auch Schrittmacher-Hypothese wird seit längerem selbst auf den offiziellen Seiten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) als nicht mehr zeitgemäß betrachtet. Vielmehr geht man heute von komplexen Ursachen und Verläufen aus, die in einer Substanzkonsumstörung resultieren.   

Ein weiteres Argument gegen Jansens These ist, dass die Risikowahrnehmung des  Cannabiskonsum unter Jugendlichen (15 -17 Jahre) und jungen Erwachsenen (18 -24 Jahre) seit Jahren steigt.
Auch der Konsum unter Minderjährigen ist seit Jahren rückläufig. Bei jungen Erwachsenen ist hingegen seit 2010 ein längerer Trend des Konsumanstiegs beobachtbar, der also bereits deutlich vor 2021 einsetzte und daher nicht durch die Ankündigung einer Legalisierung von Cannabis erklärbar ist. 

Zusammenfassend ist die implizite Verknüpfung der Diskussion um eine Legalisierung mit der Entwicklung der Drogentoten unter 30 Jahren daher absolut irreführend und wenig plausibel.