

Bei unserem Wahlcheck betrachten wir die jeweiligen Wahlprogramme und Antworten auf unsere Wahlprüfsteine sowie die parlamentarischen Aktivitäten in der vergangenen Legislaturperiode.


Programm
Das Wahlprogramm der CDU bietet einige drogenpolitische Inhalte an, die allerdings sehr unterschiedlich ausfallen. Die Sucht- und Drogenberatung soll nachhaltig gestärkt und deren finanzielle und organisatorische Ausstattung sichergestellt werden. Dazu will die CDU auch auf der neuen Landeskonzeption aufbauen, die SPD und Linke in Auftrag gegeben haben. Das Drug-Checking-Projekt der Vorgängerregierung will die CDU jedoch einstampfen und stattdessen auf Suchtprävention setzen. Im Bund will man sich dafür einsetzen, dass das CanG zurückgenommen und sämtlicher nichtmedizinischer Umgang mit Cannabis wieder unter Strafe gestellt wird. Hier verfolgt die CDU also einen extrem repressiven Umgang mit Drogen. Dass es auch anders geht, zeigt das Kapitel zum legalen Glücksspiel. Hier will die CDU “für ein passgenaues Glücksspielrecht einsetzen, das einen wirksamen Spielerschutz in einem wettbewerbsfähigen legalen Angebot sicherstellt.” Denn “Glücksspiel braucht klare Regeln und eine konsequente Durchsetzung. Unser Leitbild ist ein transparenter und kontrollierter Markt, der Spieler wirksam schützt, illegale Strukturen zerschlägt und legale Unternehmen stärkt.” Doppelmoral in Reinkultur.
Auszug aus dem Wahlprogramm
“Den Strafvollzug werden wir mit moderner Ausstattung, digitalen Assistenzsystemen, bspw. KI-gestützten Kamerasystemen zur automatisierten Erkennung von Gefährdungslagen, dem Einsatz von Drogenspürhunden im Justizvollzug sowie technischen Möglichkeiten zur Drogenerkennung stärken. Erforderlich sind zudem ausreichend Personal sowie mehr Möglichkeiten der Unterstützung, Supervision sowie Fort- und Weiterbildung.”
“Gesundheitsförderung und präventive Versorgung
[…]
Durch eine stärkere Vermittlung von Gesundheitskompetenzen, frühzeitige Bewegungs- und Ernährungsförderung und eine breite Aufklärung über die Gefahren legaler und illegaler Drogen kann das Gesundheitssystem entlastet werden. Aufbauend auf der kürzlich vorgestellten Landeskonzeption braucht es dafür verstärkende und zusätzliche Maßnahmen.”
“2. Suchtprävention
Wir stärken die Sucht- und Drogenberatung nachhaltig und bedarfsgerecht. Dafür werden wir gemeinsam mit den Trägern und der kommunalen Ebene einen Perspektivplan erarbeiten, um die finanzielle und organisatorische Ausstattung der Sucht- und Drogenberatungsstellen sicherzustellen. Gleichzeitig werden wir das Wohlfahrtsfinanzierungs- und -transparenzgesetz im Hinblick auf die Beratungsstellen evaluieren, um Transparenz und Effizienz zu erhöhen. Drug-Checking-Modellprojekte in Diskotheken und auf Festivals werden wir beenden und stattdessen die Landessuchtkonzeption finanziell untersetzen, um eine verlässliche und wirksame Suchtprävention zu gewährleisten.
Wir setzen uns gegenüber dem Bund dafür ein, die Legalisierung des Cannabiskonsums rückgängig zu machen. Konkret soll das Cannabis-Gesetz aufgehoben und der Besitz, Anbau sowie Vertrieb von Cannabisprodukten wieder vollständig verboten und unter Strafe gestellt werden. Medizinisches Cannabis ist davon ausgenommen. Darüber hinaus sind umfassende Aufklärungsprogramme zu den gesundheitlichen Risiken des Drogenkonsums umzusetzen und strengere Kontrollen im Straßenverkehr einzuführen, um zu verhindern, dass Personen unter Cannabiseinfluss Fahrzeuge führen.
Weiterhin müssen Kinder in den öffentlichen Einrichtungen in den digitalen Alltag eingeführt und begleitet werden. Unter dem Gesichtspunkt der Prävention aufgrund der mangelnden Selbstkontrolle ist eine altersabhängige Einschränkung für die Nutzung der Sozialen Medien zwingend erforderlich.
3. Glücksspiel: Sicher, fair und rechtsstaatlich durchgesetzt
Glücksspiel braucht klare Regeln und eine konsequente Durchsetzung. Unser Leitbild ist ein transparenter und kontrollierter Markt, der Spieler wirksam schützt, illegale Strukturen zerschlägt und legale Unternehmen stärkt. Illegales Glücksspiel wächst – online wie offline. Kriminelle Netzwerke erzielen in Deutschland Milliardenumsätze, während legale Anbieter durch überbordende Bürokratie und widersprüchliche Vorgaben zunehmend unter Druck geraten. Das schwächt den Verbraucherschutz, entzieht dem Staat erhebliche Steuereinnahmen und stärkt organisierte kriminelle Strukturen.
Wir werden uns für ein passgenaues Glücksspielrecht einsetzen, das einen wirksamen Spielerschutz in einem wettbewerbsfähigen legalen Angebot sicherstellt. Missstände werden wir zielgerichtet bekämpfen. Dabei stehen wir für einen klaren Kurswechsel: Illegal bekämpfen, legal ermöglichen. Illegale Angebote müssen konsequent und nachhaltig unterbunden werden. Polizei und Aufsichtsbehörden wollen wir personell, technisch und rechtlich so ausstatten, dass sie Glücksspielkriminalität im Netz wie vor Ort wirksam verfolgen und durchsetzen können. Gleichzeitig muss der Staat eindeutig zwischen legalem und illegalem Glücksspiel unterscheiden. Regulierungen müssen verständlich, praktikabel und verhältnismäßig sein. Bürokratische Hürden für legale Anbieter bauen wir ab und schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für rechtstreue Unternehmen.
Ein wirksamer Spielerschutz braucht Qualität statt Symbolpolitik. Effektive Sperrsysteme, konsequente Kontrollen und transparente Standards schaffen mehr Sicherheit als pauschale und realitätsferne Einschränkungen. Überzogene Regelungen dürfen legale Angebote nicht verdrängen und damit illegale Märkte stärken.
Insbesondere die Gastronomie und der Mittelstand müssen vor unfairem Wettbewerb durch illegale Automaten und kriminelle Anbieter geschützt werden, damit sich nicht Parallelstrukturen etablieren.
Zusätzlich zu regulatorischen Änderungen werden wir aus den Erträgen der staatlichen Toto-Lotto GmbH mehr Mittel für die Suchtprävention im Bereich Glücksspiel zur Verfügung stellen und zudem weiterhin konsequent gemeinnützige Projekte fördern”


Antworten auf Wahlprüfsteine
Auch in den Antworten auf unsere Wahlprüfsteine zeigt sich die CDU sehr restriktiv. Das CanG sehen die Christdemokraten sehr kritisch und wollen es abschaffen. Bis dahin sollen Ermessensspielräume restriktiv ausgelegt werden. Cannabis-Modellprojekte lehnt die CDU ab und kündigt an, die Verschärfung des Zugangs zu Medizinalcannabis im Bundesrat mitzutragen. Das Drug-Checking-Angebot in Mecklenburg-Vorpommern will sie beenden. Einzig die flächendeckende Einführung von Speicheltests sieht die CDU grundsätzlich positiv, sofern sich dadurch die Kontrollen verbessern lassen. Eine vollständige Legalisierung von Cannabis lehnen die Christdemokraten ab.
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Frage:
Wie beurteilen Sie das 2024 verabschiedete Cannabisgesetz, nach dem der legale Besitz und Eigenanbau von Cannabis sowie Anbauvereine möglich sind?
Antwort:
Wir sehen das Cannabisgesetz sehr kritisch und sprechen uns dafür aus, dass die Teillegalisierung wieder rückgängig gemacht wird.
Frage:
Die gesetzlichen Regelungen zur Entkriminalisierung von Cannabiskonsum und Anbauvereinen werden je nach Bundesland sehr unterschiedlich ausgelegt (Bußgeldkatalog, Konsumverbote auf Volksfesten, Genehmigung und Kontrolle von Anbauvereinigungen). Wollen Sie diese Ermessensspielräume eher für liberale oder eher für restriktive Regelungen nutzen?
Antwort:
Wir wollen einen deutlich restriktiven Umgang mit den Ermessenspielräumen.
Frage:
Städte wie Frankfurt und Hannover sowie einige Berliner Bezirke haben wissenschaftliche Modellprojekte zur Cannabisabgabe nach §2 (4) KCanG beantragt, um die Auswirkungen eines regulierten Verkaufs von Cannabis in Fachgeschäften zu erforschen. Wie stehen Sie zu solchen Modellprojekten in Ihrem Bundesland?
Antwort:
Wir sehen solche Modellprojekte sehr kritisch und lehnen sie daher ab.
Frage:
Die Bundesregierung möchte den Zugang zu Cannabis als Medizin durch ein Verbot von telemedizinischer Verschreibung und ein Versandverbot für Cannabisblüten einschränken. Würden Sie im Bundesrat dieses Vorhaben unterstützen?
Antwort:
Ja, wir sehen einen deutlichen Missbrauch dieser bisherigen rechtlichen Grauzone.
Frage:
2023 wurde die gesetzliche Grundlage für wissenschaftliche Modellprojekte geschaffen, in denen die Auswirkungen von Substanzanalysen illegaler Drogen (Drug Checking) erforscht werden sollen. Befürworten Sie dies in Ihrem Bundesland? Würden Sie ggf. solche Projekte aus Landesmitteln fördern?
Antwort:
Wir lehnen derartige Modellprojekte ab und werden uns dafür einsetzen, dass diese in Mecklenburg-Vorpommern beendet werden.
Frage:
Wie stehen Sie zur flächendeckenden Einführung von THC-Speicheltests anstelle von Urintests bei Verkehrskontrollen? Sehen Sie wegen des CanG und des neuen THC-Grenzwertes einen Bedarf für mehr Verkehrskontrollen?
Antwort:
Wir befürworten grundsätzlich die flächendeckende Einführung von THC-Speicheltests, sofern sie Kontrollen verbessern und zu einer besseren Verkehrssicherheit führen.
Frage:
Welche drogenpolitischen Initiativen gab es von Ihrer Fraktion in der aktuellen Legislaturperiode? (Bitte listen Sie Anträge, Anfragen etc. konkret und mit Link auf, damit wir Ihre parlamentarische Arbeit besser einschätzen können!
Antwort:
• Cannabis-Legalisierung im Bundesrat stoppen: https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/lib/pdfjs/web/viewer.htmllocale=deDE&file=https%3A%2F%2Fwww.dokumentation.landtagmv.de%2Fparldok%2Fdokument%2F60000#pagemode=none&search=Schlagworte%20Cannabis&phrase=false&parldokSearchResults=Schlagworte%20Cannabis
• Illegalen Drogenkonsum begrenzen statt fördern – Rückkehr zu einer verantwortungsbewussten Drogen- und Suchtpolitik:
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/lib/pdfjs/web/viewer.htmllocale=deDE&file=https%3A%2F%2Fwww.dokumentation.landtagmv.de%2Fparldok%2Fdokument%2F63242#pagemode=none&search=drugchecking&phrase=false&parldokSearchResults=drug-checking
• Für mehr Prävention und Intervention – Suchtpolitik des Landes neu ausrichten und finanziell untersetzen: https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/lib/pdfjs/web/viewer.html?locale=deDE&file=https%3A%2F%2Fwww.dokumentation.landtagmv.de%2Fparldok%2Fdokument%2F68567#pagemode=none&search=drug-checking&phrase=false&parldokSearchResults=drug-checking
Frage:
Welche drogenpolitischen Initiativen planen Sie in der nächsten Legislaturperiode?
Antwort:
Wir wollen die Sucht- und Drogenberatung nachhaltig und bedarfsgerecht stärken. Dafür werden wir gemeinsam mit den Trägern und der kommunalen Ebene einen Perspektivplan erarbeiten, um die finanzielle und organisatorische Ausstattung der Sucht- und Drogenberatungsstellen sicherzustellen. Zugleich wollen wir das der Förderung zugrundeliegende Wohlfahrtsfinanzierungs- und Transparenz Gesetz evaluieren. Drug-Checking-Modellprojekte in Diskotheken und auf Festivals wollen wir beenden. Darüber hinaus werden wir die Landessuchtkonzeption finanziell untersetzen. Gegenüber dem Bund werden wir uns für eine Abschaffung des Cannabisgesetzes einsetzen.
Frage:
Wie stehen Sie grundsätzlich zur vollständigen Legalisierung von Cannabis, also einer bundesweiten, vollständigen Regulierung des existierenden Cannabismarktes mit Fachgeschäften wie z.B. in Kanada?
Antwort:
Wir lehnen jede (weitere) Legalisierung von Cannabis ab.


Bisherige parlamentarische Aktivität
In der letzten Legislaturperiode hat die CDU drei drogenpolitische Anträge und zwei Anfragen eingebracht. Sämtliche Anträge hatten eine negative Stoßrichtung. Ein Antrag forderte die Landesregierung auf, sich im Bundesrat beim CanG für einen Vermittlungsausschuss einzusetzen, und zwei weitere Anträge forderten die Beendigung des Drug-Checking-Projekts im Bundesland.
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Antrag Cannabis-Legalisierung im Bundesrat stoppen
Antrag Illegalen Drogenkonsum begrenzen statt fördern – Rückkehr zu einer verantwortungsbewussten Drogen- und Suchtpolitik (Beendung von Drug-Checking!)
Antrag Für mehr Prävention und Intervention – Suchtpolitik des Landes neuausrichten und finanziell untersetzen (Beendung von Drug-Checking!)
Kleine Anfrage Finanzierung der Sucht- und Drogenberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern
Kleine Anfrage Vorfälle mit Betäubungsmitteln an und im Umfeld von Schulen


In Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich die CDU von ihrer klassischen Seite als ideologische Verbotspartei. Drogen, die nicht in ihr Weltbild passen, sollen verboten und sämtliche progressiven drogenpolitischen Projekte beendet werden. Das CanG will die CDU wieder abschaffen und einen maximal restriktiven Kurs gegen Hanffreunde fahren. Der an sich vernünftige Ansatz einer Regulierung des Glücksspiels offenbart eindrucksvoll die Doppelmoral der Christdemokraten. Für Hanffreunde ist die CDU unwählbar.
