Milliardengeschäft mit Cannabis

800.000 potentielle Patienten und ein potentielles Milliardengeschäft: Die Deutsche Welle berichtet von der ICBC Business Konferenz aus Berlin, wo sich das Fachpublikum über das Potential des deutschen Cannabismarkts informierte. Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung und zum nun veröffentlichten Lizenzvergabeverfahren gab es auch von DHV-Geschäftsführer Georg Wurth und DHV-Mitbegründer Dirk Rehahn.

Die Lizenzen sind begehrt, und nicht jeder Hobbygärtner oder Bauer, der gern eine hätte, erfüllt die Voraussetzungen. Denn die Kriterien sind streng, sagt Georg Wurth, der Geschäftsführer vom Deutschen Hanfverband: "Das Cannabis muss in einer hohen, gleichbleibenden pharmazeutischen Qualität ausgeliefert werden und das macht eine extreme Standardisierung nötig. Die Konzentration der Wirkstoffe THC und CBD darf nicht stark schwanken. Das können wirklich nur Superexperten. Und Outdoor ist unmöglich, auf dem Balkon oder auf dem Acker – keine Chance."

Gern hätte die Cannabisagentur Firmen mit Erfahrung im Hanfanbau. Doch woher soll die kommen? "Die Bundesregierung scheint deutschen Startups nicht zuzutrauen, dass sie die geforderte Qualität liefern können, in großen Mengen. Die sind nach Kanada gefahren und haben sich Firmen angeguckt", so Georg Wurth. Für die rund 1000 Deutschen, die bisher mit einer Ausnahmegenehmigung Cannabis beziehen, wird der Bedarf mit Importen aus den Niederlanden gedeckt.

Wieviel in Zukunft benötigt wird, ist noch unklar. Der Hanfverband erwartet einen massiven Anstieg der Therapiezahlen. "Von 500.000 bis hin zu einer Million Schmerzpatienten könnten in Zukunft mit Cannabis behandelt werden", schätzt auch Dirk Rehahn, Geschäftsführer einer Firma für Gewächshaustechnik.

"Es gibt keine Vorgaben dazu, wie Cannabis von den Patienten konsumiert werden soll. Es gibt welche, die sich klassische Tüten bauen mit Tabak, aber das ist nicht empfehlenswert, denn es belastet die Atemwege", so Georg Wurth.

Und selbst als Genussmittel könnte Cannabis letzten Endes legalisiert werden. "Das wäre dann natürlich nochmal ein Riesenmarkt. Aber warum soll man ihn den Kriminellen überlassen?" fragt sich der Chef des Hanfverbandes. "Wäre es nicht besser, man könnte ihn regulieren und so auch den Jugendschutz gewährleisten?" Doch bis es soweit ist, bleit Cannabis erst einmal eine Medizin.

Datum: 
Donnerstag, 13. April 2017
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