»Erst einpegeln«

Seit vergangener Woche darf im US-Bundesstaat Colorado Marihuana als Genussmittel frei verkauft werden. Auch im Bundesstaat Washington sind der Genuss und der Besitz seit kurzem legal. Im Dezember legalisierte Uruguay den Anbau, Verkauf, Besitz und Konsum von Cannabis. Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband spricht über die Entwicklung.

 

Uruguay, Colorado, Washington haben Sie schon überlegt auszuwandern?

Nein, nein. Wir wollen die Situation in Deutschland verändern, dabei bleiben wir. Einige Inseln auf der Welt reichen nicht. Ich gehe davon aus, dass dies nur der Anfang ist, der Dammbruch.

Der Präsident von Uruguay, José Mujica, hat von einem »Experiment ohne Erfolgsgarantie« gesprochen. Das klingt deutlich zurückhaltender.

In Uruguay steht die Bevölkerung nicht mehrheitlich hinter der Freigabe. Deshalb lässt der Präsident die Möglichkeit offen, alles rückgängig zu machen, um den Leuten die Angst zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass nichts Dramatisches passieren wird. Sollte es bei den nächsten Wahlen keinen Rechtsruck geben, der die Drogenkrieger an die Macht bringt, wird es so bleiben.

In Uruguay müssen sich Konsumenten in einer staatlichen Datenbank registrieren. Das klingt abschreckend.

Die Registrierung der Konsumenten halte ich für den falschen Weg. Auch in Colorado ist die Registrierung weitreichend, jedoch nicht bei den Kunden, sondern bei jeder einzelnen Pflanze vom Samen bis zum letzten Gramm der getrockneten Ernte. Zurzeit gibt es einen Schwarzmarkt, auf dem jeder Dealer machen kann, was er will, also an Minderjährige verkaufen oder die Ware strecken. Wenn man den Jugend- und Verbraucherschutz gewährleisten will, ist eine gewisse Regulierung nötig.

In Colorado gibt es einen erheblichen Preisanstieg. Wird Cannabis zur Droge für Besserverdiener?

Davon ist nicht auszugehen. Es ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. In Colorado ging die Freigabe über Nacht vonstatten. Die legale Produktion war noch nicht sehr umfangreich, die Nachfrage aber offenbar sehr groß. Das muss sich erst einpegeln. In Uruguay liegt der Preis deutlich unter dem Schwarzmarktwert.

Wie haben deutsche Politiker auf die Meldungen reagiert?

Im Grunde wird das Thema stärker in den Medien diskutiert als in der Politik. Und das ist das Problem: Die Bürger sind bereit, zumindest für eine Liberalisierung und eine geringere Verfolgung von Konsumenten, nur die Politik reagiert kaum.

Datum: 
Donnerstag, 9. Januar 2014
Sonderthemen: 

Neuen Kommentar schreiben