Überschlagsrechnung für einen kommunalen Cannabis Social Club

Überschlagsrechnung für einen kommunalen Cannabis Social Club

In unserer Petition für einen kommunalen Modellversuch zur Abgabe von Cannabis schreiben wir: "Wie die Überschlagsrechnung im Anhang zeigt, wäre das Projekt für die Gemeinde kostenneutral möglich."

Die folgenden Berechnungen sind bewusst konservativ gehalten und sie beziehen sich auf nur einen Cannabis Social Club. Mit jedem weiteren CSC sinken die Kosten pro Club, da die Ausgaben für die Sicherung des Anbauraums nicht linear steigen und der Aufwand für die Initiierung des Projekts nur einmal geleistet werden muss.

Die Produktion von Cannabis unter legalen Bedingungen ist sehr viel günstiger als unter illegalen Bedingungen. Experten aus den USA gehen nach einer Legalisierung von einem Produktionspreis von deutlich unter einem Euro pro Gramm aus. Beim Anbau in einem CSC in Deutschland müssten der kleinere Maßstab und höhere deutsche Strompreise in Betracht gezogen werden.

 

Die Firma Bedrocan in den Niederlanden produziert Cannabis als Medizin in Arzneimittelqualität für 3 Euro pro Gramm bei einer Jahresproduktion von 150 kg. Im CSC dürften die Produktionskosten trotz der geringeren Menge kleiner ausfallen, weil kein klinischer Standard eingehalten werden muss und der Anbau weitgehend ehrenamtlich durch die Mitglieder erfolgt.

Bei einem Anbau durch die Mitglieder des CSC mit Hilfe durch einen Angestellten der Gemeinde wird der Preis damit sicher 2 € pro Gramm nicht übersteigen.

Der Schwarzmarktpreis von Cannabis für Kleinmengen schwankt innerhalb von Deutschland zwischen 6 und 15 Euro, die DBDD geht von 9 Euro als Mittelwert aus. Der Großhandelspreis auf dem Schwarzmarkt liegt bei etwa 4.300 € pro kg. Für sauberes und hochwertiges Cannabis sind Konsumenten in der Regel bereit, mindestens 8 Euro pro Gramm zu zahlen.

Der durchschnittliche Konsument inklusive Gelegenheitskonsumenten konsumiert 1-2 Gramm Cannabis pro Woche. Ohne Gelegenheitskonsumenten kann man von einem Konsum von 20-40 Gramm pro Monat ausgehen. Patienten konsumieren mitunter ein oder mehrere Gramm pro Tag.

Ein Cannabis Social Club mit 200 Konsumenten (inkl. Gelegenheitskonsumenten), 40 Konsumenten (ohne Gelegenheitskonsumenten) oder 20 Patienten hätte einen Verbrauch von circa 15 kg pro Jahr.

Die Differenz zwischen dem Produktionspreis und dem Abgabepreis an die Konsumenten liegt bei 6 Euro pro Gramm. Damit wären pro kg Cannabis und Jahr 6.000 € für den Betrieb des Cannabis Social Clubs und die Unkosten der Kommune nutzbar. Bei einem Jahresverbrauch von 15 kg wären dies 90.000 €.

Bei mehreren oder größeren Clubs würden die Produktionskosten für das Cannabis deutlich sinken, während die Ausgaben nicht proportional steigen würden.

Ausgaben der Kommune

Verwaltung des CSC
29.000 € Personalkosten für eine halbe Stelle nach E08
6.000 € Sachkosten für eine halbe Stelle

Präventions-, Informations-, Hilfe- und Schadensminderungangebote im CSC
34.000 € Personalkosten für eine halbe Stelle nach E12
6.000 € Sachkosten für eine halbe Stelle

15.000 € Umbaukosten für die Sicherung des Anbauraums wären 3.000 € pro Jahr bei 5 Jahren Betrieb.

36.000 + 6.000 Euro für eine halbe Stelle E13 für die Initiierung des Projekts und dem Antrag beim BfArM wären 8.400 € pro Jahr

In Summe wären dies Ausgaben in Höhe von 86.400 € pro Jahr.

Bei Patienten sollte ein reduzierter Preis angestrebt werden, z.B. 4 Euro pro Gramm. Damit wären nur 30.000 € pro Cannabis Social Club mit 20 Patienten für andere Zwecke nutzbar. Eine Quersubventionierung zwischen Genusskonsumenten und Patienten wäre denkbar und erstrebenswert. Da Patienten durch ihren Arzt betreut werden, sind hier Präventions-, Informations-, Hilfe- und Schadensminderungangebote weniger notwendig.

Kommentare

"Bei einem Anbau durch die Mitglieder des CSC mit Hilfe durch einen Angestellten der Gemeinde wird der Preis damit sicher 2 € pro Gramm nicht übersteigen."

Wo soll denn der Angestellte herkommen bzw was soll der überhaupt machen?

grüße

[quote name="martin"]"Bei einem Anbau durch die Mitglieder des CSC mit Hilfe durch einen Angestellten der Gemeinde wird der Preis damit sicher 2 € pro Gramm nicht übersteigen."

Wo soll denn der Angestellte herkommen bzw was soll der überhaupt machen?

grüße[/quote]

Hi,

also ich würde mich z.B. in meiner Umgebung gerne eine solche Stelle übernehmen :lol: als Tätigkeit wäre unter anderem die Pflege und Instandhaltung der Räumlichkeiten, betreuung der Pflanzen für Leute mit wenig Zeit oder Tipps für mit Anbau unerfahrene Gelegenheitskonsumenten.

MFG

[quote name="martin"]
Wo soll denn der Angestellte herkommen bzw was soll der überhaupt machen?
[/quote]

1. Bei Gründung eines CSC wird jemand gewählt und/oder jemand erklärt sich bereit, diese Tätigkeit zu übernehmen.

2. Zu tun hätte diese Person genug. Natürlich ist das auch abhänging von der Größe des Clubs. Mitgliederverwaltung, Buchführung über Einnahmen und Ausgangen. Info Gespräche führen, Präventionsarbeiten usw. sind das eine.

Der Anbau ansich wird auch jede Menge Arbeit machen. Vermutlich werden sich Club Pflanzen in jedem Anbaustadium, also Anzucht, Vegitation und Blüte halten. Das erfordert Täglichliche arbeit. Kontrollen durchführen, Stecklinge schneiden, Wässern, Nährstoffgaben usw. Das hat zur Folge, dass dementsprechend regelmäßig geerntet wird....blätter entfernen, maniküren, trocknen, verpacken etc.
Natürlich muss über die Entwicklung der jeweiligen Anbaustadien, Gewicht der Ernte, Gewicht der Erntereste usw. Buchgeführt werden.

Die Abgabe muss auch geregelt und dokumentiert werden etc. etc.

Die Anlage(n) muss gewartet werden, Hygiene, sprich Sauberkeit muss gewährleistet werden.

Da steckt eine ganze Menge Arbeit dahinter wenn man einen Club seriös führen möchte.

Wenn man mal das bsp. von 15Kg/Jahre nimmt, müssten ja schom ca. 300gramm/Woche geerntet, getrocknet, gewogen und in entsprechend festgelegten Portion verpackt werden uuuuund dann auch noch ausgegeben werden. Damit dürfte eine Person schon gut zu tun haben. Dann ist aber noch nicht dokumentiert worden, es haben keine Gespräche stattgefunden und Veranstaltung durchgeführt worden. Ein CSC ist Produzent, Verkaufs bzw. Abgabestelle und Info/Präventionszentrum gleichzeitig. Das muss alles Transparent abgewickelt werden und zu jeder Zeit Überprüfungen von Ämter/Behörden Standhalten.

Eigentlich müsste eine Gemeinde gar kein Geld für einen CSC ausgeben. Wenn man die Leute machen lassen würde, bräuchte es nur eine staatliche Kontrolle über das Landratsamt/Kreisverwaltung wie bei jedem anderen "Gewerbe" auch.

Die Gemeinde würde sogar etwas Gewerbesteuer aus einem "CSC e.V." einnehmen, wie ich in einer Modellrechnung schonmal überschlagen habe:

http://hanfverband.de/forum/viewtopic.php?f=28&t=872

Ich finde, man sollte es den Gemeinden etwas "schmackhafter" machen und denen nicht mit zusätzlichen Kosten kommen...

Was fehlt ist aber noch der rechtliche Rahmen für einen "CSC e.V.", der aus meiner Sicht z.Z. einer Vergabe von Ausnahmegenehmigungen nach §3 BtmG durch das BfArM bedarf.

Zur Erläuterung, diese Rechnung bezieht sich auf unsere Petition für einen kommunalen Modellversuch zur Abgabe von Cannabis und als Beleg für die Aussage "Wie die Überschlagsrechnung im Anhang zeigt, wäre das Projekt für die Gemeinde kostenneutral möglich."

Hier die aktuelle Version der Petition: http://hanfverband.de/index.php/aktiv-werden/kommunale-petitionen/2178-u...

Es geht also nicht darum wie in Zukunft mal ein privater CSC aussehen könnte, sondern um einen CSC im Rahmen eines Modellversuchs zur Abgabe von Cannabis zur medizinischen Nutzung und als Genussmittel konzipieren mit einer Ausnahmegenehmigung nach §3 (2) BtMG durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Die Aufgaben der Kommune laut Petition wären:
1. Die Gemeinde sorgt für einen ordnungsgemäßen Betrieb, kontrolliert die Sicherheit, Qualität, den Wirkstoffgehalt und Verbleib des Cannabis. = Verwaltung des CSC

2. Zudem sorgt die Gemeinde für bedarfsgerechte Präventions-, Informations-, Hilfs- und Schadensminderungsangebote, u. a. durch die Förderung von Konsumformen ohne Verbrennung wie Vaporizer. = Präventions-, Informations-, Hilfe- und Schadensminderungangebote im CSC

3. Die Stadt Augsburg möge gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Modellversuch zur Abgabe von Cannabis zur medizinischen Nutzung und als Genussmittel konzipieren und eine entsprechende Ausnahmegenehmigung hierfür nach §3 (2) BtMG beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragen = Initiierung des Projekts und dem Antrag beim BfArM

Der Aufwand für die Gärtnerei ist in dem Herstellungspreis von 2 Euro pro Gramm enthalten: "Bei einem Anbau durch die Mitglieder des CSC mit Hilfe durch einen Angestellten der Gemeinde wird der Preis damit sicher 2 € pro Gramm nicht übersteigen."

Steuern sind hier explizit nicht enthalten, aber die Differenz zwischen dem Produktionspreis und dem Abgabepreis an die Konsumenten wird von der Gemeinde abgeschöpft und wie beschrieben verwendet.

nette Rechnung - doch was sollte der Anlass der Kommune sein so etwas einzurichten?

Da muss doch erst genügend "Overlast" da sein, damit die Kommune sagt, lieber einen CSC als den dauernden Ärger mit herumstreunenden Kiffern -- also um dies zu erreichen muss anscheinend genügend negativer Sozialdruck auf die Kommune gerichtet werden, damit sie mit dem kleineren "Übel" dem CSC Vorlieb nimmt.

Ansonsten sehe ich keine Chance für einen CSC trotz netter Kostenrechnung - die Politik hat doch noch nie etwas aus fürsorglicher Einsicht unternommen, sondern nur auf Grund von revolutionärem Aufstand -- muss das tatsächlich so sein?

Ganz abgesehen davon, würde Cannabis legal sein - ich würde sofort einen Coffeeshop aufmachen - mir sagt mein unternehmerisches Gefühl dass das eine gute Investition sein wird!

Wie professionell wirken denn Rechtschreibfehler in so einer Petition?
[b]Inklusive wird mit inkl. und nicht ink. abgekürzt![/b]

Das ist mir alles ein bisschen zu klein gedacht u. hat demnach lediglich Modellcharakter. Im großen und ganzen ist eine flächendeckende Versorgung mit Cannabisprodukten letztlich nur mit dem Zukauf hoch potenter Harz-Drüsenköpfe aus den klassischen Anbauländern zur eigenen Haschischherstellung hier: Marokko, Indien, Nepal, Afghanistan etc. möglich. Die flächendeckende Grundversorgung mit selbst angebautem medizinischem Marihuana stellt eine Mammutaufgabe dar. In obiger Rechnung wurde bspw. nicht auf den steuerrechtlichen Aspekt sowie die Bürokratie in der BRD eingegangen. In solchen Modellen werden auch die Steuerbehörden einen Beamten zur Überwachung der Geschäftstätigkeit abstellen müssen. Außerdem wird nicht auf den Sicherheitsaspekt verwiesen, schließlich benötigt man eine gut funktionierende Security nebst eines überwachenden Polizeibeamten. Dies alles kostet Geld und muß demnach auch von den Einnahmen abgedeckt werden. Die Kosten der Produkterzeugung werden sich zwar mit zunehmender Anbaufläche verringern, einen Abgabepreis von unter 7-8 Euro pro Gramm halte ich nach alledem trotzdem für unrealistisch. Im Übrigen halte ich derlei Petitionen oder Anträge für wenig sinnvoll, da hier nur wieder um den heißen Brei herumgeeiert wird ohne den vielen wirklich auf dieses Medikament angewiesenen Personen zu helfen. Die Chemie-Pharma-Ärzte-u-Apothekerlobby mit Ihrem 90 Mio. Jahresetat für Lobbyarbeit wird derartige Bestrebungen in Berlin u. Brüssel Niederbügeln. Demnach hilft uns allen nur die große Lösung d.h. es muss gegen diese Regierung das Recht auf bestmögliche flächendeckende medizinische Versorgung mit diesen Naturheilmitteln möglichst von einer tatsächlich politisch unabhängigen Organisation eingeklagt werden.

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