Presseecho - 2010


Hier finden sie die drogenpolitische Berichterstattung der Medien über den Deutschen Hanfverband für das Jahr 2010.


20.01.2010 - Radiointerview mit dem ORF

Hören Sie einen Auszug aus der Ö1 Sendung "Radiokolleg" zum Thema "Cannabis sativa. Kulturpflanze, Droge und Heilmittel (Teil 3)" mit einem Interview mit Georg Wurth vom Mittwoch, 20. Jänner 2010, 09.30 Uhr in oe1.ORF.at.

Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes, zu den Folgen der Prohibition

Georg Wurth: Was wir in Deutschland jetzt ganz massiv haben, sind Streckmittel im Cannabis, d. h. die Dealer tun immer mehr merkwürdige Sachen ins Gras rein, um es schwerer zu bekommen und dadurch die Gewinnmargen massiv zu erhöhen und das sind die verschiedensten Dinge: Da kann Zucker mit drin sein, feingeriebene Mineralien, also Steine, Salz, bestimmte Lösungen, die extra dafür überhaupt hergestellt werden, um das Gewicht zu erhöhen, Glassplitter hatten wir schon und das Schlimmste was bisher aufgetaucht ist, war Blei. Da hatten wir mal einen Schwerpunkt in Leipzig, wo scheinbar mehrere Kilo bleigestrecktes Marihuana unterwegs waren und die größte Bleivergiftungsepidemie seit dem 2. Weltkrieg, die wir in Deutschland hatten, auslöste. Da sind also auch einige Leute auf der Intensivstation gelandet und einige Leute, die jetzt jahrzehntelang Medikamente nehmen müssen, um das Blei wieder aus ihrem Körper rauszukriegen, ist also kein Spaß mehr, die ganze Geschichte.

Moderatorin: Verunreinigungen mit Streckmitteln kommen bei allen illegalen Drogen häufig vor. Die illegalen Substanzen gehen auf ihrem Weg vom Hersteller zum Konsumenten durch viele Hände. Jeder Zwischenhändler versucht, seinen Gewinn durch Preisaufschläge aufzubessern. Die Substanz mit billigen Gewichtsträgern schwerer zu machen, bringt zusätzlichen Gewinn, ist aber für die Konsumenten in höchstem Maße gefährlich, wie an der Verunreinigung mit Blei deutlich sichtbar wird.

Georg Wurth: Ich gehe auch davon aus, dass das eine tickende Zeitbombe ist und wir in ein paar Jahren viele Lungenschäden in den Kliniken sehen werden, die darauf zurückzuführen sind. Also ein Problem, dass eigentlich nur durch die Prohibition entsteht und nicht durch den Cannabiskonsum an sich, der natürlich auch nicht völlig unproblematisch und ungefährlich ist und einem gewissen Prozentsatz der Konsumenten Probleme bereitet, indem sie z. B. psychisch abhängig werden, ihre Schule, Ausbildung vernachlässigen. Das ist aber eben nur ein relativ kleiner Teil der Konsumenten, auf jeden Fall weniger als 10%. Von den Streckmitteln und der Strafverfolgung sind aber alle betroffen und über 90% der Cannabiskonsumenten sind nur dadurch betroffen und nicht von irgendwelchen anderen Problemen des Cannabiskonsums.

Moderatorin: Die Legalisierung von Cannabis ist in vielen Ländern Europas und der USA ein Thema. Das Fehlen einer Qualitätskontrolle ist bei illegalen Drogen immer das größte Risiko. Doch auch das Erlernen eines vernünftigen Umgangs mit einer Droge ist fast unmöglich, wenn sie illegal ist. Während Jugendliche den Umgang mit Alkohol durch das Vorbild der Erwachsenen und eigenen Erfahrungen, über die sie auch sprechen dürfen, erlernen können, müssen sie über ihre Erfahrungen mit illegalen Drogen schweigen, um nicht erwischt zu werden. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Risiko ist, dass Haschisch und Marihuana als Einstiegsdrogen gelten. Wer sie konsumieren will, muss sich in das kriminelle Milieu der Drogendealer begeben, wo er über kurz oder lang auch mit gefährlicheren und hochgradig suchterregenden Substanzen in Berührung kommt. Georg Wurth versucht daher im Rahmen des Deutschen Hanfverbandes auf vielfältige Weise ein Umdenken in der Politik herbeizuführen.

Georg Wurth: Der Deutsche Hanfverband ist die einzige hauptamtliche Legalisierungsorganisation, also professionelle Legalisierungsorganisation in Deutschland. Das hat verschiedene Zielrichtungen: Einmal gehen wir direkt zu den Politikern, arbeiten mit denen zusammen, die aufgeschlossen sind, auch an parlamentarischen Initiativen, ganz konkret z. B. an kleinen Anfragen und auch der Informationsfluss funktioniert ganz gut zwischen denen und uns, wir befruchten uns da gegenseitig. Auch die Öffentlichkeitsarbeit spielt natürlich eine große Rolle Richtung Presse oder auch bei Infoständen mit kleineren Aktionen, womit man halt Aufmerksamkeit erregt, also das ganze Spektrum der Meinungs- und Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu.


28.01.2010 - Focus-Online: Polizeipräsident für alternative Politik

Die liberalen Ansichten zum Thema Cannabis von Polizeipräsident Hubert Wimber sorgten für medialen Wirbel. Focus-Online berichtete noch relativ neutral:

Polizeipräsident für alternative Politik

Der Polizeipräsident von Münster, Hubert Wimber, hält eine Strafverfolgung von Cannabiskonsumenten für weitgehend unwirksam und fordert eine „alternative Drogenpolitik“.
 
In einem Brief an den Deutschen Hanfverband schreibt Wimber, dass „angesichts der weitgehenden Erfolglosigkeit staatlicher Repression und politischer Unbeweglichkeit eine erneute Initiative aus den Reihen der Polizei und anderer Strafverfolgungsbehörden für eine alternative Drogenpolitik angezeigt ist“, wie der Verband am Donnerstag mitteilte. Er habe jedoch wenig Hoffnung auf eine „Akzentverschiebung“ in der Drogenpolitik der Bundesregierung. Drogenpolitik müsse zuerst Gesundheits- anstatt Kriminalpolitik sein, schreibt Wimber weiter. (...)
 
Der Sprecher des Deutschen Hanfverbandes, Georg Wurth, kommentierte die Äußerung mit den Worten: „Die Politik sollte gut zuhören, wenn ein Polizeipräsident sagt, dass die Verfolgung von Cannabiskonsumenten eine sinnlose Belastung für die Polizei ist."

Focus-Online am 28.01.2010 "Polizeipräsident für alternative Politik"


30.01.2010 - Ruhr Nachrichten: Polizei-Chef Wimber kritisiert Strafverfolgung für Kiffer

In einer Meldung der Ruhr-Nachrichten wurde über Wimbers Kritik wie folgt berichtet:

Polizei-Chef Wimber kritisiert Strafverfolgung für Kiffer

(...)Der Deutsche Hanfverband strebt „eine legale, verbraucherfreundliche Marktregelung für das Genussmittel Cannabis – von der Produktion über den Verkauf bis zum Eigenanbau“ an. Wimber bedankt sich mit seinem Brief für ein Buch, das der Verband ihm geschickt hatte.

In dem Brief, dessen Authentizität unserer Redaktion von der Polizei bestätigt wurde, schreibt Wimber: „Vielleicht ist es wirklich an der Zeit zu überlegen, ob nicht angesichts der weitgehenden Erfolglosigkeit staatlicher Repression und politischer Unbeweglichkeit eine erneute Initiative aus den Reihen der Polizei und anderer Strafverfolgungsbehörden für eine alternative Drogenpolitik angezeigt ist.“(...)

Ruhr-Nachrichten am 30.01.2010: "Polizei-Chef Wimber kritisiert Strafverfolgung für Kiffer"


01.02.2010 - Westfälische Nachrichten: Harsche Kritik an Wimbers Drogen-Kurs

Die Westfälischen Nachrichten berichteten am 01.02.2010 über die Kritik aus eigenen und politischen Reihen gegenüber Wimbers  Äußerungen:

Harsche Kritik an Wimbers Drogen-Kurs

Die Äußerungen von Polizeipräsident Hubert Wimber zur Entkriminalisierung des Drogenkonsums schlagen hohe Wellen. Zwar bemühte sich das Polizeipräsidium gestern in einer ungewohnt langen Presseerklärung um Schadensbegrenzung. Doch ein Sprecher von NRW-Innenminister Ingo Wolf erklärte: „Wir haben Herrn Wimber gebeten, uns schnell zu berichten.“ Alles Weitere werde man dann sehen. Auch aus der Politik kommt Kritik an Wimbers Äußerungen.

Der Polizeipräsident hatte in einem Brief an den „Deutschen Hanfverband“ die herrschende Drogenpolitik kritisiert. Die Strafbarkeit fast aller Umgangsformen mit Substanzen, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, habe keinen nachweisbaren Einfluss auf deren Konsum, hatte Wimber geschrieben. Dass dieser Brief nun auf der Internet-Seite des Verbandes, der genau genommen eine Firma ist, die sich für die Freigabe von Cannabis-Produkten einsetzt, auftaucht, bringt den Polizeipräsidenten in Bedrängnis.(...)
 
In der Tat hatte Wimber, der bis Mittwoch nicht in Münster ist, in dem nun kritisierten Brief deutlich gemacht, „dass die Polizei ihr Handeln nicht danach ausrichten kann, ob sie das anzuwendende Gesetz für gut oder schlecht ansieht“. Eine Veröffentlichung des Briefes im Internet sei im Übrigen nicht erlaubt worden, so der Polizeisprecher. Dagegen sagt Georg Wurth vom „Deutschen Hanfverband“: „Herr Wimber wusste das und war damit einverstanden.“ (...)
Westfälische Nachrichten am 01.02.2010 "Harsche Kritik an Wimbers Drogen-Kurs"

02.02.2010 - Der Westen: Polizeichef kritisiert harte Drogenpolitik

Ebenso berichtete Der Westen:

Polizeichef kritisiert harte Drogenpolitik

Mit seiner Kritik am harten Kurs der Drogenpolitik hat Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber die Landesregierung empört. Wimber plädiert für Alternativen zu staatlichen Repressionen. Das NRW-Innenministerium fordert vom Polizeichef eine Erklärung.

Der Verfasser des Briefes lässt keinen Zweifel, dass aus seiner Sicht in der Drogenpolitik etwas ziemlich falsch läuft. Bei der „Entkriminalisierung von Konsumentendelikten“ sei man in den letzten zehn Jahren nicht weitergekommen, attestiert Hubert Wimber. Er sinniert, „ob nicht angesichts der weitgehenden Erfolglosigkeit staatlicher Repression und politischer Unbeweglichkeit eine erneute Initiative aus den Reihen der Polizei für eine alternative Drogenpolitik angezeigt“ sei. Er jedenfalls sei „gerne bereit, auch auf öffentlichen Veranstaltungen werbend für eine Drogenpolitik Stellung zu beziehen, die den Umgang mit Drogen und Sucht zuallererst als Gegenstand der Gesundheitspolitik und nicht der Kriminalpolitik begreift“.

Klare Worte – der Deutsche Hanfverband, an den der Brief adressiert war, hat sie mit einigem Genuss an die Öffentlichkeit weitergereicht. Denn: Hubert Wimber, Parteimitglied bei den Grünen, ist Polizeichef von Münster und damit ein wunderbarer Kronzeuge für das Anliegen der Hanf-Enthusiasten. „Polizeipräsident für Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten“, heißt es auf der Verbandshomepage, wo der Brief komplett nachzulesen ist.(...)

Der Westen am 02.02.2010 "Polizeichef kritisiert harte Drogenpolitik"

 


 

02.02.2010 - Bild Köln: Wirbel um Polizeichef: GdP will sachliche Aufklärung

Nach dem ganzen Wirbel forderte die GdP laut Bild Köln eine sachliche Debatte zu Wimbers Äußerungen:

Wirbel um Polizeichef: GdP will sachliche Debatte

22w.focus.de/politik/deutschland/cannabis-polizeipraesident-fuer-alternative-politik_aid_474758.html

Nach dem Wirbel um Äußerungen von Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber zur Verfolgung von Drogenkonsumenten fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine sachliche Debatte. «Ich würde mir wünschen, dass die Politik den Vorstoß des Münsteraner Polizeipräsidenten als Chance nutzt, um die Frage einer Marihuana- Freigabe an sachlichen Kriterien festzumachen», sagte am Dienstag der nordrhein-westfälische Gewerkschaftsvorsitzende, Frank Richter. Er distanzierte sich jedoch zugleich inhaltlich von Wimbers Ansichten zur Drogenpolitik. Grünen-Mitglied Wimber hatte in einem nicht zur Veröffentlichung gedachten Schreiben an den Deutschen Hanfverband die Strafverfolgung von Drogenkonsumenten infrage gestellt.

Bild Köln am 02.02.2010 "Wirbel um Polizeichef: GdP will sachliche Debatte"


20.07.2010 - Junge Welt: Reformvorhaben - Kritik vom Hanfverband

Die "Junge Welt" veröffentlichte die Kritik des DHV zum Reformvorhaben in NRW:

Reformvorhaben

Kritik vom Hanfverband

Der Deutsche Hanfverband (DHV) registriert, daß die neue Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) von SPD und Grünen »weniger Kiffer verfolgen will« als die frühere aus CDU und FDP. Im Koalitionsvertrag heißt es: »Um die Justiz zu entlasten und Gelegenheitskonsumentinnen und -konsumenten zu entkriminalisieren, werden wir die Eigenbedarfsgrenzen wieder auf den Stand 2007 anheben.«

CDU und FDP hatten eine verschärfte Verordnung eingeführt und die »geringe Menge«, bis zu der die Staatsanwaltschaft Verfahren gegen Cannabiskonsumenten einstellen soll, von zehn auf sechs Gramm Haschisch und Marihuana herabgesetzt. Mit der Folge, daß die Zahl der Verfahren 2008 um 24,8 Prozent angestiegen sei. Andere Bundesländer hatten die Grenze ebenfalls auf sechs Gramm herabgesetzt, darunter das Saarland, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hamburg.

Beim Hanfverband sieht man die geplante neue Reglung aber nicht als weitgehend genug an: Der Koalitionsbeschluß gehe nicht »über das Vorgehen der früheren rot-grünen Koalition« hinaus. Weiterhin werde es »Tausende Strafverfahren gegen einfache Cannabiskonsumenten« geben, die lieber Hanf rauchen als Bier oder Schnaps zu trinken. Skepsis besteht, ob der Beschluß womöglich einzig »ein rot-grüner Reflex auf die verhaßte Rüttgers-Regierung« sei.

Die Partei Die Linke NRW hatte bereits vor der Wahl ihre Losung »Recht auf Rausch« zurückgenommen. Dies sei der Bevölkerung schwierig zu vermitteln gewesen, erklärte die rechtspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Anna Conrads gegenüber jW. Ansonsten heißt es im Parteiprogramm: Die Legalisierung von Cannabis soll ein erster Schritt zur »deutlichen Liberalisierung des Betäubungsmittelrechts« sein. Die Kriminalisierung von Drogenkonsumenten müsse beendet werden.

Junge Welt am 20.07.2010: Reformvorhaben - Kritik vom Hanfverband


30.07.2010 - Hamburger Morgenpost: Erlaubt uns das Kiffen

Zum Ergebnis der vom DHV in Auftrag gegebenen EMNID-Umfrage schrieb die Hamburger Morgenpost:

Neue Umfrage

Erlaubt uns das Kiffen

Die Mehrheit der Deutschen hat ein Herz für Kiffer. In einer bundesweiten „Emnid“-Umfrage mit 1000 Befragten sprechen sich 54 Prozent für eine entspanntere Cannabis-Politik aus. Ein Fünftel plädiert sogar dafür, Haschisch am Kiosk zu verkaufen. Ähnliches fordern auch die Grünen.

Doch die Front der Haschisch-Hasser ist groß: Immerhin 40 Prozent sind der Meinung, der Konsum sollte „wie bisher oder noch strenger“ geahndet werden (unentschlossen: sechs Prozent).

„Das Ergebnis spiegelt die konservativen und die liberalen Grundströmungen der Gesellschaft wider“, sagt Oliver Krieg von „Emnid“. „Es zeigt aber: Eine harsche Ablehnung gibt es nicht mehr.“ In Auftrag gegeben wurde die Studie vom Deutschen Hanfverband.

Laut Landesstelle für Suchtfragen kiffen rund 130000 Hamburger zwischen 18 und 59 Jahren mindestens ein Mal im Jahr. Die Gesetzeslage sieht so aus: Wer mit mehr als sechs Gramm oder beim Verkaufen erwischt wird, landet vor Gericht. Konsumenten wird auch oft der Führerschein entzogen.
Das halten 30 Prozent der Befragten für ungerecht: Sie plädieren für eine Entkriminalisierung. Fünf Prozent meinen, Eigenanbau und der Besitz geringer Mengen sollte legal sein. 19 Prozent sagen: Versteuert das Zeug und verkauft es wie Alkohol und Zigaretten.

Das forderten auch die Grünen im Bundestagswahlkampf. „Wir sind für einen unverkrampften Umgang mit dem Thema“, sagt GAL-Vizechef Anjes Tjarks. Bislang ist eine laxe Drogenpolitik aber immer an CDU und SPD gescheitert – und auch die Grünen halten sich eher zurück.

Anders die Linke: Die musste für ihre „Recht auf Rausch“-Forderung mächtig Häme einstecken – offenbar zu Unrecht. Kersten Artus, Gesundheitsexpertin der Linksfraktion, fordert denn auch: „Legalize it! Die schlimmste Nebenwirkung des Cannabis-Konsums war bislang die Strafverfolgung.“

Hamburger Morgenpost am 31.07.2010: Erlaubt uns das Kiffen


August 2010 - WiWo.de: Wofür es alles Verbände gibt

Die Wirtschaftswoche zählte insgesamt 22 für sie interessante, teils skurrile oder auch sehr überrraschende Lobbyunternehmen auf. Klar, dass da natürlich der DHV nicht fehlen durfte:

Der Deutsche Hanfverband bezeichnet sich als die "professionelle Stimme für Cannabislegalisierung" und zählt 240 Mitglieder.

Aber wir haben mittlerweile schon  fast 100  Mitglieder mehr. Zwinkernd

WiWo.de im August 2010: Wofür es alles Verbände gibt


05.08.2010 - Nordbayerischer Kurier: Mehrheit der Deutschen für liberaleren Umgang mit Kiffern

Eine Pressemeldung - leider mit ein paar fehlerhaften Zahlen - über das Ergebnis der vom Deutschen Hanfverband in Auftrag gegebenen EMNID-Umfrage. Diese wurde vom Kölner-Stadt-Anzeiger ebenfalls veröffentlicht. Die korrekten Zahlen findet ihr in unserer Pressemitteilung.

KÖLN. Eine Mehrheit der Deutschen von 54 Prozent ist für eine liberalere Drogenpolitik und für einen weniger harten Umgang mit Cannabis-Konsumenten.

Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage, die der Deutsche Hanfverband in Auftrag gegeben hat. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitagausgabe) berichtet, wollen neun Prozent der Befragten sogar, dass man Verkauf und Konsum von Cannabis (Haschisch und Marihuana) "wie bei Alkohol und Tabak vollständig staatlich regulieren und besteuern" soll. 30 Prozent wollen die Besitzer kleiner Cannabismengen zum Eigenkonsum weniger hart bestrafen.
Nach ihren Vorstellungen soll Cannabisbesitz, ähnlich wie Falschparken, als Ordnungswidrigkeit per Bußgeld, aber ohne Strafverfahren geahndet werden. In Nordrhein-Westfalen wollen 23 Prozent sogar den "Besitz und Anbau von Hanf in geringer Menge zum Eigenkonsum ohne jegliche Verfolgung" erlauben. Nur eine Minderheit von 40 Prozent spricht sich für eine Beibehaltung oder Verschärfung des derzeitigen strafrechtlichen Verbots aus. Die nordrhein-westfälische Regierung hatte unlängst angekündigt, den straffreien Besitz von Haschisch oder Marihuana für höhere Mengen zu erlauben. Noch in diesem Jahr soll die "Eigenbedarfsgrenze" von sechs auf zehn Gramm erhöht werden.

Nordbayerischer Kurier/Kölner-Stadt-Anzeiger vom 05.08.2010: Mehrheit der Deutschen für liberaleren Umgang mit Kiffern

 


06.10.2010 - Bild.de: Hanf-Ranke unter Wegekreuz gepflanzt

Ach du GRÜNE Neune! Wie kommt denn eine Cannabis Pflanze an das Jesus-Kreuz? BILD-Leser-Reporter Rolf Hohenhaus (34), fand das „göttliche“ Gewächs vor der St. Laurentius-Kirche in Ennigerloh-Westkirchen im Münsterland (Nordrhein-Westfalen): (...)

Ein Sprecher der Kirche vermutet einen unbekannten Spaßmacher, der einen Samen in den Blumentopf unterhalb des Kreuzes gesetzt hat. (...)

Georg Wurth (37) vom Deutschen Hanfverband: „Bei der Pflanze handelt es sich definitiv um Hanf. Allerdings um männlichen, ohne ausgebildete Blüten. Nur weibliche Pflanzen eignen sich als Rauschmittel.“

Bild.de vom 06.10.2010: Hanf-Ranke unter Wegekreuz gepflanzt


16.10.2010 - Jungewelt.de: »Das ist drogenpolitischer Nonsens« Gespräch mit Georg Wurth. Über Cannabis und die Chancen zu seiner Legalisierung. Und darüber, wie verlogen unsere Politik damit umgeht

Die "jungeWelt" veröffentlichte am 16.10.2010 als Wochenendbeilage und Online ein Interview mit DHV-Sprecher Georg Wurth von Peter Wolter.

Georg Wurth hat Steuerrecht mit dem Abschluß Diplom-Finanzwirt studiert, war Finanzbeamter und ist heute Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes. (hanfverband.de)

Herstellung, Handel und Besitz von Cannabisprodukten sind nach wie vor strafbar – aber für medizinische Zwecke sollen diese Produkte freigegeben werden. Werden Haschisch oder auch Marihuana künftig in Apotheken angeboten?

Teilweise bekommen die Patienten jetzt schon Cannabis aus der Apotheke. Im Moment geht die Diskussion in Deutschland mehr um die Frage, ob die Patienten mit einfachen Hanfblüten oder Pharmaprodukten auf Hanfbasis versorgt werden sollen. Die natürliche Variante bekommt den meisten Patienten gut und ist preiswert. Der Bundesregierung riecht das aber zu sehr nach Droge, sie will lieber Fertigarzneimittel auf den Markt bringen. Daß Cannabis therapeutisches Potential hat, ist jedenfalls nicht mehr umstritten.

Und gegen welche Krankheiten kann dieser in Hanfblüten enthaltene Stoff helfen?

Bei Multipler Sklerose z.B., bei Schlafstörungen oder bei starken Schmerzen. Auch bei Aids, wenn der Patient unter Appetitverlust leidet. Es gibt viele Indikationen, bei denen Cannabis hilft.

Deutet sich mit der Freigabe zu Medizinzwecken eine Lockerung des Umgangs mit diesem Rauschmittel an?

Das ist schwer abzuschätzen. In den USA jedenfalls hat die medizinische Freigabe tatsächlich zu einem gelockerten Verhältnis geführt. Viele Menschen haben sich dort davon überzeugt, daß Cannabispatienten weder verrückt werden noch in der Gosse landen. Und diese entspanntere Sicht hat man dann auch auf diejenigen übertragen, die zu Genußzwecken kiffen.

Wie ist denn die Wirkung von Cannabis im Vergleich zu anderen Drogen – etwa zu Alkohol?

Cannabis wird vorwiegend in zwei Formen konsumiert: Als Marihuana bezeichnet man die getrocknete Blüte der Hanfpflanze, Haschisch ist ihr gepreßtes Harz. Es wird pur oder mit Tabak vermischt geraucht, man kann den Stoff auch in den Kakao einrühren oder in Plätzchen einbacken. Man gerät dadurch in eine sehr entspannte, friedliche Stimmung, viele werden lustig oder von plötzlichem Heißhunger überfallen. Es kann aber auch zu Verwirrung, Reizüberflutung oder Müdigkeit kommen. Kiffen ist nicht jedermanns Sache.

Wissenschaftlich bewiesen ist, daß Cannabis weit weniger Schaden anrichtet als andere Rausch- oder Genußmittel wie etwa Alkohol oder auch Tabak. Bei Alkohol z.B. geht man für Deutschland von über 40000 Todesfällen pro Jahr aus, bei Tabak werden sogar Zahlen über 100000 genannt. Todesfälle durch Cannabis sind hingegen praktisch unbekannt.

Wenn Cannabis geraucht wird, kann doch auch die Lunge Schaden nehmen …

Stimmt, man kann Bronchialprobleme bekommen – gleich, ob es pur oder mit Tabak vermischt geraucht wird. Der Unterschied ist aber der, daß Tabak krebserregend ist, Cannabis nicht. Das ist aber mehr ein europäisches Problem: In den USA z.B. wird Cannabis überwiegend pur geraucht, was unter dem Strich gesünder ist.

Tabak macht darüber hinaus viel stärker abhängig, körperlich und psychisch– Beispiele dafür kennt jeder in seiner unmittelbaren Umgebung. Bei Cannabis ist das nicht so ausgeprägt, nur in einigen Fällen gibt es milde körperliche Entzugserscheinungen.

Kann man denn nicht auch psychisch abhängig werden?

Das gibt es natürlich auch, das sollte man nicht unterschätzen. Von psychischer Abhängigkeit ist aber nur ein geringer Teil der Cannabiskonsumenten betroffen – maximal zehn Prozent. Bei den Rauchern jedoch ist der Anteil der Abhängigen viel größer: 60 bis 70 Prozent.

Verschweigen sollte man auch nicht, daß Cannabis Psychosen auslösen kann – dieses Risiko geht man beim Tabak nicht ein. Eine solche Psychose ist sicher das Schlimmste, was einem Kiffer passieren kann, sie kann Leute treffen, die genetisch entsprechend vorgeprägt sind. Cannabis wäre in einem solchen Fall aber nicht die Ursache, sondern nur der Auslöser. Alkohol hingegen kann durchaus Ursache für Psychosen sein, auch bei Menschen, die psychisch gesund sind.

Wie dem auch sei – man muß es schon als massive Nebenwirkung werten, wenn man mit 18 einen Joint raucht und dann plötzlich wegen einer Psychose in der Klinik landet.

In wie vielen Fällen geschieht das?

In extrem wenigen. Einerseits gehen Mediziner davon aus, daß ein bis zwei Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens psychotische Schübe erleben, die durch Cannabis früher und heftiger auftreten können. Andererseits gibt es die umgekehrte Erscheinung, daß Cannabis bei psychischen Problemen wie etwa Depressionen nicht nur verschlimmernd, sondern auch lindernd wirken kann – es gibt so manchen Kiffer, der allein deswegen zum Joint greift.

Unter dem Strich ist Cannabis also weit weniger schädlich als Alkohol – gleich, ob man die Rate der Todesfälle, die Abhängigkeit, die Schädigungen von Organen oder die sozialen Auswirkungen betrachtet.

Jedes Bundesland hat eine Obergrenze für den Besitz von Cannabis­produkten festgelegt. Die neue Regierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) weitet die bisherige Regelung von sechs auf zehn Gramm aus. Was besagt diese Obergrenze eigentlich – geht ein Kiffer, der mit weniger erwischt wird, straffrei aus?

Eine »erlaubte Menge« gibt es jedenfalls nirgends in Deutschland. Anpflanzung, Handel und Besitz sind überall verboten. Wenn man sich von der Polizei erwischen läßt, wird das Cannabis auf jeden Fall beschlagnahmt. Und dann gibt es ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, das in der Regel eingestellt wird, solange man unterhalb der sogenannten geringen Menge bleibt. Je nach Bundesland gibt es aber noch weitere Kriterien, die für eine Einstellung des Verfahrens relevant sind: Etwa, ob man Wiederholungstäter oder noch Jugendlicher ist. In NRW ist es übrigens so, daß die neue Landesregierung lediglich den früheren Zustand wiederherstellt. Die Vorgängerregierung unter Jürgen Rüttgers (CDU) hatte die Regelung verschärft.

Wird man als Drogenabhängiger registriert, wenn einen die Polizei mit einem Joint erwischt hat?

Nicht als Abhängiger, sondern als jemand, der gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat. Das kann schon bei der nächsten Verkehrskontrolle Ärger machen. Oder auf dem Land, wo der Dorfpolizist seine Pappenheimer kennt und diejenigen, die mal ein Gramm Haschisch hatten, zehnmal öfter als andere zur Verkehrskontrolle herauswinkt.

Gibt es Ärger mit Polizei und Justiz, wenn einem Autofahrer, der vielleicht vor einer Woche einen Joint geraucht hat, per Schweiß- oder Bluttest nachgewiesen wird, daß er noch Cannabisspuren im Körper hat?

Das kommt auf die Werte an, die festgestellt werden. Zunächst einmal würde ich jedem abraten, solche Schnelltests mitzumachen, weil die teilweise falsche Ergebnisse liefern und letztlich freiwillig sind. Allerdings übt die Polizei teilweise hohen Druck aus, und einen Bluttest kann man nicht verweigern, wenn die Beamten einen Anfangsverdacht konstruieren. Wenn dann ein Wert von mehr als einem Nanogramm Tetrahydrocannabinol (THC) pro Milliliter Blut festgestellt wird, gilt das als Drogenfahrt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt bei einer so geringen Menge allerdings keinerlei Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit vor. Dennoch wird dann mindestens eine Geldbuße fällig. Es kann aber auch ein Fahrverbot geben, obwohl der Fahrer tatsächlich stocknüchtern war. Das ist die strafrechtliche Seite.

Aber dann kommt noch das Verwaltungsrecht ins Spiel – auf dieser Basis wird der gelegentliche Kiffer im Vergleich zum Alkoholsünder richtig diskriminiert. Die Führerscheinstelle prüft, ob der Betreffende von seiner Persönlichkeitsstruktur her in der Lage ist, verantwortungsvoll ein Auto zu fahren. Und wenn sie davon ausgeht, daß er zweimal pro Woche einen Joint raucht, wird das schon als »regelmäßiger Konsum« eingestuft. Und dann ist der Führerschein weg, obwohl dieser Mensch vielleicht bis dahin noch nie in seinem ganzen Leben berauscht gefahren ist.

Gibt es regionale Unterschiede, wie die Justiz mit erwischten Kiffern umgeht?

Die sind sogar ziemlich groß. Gar nicht so sehr bei der Definition der erwähnten »geringen Menge«. Schleswig-Holstein war früher mal mit 30 Gramm noch ein Ausreißer – das gibt es heute nicht mehr. Die meisten Bundesländer liegen bei sechs Gramm, NRW demnächst wieder bei zehn. Berlin geht bis 15 Gramm. Die Unterschiede liegen eher in den anderen Kriterien für eine Einstellung der Verfahren, in der Höhe der Strafen und wie mit den Leuten umgegangen wird. Vor allem in Bayern geht die Justiz sehr drastisch vor: Wird man dort zum zweiten Mal erwischt, landet man vor dem Richter. Für 1,2 Gramm Cannabis kann man da schnell ein paar hundert Euro Strafe kassieren. Und beim dritten Mal wird es noch teurer.

Und das ausgerechnet in Bayern, wo jährlich mit dem Oktoberfest die größte Drogenparty der Welt stattfindet ...

Genau daran wird der drogenpolitische Nonsens besonders deutlich. In Bayern ist man einem hohen Verfolgungsdruck ausgeliefert, den man in anderen Bundesländern nicht so erlebt. Wer ein bißchen ungewöhnlich aussieht, zu lange oder zu kurze Haare hat, wird ständig angehalten und gefilzt. Oft müssen sich die Leute vor den Polizisten ausziehen und sich in die Körperöffnungen schauen lassen. Wenn ein paar Krümel Hanf gefunden werden, gibt es mitunter auch noch eine Hausdurchsuchung.

Und wenn ich mir auf dem Balkon ein Pflänzchen ziehe? Ist das denn nicht meine Privatsache?

Sollte man meinen. Das machen auch immer mehr Menschen – allein schon, um sich vor den teilweise gefährlichen Streckmitteln zu schützen, die manche Dealer dem Cannabis beimischen. Aus dem Leipziger Raum wurden vor einigen Jahren Bleiverunreinigungen bekannt, es sind auch schon Flüssigplastik, Zucker, Düngemittel und anderes gefunden worden. Vor allem bei Marihuana hat die Schwarzmarkt-Qualität beträchtlich abgenommen. Wir haben einen Streckmittelmelder auf unserer Homepage mit mittlerweile über 1000 Einträgen.

Wer deswegen nicht auf dem Schwarzmarkt einkauft, sondern selbst anbaut, setzt sich einem viel größeren juristischen Risiko aus – er überschreitet nämlich meistens die »geringe Menge«. Ein Beispiel: Wenn Sie bei einem Jahresverbrauch von 50 Gramm zehnmal jeweils fünf Gramm einkaufen, dann bleiben Sie unter der »geringen Menge«, wenn Sie mal erwischt werden. Das Verfahren wird also eingestellt. Mit einer Pflanze auf dem Balkon überschreiten Sie aber sofort die »geringe Menge«, es wird nämlich die ganze Pflanze gewogen. Haben Sie dann Ihre 50 Gramm Jahresverbrauch oder etwas mehr geerntet, laufen Sie Gefahr, die Grenze von 7,5 Gramm des Wirkstoffes THC zu überschreiten, dann endet das Verfahren wahrscheinlich mit einer Haftstrafe auf Bewährung.

Auch in Deutschland hat es schon mal den Versuch gegeben, Cannabis halbwegs freizugeben. Schleswig-Holstein wurde jedoch vom Bund gebremst, so daß alles beim alten geblieben ist. Gibt es Bestrebungen, einen solchen Liberalisierungsversuch zu wiederholen?

In Deutschland nicht, die Lage hat sich eher verschlechtert. Seit 2006 haben etliche Bundesländer ihre Verordnungen verschärft. NRW ist ein Silberstreif am Horizont, auch wenn es dort nur darum geht, die alte Regelung wiederherzustellen.

Ihr Verband hatte bei EMNID eine Umfrage über den Cannabiskonsum in Auftrag gegeben. Wie sieht das Ergebnis aus?

54 Prozent der Deutschen sind für eine liberalere Regelung. Einige Einzelergebnisse: 19 Prozent sprechen sich für eine komplette Legalisierung aus – also mit Besteuerung und staatlicher Regulierung des Verkaufs an Erwachsene. 30 Prozent wollen den Konsum entkriminalisieren. Das könnte z.B. so aussehen wie in Tschechien, wo der Konsum von Cannabis zur Ordnungswidrigkeit herabgestuft wurde. Fünf Prozent würden die Balkonpflanzen legalisieren. Nur 40 Prozent wollen die Regelung so belassen, wie sie ist, oder noch verschärfen.

Gibt es überhaupt ein seriöses Argument, das den restriktiven Umgang mit Cannabis hierzulande begründen könnte?

Meiner Meinung nach gibt es das nicht. Die Argumente sprechen für eine Legalisierung. Auf der Gegenseite stehen vor allem Emotionen, z.B. Angst um die Kinder. Da gibt es dann Berichte über bekiffte Schüler oder Jugendliche, die ihre Ausbildung abbrechen oder über Psychosepatienten. Das wird dann so verallgemeinert und skandalisiert, daß alle denken, Cannabis sei eine wahnsinnig gefährliche Droge.

Ein Argument lautet »Einstiegsdroge«, d.h., wer mit Cannabis beginnt, macht mit Heroin weiter.

Das ist völliger Blödsinn, das wurde schon hundertfach wissenschaftlich widerlegt. Wenn diese Behauptung stimmte, hätten wir doch Millionen von Heroinkonsumenten. Da könnten Sie genauso gut Alkohol und Tabak als Einstiegsdroge bezeichnen.

Ich habe in der Fachliteratur übrigens keine einzige Studie gefunden, aus der hervorginge, daß Strafgesetze einen Einfluß auf den Konsum haben. In den Niederlanden z.B. kann man Cannabis ohne weiteres im Coffee-Shop kaufen – dort wird aber weniger gekifft als bei uns.

Die Linkspartei in NRW hatte in ihrem Wahlprogramm ein »Recht auf Rausch« gefordert, daraufhin sind Politiker und Medien bundesweit über die Linken hergefallen. Verstehen Sie das?

Nein, das ist absolut lächerlich. Ich fand gut, wie die NRW-Linke darauf reagiert hat – sie wies darauf hin, daß die Grünen das schon seit 20 Jahren fordern. Aus meiner Sicht war das Programm völlig in Ordnung. Unsere EMNID-Umfrage zeigt ja, daß die Wähler eine Veränderung der Rechtslage wollen. Die Linke hat das im Programm und steht somit wesentlich besser da als die meisten anderen Parteien.

Von den Grünen hört man kaum noch etwas in Sachen Drogenpolitik.

Es gibt kaum grüne Wahlprogramme, in denen das keine Rolle spielt. Allerdings denke ich, daß die Partei ihre Vorstellungen etwas vehementer in die Öffentlichkeit tragen sollte, auch wenn es hin und wieder mal eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag zu diesem Thema gibt.

Wäre nicht die Drogenpolitik der Niederlande auch ein Vorbild für Deutschland?

Auf jeden Fall. Das sollte bei uns in die Richtung gehen, daß Fachgeschäfte eingerichtet werden, in denen man aber auch geprüfte Qualität bekommen sollte. Das holländische System ist noch nicht ausgereift, es gibt da viele Ungereimtheiten. Legal ist dort nur der Verkauf an den Endverbraucher – Einfuhr, Anbau und Großhandel sind aber illegal. In diesem Bereich ist dann auch organisierte Kriminalität zu finden. Das führt dazu, daß man selbst in den Coffee-Shops nicht vor Streckmitteln sicher ist.

Und dann gibt es in den Niederlanden noch so eine neckische Feinheit: Auch dort darf in öffentlichen Lokalen kein Tabak mehr geraucht werden. Man darf also im Coffee-Shop durchaus pures Cannabis rauchen – aber wehe, man wird dabei erwischt, daß einige Krümel Tabak beigemischt wurden.

Auch Kalifornien steht im Rufe des liberalen Umgangs mit Cannabis. Wie sieht es dort aus?

Das ist eine spannende Entwicklung, denn dieser US-Bundesstaat beabsichtigt die Legalisierung. Seit langem gibt es dort schon Tausende Patienten, die aus medizinischen Gründen Cannabis nehmen. Und es gibt zig Geschäfte, die diese Menschen legal versorgen. Für den 2. November ist dort ein Referendum angesetzt, bei dem die Kalifornier über eine komplette Legalisierung abstimmen. Sollte dort aber die Freigabe beschlossen werden, stellt sich die Frage, wie die US-Regierung in Washington darauf reagiert. Laut Bundesgesetz wäre Cannabis dann nämlich immer noch illegal. Präsident Barack Obama könnte also durchaus in Kalifornien eingreifen.

Aber sollte dort die Legalisierung gelingen, wäre das der größte Schritt zur Liberalisierung seit Einführung der Coffee-Shops in den Niederlanden. Das wäre auch deswegen wichtig, weil die USA in ihrer Rolle als Weltmacht in den meisten anderen Ländern restriktive Regelungen durchgesetzt haben, z.B. mit Hilfe internationaler Verträge. Und wenn dieses Machtzentrum sozusagen implodiert, wenn also die USA selbst damit beginnen, Cannabis zu legalisieren, würde das weltweit die Drogenpolitik ändern.

Eine letzte Frage. Wie teuer wäre heute ein Gramm beim »Dealer meines Vertrauens«?

Das kommt auf die Region an. Wo mehr Repression herrscht, wird zwar nicht weniger, aber teurer und heimlicher konsumiert. Der Preis liegt zwischen fünf und zwölf Euro – je südlicher, desto teurer. In Bayern steht ja schließlich hinter jedem zweiten Baum ein Polizist, der darauf achtet, daß keine Hanfblüten unterwegs sind.

Dabei haben die schon unsere Vorfahren geraucht. Und dafür heute noch geläufige Begriffe geprägt wie »starker Tobak« oder »Knaster«.

Im deutschen Kaiserreich konnte man Haschisch oder Marihuana noch ganz normal in der Apotheke kaufen. Ohne Rezept. Die Monarchie hat den Menschen mehr Selbstbestimmungsrecht zugestanden als unsere heutige Demokratie.

JungeWelt vom 16.10.2010 »Das ist drogenpolitischer Nonsens«


15.11.2010 - Radiointerview mit dem Aus- und Fortbildungsradio München, afk M94,5

Interview vom 15.11.2010 des Aus- und Fortbildungsradios München mit DHV-Sprecher Georg Wurth zum Thema Cannabis-Prohibition.

Moderator: Zur Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten gibt es ein unschlagbares Zaubermittel: Abstinenz. Enthaltsamkeit wirkt bei weitem besser als die Anti-Baby-Pille oder ein Kondom. Beim Thema Kiffen liegen die Dinge ähnlich: Was kann man tun, um sich wirksam vor gefährlichen Streckmitteln zu schützen? Wie kann man die Langzeitfolgen von intensivem Konsum vermeiden?  Ganz einfach: Kein Gras rauchen. Konsequenterweise ist es ja auch verboten. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn das Verbot von Marihuana schränkt den Konsum anscheinend nicht ein, argumentiert Georg Wurth, der Sprecher vom Deutschen Hanfverband.

Georg Wurth: Wir haben gerade mal alle Studien, die wir irgendwie greifen konnten, die sich damit beschäftigen, zusammengetragen und die sagen alle, es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Stärke der Repression oder ob überhaupt Repression stattfindet und dem Konsum in der Bevölkerung. Dafür gibt es auch einige Hinweise, z. B. dass in den Niederlanden nicht mehr konsumiert wird als bei uns in Deutschland, obwohl man da einfach in den Laden gehen kann und sich was kaufen, zumindest als Erwachsener. Unter Jugendlichen wird darüber weniger konsumiert als bei uns.  

Moderator: Hierzulande wird das Verbot von Cannabis inzwischen auch oft einfach umgangen. Das geschieht über sogenannte Räuchermischungen wie Lava Red. Diese sind legal, das bedeutet aber nicht, dass sie deshalb auch harmlos und unbedenklich wären. Sie sind vor allem deshalb legal, weil der Staat mit wirksamen Verboten nicht schnell genug nachkommt.

Georg Wurth: Bei Hanf weiß man eben was man hat, diese Substanz ist sehr gut erforscht und wie gesagt, die allermeisten Konsumenten haben damit kein Problem und bei diesen Mischungen, wo Cannabinoide draufgesprüht werden, da weiß man das eben nicht und was ich so an Konsumentenberichten lese und höre, dass Leute halt teilweise sehr lange mit dem Rausch beschäftigt sind, auch mit einer Heftigkeit, mit der sie nicht gerechnet haben oder die ihnen nicht gefällt.

Moderator: Einen Vorteil haben Lava Red und Co. aber dennoch. Denn mit dem illegalen Gras kauft man oft noch ein paar unappetitliche Substanzen ein: Glaskrümel, Vogelsand, Kunststoffteilchen und ähnliches dienen als Streckmittel dazu, die verkauften Päckchen schwerer zu machen, denn Marihuana wird nach Gewicht bezahlt. Diese Streckmittel sind mitunter sehr krebserregend, wenn sie zusammen mit dem Gras geraucht werden. Eine Legalisierung von Cannabis würde auch diese Praxis beenden. Doch daraus wird in Deutschland wohl vorerst nichts. Auch wenn in Kalifornien und einigen europäischen Nachbarländern wie Tschechien und der Schweiz bereits offen über eine Freigabe nachgedacht wird.

Georg Wurth: Also auf eine baldige Legalisierung sehe ich so gut wie gar keine Chancen, weil unter Schwarz/Gelb werden wir das einfach nicht mehr erleben, vielleicht gibt es da ein paar Schritte unterhalb der Legalisierung, mit denen man auch in Deutschland schon mal anfangen kann. Ich habe z. B. gerade eine Petition beim Bundestag eingereicht für Entkriminalisierung der Konsumenten, weil dafür haben sie zumindest auch eine Mehrheit in der Bevölkerung.

Radiointerview vom 15.11.2010 mit Georg Wurth im Aus- und Fortbildungsradio München

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18.11.2010 - Meldung in der November-Ausgabe der Zitty zur Hanf-Rikscha-Aktion des DHV

Das Berliner Stadtmagazin Zitty schrieb in seiner November-Ausgabe S. 10, Rubrik "Neu in Berlin" einen kurzen Bericht über unserer Hanf-Rikscha-Aktion. Zum Schluss wurde noch ein Freiticket für Ulrich Wickert und Cheech und Chong gefordert, recht so! :-)

 

Der Bundesadler ist ein Kiffer. Stilisiert zum Hanfblatt fährt er gegenwärtig auf zwei Rikschas durch Berlin und empfiehlt die Legalisierung von Cannabis. Unterstützt wird er dabei durch das Berliner Rikscha-Unternehmen Bike Taxi und den Deutschen Hanfverband. Die Idee der Hanf-Rikschas geht zurück auf ein Kuriosum in London: Vergangenes Jahr fuhr auf den roten Doppeldecker-Bussen der Slogan "Nice people take drugs" mit. Die ursprüngliche Anfrage, den Hanf-Adler auf Münchner Linienbusse zu kleben, war abgelehnt worden.

Berliner Stadtmagazin Zitty, November-Ausgabe, S. 10


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