Presseecho - 2008


 

Die erste Jahreshälfte 2008 wurde von Berichten über den illegalen Anbau von Cannabis dominiert. Aber auch die Veröffentlichung des Buchs " Rauschzeichen - Cannabis: Alles was man wissen muss" wurde in den Medien thematisiert.


05.01.2008 - Drogenreport: Grüner Leipziger

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gilt eigentlich als eine Quelle seriösen Journalismusses. Leider kann man dies über einen im Januar 2008 erschienenen Artikel nicht sagen, weshalb er es wohl "nur" in Feuilleton geschafft hat.

Glas, Plastik oder Sand

Beimischungen zu Marihuana dienen der Gewichterhöhung, denn Drogen werden nach Gramm verkauft. Schon lange klagen die Interessenvertreter (in einem Land, das für alles seine Vereinigung hat, gibt es selbstverständlich auch den Deutschen Hanfverband), dass man vermehrt Glas, Plastik oder Sand in Cannabisprodukten finde. Blei hat ein besonders hohes spezifisches Gewicht, ist aber auch besonders giftig. Die notorisch ums Wohl von Haschischkonsumenten besorgte "taz" vermutet, dass die Marihuanapflanzen bereits in der Wachstumsphase mit Blei bestreut worden seien. Artikel der FAZ vom 05.01.2008 " Drogenreport: Grüner Leipziger"


12.02.2008 - Berliner Balkons werden zu Cannabis-Plantagen

Dass auch der Springerverlag ohne Hetze und Polemik über Cannabis berichten kann, bewies die Berliner Morgenpost im Februar 2008. Der Artikel nahm einen aktuellen Fall illegalen Anbaus von Cannabis zum Anlass, sich mit den steigenden Fallzahlen dieses Delikts zu beschäftigen. Der Autor äußert Verständnis für die Angst der Konsumenten vor Streckmitteln, die manchen zum "heimlichen Gärtner" werden lassen, und sprach mit Georg Wurth über die " Aktion Sativa", bei der 235 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht wurden.

Die Hanfgemeinde ist empört

Die Hanfgemeinde ist empört. Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband: "Die Polizei erreicht mit ihrer Aktion vor allem, dass sich die Konsumenten wieder verstärkt auf dem illegalen Markt mit Cannabis eindecken werden. So unterstützt die Polizei genau die großen Fische, auf die sie es angeblich abgesehen hat." Da in den vergangenen Monaten vermehrt gestrecktes Cannabis aufgetaucht sei, sei der Anbau von Hanfpflanzen für viele Konsumenten die einzige Möglichkeit, sich vor gesundheitsgefährdenden Streckmitteln zu schützen. Artikel der Berliner Morgenpost vom 12.02.2008 " Berliner Balkons werden zu Cannabis-Plantagen"


25.02.2008 - Deutschlands Drogenfahnder im Dauereinsatz

Der bayrische Rundfunk beschäftigte sich in der Februarausgabe des Politmagazins "Report München" mit den Problemen, die durch gesundheitsschädliche Streckmittel in Marihuana entstehen und dem daraus resultierenden Trend zum Eigenanbau. Leider blieb vom umfangreichen Interview, das die Reporter mit Georg Wurth geführt hatten, im Beitrag nur ein Satz. Vermutlich passten die Aussagen des DHV-Chefs schlicht nicht zum gewünschten panisch-spektakulären Grundtenor des Beitrags.

Sprecher: Auf Kiffer-TV wirbt die Szene ganz offen mit eigenen Spots: "Hallo liebe Hanffreunde." Verbreitet werden hier Nachrichten über Hausdurchsuchungen genauso wie Tipps zum Anbau oder Backrezepte mit Cannabis. Eltern haben meist keine Ahnung, womit ihren Kindern der Konsum hier schmackhaft gemacht wird. Produziert wurde der Spot in den Räumlichkeiten des Hanfverbandes mitten in Berlin. Auf Grund der steigenden Konsumentenzahlen fordert man hier eine Legalisierung der Droge.

Georg Wurth, Deutscher Hanfverband: "Man kommt irgendwie ran, also wer Hanf anbauen will, der kann es tun. Und es ist sicherlich ein Trend in letzter Zeit, auch aus Eigenschutz." Bericht aus "Report München" vom 25.02.2008
"Volksdroge Cannabis: Deutschlands Drogenfahnder im Dauereinsatz"


06.03.2008 - Deutsche kiffen ohne Biosiegel

Die Taz wollte vom DHV wissen, wieviel am Gerücht um genmanipuliertes Cannabis dran ist, weil der Spiegel ein entsprechendes Zitat eines Kriminalbeamten abdruckte. Wie nicht anders zu erwarten, musste der Beamte konfrontiert mit den Informationen des DHV zurückrudern und fühlte sich plötzlich "falsch zitiert".

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So auch Spiegel Online, wo ein älteres Zitat von Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes von Nordrhein-Westfalen, hervorgeholt wurde. Darin sagt Scheulen, dass die Pflanzen oft aus genmanipuliertem Saatgut stammen. Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband bezeichnet das als "absoluten Blödsinn": Immer wieder tauchten solche Behauptungen auf, die dann einfach übernommen werden. "Dabei ist es sinnlos, die Quantität beim Cannabis-Anbau durch Genmanipulation zu erhöhen", sagte Wurth.

Auf Nachfrage gibt Frank Scheulen zu: "Die Aussage über genmanipuliertes Saatgut wurde generell getroffen und von anderen Stellen wohl wissenschaftlich erhoben, nicht vom LKA." Generell getroffen? Also nicht bestätigt? Vielleicht wird dieses Gerücht nur von offiziellen Stellen gestreut, um den Konsum in Deutschland zu senken.
... Artikel der Taz vom 06.03.2008 " Steigender Cannabis-Anbau: Deutsche kiffen ohne Biosiegel"


13.03.2008 - Lieber mal 'ne Nase

Den Jahresbericht des International Narcotics Control Board ( INCB), einer Drogenbehörde der UNO, nahm die Jungle World im März 2008 zum Anlass, um über die beiden wichtigsten Trends in der deutschen Drogenszene zu berichten. Diese seien eine Zunahme des Anbaus von Cannabis und der Trend zum Konsum von Speed und Kokain.

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Vor allem nicht bei "Catweazel" – einem "Growshop" für "Gewächshausbedarf", dessen Kundenverkehr monatelang von der Polizei observiert wurde, die dann im Januar in einer groß angelegten Razzia zwei "Profiplantagen" mit mehr als 1 000 Cannabispflanzen, neun "Großplantagen" mit mehr als 100 Pflanzen und 66 Hobbybauern aufspürte.

Nach Ansicht des "Deutschen Hanfverbands" (DHV) war dies kein "bundesweiter Schlag gegen die Rauschgiftkriminalität", wie die Polizei verlauten ließ, sondern ein "guter Tag für die Mafia". Denn das Gras der deutschen Dachbodenbauern sei viel gesünder als das der mafiösen "Drogendealer". Diese brachten im Raum Leipzig in den vergangenen Monaten anscheinend mit Bleisulfid gestrecktes Marihuana auf den Markt, mehr als 100 Kiffer sollen sich bereits Bleivergiftungen eingehandelt haben. Wer unter Übelkeit, Verstopfung, krampfartigen Bauchschmerzen und motorischen Störungen leidet, hat unter Umständen nicht nur zu viel gekifft. Über längere Zeiträume hinweg führt der Bleikonsum – den Folgen des dauerhaften THC-Konsums nicht unähnlich – zu Gedächtnisverlust und "Bleidemenz". Entweder man tut das als Kifferparanoia ab, oder man sieht darin gute Gründe für Ökogras.

Außerdem, so der DHV, entzögen die Heimanbauer dem kriminellen Schwarzmarkt ihr Geld, da sie ihren Eigenbedarf selbst anbauten.
... Artikel der Jungle World vom 13.03.2008 " Lieber mal 'ne Nase"


01.04.2008 - Gras im Grenzverkehr

Kein Aprilscherz war ein Artikel, den die FAZ Anfang April veröffentlichte. Er berichtet von der "Aktion Sativa" und der Zunahme "holländischer" Cannabisplantagen im deutschen Grenzgebiet. Leider gewährt der Autor den Strafverfolgungsbehörden sehr viel Raum, so dass manche fragwürdige Äußerung unkommentiert bleibt. Erst am Ende kommt auch die Sicht der Betroffenen zu Wort, für die der DHV Stellung bezieht.

Deutscher Hanfverband: Selbstanbau schützt vor verunreinigten Drogen

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Gegen die Offensive, die auch etliche Kleinzüchter für den privaten Konsum traf, protestieren drogenpolitische Initiativen. Die Verfolgung "kleiner Fische" schade nur, kritisieren der "Deutsche Hanfverband" und das "Grüne Hilfe Netzwerk". Da manche Dealer die Droge mit Glasfaser streckten, schützten sich Cannabiskonsumenten mit Selbstanbau. Die "Kleingärtner" entzögen auf diese Weise dem Markt für die Produkte der Profiplantagen die Grundlage, meinen die Verbände. Ziel der Ermittler sei es nicht, den Kleinbauern vors Gericht zu ziehen, sagt Fahnder Kahl. "Es lässt sich aber nicht unterscheiden, ob das im Internet bestellte Zubehör für den Heimanbau oder für Profiplantagen verwendet wird." Das Betäubungsmittelgesetz macht keinen Unterschied. Der Anbau von Cannabis ist in Deutschland verboten – so oder so. Artikel der FAZ vom 01.04.2008 " Fahnder entdecken Cannabis-Plantage: Gras im Grenzverkehr"


12.06.2008 - Kiffer-Ratgeber

Focus Online beschäftigte sich im Juni mit dem Buch "Rauschzeichen- Cannabis: Alles was man wissen muss", das Ende Mai erschien. Im Interview erklärt Georg Wurth, warum Rauschzeichen mehr als ein Kiffer-Ratgeber ist, ob Cannabis gefährlich ist und was "seine" Hanfpflanzen mit Stephan Raabs Charthit zu tun haben.

Gebt das Hanf frei

Für den Hanf-Lobbyisten Georg Wurth ist die Strafverfolgung die gefährlichste Nebenwirkung des Cannabis-Konsums. Mit dem Kiffer-Ratgeber "Rauschzeichen" will der 35-jährige ehemalige Grünen-Politiker aufklären.

Focus Online: Herr Wurth, Sie haben ein Buch über Cannabis geschrieben und bekennen sich im Vorwort dazu, regelmäßig zu kiffen. Haben Sie keine Angst, dass ein übereifriger Staatsanwalt das Buch in die Hände bekommt?

Georg Wurth: Ich kiffe nicht regelmäßig, da haben Sie nicht genau gelesen. Wir bekennen uns dazu, "in unserem Leben praktische Erfahrungen mit Cannabis gesammelt" zu haben. Das ist ein wichtiger Unterschied. Konsumerfahrung allein rechtfertigt keine Strafverfolgung. In Deutschland gibt es über zwölf Millionen Menschen, die Cannabis zumindest ausprobiert haben. Wir rufen auch zu nichts anderem auf, als über den Sinn des Cannabisverbotes nachzudenken. Darüber hinaus haben wir uns an Fakten gehalten und versucht, den Menschen das Phänomen Cannabiskonsum ohne Beschönigung oder Verteufelung näher zu bringen.

Focus Online: Beim Umgang mit der Justiz haben Sie in der Vergangenheit keine Scheu gezeigt und sich selbst wegen Drogenbesitzes angezeigt. Ihre Klage ging bis zum Bundesverfassungsgericht. Würden Sie so eine Aktion wieder machen?

Wurth: Dann müsste ich mir erstmal etwas Hasch besorgen ... Aber nein, zweimal die gleiche Aktion ist ja langweilig.

Focus Online: Kann man Ihr Buch als Kiffer-Ratgeber bezeichnen?

Wurth: In mancher Hinsicht vielleicht schon. Kiffer, die ihren eigenen Konsum kritisch hinterfragen wollen, dürften sich für die Darstellung der Risiken und Nebenwirkungen interessieren oder für die Ausführungen dazu, ab wann ein problematischer Konsum vorliegen könnte und was man dann tun kann. Kiffer, die sich staatlich verfolgt fühlen, werden sich für das Kapitel zur Legalisierung interessieren. Auch die Kapitel zur Geschichte und zu den sonstigen Anwendungen des Hanfes dürften für Konsumenten noch die eine oder andere Neuigkeit enthalten. Aber wir haben das Buch ganz bewusst auch für diejenigen geschrieben, die gar keine Ahnung von Cannabis haben und sich zwischen drastischen staatlichen Warnungen und den Beteuerungen junger Leute zurecht finden wollen. Angehörige oder Freunde, die wissen wollen, was in einem jungen Kiffer vorgeht, sind mit dem Buch gut bedient. Ich wünsche mir, dass viele junge Leute ihren Eltern das Buch schenken, um für die üblichen Diskussionen erst einmal eine Grundlage zu schaffen.

Focus Online: Sie werben für die Legalisierung von Haschisch und Marihuana. Wollen Sie bestreiten, dass diese Drogen gesundheitsschädlich sind?

Wurth: Nein, selbstverständlich nicht. Jede Droge hat ihre Risiken, insbesondere Rauchen ist nie gesund. Darum geht es bei der Legalisierungsfrage aber auch gar nicht, sonst wären Alkohol und Tabak längst verboten. Die Frage ist eher, ob das Verbot überhaupt eine positive Wirkung hat, also problematischen Cannabiskonsum verringert, und welche ungewollten schädlichen Nebenwirkungen die Strafverfolgung entfaltet. Bei dieser Abwägung kommen wir zu einem klaren Ergebnis: Die schlimmste Nebenwirkung ist die Strafverfolgung.

Focus Online: Was ist mit dem Argument "Einstiegsdroge"? Wer mit "weichen Drogen" anfängt, greift auch leichter zu härterem Stoff?

Wurth: Die Fachwelt ist sich mittlerweile weitgehend einig, dass Cannabis keine Einstiegsdroge ist. Nur sehr wenige Kiffer geraten in eine Drogenkarriere mit weiteren Substanzen. Die meisten Konsumenten sogenannter harter Drogen haben zwar vorher Cannabis probiert. Das gilt aber noch mehr für Alkohol und Tabak. Im Vergleich zu diesen Drogen hat Cannabis keine besondere Schrittmacherfunktion auf dem Weg zu "härterem Stoff".

Inspiration für Stefan Raab

Focus Online: Die Drogenbeauftragte Bätzing warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis, das zu Angststörungen und Wahnvorstellungen führen und abhängig machen könne.

Wurth: So einseitig und übertrieben wie Frau Bätzing das betreibt, ist es eher Panikmache. Verharmlosen mag ich Cannabis auch nicht, der Konsum kann in manchen Fällen tatsächlich dramatische Folgen haben. Aber was heißt schon Verharmlosung? Viele halten es schon für eine Verharmlosung von Cannabis, wenn man feststellt, dass Alkohol schlimmere Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Gesundheit des Einzelnen haben kann. Das ist aber eine Tatsache und bedeutet nicht, dass Cannabis deshalb harmlos ist.

Focus Online: Sie haben zwei kleine Töchter, die mit kiffenden Eltern aufwachsen. Haben Sie keine Sorge, dass Ihre Kinder zu Drogenkonsumenten werden? Es soll ja schon reihenweise kiffende Zwölfjährige geben, die aufgrund des Drogenkonsums "null Bock auf Schule" haben.

Wurth: Meine Töchter wachsen nicht mit kiffenden Eltern auf. Natürlich würde ich mir Sorgen machen, wenn meine Kinder mit zwölf anfangen würden zu kiffen. Eltern, denen das widerfährt, sollten sich Gedanken über die Ursachen machen – und vielleicht mal in unser Buch schauen.

Focus Online: Als Chef des "Deutschen Hanfverbandes" betreiben Sie in Berlin Lobbyarbeit für die Legalisierung. Wie reagiert die Politik auf Ihre Forderungen?

Wurth: Grüne und Linke sehen das Verbot von Cannabis im Prinzip als gescheitert an. Die anderen Parteien sind da zurückhaltender und stützen das System der Verfolgung von vier Millionen aktuellen Konsumenten noch. Ich habe den Eindruck, dass Politiker, die die Prohibition befürworten, ihre Meinung eher auf Emotionen stützen als auf rationale Argumente. Übrigens gehen wir in dem Buch auch auf die Haltung von Parteien und Regierung zur Cannabisfrage ausführlich ein.

Focus Online: War es schwer, einen Verlag zu finden für ein Buch, das Werbung für illegale Drogen macht?

Wurth: Im Gegensatz zu vielen anderen Werken verschweigt "Rauschzeichen" nicht, welche Wirkungen von den Konsumenten als angenehm beschrieben werden. Aber auch die möglichen negativen Wirkungen kommen umfassend und objektiv zur Geltung. Wir machen keine Werbung für Drogen und rufen niemanden zum Konsum auf. Der Verlag ist von sich aus auf uns zugekommen, weil er der Meinung war, dass ein umfassendes Sachbuch zu Cannabis auf dem deutschen Markt fehlt.

Focus Online: Stimmt es eigentlich, dass der Stefan-Raab-Song "Gebt das Hanf frei" aufgrund von Ihren Hanfpflanzen entstanden ist?

Wurth: Ja. Wir hatten zur Hanfparade 2002 einige Nutzhanfpflanzen, die übrigens für einen Rausch nicht geeignet sind, als Dekomaterial zu Hanfparade gebracht, direkt vom brandenburger Feld mit offizieller Rechnung. Die Polizei hat die Pflanzen dennoch beschlagnahmt, so dass wir Christian Ströbele in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt um Hilfe baten. In seiner späteren Rede auf der Bühne rief er dann: "Gebt das Hanf frei!" und meinte damit meine Pflanzen, die immer noch im Polizeiauto gefangen waren. Daraus hat Raab dann den Song gemacht. Artikel auf Focus Online vom 12.06.2008 " Kiffer-Ratgeber: Gebt das Hanf frei"


16.06.2008 - Rauschzeichen

Auch das Reggea-Magazin "Big Up!" hat sich das Cannabisbuch Rauschzeichen angesehen.

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Wenn zwei Legalisierungsaktivisten ein Buch schreiben, ist klar, dass auch die Vision "legaler Hanfmarkt" angesprochen wird. Ich habe dieses Buch zwar noch nicht komplett gelesen, mich eher durch die Kapitel gehangelt, aber ich darf getrost jetzt schon empfehlen: Jeder Kiffer oder jeder der was über die Kiff-Kultur erfahren möchte sollte dieses Buch kaufen. (Sicherlich auch ein super Geschenk!)
... Artikel im Big Up! Magazin vom 16.06.2008 " Geyer/Wurth - Rauschzeichen


25.06.2008 - Cannabis: Alles, was man wissen muss

Wenn ein anerkannter Drogenforscher zu dem Urteil kommt, er könne ein Buch mit dem Ziel der Aufklärung über Cannabis, besorgten Eltern und Lehrern "mit gutem Gewissen wärmsten ans Herz legen", spricht das für die fachliche Qualität des Werks. Mit Freude haben wir deshalb dieses Lob Prof. Quensels über unser Buch "Rauschzeichen" gelesen.

Die allgemeine Drogendiskussion, die sich zur Zeit einmal wieder auf den Cannabis-Konsum konzentriert, leidet unter ihrer Einseitigkeit, die vordringlich die Gefahren der Droge und die Notwendigkeit ihrer Kriminalisierung sieht. Allgemeinverständlich geschriebene Darstellungen, die das Für und Wider der Droge wie der hierauf ausgerichteten staatlichen Reaktionen angemessen gegeneinander abwägen, geraten demgegenüber leicht in den Verdacht, die Droge zu verharmlosen und Verbotenes zu propagieren.
Die beiden Autoren, die wegen ihrer Arbeit im Deutschen Hanfverband (DHV) ganz unmittelbar aus ihrem "Bezug zur Szene" heraus argumentieren können, versuchen mit ihrem Taschenbuch einmal mehr in diese Tabuzone einzubrechen (vgl. ihre Literaturliste S. 209f).

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Es gelingt den Autoren, dem internationalen Forschungsstand angemessen, abgewogen und leicht verstehbar "Alles was man über Cannabis wissen muss" darzustellen. Man möchte deshalb - mit dem Schlusswort von Hans-Christian Ströbele (S.205ff) - dieses Taschenbuch besorgten Eltern, Lehrern und allen denjenigen, die sich einmal in einer anderen, weniger dramatisierenden Weise über Cannabis informieren wollen, mit gutem Gewissen wärmsten ans Herz legen. Rezension von Prof. Quensel vom 25.06.2008 " Cannabis: Alles, was man wissen muss"


30.07.2008 - Hanfparade und gestrecktes Marihuana

Anlässlich der bevorstehenden Hanfparade 2008 hat das freie "Radio Corax" ein Interview mit Steffen Geyer geführt. Dabei ging es im Besonderen um die Problematik gesundheitsschädliche Streckmittel und die Möglichkeiten eines legalen Hanfmarktes zur Qualitätssicherung.

Steffen Geyer: Die Hanfparade ist die letzte deutsche Demonstration für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel. Uns gibt es schon seit 1997 immer im Sommer in Berlin. In den letzten Jahren hat sich der erste Samstag im August als Termin etabliert.

Und wir versuchen mit möglichst viel Beteiligung durch deutsche Cannabiskonsumenten und ihre Angehörige darauf aufmerksam zu machen, dass das Verbot von Cannabis mehr Probleme verursacht, als es Cannabis alleine je könnte.

In diesem Jahr ist unser Motto "Jugendschutz, Verbraucherschutz, Legalisierung", weil wir darauf hinweisen möchten, dass der Schwarzmarkt sich halt um solche Dinge wie Qualitätssicherung und Altersgrenzen überhaupt gar nicht schert.

Wir hatten im letzten Jahr massiv das Problem, das gesundheitsschädliche Beimengungen in Marihuana waren. Insbesondere Bleivergiftungen im Raum Leipzig haben da die Öffentlichkeit aufgerüttelt, dass der Schwarzmarkt einfach keine Möglichkeit für den Konsumenten bietet, zu überprüfen, was ist eigentlich drin in meinem Joint.

In den Niederlanden ist das anders. Wenn es legale Coffeeshops gibt, können auch Kontrollinstitute beispielsweise der Verbraucherschutz dort ganz normal Proben kaufen und die Kunden informieren.
In Deutschland ist das unmöglich.

Sprecher: Wir sind ja ein freies Radio in Halle. Halle ist nicht weit entfernt von Leipzig und deshalb wird es vielleicht auch einige Hörerinnen und Hörer, die möglicherweise ab und an sich einen Krümel Cannabis in ihre selbstgedrehte Zigarette drehen, auch betroffen haben. Kannst Du mal sagen, was da der aktuelle Stand ist, nach dem großen Medienhype ist davon ja nun nix mehr zu hören.

Steffen Geyer: Das ist ne ganz verzwickte Geschichte. Der Deutsche Hanfverband, wir haben schon im Januar letzten Jahres darauf hingewiesen, dass es im Raum Leipzig immer wieder verdächtige Cannabisproben gibt, die nach Bleisulfid aussehen.

Das Bundesgesundheitsministerium, insbesondere die Bundesdrogenbeauftragte, hat das aber ignoriert über Monate, bis im Sommer letzten Jahres das Gesundheitsamt in Leipzig festgestellt hat: Holla! Wir haben 50 Jahre keine einzige Bleivergiftung gehabt und in diesem Frühling schon 50, irgendworan muss es ja liegen.

Also haben sie die Betroffenen befragt und die einzige Gemeinsamkeit war, dass es alle gelegentliche Cannabiskonsumenten waren.

Und daraufhin hat dann im Oktober letzten Jahres das Gesundheitsamt in Leipzig eine offizielle Warnung rausgegeben, dass es wohl illegale Cannabisprodukte am Markt gibt, die mit bleihaltigen Streckmitteln verunreinigt sind.

Eine genaue Quelle konnte die Polizei bisher nicht ermitteln, aber so wie es aussieht, ist das Problem auch seltener geworden.

Es gibt immer'mal noch Fälle, aber die Mehrzahl der mittlerweile 120 Betroffenen sind alle im letzten Jahr mit dem Blei in Berührung gekommen.

Sprecher: Ok. Also kann man sagen, dass die Qualität jetzt besser geworden ist, oder kann man einfach nur sagen, dass die schlechtere Qualität weniger auftritt?

Steffen Geyer: Das ist schwierig zu beurteilen, da man nicht so genau weiß, wie sich die Stadt Leipzig und der Raum Leipzig mit Cannabis versorgt.
Wir als Deutscher Hanfverband gehen davon aus, dass es da einen einzelnen Dealer gab, der im Zweifel vielleicht sogar nur eine Lieferung damit verunreinigt hat, weil die Gesundheitsgefahren, die man sich da bei der Vergabe dieses Streckmittels aussetzt, sind auch immens.

Das verwendete Bleisulfid ist so gefährlich, dass selbst Hautkontakt schon zu Vergiftungen führt und da geht es nicht nur um "mir ist mal eben schlecht", sondern um chronische Bleivergiftungen, die schwere Medikamente nach sich ziehen, wenn man nicht innerhalb kurzer Zeit daran sterben möchte.

Wir können keine Entwarnung geben. Es gibt immer wieder Gerüchte und einzelne Leute, die behaupten, sie hätten wieder solches Bleigras in der Hand gehabt. Allerdings ist uns vom Deutschen Hanfverband noch keine Probe zugespielt worden, die wir tatsächlich positiv auf Blei testen konnten.

Und die Apotheke in Viersen, die für das Bundesgesundheitsministerium die Kontrollen übernimmt, veröffentlicht leider ihre Testergebnisse nicht.

Sprecher: Auch nicht für euch als quasi der professionelle Ansprechpartner zum Thema.

Steffen Geyer: Ne, die geben die Informationen leider nur an den jeweils behandelnden Arzt bzw. Patienten raus. Und die Patienten, die dann ein positives Ergebnis gekriegt haben, hatten verständlicherweise andere Sorgen, als den DHV zu informieren.

Sprecher: Ok. Wie ich das jetzt verstanden habe, setzt ihr euch genau dafür ein, mit eurer Demonstration oder mit eurer Hanfparade. Das quasi durch eine Legalisierung die Qualität des ganzen steigt.

Steffen Geyer: Ja, wir wollen halt, dass das Rauschmittel verlässlicher wird. Nicht umsonst steht auf jeder Bier- und Schnapsflasche drauf, wie viel Volumenprozent Alkohol enthält das Getränk. Das sieht man ihm ja nicht an.

Und bei Cannabis ist es ähnlich. Es kommt ja im wesentlichen auf zwei Hauptwirkstoffe an, die auf der Packung, die ich bei meinem Fachgeschäft kaufe, dann draufsteht, "dieses Marihuana enthält 14 Prozent THC", dann kann ich das viel besser dosieren, als wenn ich beim Straßendealer irgendeinen undefinierten Krümel kriege, von dem ich nicht weiß, ob das was da glänzt nun THC ist oder nur Zuckerwasser oder Glassplitter oder Vogelsand, solche Sachen.

Sprecher: Und dann stell ich mir das so vor, dass ihr dann mit ner großen Meute von Leuten durch Berlin zieht und alle kifft.

Steffen Geyer: Ne, also, Berlin ist schon eine sehr liberale Stadt was das angeht, ausgerechnet zur Hanfparade hat die Stadtregierung natürlich kein Interesse daran solche Bilder zu produzieren.

Und das heißt dann auch: Rings um die Hanfparade ist in der Regel eine Polizeiabsperrung oder gar eine doppelte Polizeiabsperrung und jeder der da rein will, wird erstmal kontrolliert. Wenn man so will, ist die Hanfparade der nüchternste Ort von Berlin, zumindest zu diesem Zeitpunkt.

Wir sind bei weitem auch nicht alles Konsumenten, die da mitmachen. Man muss ja nicht selbst kiffen um zu kapieren, dass das Verbot bescheuert ist. Beispielsweise ist auch meine Mutter jedes Jahr mit dabei, obwohl sie jetzt kein Konsument ist. Aber sie hat halt kein Interesse daran, dass ihr Sohn ins Gefängnis geht, für ein Ding, mit dem er potentiell höchstens sich schadet aber keinem Dritten irgendwas tut. Transscript eines Interviews mit Steffen Geyer auf "Radio Corax"


02.08.2008 - Die Ökonomie des Kiffens

Am Tag der Hanfparade 2008 wollte die taz von Steffen Geyer wissen, wie es um die Cannabisversorgung Berlins bestellt ist. Im Interview mit Martin Kaul berichtete der DHV-Mitarbeiter jedoch nicht nur über die kommerziellen Aspekte des Hanfhandels.

"Der Markt lechzt nach Biogras"

Wer aus ökonomischen Gründen Handel mit Marihuana als Droge betreibt, investiert in der Regel im Kilobereich, sagt Hanfparaden-Organisator Steffen Geyer. Kleinere Mengen lohnen meist nicht.

taz: Guten Morgen Herr Geyer, es ist jetzt 10 Uhr. Haben Sie heute schon einen geraucht?

Steffen Geyer: Nein, ganz sicher nicht. Denn wenn um halb elf das Telefon klingelt, will ich natürlich nüchtern sein. Außerdem bezweifle ich, dass Drogen den Tag bereichern, wenn man sie so früh schon genießt.

Wir wollten eigentlich auch nicht übers Kiffen reden, sondern übers Geld. Wie viel wird denn jeden Tag in Berlin für Gras ausgegeben?

Das lässt sich natürlich nur schätzen. Wir gehen davon aus, dass es etwa 300.000 Kifferinnen und Kiffer in Berlin gibt, die im Durchschnitt 2 Gramm pro Woche verbrauchen. Das macht gut 85.000 Gramm am Tag. Bei einem durchschnittlichen Endpreis von 6 Euro pro Gramm macht das mehr als eine halbe Million Euro, die täglich in Berlin verraucht wird.

Mensch, davon könnte man ja richtig schöne Sachen kaufen!

Genussmittel sind doch schöne Sachen. Die meisten konsumieren ja Marihuana oder Haschisch, weil es einen Lustgewinn bringt. Andere Freizeitaktivitäten sind da nicht unbedingt günstiger.

Wer profitiert denn am meisten von diesem umstrittenen "Freizeitmarkt"?

Die Herstellung von einem Gramm Marihuana kostet etwa 15 Cent. Der Endpreis liegt in Berlin bei etwa 6 Euro. Den größten Teil dieser Spanne verdienen dabei natürlich die Zwischenhändler. Das ist genauso wie beim Handel mit Bier oder Wäscheklammern.

Und wie sind diese Zwischenhändler organisiert?

Eines zumindest ist klar: Das klassische Bild vom arabischen Parkdealer spielt die geringste Rolle. Die Kriminalitätsstatistik zeigt: In der Regel sind es männliche Deutsche über 30, die die größten Profite mit Gras und Hasch machen. Um dieses Geschäft professionell betreiben zu können, benötigen sie Mindestinvestitionen von etwa 10.000 Euro. Erst ab dieser Summe beginnt es, lukrativ zu werden.

Wieso das? Auch wer nur kleine Mengen dealt, kann doch schon ganz gut sein Taschengeld aufbessern.

Aber bei größerem Finanzeinsatz stehen die Strafen in einem anderen Verhältnis zum möglichen Gewinn. Ob man mit 100 Gramm oder mit 2 Kilo erwischt wird, macht vor Gericht nicht den großen Unterschied. Wer aus ökonomischen Gründen Handel treibt, investiert also im Kilobereich. Die Kleinhändler in den Parks sind zwar die, die am rigidesten verfolgt werden, aber obwohl sie das größte Risiko tragen, erwischt zu werden, können sie froh sein, wenn sie am Ende des Tages für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Reden wir mal über die Produzenten. Wie ist denn der Berliner Grasmarkt strukturiert?

Ich schätze, dass etwa 20 Prozent des Berliner Grases von sogenannten Kleingrowern angebaut werden. Das ist ein relativ neues Phänomen: Nutzer bauen zu Hause in kleinen Zuchtschränken auf zwei Quadratmetern ihre Pflanzen an, rauchen einen Teil und verkaufen den Rest. 30 bis 40 Prozent dürften aus professionellem Großanbau aus Lagerhallen in Berlin und Umgebung stammen - und der Rest kommt vornehmlich aus den Niederlanden.

Was die Duldung des Eigenkonsums angeht, ist Berlin eines der liberalsten Bundesländer. Wer weniger als 9 Gramm Hasch in der Tasche hat, wird in der Regel nicht verfolgt. Das sind für Kleinkonsumenten doch ganz liberale Handelsbedingungen.

Da verwechseln Sie etwas. Erstens: Der Besitz ist immer verboten, aber bis zu 9 Gramm gibt es in der Regel keine Strafe. Zweitens: Handel wird generell geahndet. Wer sein Gras in zwei Tütchen mit sich trägt, macht sich bereits schuldig.

Welche Handelspolitik würden Sie sich für den Berliner Grasmarkt wünschen?

Na ja, auf staatliche Fördermaßnahmen kann dieser Markt locker verzichten. Ein Umsatzproblem gibt es nicht. Wir würden uns natürlich wünschen, dass die Verbraucher die Qualität ihres Produkts prüfen können. Legale Produktion, legaler Transport, legaler Vertrieb - all das würde natürlich dazu führen, dass die Verbraucher eine Produktsicherheit haben - und sich gegen ungesunde, gestreckte Rauchmischungen und für regional angebautes Biogras entscheiden könnten. Artikel in der Taz vom 02.08.2008 " Der Markt lechzt nach Biogras"


25.08.2008 - Legalize it!

Das Deutschlandradio Kultur hat sich ausführlich mit dem Buch " Rauschzeichen- Cannabis: Alles was man wissen muss" beschäftigt und empfahl seinen Hörern "dieses kenntnisreiche und kurzweilige Buch zu lesen".

Georg Wurth ist der Chef des Deutschen Hanfverbandes. Steffen Geyer ist Rechtswissenschaftler, arbeitet ebenfalls im Deutschen Hanfverband und organisiert die alljährliche Hanfparade in Berlin. Unschwer zu erraten: das hier ist ein Text pro Legalisierung von Cannabis.

Hans-Christian Ströbele von den "Grünen" hat dem Buch ein Nachwort hinterhergeschickt. Er selbst habe nie gekifft und rate auch generell davon ab, aber er betrachtet es "als eine der großen Lebenslügen unserer Zeit, dass Drogen wie Alkohol und Zigaretten nicht nur legal und frei verkäuflich sind, sondern dafür sogar aggressiv und subtil in öffentlich-rechtlichen Medien geworben werden darf, während Besitzer und Händler von Cannabis kriminalisiert und mit Gefängnis bedroht werden." Rechtsanwalt Ströbele hält das für ungerecht, zumal die legalen Drogen um ein Vielfaches gefährlicher seien als das "vergleichsweise harmlose Cannabis".

Die Autoren haben nicht die Absicht, uns den Joint schmackhaft zu machen. Sie wollen vielmehr unsere (so wörtlich) "Drogenmündigkeit" fördern. Das Buch ist Aufklärung im besten Sinn des Wortes. Nur wer genau weiß: Was ist das eigentlich Cannabis? Was erwartet mich, wenn ich's probiere? Welchen Schaden kann die Droge in meinem Hirn anrichten, wenn ich mich daran gewöhne? Was passiert, wenn die Polizei ein paar Hanf-Pflanzen in meinem Garten entdeckt? Nur wer informiert ist, kann sich ein selbständiges Urteil bilden und entscheiden, ob er sich mit dem Hanf einlassen will oder nicht.

"Alles, was man wissen muss" über Cannabis. Der Untertitel klingt ein wenig hochgestapelt, aber nach der Lektüre hat man tatsächlich das Gefühl, genau soviel sollte man wissen über diese Sache. Das Themenspektrum des Buches ist vielfarbig: "Cannabis in der Medizin", "Cannabis als Rohstoff", "Cannabis als Droge" - pro und contra Legalisierung". Da kommen auch die Gegner zu Wort.

Natürlich, das Gewöhnungspotenzial von Tetrahydrocannabinol ist groß. Man schätzt, dass jeder Zehnte, der einen Joint probiert, später abhängig wird. Es gibt Forscher, die behaupten sogar, langfristiger Haschisch-Konsum verursache schwere Hirnschäden. Die Autoren halten das für ein Gerücht. Nach ihrer Auffassungen werden menschliche Nervenzellen, "anders als beim Alkohol, durch Cannabis nicht geschädigt".

Das erste Kapitel liefert eine kleine Kulturgeschichte des Cannabis. Wir erfahren, Hanf zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt. Er wurde schon vor 5000 Jahren in China angepflanzt, um aus den robusten Fasern Kleidung zu fertigen. Die alten Inder schätzten seine Blüten wegen ihrer Heilkraft im Fall von Malaria und Rheuma. Die Spanier haben den Hanf für die Papierherstellung entdeckt, Johannes Gutenberg druckte seine Bibel von 1455 auf Hanfpapier. Um 1900 war Cannabis-Extrakt eines der Medikamente, die in Deutschland am häufigsten verschrieben wurden. Zur Beruhigung und als Mittel gegen Schmerzen.

Wie kommt es, dass eine alte Kulturpflanze derart in Verruf geraten ist? Schließlich ist der Hanf-Anbau heute fast weltweit verboten. Die Autoren klären uns auf. Hinter der Ächtung von Cannabis stehen handfeste Wirtschaftsinteressen. Es begann in den USA, dort wurde Cannabis 1937 verboten. Die treibenden Kräfte waren der Verband der Baumwollfarmer in den Südstaaten, der Chemiekonzern DuPont und das Medien-Imperium von William Hearst. Die Baumwollfarmer wollten den Hanf als Konkurrenten in der Textilindustrie loswerden. DuPont desgleichen, der Konzern versprach sich vom Hanf-Verbot neue Absatzmärkte für die hauseigenen Kunstfasern Nylon und Rayon.

Und Medienmogul William Hearst? Der zählte zu seinem Imperium auch ein paar Firmen, die Papier produzierten. Papier aus Holz. Hearst fand es an der Zeit, sich das billigere Hanfpapier als Konkurrenten vom Hals zu schaffen. Ab den vierziger Jahren wurden in den USA hektarweise Marihuana-Felder vernichtet.

Marihuana. So wurde der Hanf von den spanischen Einwanderern genannt. Laut den Propaganda-Filmen der US-Regierung aus dieser Zeit eine Droge für Perverse, siechende "Untermenschen", geistlose "Neger" und mexikanische Immigranten. In der Nachkriegsära avancierte die US-amerikanische Politik in Sachen Hanf zum Leitbild für die Welt. Laut internationalem Abkommen über Betäubungsmittel von 1961 sind Erzeugung, Besitz und Handel von Cannabis heute nahezu weltweit verboten

Ein Buch für alle ab vierzehn. Immerhin geht eine Statistik aus dem Jahre 2004 davon aus, dass rund ein Drittel der ab Vierzehnjährigen hierzulande schon Bekanntschaft mit einem Joint geschlossen hat. Über illegale Dinge erfährt man gewöhnlich nicht viel, eben weil sie illegal sind.

Grund genug, dieses kenntnisreiche und kurzweilige Buch zu lesen. Besonders empfehlenswert für Eltern, die sich sorgen, weil ihr pupertierender Nachwuchs noch von der Wasserpfeife auf der letzten Party schwärmt. Selbst wenn der ahnungslose Sprössling mit dem Dampf ein wenig Cannabis eingesogen hat: umbringen wird es ihn nicht. Gut zu wissen. Beitrag auf Deutschlandradio Kultur vom 25.08.2008 " Legalize It!"


20.10.2008 - Alles was man über Cannabis wissen muss

Die Hanfzeitschrift THCene wollte ihren Lesern mehr über die Autoren des Buchs Rauschzeichen verraten und sie "nebenbei" darüber informieren, was der DHV ist und tut. Wir trafen uns deshalb mit Martin Müncheberg, dessen Interview in der Ausgabe November/Dezember 2008 erschien.

Rauschzeichen - Alles was man über Cannabis wissen muss

Titelbild des Interviews - Cannabis alles was man wissen muss - THCene Ausgabe November/Dezember 2008 Vor kurzem wurde ein aktuelles Sachbuch zum Thema Cannabis durch den renommierten Kiwi-Verlag veröffentlicht, das sich bemüht, die komplexe Thematik bewusst nüchtern anzugehen, um auch Zweifler und Unwissende zu erreichen. Gerade in Hinsicht auf das langsam einsetzende Weihnachtsgeschäft kann man nur herausstellen, dass sich dieses Buch als Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde durchaus eignet - für weniger als 8 Euro bekommt man damit die Essenz des derzeitigen Wissens um Hanf in gedruckter Form.

Die zwei Autoren des 200-Seiten-Werkes sind in der Hanfszene keine Unbekannten. Der Eine ist Georg Wurth - seines Zeichens Mastermind des Deutschen Hanfverbandes und Lobbyist der Branche, der Andere ist Steffen Geyer - schon seit ein paar Jahren Aushängeschild der Berliner Hanfparade und auch sonst immer mit dabei, wenn es irgendwo um die Legalisierung von Hanf geht. Wir trafen uns zu einem ausführlichen Gespräch über Hanf und die Welt in der Residenz des DHV im Berliner Prenzlauer Berg.

Martin Müncheberg: Wie habt ihr zwei euch eigentlich kennengelernt?

Steffen Geyer: Ich schätze mal über die Hanfparade...

Georg Wurth: Ja man wusste irgendwie voneinander - ich bin nach Berlin gekommen und habe mit dem Hanfverband angefangen und habe dann irgendwann Steffen mit seinen roten Haaren auf der Hanfparade herumspringen sehen. Das ging ja mit dem Hanfverband auch erst so richtig los, als - zu der Zeit, als wir noch einen Mitarbeiter gesucht haben - die Kollegen vorgeschlagen haben, dafür den Steffen zu nehmen. Von da an haben wir uns eigentlich erst näher miteinander befasst - schließlich ging es ja gleich los mit der Zusammenarbeit beim Hanfverband.

Wann und wie kam es dazu, dass euch die Hanf-Thematik derart gepackt hat, dass ihr schließlich so aktiv für sie wurdet?

Steffen: Ich hab' halt 1997 ein ganz unangenehmes Erlebnis mit Polizisten auf dem Nürnberger Bahnhof gehabt und dabei zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, was Cannabis-Prohibition in der Praxis bedeutet. Irgendwann bin ich dann nach Berlin gekommen und wusste auch schon, dass es dort die Hanfparade gibt. Damals hatte ich eine Freundin, die für Greenpeace aktiv war und mit der Zeit hat es mich einfach angekotzt, dass ich - wenn sie mal wieder was für die Welt tat - alleine zuhause saß und mit dem Computer spielte. Da bin ich dann eben zur Hanfparade gegangen. Das war ja kein Haufen, bei dem man Angst haben musste, dass die beißen - also bin ich da aufgeschlagen und hab gesagt: Hallo, ich bin Steffen und würde gerne was machen.

Georg: Ich habe mich ja ursprünglich mit ganz anderen politischen Themen beschäftigt, als ich damals in Remscheid in die Kommunalpolitik eingestiegen bin - da ging es um Sachen wie Bau- oder Energieversorgung. Außerdem haben wir dort auch eine grüne Jugendabteilung aufgebaut, mit der wir dann auch verschiedene Kampagnen gemacht haben, unter anderem auch zum Thema Drogenpolitik. Als Sprecher des Kreisverbandes der Grünen in Remscheid habe ich mich damals in diesem Zusammenhang selbst angezeigt und gedacht, das Verfahren würde ja sicherlich schnell eingestellt werden - schließlich war das ja nur ein Teil unserer Kampagne. Doch das war dann eben nicht so und ich wurde angeklagt - trotz geringer Menge. Daraus hat sich dann so ein Prozess entwickelt, der bis zum Bundesverfassungsgericht ging. Insofern haben die mich bei der Stange gehalten und ich blieb bei der Thematik. Ich habe in Folge das 'Bundesnetzwerk Drogenpolitik' und die Landesarbeitsgemeinschaft 'Drogen' bei den Grünen in NRW mitgegründet und auch das Fachforum 'Drogen' der Grünen Jugend wieder neu belebt - Dazu habe ich bis 1999 auch noch weiterhin Kommunalpolitik gemacht. Nach meiner Weltreise von 1999 bis 2000 habe ich schließlich nur noch Drogenpolitik gemacht, erst beim Bundesnetzwerk Drogenpolitik und dann - seit 2002 - mit dem Hanfverband.

Also seid ihr im Grunde genommen nur aktiv geworden, weil ihr persönliche Erfahrungen mit der Repressionspolitik gemacht habt?

Georg: Ja.

Steffen: Das ist ja auch der klassische Weg, dass die Kiffer das Problem so lange ignorieren, bis es sie selbst betrifft - und zum Beispiel der Führerschein weg ist oder man eine Geldstrafe bezahlen muss. Erst dann merkt der Einzelne, dass dieses Hanfverbot nicht nur ein abstraktes Problem ist, sondern ein Problem, dass auch konkret ihr Leben beeinträchtigt. Und ein Teil der Leute fängt dann eben an, etwas dagegen zu unternehmen.

Georg: Bei mir war das Problem eigentlich gar nicht so persönlich, da ich vor dieser Selbstanzeige kaum Cannabis konsumiert habe und ich es einfach nur als ein politisches Thema betrachtet hatte - eines von vielen, wo Ungerechtigkeit herrscht und eine extreme Unlogik. Erst über den Prozess wurde es schließlich zu einer persönlichen Geschichte. Ich bin ja letztendlich deswegen verurteilt worden, da ich die geringe Menge nicht zum Eigenkonsum besessen habe. Das Verfahren kann ja nur bei einer geringen Menge zum Eigenverbrauch eingestellt werden. Ich hatte jedoch ausgesagt, dass ich mir das Gras für diese politische Aktion schenken ließ - in Folge wurde ich von der Polizei härter bestraft, als einer, der mit normalem Besitz erwischt wird.

Du sagst, du hast vor dieser Selbstanzeige kaum Cannabis konsumiert - heißt das, dass du danach dann aber ordentlich zugelangt hast?

Georg: Also ich hab' Erfahrungen mit Cannabis - damit gehöre ich zu 12 Millionen Leuten in Deutschland und mehr würde ich niemandem empfehlen, dazu öffentlich zu sagen.

Wenn ich jetzt also frage 'Kifft ihr?' dann sagt ihr beide 'Nein'?

Steffen: Dann sage ich das, was ich auch bei Maischberger gesagt habe, nämlich, dass ich gelegentlich Cannabis konsumiere. Denn das ist die Formulierung, die im Zweifel strafrechtlich noch nicht relevant ist. Wenn man zum Beispiel zugibt, dass man regelmäßig konsumiert, geht man ja auch die Gefahr ein, dass man Post von der Führerscheinstelle erhält - denn die ist schließlich der Meinung, dass Leute, die regelmäßig Cannabis konsumieren, nicht geeignet sind, Kraftfahrzeuge zu führen - auch wenn das nichts mit den Anforderungen des Straßenverkehrs zu tun hat. Dennoch sollte man sich daher lieber mit derartigen öffentlichen Äußerungen zurückhalten.

Zumindest, wenn man Angst vor einer möglichen Strafverfolgung hat...

Steffen: Es muss ja niemand Cannabis konsumieren, um zu begreifen, dass das Verbot mehr Probleme schafft, als es zu lösen vorgibt. Ich hab' ja auch viel Kontakt mit Leuten, die selbst gar nicht konsumieren, aber deren Kinder oder Freunde Probleme damit gekriegt haben. Der Anteil der Leute, die sich für die Legalisierung engagieren - obwohl sie selbst nicht konsumieren - wird immer größer. Es ist ja auch ein gesamtgesellschaftliches Problem - wenn man nun 4 Millionen Leute zu Kriminellen abstempelt, schadet dies ja auch ihren Freunden und Familien, also vielen weiteren Millionen Menschen. Das können Arbeitgeber sein, die plötzlich ins Gefängnis wandern, woraufhin Jobs verschwinden oder wenn ein Familienvater seinen Führerschein verliert und in Folge dessen auch seine Arbeit - dann betrifft die Strafe ja nicht nur den Konsumenten, sondern immer auch sein soziales Umfeld.

Georg: Deshalb versteht sich ja der Deutsche Hanfverband auch als die Vertretung von Legalisierungsbefürwortern und nicht von Cannabiskonsumenten.

Bleiben wir dennoch zunächst bei den Konsumenten. In eurem Buch habt ihr ja auch die gesundheitlichen Risiken des Kiffens aufgeführt - wie lebt ihr selbst mit diesem Risiko und inwiefern beeinflusst es euer eigenes Konsumverhalten?

Steffen: Natürlich ist mir durchaus bewusst, dass der Cannabiskonsum auch für mich nicht risikofrei ist - ich merke auch, dass ich - wenn ich mal an einem Wochenende zuviel gekifft habe - auch gewisse Nebenwirkungen verspüre, meistens Husten oder einen trockenen Hals. Aber ich bin auch Hedonist genug, dass ich mir sage, dass es meine Sache ist, was ich mit meinem Körper anstelle und ihm zumute. Man muss einfach auf die Warnsignale achten und sich gegebenenfalls auch zurücknehmen - dann ist der Cannabiskonsum relativ ungefährlich. Man sollte allerdings nicht zu jung sein und den Konsum auch nicht übertreiben - aber das ist ja mit allen anderen Dingen genauso.

Als Kopf des Deutschen Hanfverbandes bist du ja bemüht, ganz nah am Ohr der Politik zu sein - ist euer Buch dahingehend auch ein Stück Lobbyarbeit?

Georg: Auf jeden Fall - für mich war das der größte Teil der Motivation, ich wollte einen ganz aktuellen Diskussionspunkt setzen. Es ist ja ein Buch, das es - in dieser Zusammenstellung - auf dem deutschen Markt bisher noch nicht gegeben hat. Hier wird ja ein recht breites Themenfeld abgearbeitet - von der Geschichte über die Hilfe für Konsumenten, über Risiken und Nebenwirkungen bis hin zur Legalisierungsfrage. Es zielt also nicht nur auf einzelne Aspekte ab, sondern, befasst sich umfassend mit der Thematik - und zwar wissenschaftlich fundiert und weitestgehend neutral. Natürlich wollten wir schon einen Gegenpunkt zu den vielen Publikationen setzen, die in letzter Zeit diverse Horrormeldungen verbreiten und Hanf ganz pauschal verteufeln - doch 'Rauschzeichen' ist auch kein 'Hanf rettet die Welt'-Buch, welches die Pflanze in den Himmel lobt. Es ging uns um eine möglichst objektive Sicht, die dem Leser vermittelt, dass auch die real existierenden Risiken das generelle Verbot nicht rechtfertigen. Und natürlich hoffen wir auch, dass wir viele Diskussionen anregen - jedes Exemplar, das gelesen wird, wird sicherlich auch diskutiert werden und kann daher viele Meinungen beeinflussen.

Steffen: Diskussionen schaden bei diesem Thema ja nie. Ich selbst habe noch keine ernsthafte Diskussion erlebt, nach der sich die Teilnehmer noch vehementer gegen eine Legalisierung aussprachen - ganz im Gegenteil. Selbst der konservativste bayrische Kirchgänger kapiert langsam, dass die Droge nicht so schlimm ist, wie sie in den letzten Jahren medial dargestellt wurde und dass die Folgen des Drogenverbotes mit der Zeit viel gravierender geworden sind. Es war ja vielleicht wirklich irgendwann einmal ganz gut gemeint, doch die Geschichte hat gezeigt, dass die Verbotsziele nicht erreicht werden können und dass die schädlichen Auswirkungen der Prohibition tagtäglich nur noch schlimmer werden.

Georg: Genau das ist für mich auch ein ganz wichtiger Teil der Motivation, in der Drogenpolitik zu bleiben - es ist längst nicht mehr nur dieses Gerichtsverfahren von damals. Ich habe mich ja nun schon mit einer ganzen Reihe politischer Themen befasst, doch dabei habe ich kein Thema gefunden, bei dem die sachlichen Argumente so sehr auf einer Seite liegen. In der Wirtschaftspolitik hat man beispielsweise die angebotsorientierte und die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik und für beide Sichtweisen gibt es gute Argumente. Man kann sich also ganz individuell aussuchen, was einem einleuchtender erscheint. Bei der Drogenpolitik jedoch - und hierbei ganz speziell im Bezug auf das Hanfverbot - stehen auf der einen Seite sachliche Argumente für die Legalisierung und auf der anderen ganz diffuse Ängste, die für eine weitere Kriminalisierung sprechen, zum Beispiel die medial geschürte Angst um die eigenen Kinder. Dabei ist das eine ganz eindeutige Geschichte - wenn man die Argumente rational abwägt. Das Verbot hat sein Ziel nicht erreicht, das Angebot oder den Konsum zu reduzieren - doch es hat jede Menge negative Begleiterscheinungen.

Wie darf man sich denn eure praktische Zusammenarbeit beim Schreiben dieses Buches vorstellen?

Georg: Wir haben natürlich nicht jeden Satz gemeinsam vorm Computer formuliert - viel mehr haben wir uns die Kapitel und damit die Themenfelder aufgeteilt.

Steffen: Wir arbeiten ja nun schon lange genug zusammen, dass wir uns gut aufeinander einstellen können und wenn man nicht merkt, dass da zwei Autoren am Werke waren und es sich wie aus einer Feder lesen lässt, dann haben wir doch alles richtig gemacht.

Georg: Wir haben auch jedes Kapitel noch mal gegengelesen und diskutiert - manchmal sogar recht lange diskutiert - so dass wir am Ende jetzt beide das Buch - so wie es ist - unterschreiben könnten.

Ich hatte bei der Lektüre den Eindruck, dass ihr dieses Buch in erster Linie für Jugendliche geschrieben habt, auf dass diese das Buch ihren besorgten Eltern zukommen lassen können, um deren Cannabisängste zu zerstreuen...

Steffen: Tatsächlich richtet sich dieses Buch in erster Linie an Eltern, Angehörige oder Lehrer von Cannabiskonsumenten - weil hier nämlich der größte Informationsbedarf besteht. Es bringt doch nichts, ein weiteres Buch für Kiffer zu schreiben - die sind ja in der Regel schon recht gut informiert. Es bringt auch nichts, ein weiteres Buch für die wissenschaftliche Ebene zu schreiben. Wir erleben in unserer täglichen Arbeit, dass besorgte Eltern den größten Informationshunger haben. Und wenn wir mit 'Rauschzeichen' ein Buch geschrieben haben, welches Kiffer ruhigen Gewissens ihren Eltern schenken können, dann freut mich das.

Georg: Dazu kommt ja auch der Verlag - KIWI ist schließlich ein großer und renommierter Verlag und nicht einer, der irgendwelche Kifferbücher herausgibt. Dementsprechend war deren Intention natürlich nicht die, dass man eine neue Hanf-Bibel schreibt, sondern die wollten ein sachliches Buch, das auch normale Leute erreicht. Es ist ja auch erklärtes Ziel des Hanfverbandes, darauf zu achten, dass man nicht nur diesen kleinen, eingeschworenen Kreis der gut informierten Cannabiskonsumenten erreicht, sondern gerade und insbesondere die Anderen. Denn ohne die wird man nie eine Veränderung erreichen - das soll in dem Buch auch so rüberkommen.

Was findet man in eurem Buch, was man in anderen Publikationen nicht findet?

Steffen: Der große Vorteil ist, dass es das erste Buch ist, was tatsächlich für Deutschland und ausgehend von der deutschen Situation geschrieben wurde. Die Standartwerke kranken ja so ein bisschen daran, dass sie sich thematisch auf die USA konzentrieren oder das Ganze mehr so aus einer belletristischen Perspektive angehen. Wir haben versucht zu beschreiben, wie das in Deutschland historisch gewesen ist, wir erklären die notwendigsten Statistiken für den deutschsprachigen Raum: Wie viele Leute kiffen eigentlich und was sind da die Konsumgruppen. Das wirklich Neue und der Grund, warum man das Buch unbedingt kaufen muss, ist sicherlich der Abschnitt, in dem es dann darum geht, wie man die derzeitige politische Situation begreifen kann, welchen Einfluss die Medien auf die gegenwärtige Lage haben, was die Wissenschaft heute sagt und wie sich die Situation für konsumierende Jugendliche zur Zeit darstellt. Gerade letzteres ist ja ein Thema, welches in den Massenmedien gerade heiß diskutiert wird - angeblich kiffen Jugendliche ja immer mehr und immer früher. Aber wie die Situation tatsächlich ist, dass nämlich die Probleme, welche die Schlagzeilen bestimmen, nur einen ganz kleinen Teil der Konsumenten betreffen - das wird nur sehr selten objektiv dargestellt. Dabei gibt es oft ganz harmlose Interventionsmöglichkeiten, die das Potential haben, derartige Probleme mit Cannabis im Keim zu ersticken.

Georg: Auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Politik - beispielsweise was jede einzelne Partei zum Thema Cannabis verlauten ließ - gab es in dieser Form zuvor noch nicht. Außerdem unterscheidet sich unser Buch auch noch in einer anderen Hinsicht von Standartwerken wie z. B. der gelben Hanfbibel von Herer und Bröckers oder Behrs "Von Hanf ist die Rede", denn diese Bücher waren klar parteiische Vorkämpferwerke pro Cannabis. Wir haben uns dagegen sehr um größtmögliche Objektivität bemüht und sind dabei letztendlich auch zu einer klar formulierten Legalisierungsforderung gelangt. Wir haben aber auch die negativen Seiten sehr detailliert dargestellt und sagen jetzt nicht, das ist die Superdroge schlechthin, die jeder nehmen sollte, sondern wir haben auch klare Grenzen und Gefahren aufgezeigt. In den besagten Büchern wird man auch kein Kapitel mit Ratschlägen für Freunde und Angehörige finden, wie diese mit ihnen nahestehenden Menschen umgehen sollten, die wirklich nicht mit Hanf klarkommen.

War dieses Buch auch eine Möglichkeit Geld zu verdienen oder doch wieder so ein Idealisten-Ding?

Georg: Natürlich haben wir dafür auch Geld gekriegt, aber das darf man sich nicht auf einen Stundenlohn umrechnen. Wenn wir die ganze Zeit irgendwo am Fließband gearbeitet hätten, hätten wir sicher viel mehr verdient.

Steffen: Es ging uns dabei ja auch nicht primär um viele Euros. Es hilft uns vermutlich mehr, dass dieses Buch existiert und damit der Name, die Organisation und unser Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Am Ende habe ich lieber keine Urlaubsreise und Hanf legal als umgekehrt.

Georg: Letztendlich ist das Buch ja auch ein Ausdruck der DHV-Arbeit in den letzten fünf Jahren - wir haben uns schließlich ununterbrochen mit Hanf und Hanfpolitik beschäftigt und das ist jetzt im Prinzip das gefestigte Ergebnis dieser Zeit.

Allerdings geht ja die weltweite Drogenpolitik derzeit eher wieder in Richtung verstärkte Prohibition - habt ihr da nicht manchmal auch das Gefühl gegen Windmühlen zu kämpfen?

Georg: Ich glaube, man muss sich vor allem von kurzfristigen Erwartungen freimachen. Ich erinnere mich noch, wie das Mitte bis Ende der 90er Jahre war, als alle dachten, die Legalisierung stünde nun unmittelbar vor der Tür - also wurde gefordert: "Legalisierung, jetzt!" Das hat sich dann natürlich als Trugschluss erwiesen und man musste aufpassen, nicht zu frustriert zu werden aber politische Prozesse laufen nun einmal über längere Zeiträume hinweg - manchmal können sie Jahrzehnte dauern. Die Prohibition selbst ist ja nun schon einige Jahrzehnte alt und es wird auch noch eine ganze Weile dauern, bis sie schließlich enden wird. Aber ich glaube schon, dass wir mittelfristig zu einem Ergebnis kommen werden. Und wenn man sich einmal die internationale Ebene anschaut, dann ist der Trend zu stärkerer Repression auch gar nicht so eindeutig. In manchen Ländern wurde und wird nämlich der Umgang mit Hanf weiter liberalisiert: Nicht nur in England hat es eine Umstufung gegeben und auch in Amerika ist eine Menge passiert - Cannabis als Medizin hat hier riesige Fortschritte gemacht, inzwischen gibt es Zehntausende Patienten, die ganz legal ihr Gras besitzen oder es sogar selber anbauen dürfen. Die haben dann so eine Plastikkarte, die sie gegebenenfalls Polizisten bei einer Kontrolle unter die Nase halten können. Tatsächlich liegt meine persönlich Hoffnung auch darin, dass es im Mutterland der Prohibition das ganze System auch wieder implodiert und in Folge weltweit zusammenbricht.

Steffen: Allerdings muss man nicht unbedingt über den großen Teich schauen um Fortschritte zu sehen. Wie wir auch im Kapitel über die globale und insbesondere europäische Politik schreiben, gibt es ja auch in Europa durchaus Ansätze, die in Richtung Liberalisierung gehen. In Belgien und Spanien gibt es "Cannabis Buyers Clubs", in Spanien wird der Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen toleriert und in Deutschland ist letztendlich auch durch die Entwicklung der bundeseinheitlichen geringen Menge eine viel verlässlichere Regelung geschaffen worden - auch schon ein Fortschritt im Vergleich zu der Situation vor fünf Jahren. Man muss einfach verstehen, dass jede noch so kleine Änderung des Status Quo auch eine größere Änderung des Status Quo wahrscheinlicher macht. Selbst wenn wir jetzt den Eindruck erwecken, dass wir nicht mit großen Schritten vorankommen, ist das aber immer noch besser, als gar nichts zu tun. Denn außer uns Cannabiskonsumenten wird uns niemand helfen - dem Rest der Welt ist unser Schicksal wurscht. Wir müssen schon selbst den Arsch hochkriegen und was tun.

Georg: Dabei ist aber natürlich auch klar, dass wir nicht isoliert vom Rest der Welt in Deutschland zu einer Legalisierung kommen werden - erst recht nicht, wenn sich im Rest der Welt nichts tut. Es braucht schon einen internationalen Zusammenhang - die globale Prohibition kann schließlich nur durch einzelne nationale Verschiebungen auf der UN-Ebene nach und nach aufgeweicht werden, um irgendwann einmal zusammenzubrechen. Wir versuchen einfach, unseren Teil auf der deutschen Ebene beizutragen.

Würdet ihr soweit gehen, den Kampf für eine Legalisierung von Hanf als eure Lebensaufgabe anzusehen?

Georg: Ich hoffe, dass es schneller geht - ich muss nicht unbedingt 65 werden, bis die Legalisierung dann irgendwann mal erreicht ist. Ich kann mir gut vorstellen, mir noch eine andere Lebensaufgabe zu suchen, aber ich bin jetzt auch schon über zehn Jahre intensiv an diesem Thema dran - insofern ist es zumindest eine Lebensabschnittsaufgabe für mich.

Steffen: Mir geht es da ganz ähnlich. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich übermorgen etwas anderes mache - wenn es nicht mehr nötig ist. Aber solange es nötig ist und ich auch noch Spaß daran habe, mich beispielsweise in Diskussionen aufzureiben, werde ich es auch weiterhin machen. Es gibt ja auch nicht allzu viele Alternativen - wenn es jetzt noch drei andere Unternehmen wie den Deutschen Hanfverband gäbe, sodass wir uns sagen könnten, wir lehnen uns mal ein Jahr zurück und lassen mal die Anderen machen, dann wäre das eine ganz andere Sache. Aber die deutsche Cannabisszene ist schon recht übersichtlich - es ist tatsächlich möglich, so ziemlich jeden Aktiven zu kennen. Das ist natürlich ziemlich erschreckend für ein Land mit über 4 Millionen Kiffern bei etwa 80 Millionen Einwohnern.

Ihr glaubt also schon daran, dass ihr die Legalisierung noch selbst miterleben werdet?

Steffen:Wenn ich daran nicht glauben würde, könnte ich morgens - nicht aufstehen und beim DHV arbeiten gehen.

Wie seht ihr überhaupt eure Zukunft und die des DHV?

Steffen: Keine Ahnung - ich weiß ja nicht, was in nächster Zeit gescheht. Es könnte ja auch passieren, dass uns plötzlich die finanzielle Basis unserer Arbeit wegbricht. Ich persönlich könnte es mir nicht leisten, mich auch hier ehrenamtlich zu engagieren - derartiges mache, ich schon bei der Hanfparade oder beim Verein für Drogenpolitik. Es ist mir schon wichtig, dass es irgendwo eine stabile Struktur gibt, die meine Miete bezahlt. Ich muss ja nicht reich werden damit, aber ich möchte schon überleben können.

Georg: Wir dürfen nicht aufgeben und müssen immer mehr werden - bisher haben wir ja leider noch nicht die Größe, um tatsächlich auch etwas politische Macht zu haben. Wenn man unser Budget mit dem von Greenpeace vergleicht - da geht es ja um Zig Millionen im Jahr - dann sind wir dagegen natürlich nur ein Mini-Verband. Dafür machen wir aber schon eine ganze Menge. Und ich glaube, wir haben die stabilste Struktur geschaffen, die es - meiner Meinung nach - je in der deutschen Legalisierungsbewegung gegeben hat. Immerhin arbeiten wir schon lange sehr stabil - beispielsweise auch durch ein ständig besetztes Büro - dennoch müssen wir einfach noch mehr werden, denn wir wollen unsere Arbeit ja nicht nur auf dem bisherigen Level halten, sondern viel lieber noch intensivieren. Dafür brauchen wir einfach noch ein paar mehr Unterstützer.

Wie sprecht ihr denn potentielle Unterstützer an? Was könnt ihr ihnen anbieten?

Steffen: Was wir so alles machen, sieht man ja gut auf unserer Webseite - im Prinzip ist es tägliche Kleinarbeit für die Legalisierung. Wir sprechen mit Journalisten, damit die informierte Artikel schreiben und nicht "Die Seuche Cannabis" oder so was. Dann sprechen wir mit Politikern, damit die vernünftige, zielführende Gesetzesvorschläge machen können. Wir betreuen aber auch Patienten, die öffentlichkeitswirksame Aktionen brauchen, damit sie zum Beispiel ihren Rechtsanwalt bezahlen können. Und nicht zuletzt helfen wir auch Konsumenten, die Probleme mit der Staatsmacht haben. Viele Leute, denen wir dann mal helfen, werden danach Unterstützer, da sie gemerkt haben, dass es allein schon was bringt, dass man da immer jemanden anrufen kann, der selbst schon Ahnung von der Materie hat und auch im Zweifelsfall immer jemanden kennt, der das gerade benötigte Wissen besitzt und weiterhelfen kann.

Georg: Und wir sind ja auch ganz schön nah dran an der Politik - so waren wir schon Auslöser für etliche kleinere Anfragen im Bundestag. Das sind derzeit unsere Highlights in der Lobby-Arbeit, die uns das Gefühl geben, dass sich unsere Anstrengungen lohnen und wir uns sagen können: "Wir sind mittlerweile mittendrin und haben gute Kontakte - da müssen wir einfach weitermachen und das Ganze noch ausbauen!"

Danke für das Gespräch!

Artikel der THCene Ausgabe November/Dezember 2008 "Rauschzeichen - Alles was man über Cannabis wissen muss"


21.11.2008 - Wie heiß ist Spice?

Pro Sieben wollte im Rahmen der Sendung FocusTV über die als Droge genutzte Kräutermischung "Spice" informieren und befragte unter anderem den DHV-Chef Georg Wurth. Der erklärte sich sogar bereit, einen Selbstversuch zu unternehmen, um aus erster Hand über die Wirkung zu berichten.

Sprecherin: ... Per Gesetz soll Spice in Österreich als Medikament klassifiziert werden. Dann wäre mit einem Schlag Schluss mit freiem Handel.

Außerdem müsste der Hersteller eine echte Inhaltsangabe liefern. Denn die derzeitige Zutatenliste lässt zumindest den interessierten Kunden sehr ratlos zurück. Den anderen ist es vermutlich ohnehin egal, was sie sich da reinpfeifen, Hauptsache es wirkt.

Für Georg Wurth, Vorsitzender des Deutschen Hanf Verbandes, sind Spice-Konsumenten deshalb vor allem eins - Versuchskaninchen.

Denn über Langzeitwirkungen ist nichts bekannt. Noch nicht.

Georg Wurth: In der Inhaltsangabe auf Englisch sind also etliche Kräuter genannt, teilweise mit Phantasienamen, soweit ich weiß. Auf jeden Fall ziemlich unbekannte Kräuter auch, die bisher also noch nicht aufgetreten sind als Rauschmittel und dann gibt es noch die wildesten Gerüchte, dass da möglicherweise Chemikalien zugesetzt worden sind, vor allen Dingen.

Andere sagen, es ist ein Extrakt aus den Kräutern gemacht worden und damit ist eben diese Mischung verstärkt worden. Was dann erstmal ok wäre soweit. Aber da mangelt es auch ein bisschen an staatlicher Kontrolle.

Sprecherin: Eines kontrolliert der Staat jedoch ganz genau - seine Steuereinnahmen. Und solange Spice legal zu haben ist, verdient die Bundesregierung an jedem Päckchen mit.
Allerdings nicht so viel, wie die Hersteller. Deren Gewinnspanne - um die fünf Euro pro Gramm.

Georg Wurth: Laut Hersteller, hab' ich heut morgen gelesen, werden im Moment im Monat 13.000 solche Packungen verkauft. Das klingt erstmal sehr viel.
3 Gramm sind drin, also ungefähr 40.000 Gramm im Monat. Das sind im Jahr 480 Kilo etwa, hab' ich eben mal überlegt. Klingt auch erstmal sehr viel, aber wir können davon ausgehen, dass ungefähr das 1000fache an Cannabis konsumiert wird in Deutschland.

Sprecherin: Spicekonsum ist wie gesagt legal. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, denn die Bundesregierung übt sich in Zurückhaltung.
... Beitrag der Pro Sieben Sendung Focus TV vom 21.11.2008 " Wie heiß ist Spice?"

In seinem Blog informiert Georg Wurth ausführlich über das Interview - was er noch gesagt hat, aber von Focus TV nicht gesendet wurde.


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