Presseecho - 2007


 

Die Berichterstattung im Jahr 2007 war von "Streckmitteln in Marihuana" geprägt. Außerdem gab ein Fernsehauftritt von Steffen Geyer dem DHV die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.


02.02.2007 - Prozess gegen Cannabiszüchter

Weil sich drei Berliner vor Gericht wegen des illegalen Anbaus von Cannabis verantworten mussten, informierte der RBB in der Nachrichtensendung Abendschau über den juristischen Status der Pflanze Hanf und Probleme mit gesundheitsschädlichen Streckmitteln. Zu Wort kam dabei auch Georg Wurth vom DHV.

"Und das fängt an mit Glasstaub, Talkum, teilweise auch Plastik oder Zucker, also alles Dinge, die die relativ weiche und erträgliche Droge zum teilweise gefährlichen Mix machen und eben sicherlich viele Leute auch dazu bewegen, ihren eigenen Hanf anzubauen um dann auch entsprechend gesundheitlich auf der sicheren Seite zu sein.
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Den Anbau zu legalisieren sei das beste Mittel gegen organisierte Kriminalität, meint der Hanfverband.

Weil sie bei Eigenproduktion keinerlei illegale Strukturen mehr unterstützen, wie das jetzt der Fall ist. Wenn man seine 2 Gramm auf dem Schwarzmarkt kauft, dann unterstützt man letztendlich diejenigen, die das illegale Geschäft betreiben. RBB-Abendschau vom 20.02.2007


15.03.2007 - Wird Kiffen ungesund?

Das Berliner Kulturmagazin Tip ging im April 2007 der Frage nach, ob der Konsum von Cannabis durch Streckmittel gefährlicher geworden ist. Anlass für den Artikel war die umfangreiche Berichterstattung des DHV über gestrecktes Gras und gesundheitsgefährdende Verunreinigungen.

Die Lieblingsdroge der Berliner wird mit einem fiesen Mix aus Chemie und Abfall gestreckt
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Der Grashandel orientiert sich genauso am Profit wie alle anderen Branchen auch. Mit dem Unterschied, dass es im Untergrund keine Qualitätskontrollen und keine Gütesiegel gibt. Und weil die Kunden Gras nach Gewicht bezahlen, war für Züchter und Dealer schnell klar, worum es beim Strecken geht: Das Marihuana soll schwerer gemacht werden, als es ist. Deshalb greifen die Züchter zu ebenso erfindungsreichen wie gefährlichen Tricks. Die alten Methoden aus den Sechzigern, Gras mit Nutzhanf zu strecken oder zermahlene Stängel als Blütenstaub beizumischen, haben ausgedient. Sie sind nicht lukrativ genug.
"Seit einiger Zeit gibt es eine neue Qualität des Streckens", erklärt Georg Wurth vom deutschen Hanfverband (DHV). "Die Züchter feilen am Profit auf Kosten der Gesundheit der Konsumenten." Wurth hat kurze Haare, eine Metallbrille und sitzt mit seinem Notebook in seinem Büro in einem Hinterhaus im Prenzlauer Berg. Der Mann ist kein Kiffer, sondern Lobbyist. Er kennt sich mit Gras aus, weil er sich hauptberuflich für die Legalisierung der Droge einsetzt. Bundesweit bekannt wurde er, als die Polizei vor Jahren seinen Nutzhanf beschlagnahmte und der Grünen-Politiker Christian Ströbele lautstark forderte, "das Hanf freizugeben". Wurths Informationen über die neuen Streckmethoden decken sich mit den Aussagen des tip-Informanten aus der Szene. "Wir greifen auf zwei unterschiedliche Methoden zurück", sagt der Dealer. Zum einen werden fertige Blüten mit einer Glasur überzogen. Das erhöht nicht nur das Gewicht, sondern lässt sie auch glänzend aussehen und klebrig werden. Glanz und Klebrigkeit gelten als Merkmale von hochwertigem und frischem Gras. Noch perfider ist jedoch, dass während des Wachsens in regelmäßigen Abständen winzige Partikel über die Blüten geworfen werden, die auf dem Gewächs haften bleiben und beim weiteren Wachstum langsam überwuchert werden. Der Deutsche Hanf Verband kennt die Zusatzstoffe. Georg Wurth hat folgende "Glasurmittel" identifiziert:

  • Haarspray
  • aushärtendes Flüssigplastik
  • Zuckerglasur

"Über die wachsenden Blüten", erklärt Wurth, "streuen die Züchter große Mengen an feinem Granulat." Das können sein:

  • Glas, oft zermahlen bis zu feinstem Glasstaub
  • feiner Sand
  • feines Plastik-Granulat
  • zermahlener Vogelstreu

"Sogar ein Mittel, das nur zum Strecken hergestellt wird, gibt es bereits", sagt Wurth. "Brix wird in den USA und Australien hergestellt." Die Flüssigkeit bestehe aus Zucker, Aminosäuren und Wachstumshormonen für grüne Blätter. Wird Brix verbrannt, entstünden erbgutverändernde und krebserregende Substanzen. Das Mittel sei in Europa erhältlich.
Die Züchter werden nicht nur von Ihrer Gier nach Geld getrieben. Sie stehen selber unter Druck. "154 Züchter haben wir 2005 in Berlin festgenommen", sagt Rüdiger Engler, Leiter des Rauschgiftdezernates beim Landeskriminalamt. 10.000 Pflanzen hat die Polizei dabei beschlagnahmt. Letztes Jahr wurden ähnlich viele Plantagen ausgehoben, aber über 24.000 Pflanzen beschlagnahmt: Die Züchter bauen aus - und werden erwischt. Circa 200 Kilogramm geerntetes Gras hat die Polizei letztes Jahr alleine in Berlin im Zug ihrer Ermittlungen mitgenommen. "Im europäischen Ausland werden große Plantagen inzwischen mit Wärmebildkameras aus Hubschraubern gesucht", sagt Wurth. Wer da noch das Risiko eingeht und züchtet, möchte möglichst viel Geld für seine Arbeit bekommen. Die ständige Verknappung des Angebots bei gleich bleibender Nachfrage steigert bei den Züchtern die Verlockung, aus weniger mehr zu machen. Pech für die Konsumenten.

Die friedliebenden Kiffer haben die Profitgier ihrer Versorger unterschätzt. Für Dealer sind alle Kunden Junkies, und mit Junkies kann man machen, was man will.

"Auf dem Gras rumkauen und daran lecken" sagt Georg Wurth, "ist das Einzige, was helfen kann, gestrecktes Gras zu identifizieren."
... Artikel des Magazins TIP 07/2007 " Wird Kiffen ungesund?"


15.03.2007 - Jagd auf Kiffer

Das Berliner Stadtmagazin Zitty machte aus der Problematik "Eigenanbau aus Angst vor Streckmitteln" sogar eine Titelstory. Wieder kam Georg Wurth zu Wort und informierte über bekannte Verunreinigungen und den Einfluss der niederländischen Cannabispolitik auf den deutschen Hanfmarkt.

Weil die Qualität auf dem Schwarzmarkt verfällt, züchten immer mehr Berliner ihr Gras zu Hause. Und geraten damit in das Visier der Drogenfahndung
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Dass sich die neue Berliner Linie nicht nur gegen Profi-Banden, sondern vor allem gegen kleine Kiffer wenden könnte, die einige wenige Pflanzen zum Eigenverbrauch bei sich zu Hause züchten, befürchtet Georg Wurth vom Hanfverband. Während in Berlin die Strafverfolgung in der Regel ausbleibt, wenn ein Konsument mit bis zu 15 Gramm Haschisch oder Marihuana erwischt wird, ist der Besitz selbst eines einzigen Hanfsetzlings verboten. Und wird verfolgt, bestätigt auch Polizeisprecher Hansjörg Dräger: "Wir werden bei jeder Cannabispflanze tätig." Auch Heimgärtner Jochen weiß um das Risiko seiner kleinen Schrankzüchtung. Er versucht deshalb in seinem Alltag möglichst nicht bei der Polizei auffällig zu werden. Er gehe nie ohne Ausweispapiere aus dem Haus, halte sich beim Autofahren stets an die vorgeschriebene Geschwindigkeit und fahre in öffentlichen Verkehrsmitteln niemals schwarz. "Alltagskriminalität kann ich mir nicht leisten", sagt er. Den Eigenanbau hat er gestartet, weil er nicht mehr "dieses schlechte Zeugs" rauchen wollte, das man in düsteren Ecken "von Typen angeboten bekommt, von denen man nicht einmal ein Auto kaufen würde".

"Wir haben im Marihuana nicht nur Sand, Talkum und Glassplitter entdeckt, sondern auch Plastikfetzen." Georg Wurth, Hanfverband
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Den verstärkten Trend zum Cannabis-Anbau in Deutschland beobachtet Georg Wurth vom Hanfverband schon seit einigen Jahren. Einerseits haben viele kommerzielle Hanfbauern ihre Aktivitäten von den Niederlanden, von wo das Gros des auf dem Schwarzmarkt verkauften Marihuanas kommt, nach Deutschland verlagert. Sie reagieren auf die zunehmend repressive Politik der konservativen niederländischen Regierung.

2004 hatte das Kabinett des niederländischen Ministerpräsidenten Balkenende in einem "Cannabis-Brief" angekündigt, schärfer gegen das illegale Geschäft vorzugehen. Seitdem werden die Coffeeshops stärker kontrolliert und der illegale Anbau von Hanf eingeschränkt. Mittels Hubschrauber und Wärmebildkamera wird inzwischen regelrecht Jagd auf die illegalen Plantagen gemacht.
Die Verknappung des Angebots hat laut Georg Wurth einen radikalen Verfall der Qualität nach sich gezogen. Immer mehr von dem auf dem Schwarzmarkt angebotenen Marihuana sei gestreckt. "Wir haben nicht nur Beimischungen von Sand, Talkum und Glassplittern entdeckt", so Wurth, "sondern auch Plastikfetzen, mit denen das Gras bestäubt wurde, um es schwerer zu machen". In der aktuellen Ausgabe des Szenemagazins "Hanfjournal" wird vor einer besonders üblen Zutat gewarnt: In einer Massenspektrometer-Analyse wurde neben Zucker und Hormonen flüssiger Kunststoff entdeckt, der die Blüte besonders hochwertig aussehen lässt. Der Hanfverband hat Offene Briefe an das Bundesgesundheitsministerium, an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und an die drogenpolitischen Sprecher der Fraktionen formuliert, in denen er auf das Problem aufmerksam macht. Unter www.hanfverband.de kann man sich an einer Protestmail-Aktion beteiligen. Eine Reaktion seitens der Politik, so Georg Wurth, sei jedoch bisher ausgeblieben.

Anbau zum Eigenbedarf legalisieren

Nach Ansicht des Verbandssprechers ein Grund mehr, den Heimanbau von Cannabis für den Eigenbedarf zu entkriminalisieren. Nach aktuellen Befragungen wird die Zahl der Kiffer in Deutschland auf rund 1,5 Millionen beziffert. Heruntergerechnet auf Berlin wären das knapp 67.000 Personen. Die meisten besorgen sich ihren Stoff nach wie vor auf dem Schwarzmarkt, an einschlägig bekannten Orten in Berlin - illegal natürlich. Die regelmäßigen Razzien der Polizei zum Beispiel im Volkspark Hasenheide in Neukölln und im Weinbergspark in Mitte zeitigen keine langfristige Wirkung. Stattdessen hob die Polizei im Februar wieder einen Heimgärtner aus.

Diesmal erbeutete sie sage und schreibe 60 Cannabispflanzen, die man sich offenbar auch noch zu dritt geteilt hatte. "Als der 24-jährige Wohnungsinhaber öffnete, klickten bei ihm und zwei weiteren anwesenden Tätern (26 und 27 Jahre) sofort die Handschellen", berichtete die Polizei stolz wie Bolle, als hätte sie einen Drogenring gesprengt. Am ersten Märzwochenende wurde ein 43-Jähriger in Neukölln festgenommen. Er wurde von seinem Nachbarn angezeigt, der durch den Geruch auf die Pflanzen aufmerksam wurde. Dass hier demnächst mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden könnte, befürchtet nicht nur taz-Berlin-Chef Gereon Asmuth. In einem Kommentar empfiehlt er, die Politik solle sich "ganz entspannt zurücklehnen und den zarten Pflänzchen eine Amnestie gewähren". Eine Amnestie für Balkon- und Kleinpflanzer wäre sicher nicht nur im Sinne der Gesundheit und der Entkriminalisierung von Kiffern, sondern würde auch dem Stadtgrün gut tun. Titelstory des Magazins Zitty 06/2007 " Jagd auf Kiffer"


26.04.2007 - Was im Gras drin ist

Die TAZ beschäftigte sich mit der Problematik gesundheitsgefährlicher Streckmittel in Marihuana und stellte der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing dabei auch Fragen, die sie dem DHV vorher nicht beantworten wollte.

Vorsicht beim Marihuana-Kauf: Weil die Ware knapp ist, strecken Dealer den Stoff mit Sand, Plastik und Haarspray

Lange galt Marihuana als natürliche Droge, frei von Streckmitteln. Das hat sich in jüngster Zeit geändert. Der getrockneten Blüte der Cannabispflanze werden neuerdings Substanzen wie Talkum, Zucker, Plastik, Sand und kleine Steine beigemischt. Sogar Lack, Haarspray und Zucker werden aufgesprüht, um die Streckstoffe an die Blüten anzukleben. Davor warnt der "Deutsche Hanf Verband".

Dealer des immer noch illegalen Stoffes wollen das Marihuana schwerer machen und damit mehr Geld verdienen. Georg Wurth vom Hanf-Verband sieht darin eine europaweite Erscheinung. Seine Erklärung: ein Engpass auf dem Marihuana Markt. "Der resultiert insbesondere aus der verstärkten Verfolgung in den Niederlanden, von wo aus praktisch der ganze europäische Markt beliefert wurde." In England zum Beispiel hat das Gesundheitsministerium bereits eine Warnung an die Bevölkerung herausgegeben wegen winziger Glassplitter, die für die Lunge schädlich sein können. Auch das luxemburgische Gesundheitsministerium warnt. In Frankreich ist es vermutlich bereits bei zwei Personen zu ernsthaften Atemwegserkrankungen gekommen.

"Bei starker Inhalation von Sand oder fein zermahlenem Glas kann es zu einem langfristigen Entzündungsprozess in der Lunge kommen", sagt Dieter Köhler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Georg Wurth ruft daher nach staatlicher Hilfe: "Es wäre unser Wunsch, dass sich die Regierung damit auseinandersetzt, was da im Gras drin ist." Um die Kiffer zu schützen, hat der Hanfverband einen Protestmailer eingerichtet. Die Bundesregierung wird hier nicht nur aufgefordert, das gestreckte Gras zu untersuchen, sondern auch öffentliche Stellen zu schaffen, bei denen Konsumenten das Marihuana auf mögliche Beimischungen prüfen lassen können.

Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, wirkt etwas ratlos: Sie wusste nichts von der neuen Entwicklung in ihrem Fachgebiet, bis der Verband ihr schrieb. Auch das Bundeskriminalamt hat bis heute keine Erkenntnisse darüber, dass Marihuana überhaupt gestreckt angeboten wird. Sabine Bätzing beteuert, dass sie das ihr noch wenig vertraute Problem ernst nehme. Was sie allerdings unternehmen will, um Konsumenten zu schützen, verrät sie nicht: "Wir kommen als Staat in eine schwierige Situation, wenn wir sagen, wir prüfen diese illegale Substanz, weil das dann einer Unbedenklichkeitserklärung gleichkäme." Pech für die rund zwei Millionen deutschen Kiffer. Georg Wurth rät den Konsumenten, ihren Stoff selbst auf Reinheit zu prüfen: "Man sollte das Marihuana anschauen, ob irgendwelche Anhaftungen daran sind, und es über einem Blatt ausschütteln. Man kann es auch in den Mund nehmen und schauen, ob es knirscht." Was bleibt, ist ein ekliger Nachgeschmack. Artikel der TAZ " Was im Gras drin ist"


13.05.2007 - Cannabis, jetzt kommt auch Schuhcreme in die Tüte

Streckmittel in Cannabisprodukten entwickelten sich im Frühjahr 2007 zu einem traurigen Dauerbrenner. Auch der Focus griff das Thema auf und befragte Georg Wurth vom Deutschen Hanf Verband.

Seit kurzem wird Cannabis unter anderem mit Schuhcreme, Plastik und Sand gestreckt. Nun entbrennt erneut die Diskussion um die Legalisierung von Marihuana.
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Bis zu 80 Prozent sind verseucht

Laut dem Deutschen Hanfverband ist hierzulande mittlerweile der Großteil des Marihuanas verseucht, in einigen Gegenden sollen es sogar bis zu 80 Prozent sein. "Nur wenn der Konsument das Gras selbst anbaut, ist er auf der sicheren Seite", sagt Georg Wurth vom Hanfverband zu FOCUS Online.
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Das Phänomen des gepanschten Hanfs soll sich bereits über ganz Europa erstrecken -- von Polen bis nach Spanien. "Der Hauptgrund ist die stärkere Verfolgung in den Niederlanden, denn die haben bislang fast ganz Europa versorgt", sagt Wurth.
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Schwere Vorwürfe an die Bundesregierung

Die Verfolgung der Hanf-Produktion in den Niederlanden habe zu einer Verlagerung der Produktion nach Deutschland geführt. "Hier gibt es aber auch mehr Leute, die nicht nur Hanf anbauen, sondern auch im kriminellen Umfeld operieren - auch mit Waffen", sagt Wurth. Für das gestreckte Gras macht er die Kriminalisierung des Hanfs verantwortlich. Würde der Stoff legalisiert und in Fachgeschäften zu kaufen sein, gäbe es auch keine Verunreinigungen. Bei Zigaretten, die auch der staatlichen Kontrolle unterstehen, gebe es ja auch kein Plastik oder Sand zwischen dem Tabak.
Wurth fordert die Bundesregierung auf, zu überprüfen, was genau derzeit im Hanf ist. "Von der Regierung ist es grob fahrlässig zu sagen, dass sie sich nicht um das Problem kümmern will, weil Marihuana ohnehin nicht legal ist. Wir werden bald viele Kiffer in den Krankenhäusern sehen. Dann mache ich die Drogenbeauftragte persönlich dafür verantwortlich, weil sie seit Monaten den Kopf in den Sand steckt."

Geschwüre im Mund durch Glassplitter

Die Drogenbeauftragte der CDU-Bundestagsfraktion, Maria Eichhorn, hat dem Hanfverband bereits auf einen entsprechenden Brief geantwortet. Cannabis sei keine Spaßdroge wie von vielen jungen Menschen fälschlicherweise angenommen, sondern diene als Einstiegsdroge. Eichhorn will daher weiter auf Prävention setzen, um "den Cannabiskonsum junger Menschen zu verhindern und nicht durch die von Ihnen geforderten Maßnahmen zu unterstützen". Artikel von Focus Online vom 13.05.2007 " Cannabis- Jetzt kommt auch Schuhcreme in die Tüte"


15.05.2007 - Sind wir eine gedopte Gesellschaft?

Im Mai 2007 hatte Steffen Geyer die Möglichkeit, an der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" teilzunehmen. Im Gespräch mit der Moderatorin und den anderen Gästen warb er dafür, Drogenpolitik so zu gestalten, dass sie möglichst viele Problemkonsumenten erreicht, ohne unnötig in das Leben der Konsumenten ohne Substanzprobleme einzugreifen.

Jedem seine Droge - Sind wir eine gedopte Gesellschaft?

Sandra Maischberger (Moderatorin): Jedem seine Droge, sind wir eine gedopte Gesellschaft, ist mein Thema heute, weil der letzte Bundesdrogenbericht vor ein paar Tagen bekräftigt hat, was manche schon wussten. Nämlich Jan Ulrich ist nicht unser Problem. Sondern unser Problem sind Sachen wie diese hier - handelsübliche Schmerzmittel, die genommen werden eben nicht nur gegen Schmerzen, sondern wegen der angenehmen Nebenwirkungen von fast 2 Millionen Menschen in diesem Land.
Wir wollen also heute über die so genannte stille Sucht reden. Wir wollen auch über die Legalisierung von Hasch reden und über den Druck in der Gesellschaft, der möglicherweise mehr zum Doping greifen lässt, als man glaubt. Meine Gäste sind heute
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Steffen Geyer ist Lobbyist vom Deutschen Hanf Verband. Er vertritt, wenn man so will, wahrscheinlich auch die 2 Millionen Deutschen, die regelmäßig Haschisch oder Marihuana konsumieren. Er fordert die Legalisierung.
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Sandra Maischberger: Herr Geyer, würden Sie sagen, Cannabis macht nicht abhängig?

Steffen Geyer: Nein, man kann sicher nicht ausschließen, dass man psychische Abhängigkeiten entwickelt. Es gibt ja auch Menschen, die ihr Leben damit verbringen, dass passende Suchtmittel zu finden, um endlich in die Abhängigkeit rein zu finden, die sie sich wohl fühlen lässt. Und die probieren dann aus. Und probieren, in der Schule werden sie sicherlich früher oder später damit konfrontiert werden, Cannabis aus. Und dann gibt es einen geringen Prozentsatz, sagen wir zwei oder fünf Prozent der Konsumenten, die ne psychische Abhängigkeit entwickeln. Und je früher das geschieht, dass ist völlig unstrittig, umso gefährlicher ist das auch.

Sandra Maischberger: Kiffen Sie?

Steffen Geyer: Gelegentlich. Ja!

Sandra Maischberger: Sagen Sie das jetzt nur, weil es politisch korrekt ist?

Steffen Geyer: Ich sage das in erster Linie, weil es strafrechtlich korrekt ist.

Sandra Maischberger: Ok. Verstehe. Aber ich meine doch, wenn man doch einen Hanfverband, also der Vorsitzende eines Hanfverbandes ist, ist man doch erst einmal Vertreter derjenigen, die Hanf industriell nutzen, um eben Kleidungsstücke zu produzieren oder was auch immer. Aber man vertritt ja auch die, die es konsumieren. Kann man das dann guten Gewissens tun?

Steffen Geyer: Ja, natürlich! Das Problem ist ja nicht, dass es Cannabis gibt, sondern - wie geht die Gesellschaft damit um. Und den 10.000 Jahren legale Cannabisnutzung, die unsere Großeltern beendet haben, stehen jetzt 50 Jahre Verbotspolitik gegenüber, mit den Ergebnissen, die dann wieder der Droge zugerechnet werden. Die Konsumenten werden immer jünger. Die Verfügbarkeit steigt.
Es gibt heute keinen 14-jährigen mehr, der an der Schule nicht wenigstens zwei drei kennt, bei denen er was kaufen könnte. Das war im letzten Jahrhundert noch anders, da gab es eine Zeit lang Cannabis nur in Apotheken zu erwerben. Da waren die Schulen noch relativ drogenfrei.

Wenn Leute Probleme mit ihrem Konsum entwickeln, fällt es ihnen viel schwerer sich an Hilfsangebote zu wenden, weil immer im Hinterkopf der Gedanke ist - vielleicht geht der Arzt zur Polizei. Da kann man den Problemkonsumenten auch zehnmal als vertrauensvoller Ansprechpartner sagen - Nein. Da gibt es eine Schweigepflicht. Geh zur Drogenberatung! Nimm deine Eltern mit, es kann dir nur helfen.
Aber es gibt da sehr viele Berührungsängste mit staatlichen Angeboten, die auf das Verbot zurück zu führen sind.

Sandra Maischberger: Und deshalb sagen Sie - lieber gleich legalisieren?

Steffen Geyer: Lieber gleich legalisieren. Ne ehrliche Aufklärung machen. Nicht verschweigen, dass es durchaus einen Anteil Konsumenten gibt, die ihr Leben lang konsumieren, ohne Probleme zu entwickeln. Es gibt keine tödliche Dosis.

Die Einstiegsdrogentheorie ist widerlegt. In dutzenden Studien wurde nachgewiesen, dass Cannabiskonsum nicht zwangsläufig zum Konsum härterer Drogen führt, sonst hätten wir heutzutage auch viel mehr Heroinkonsumenten oder Kokainkonsumenten.
Die 68er Generation, die heute an der Macht ist, ist der beste Gegenbeweis. Die sind ja auch nicht alle in den frühen 70ern "an der Nadel" gelandet.

Sandra Maischberger: Die sind jetzt süchtig von Politik. Ist das besser? Nein. Wurscht.
Wenn Sie jetzt so ne Reihenfolge oder ne Rangliste machen würden, halten Sie Cannabis für harmloser als Alkohol zum Beispiel?

Steffen Geyer: Ich wehre mich immer sehr dagegen zu sagen, es gibt harte Drogen und weiche Drogen und manche Drogen sind besser als andere. Das ist immer ne Frage des Konsummusters.
Ich kann mir vorstellen, dass es auch mit Kokain oder Heroin einen verantwortlichen, selbstbewussten Umgang gibt. Sicher ist das mit Cannabis und Alkohol deutlich leichter. Genauso wie es Menschen gibt, die Medikamente nehmen ohne Abhängigkeiten zu entwickeln.

Aber es gibt auch immer die Möglichkeit des Missbrauchs und des Kontrollverlusts über den eigenen Konsum. Und das ist bei Cannabis eher selten der Fall.
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Brigitta Reitz (Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher): Die heutigen Anfänger sind sehr viel jünger. Das heißt sie können nicht vernünftig mit Dingen umgehen, weil sie das gar nicht übersehen und überdenken können.
Und, darüber dürfen wir uns auch nicht hinwegtäuschen, das Cannabis, Haschisch und Marihuana, ist sehr viel stärker, und zwar ja extra gezüchtet, um praktisch abhängiger zu machen.

Steffen Geyer: Erstaunlicherweise sieht die Europäische Drogenbeobachtungsstelle und das BKA genau diesen Fakt anders. Natürlich gibt es heute Spitzensorten, deren Werte höher liegen, aber das durchschnittliche gefundene Marihuana ist heute genauso stark oder weniger stark, wie zu Zeiten der 68er.
Die waren ja damals nicht alle doof. Die haben ja auch geraucht, weil es eine Wirkung hatte. Wenn das Gras heute soviel stärker wäre als damals, müsste man ja sagen - da hat eine ganze Generation das Geld verbrannt ohne jemals eine Wirkung zu verspüren.

Sandra Maischberger: Ja. Aber trotzdem muss man ja mal fragen, was man heute damit macht. Also auf Ihrer Homepage schlagen Sie ja vor, dass man den Dealer sozusagen ersetzt, durch ein speziell ausgebildetes Verkaufspersonal für kompetente Kundenberatung. Ein Lehrgang mit Prüfung ist vorstellbar. Die Prüfung wäre dann bei einer Organisation wie der IHK.
Für wen würden Sie das empfehlen? Also, Freigabe für alle Altersgruppen konsequenterweise? Oder dann doch erst ab 18?

Steffen Geyer: Ich halte eine Altersgrenze für sinnvoll. Die Frage ist, ob wir mit einer Altersgrenze 18 Jahre die richtigen Leute erreichen.

Weil unser Problem sind ja nicht die 20- 25-jährigen Cannabiskonsumenten, die den Konsum in ihr Leben integriert haben und ne normale Familie haben und ihrem Job nachgehen.
Das Problem sind die 12- 14- 16-jährigen Probierkonsumenten, die noch nicht wissen - welche Droge gefällt mir. Die sich genauso gut auch in den Vollrausch hineinfeiern und dann freitags losgehen und vor der Disko schon mal ne Flasche Vodka leer trinken oder ähnliches.

Und ob man diese Menschen mit einer Altersgrenze "Ab 18 Jahre" erreicht, halte ich für sehr fraglich.
Und am Ende muss es bei Drogenpolitik ja darum gehen, wie helfe ich den Problemkonsumenten. Und die Problemkonsumenten erreiche ich halt nicht mit dem Strafrecht und auch nur schwer mit hohen Altersgrenzen.

Schauen Sie sich die USA an. Altersgrenze für Alkohol 21 Jahre - Es gibt einen deutlich höheren Anteil von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen, weil der kulturelle, gesellschaftliche Umgang mit dem Rauschmittel verloren geht im laufe der Zeit.
Die Cannabiskultur heute ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Es geht kaum jemand zu seinen Eltern und sagt - wann ist es denn wichtig nicht zu kiffen - Punktnüchternheit, solche Sachen. Dafür gibt es keine gesellschaftlich gewachsenen Regeln mehr.

Sandra Maischberger: Sie sagen im Prinzip, man kann das in sein Leben integrieren. Mit nem guten Umgang.
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Brigitta Reitz: Aber ich denke, es liegt ein bisschen daran, dass wir auch in der Gesellschaft das Bewusstsein verändern müssen, dass Rausch

Steffen Geyer: Aber das tun die Leute doch aber - fortwährend. Ihr Bewusstsein verändern.

Brigitta Reitz: Nein. Sie wollen ihr Bewusstsein verändern mit irgendwelchen Tabletten, Alkohol, Drogen.

Steffen Geyer: Ja, aber ob sie nun Sport treiben oder exzessiv Computer spielen.

Brigitta Reitz: Nein. Ich denke nur - Alles, was exzessiv gemacht wird und was vielleicht andere Beschäftigungen verhindert oder einschränkt, dann wird es eben gefährlich. Und wenn ich es merke bei Jugendlichen, dass die sich dann nach ersten Cannabiserfahrungen - einige, sicher nur wenige - dabei bleiben und plötzlich nur noch Haschisch rauchen und zwar morgens schon anfangen. Und dann nicht in die Schule gehen. Vom Gymnasium, als vorher mal wirklich intelligente junge Leute, vom Gymnasium runter gestuft werden auf Realschule, auf Hauptschule und dann nicht mal den Hauptschulabschluss mehr machen. Nur mit Haschisch!

Steffen Geyer: Ja, aber die Frage ist doch, ob ich diesen Menschen mit Polizei und Staatsanwalt helfen kann. Kann ich einen verhindern, der mit Haschisch abstürzt, damit? Nein, offensichtlich nicht. Sonst würden es nicht immer mehr werden.
Also muss man doch den Mut haben und sagen - es war vor 50 Jahren ein falscher Schritt, diese Drogen illegal zu machen, weil wir sie der gesellschaftlichen Kontrolle entrissen haben. Heute muss ich zu einem Dealer gehen und weiß nicht, ob ich nicht vielleicht Glassplitter in meinem Gras habe. Jeder Zigarettenkonsument und Alkoholkonsument hat wenigstens das Recht auf saubere Drogen.

Brigitta Reitz: Na so einfach ist das jetzt nicht. Es geht ja nicht um die Verunreinigungen. Sind ja da. Diese Jugendlichen. Also Hasch, wissen sie, kriegt man heute nicht unbedingt nur beim Dealer - Steht nicht der Schwarzhäutige vor der Schule und verführt arme junge Kinder.
Sondern, das erste Haschisch kriegt man im Freundeskreis, nich? Bis man mal zu einem Dealer geht, da ist man schon abhängig.

Und diese ersten Haschischgebraucher die landen auch nicht bei der Polizei, sie wissen das selbst. Die Meisten.

Steffen Geyer: Gerade Jugendliche, die landen bei der Polizei. Die landen dann in den Drogenberatungen, weil sie das als Gerichtsauflage kriegen, damit da die Statistik stimmt.

Brigitta Reitz: Und davon werden dann auch einige zumindest mal aufgeklärt, dass es durchaus gefährlich ist.

Menschen bei Maischberger vom 15.05.2007 "Jedem seine Droge: Sind wir eine gedopte Gesellschaft?"


16.05.2007 - Süchtige bei Maischberger

Die Maischbergersendung mit einem DHV-Vertreter rief ein breites Medienecho hervor. Der Spiegel zog eine positive Bilanz.

Hanf-Aktivist Steffen Geyer argumentierte differenziert und klug für eine kontrollierte Legalisierung von Cannabis bei gleichzeitiger Aufklärung über Wirkung und Risiken. Artikel auf Spiegel Online vom 16.05.2007 " Süchtige bei Maischberger - Nüchtern bis schüchtern"


16.05.2007 - Stoiber, Blondinen und der Steffen vom Hanfverband

Auch das Web-Newsportal Businessnews berichtete über die Maischberger-Sendung.

Menschen bei Maischberger - Souveräne Leistung

Mit dem 28-jährigen Steffen Geyer kam dann auch der Vorsitzende des Deutschen Hanfverbandes zu Wort, dessen Argumente zur Legalisierung von Cannabis glücklicherweise mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandelt wurden wie die Äußerungen aller anderen Gäste. Ein sehr gesittetes und geordnetes Gespräch, das die Moderatorin souverän leitete und bei dem man ebenso viel über legale wie über illegale Drogen erfuhr. Artikel der Businessnews vom 15.05.2007 "Stoiber, Blondinen und der Steffen vom Hanfverband"


16.05.2007 - Zehn Minuten sexuelle Stimulation

Weniger gut kam Steffen Geyers Auftritt in der Berichterstattung der Berliner Morgenpost weg. Der Artikel erschien gleichlautend auch in der Welt vom 17.05.2007.

Bei Sandra Maischberger wurde über die gedopte Gesellschaft gesprochen. Dabei war die Sendung so, wie manche Sucht zur Gewohnheit wird: erstaunlich normal, erschreckend unauffällig. Es zeigte sich: Viele Klischees stimmen, und Befürworter einer Cannabis-Legalisierung müssen dringend an ihren Argumenten feilen.
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Gemeinsam mit den beiden positionieren sich die weiteren Gäste gegen einen Verfechter der Hanf-Legalisierung, den selbst die Maischberger nicht so wirklich ernst nehmen kann: Nach seinem eigenen Hanfkonsum befragt, sagt Steffen Geyer vom Vorstand des Deutschen Hanfverbandes: "Ich kiffe gelegentlich“ – Maischberger: "Sagen Sie das, weil es politisch korrekt ist?“ – Geyer: "Weil es strafrechtlich korrekt ist“ – Maischberger: "Verstehe...“. Als in der Diskussion das Argument fällt, die Gesellschaft müsse ihr Drogenbewusstsein verändern, grätscht er vorwitzig dazwischen, dass sie doch schon ständig ihr Bewusstsein verändere.

Irgendwann spricht er vom Recht auf saubere Drogen, und dass das Hanf-Verbot vor 50 Jahren den problemlosen legalen Umgang mit der Droge, der zehntausend Jahren geherrscht habe, kaputt gemacht hätte. Dass die Verfügbarkeit steigt und die Konsumenten immer jünger werden, liege an dem Verbot. Vielleicht sollte der Lobbyist mit den roten Rastas noch einmal mit Hans Christian Ströbele ein Think Tank für bessere Argumente gründen. Artikel Berliner Morgenpost vom 16.05.2007 " Zehn Minuten sexuelle Stimulation", auch in der Welt vom 17.05.2007 erschienen


06.07.2007 - Gnade für kiffenden TV-Kommissar

Weil der Schauspieler Dietmar Bär mit einer Kleinstmenge Marihuana erwischt wurde, forderten konservative Medienwächter seinen Rausschmiss als Tatort-Kommissar. Georg Wurth nahm ihn im Gespräch mit dem Focus öffentlich in Schutz.

Auch der Deutsche Hanf-Verband nimmt den Schauspieler in Schutz. "Herr Bär ist offenbar einer von vier Millionen Cannabiskonsumenten. Ich verstehe die ganze Aufregung über 0,8 Gramm nicht", sagte Verbandschef Georg Wurth zu FOCUS Online. Marihuana sei ein Genussmittel wie Alkohol auch, das weder verherrlicht noch verboten werden sollte. Und einem Bier trinkenden Kommissar spreche auch niemand die Vorbildfunktion ab. Wurth schlägt vor, die Geschichte in einem "Tatort" nachzuspielen: "Damit würde der Krimi echten Realitätssinn zeigen." Artikel des Focus vom 06.07.2007 " Gnade für kiffenden TV-Kommissar"


16.07.2007 - Bekiffte Jungs

Das Mittelstandsmagazin P.T. beleuchtete im Sommer 2007 die deutsche Cannabisszene und verlieh dem DHV einen Hauch von zwielichtigem Geheimbund.

In Berlin gibt es ein Hanfmuseum, jährlich finden Hanfparaden und Hanfmessen statt, und eine deutsche Firma betreibt unter dem Tarnnamen "Deutscher Hanfverband" Lobbyarbeit unter Abgeordneten und Medien." Artikel des P.T. Magazins vom 16.07.2007 " Bekiffte Jungs"


05.09.2007 - Passauerin an Kiffen gestorben?

Über eine Pressemeldung der bayrischen Polizei über eine angebliche Cannabistote wunderte sich im September 2007 nicht nur Georg Wurth vom DHV. Die Zeitung "Passauer Wochenblatt" griff die DHV-Meldung " In Bayern gibt es Cannabistote " auf und ergänzte sie mit dem zähneknirschend gegebenen Dementi der Polizei.

Darüber lacht der Hanf-Verband!

Tod durch Kiffen? "Unmöglich", meinen nicht nur Hanf-Anhänger, sondern auch Toxikologie-Experten. Doch eine Pressemitteilung der Passauer Polizei legte genau diesen Schluss nahe und sorgte deshalb für helle Aufregung beim Deutschen Hanf-Verband. Hat es in Passau tatsächlich den weltweit ersten Fall von Kiffer-Tod gegeben?
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Die Meldung von der Drogentoten, in deren Körper THC nachgewiesen wurde, elektrisierte den in Berlin ansässigen "Deutschen Hanf-Verband" (DHV), laut Eigenbezeichung "die professionelle Interessenvertretung der deutschen Hanfbranche und privater Legalisierungsbefürworter". "In Bayern gibt es Cannabis-Tote", heißt es spöttisch in einer Überschrift auf der eigenen Homepage. In einem Schreiben an die Passauer Polizei, das der PaWo vorliegt, heißt es: "Diese Nachricht war für uns höchst erstaunlich, da bisher noch nie von einem Toten durch Cannabisüberdosierung berichtet wurde." Ein Mensch müsse laut DHV-Mitteilung "mehrere hundert Gramm Cannabisprodukte auf einmal zu sich nehmen, um zu sterben, was faktisch unmöglich ist." Die Polizeimeldung sei laut DHV-Brief von "einiger Brisanz". Denn: "Wenn sie tatsächlich die erste Cannabis-Tote in Passau haben sollten, müssten Bücher umgeschrieben werden".
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In dem Brief an die Passauer Polizei wollte der DHV deshalb auch die konkrete Obduktionsursache der verstorbenen 38-Jährigen erfahren. In dem Antwortschreiben der Polizei hieß es, dass der Todesfall in einem kausalen Zusammenhang mit dem missbräuchlichen Konsum von Betäubungsmitteln stehe. "Im Körper der Toten konnte durch einen Drogentest THC nachgewiesen werden", heißt es wörtlich. Obduktionsergebnisse könnten aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mitgeteilt werden.

Auf ein weiteres Schreiben des Hanf-Verbandes, ob denn der Fall tatsächlich in die Statistik für Drogentote eingeflossen sei – mit oder ohne Hinweis auf Tod durch Cannabis – gab es keine Antwort von der Polizei.

Ein PaWo-Anruf bringt allerdings etwas Licht ins Dunkel. Polizeisprecher Fritz Grindinger erklärte: "Es war im Grunde eine Mischintoxikation, an der die Frau verstorben ist. Sprich: Andere Drogenstoffe konnten auch nachgewiesen werden." In der Pressemitteilung hätte laut Grindinger der Zusatz "unter anderem" gefehlt.
Die korrekte Pressemitteilung müsste somit folgendermaßen lauten: "Im Körper der Toten konnte unter anderem THC nachgewiesen werden." Das endgültige Gutachten zur Todesursache steht laut Grindinger noch aus. Artikel des Passauer Wochenblatts vom 05.09.2007 " Passauerin an Kiffen gestorben? Darüber lacht der Hanf Verband!"


26.09.2007 - Gesundheitsgefahren durch gestrecktes Gras

Weil der DHV die Bundesdrogenbeauftragte per Protestmailer dazu aufforderte, vor gestrecktem Gras zu warnen und damit eine Änderung der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums erzwang, wollte das Freie Radio "Corax" aus Halle von Georg Wurth wissen, was das Thema so brisant macht, wie man gefährliches Marihuana erkennt und welche politischen Entwicklungen in den kommenden Jahren erwartet werden dürfen.

Interview auf Radio Corax

Moderator: Was meint es denn konkret, was Sie da geschrieben haben?

Georg Wurth: Naja, uns ist aufgefallen, dass seit ungefähr Sommer letzten Jahres ganz verstärkt verunreinigte Proben von Cannabis, insbesondere Marihuana, auf dem Markt aufgetaucht sind. Bei Haschisch hat man immer schon gesagt, dass wahrscheinlich häufig Streckstoffe drin sind, Gras galt aber bis jetzt immer als relativ sauber, also die reine Hanfblüte, unverarbeitet, gut erkennbar. Da hat man immer gesagt, da sieht man ja, was man hat.
Aber mittlerweile sind die Händler eben dazu übergegangen, auch da zu strecken und zwar auf ganz perfide Weise, indem sie zum Beispiel die Blüten in Zuckerlösung tauchen oder auch Flüssigplastik, feinste Glassplitter sind schon häufig gefunden worden oder Sand und zwar alles so in die Blüten eingearbeitet, dass man es nicht auf den ersten Blick erkennt.

Moderator: Mir wurde selbst von befreundeten Konsumenten und Konsumentinnen erzählt, dass sie während des Rauchens von ner so genannten Tüte das Gefühl hatten, dass sie nen Knirschen zwischen den Zähnen hatten.

Georg Wurth: Ja, das kann gut sein.

Moderator: Das wär jetzt so ne Folge von beispielsweise Sand oder Glas, was dann beigemengt ist. Was wären denn die möglichen Folgeschäden des Konsums von manipuliertem Marihuana?

Georg Wurth: Das ist sehr schwer zu sagen, weil sich bis jetzt noch niemand darum gekümmert hat, das mal zu untersuchen. Aber zum Beispiel wenn man Zucker raucht, das karamellisiert dann und man karamellisiert sich damit sozusagen die Atemwege. Dass das nicht gesund sein kann, liegt eigentlich auf der Hand.
Und besonders bedenklich ist, finde ich, das versetzen von Gras mit mikroskopisch kleinen Glassplittern. Die sind so fein, dass man sie wahrscheinlich mit inhaliert und die kommen aus der Lunge nicht mehr raus und können da dann drastische Schäden anrichten. Leider haben wir aber, oder was heißt leider, wir haben bisher aber keine Anhaltspunkte dafür, dass tatsächlich solche Fälle aufgetaucht sind und die Bundesregierung kümmert sich auch nicht darum, da mal Licht ins Dunkel zu bringen.

Moderator: Genau das wollte ich grade fragen. Sie haben ja in Ihrer Presseerklärung quasi auch die Politik aufgefordert, zu reagieren. Wie sind denn die Reaktionen überhaupt von Seiten der Politik.

Georg Wurth: Naja, die Reaktionen gehen im Prinzip gegen Null, obwohl wir schon seit Monaten massiv dieses Thema setzen und immer wieder unsere Forderungen stellen und auch mal in den Rum stellen, dass die Politik sich da letztendlich ne Schuld auflädt, wenn irgendwann tatsächlich die Leute in den Krankenhäusern auftauchen, wenn sie da überhaupt nichts dagegen gemacht hat.

In anderen Ländern sieht es da ein bisschen anders aus. England zum Beispiel hat schon eine Warnung rausgegeben, speziell auch vor diesen Verunreinigungen mit Glassplittern. Hat also auch konkret davor gewarnt. In Italien haben die Behörden letztens ne größere Lieferung extra mal darauf gecheckt, weil sie eben von diesen Dingen gehört haben und dabei eine Ladung mit 219 Kilo Gras gefunden, die mit Glas gestreckt war.
In Deutschland hingegen sperrt sich die Regierung total. Wir haben ne kleine Anfrage dazu im Bundestag mal gehabt, wo die Antwort also in die Richtung ging - Wir wissen nichts davon, das Bundeskriminalamt kann dazu nichts sagen und bisher haben wir nur Gerüchte gehört. Und außerdem ist Cannabis sowieso gefährlich und sollte nicht geraucht werden und damit ist die ganze Sache für die erledigt.

Die raten also ganz allgemein vom Konsum ab und sagen, es ist sowieso schädlich, was sollen wir da noch vor zusätzlichen Verunreinigungen warnen.

Moderator: Das ist ja im Endeffekt ja auch ne Forderung, die quasi so ein bisschen gegensätzlich wirkt. Man versucht den Gesetzgeber davon zu überzeugen, dass hier ne Sache ist, ne Sache, die verboten ist, die er quasi verbietet auf Sauberkeit und quasi mit moralischen Grundsätzen verbunden, auf Ehrlichkeit überprüft wird. Das kann doch nicht funktionieren?

Georg Wurth: Letztlich ist es ja die Schuld des Gesetzgebers, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Wenn Cannabis ganz normal, legal gehandelt werden könnte, wenn der Markt also reguliert wäre, dann würden die Produkte ja auch der normalen Lebensmittelaufsicht unterliegen und sowas könnte gar nicht vorkommen.
Denn es geht ja nicht bloß um die Streckmittel. Cannabis ist sowieso kein sehr reines Produkt. Man muss immer davon ausgehen, dass da auch Düngerrückstände mit drin sind, Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Und diese Verunreinigungen jetzt durch Streckmittel kommen ja auch dadurch, dass keine Überwachung stattfindet, dass der ganze Markt den kriminellen Kräften überlassen wird, die sowieso auf Gewinnmaximierung zielen, die sowieso davon ausgehen müssen, dass sie im Knast landen, wenn sie erwischt werden. Und die Verunreinigung im Zweifelsfall ja auch die Strafe gar nicht erhöht.

Deswegen ist die Politik sowieso in der Verantwortung. Und wir meinen, wenn sie schon dermaßen sträubt, da mal vorwärts zu gehen, dass die Politik dann wenigstens Schadensminimierung betreiben sollte und den Konsumenten wenigstens die Möglichkeit geben sollte, dass Zeug zu analysieren.

Ne andere Möglichkeit wäre ja auch einfach den Anbau zu entkriminalisieren. Das man wenigstens sagt - Jeder Konsument kann sich Zuhause eine Pflanze oder drei Pflanzen hinstellen, um seinen eigenen Bedarf zu decken. Damit würde man dem illegalen Markt sogar Umsatz entziehen. Man würde ihn also zurückdrängen.
Und gleichzeitig hätten die Konsumenten eben die Möglichkeit sicher zu stellen, dass sie sauberes und vernünftiges Gras kriegen.

Moderator: Die Argumentation, die Sie antreten, die ist quasi für mich so nen bisschen komisch oder schwer verständlich. Den sie probieren quasi in ner Marktwirtschaft, die quasi auf Profitmaximierung aufgebaut ist, quasi die Moral nach oben zu stellen.
Es ist doch klar, dass die Leute, die Cannabis züchten, das auch so teuer wie möglich verkaufen wollen. Und wenn das halt nicht möglich ist, auf Grund der Weltmarktlage, dann halt so wenig wie möglich für nen hohen Preis verkaufen. Das macht für mich alles, natürlich von meinem moralischen Standpunkt für mich persönlich keinen Sinn, aber vom wirtschaftlichen schon sehr gut.

Georg Wurth: Es geht uns auch gar nicht darum, jetzt moralische Ansprüche hoch zu fahren, dann würden wir nicht an die Bundesregierung appellieren, sondern an die Dealer. Es geht uns darum, den Markt zu regulieren, weil es eben ne kapitalistische Angelegenheit ist, wo wenn man eben nichts reguliert, es zu solchen Auswüchsen kommt.
Im Moment ist es ja letztendlich nen völlig freier Markt. Die einzige Regel, die der Markt hat, ist, dass er verboten ist, aber eben trotzdem stattfindet. Wir haben 4 Millionen Cannabiskonsumenten in Deutschland, die hunderte von Tonnen Cannabisprodukte im Jahr verbrauchen, so oder so. Und dieser Markt ist letztlich völlig frei. Jeder macht was er will. Und uns geht es eben darum, das zu regulieren und zu kucken, was da passiert.

Es gab vor einiger Zeit Berichte darüber, dass nun von der Regierung stattgegeben wird, einem Antrag, von einer Patientin, die unter Multipler Sklerose gelitten hat, die von der Krankenkasse ne Kostenübernahme zur Behandlung mit dem Cannabiswirkstoff Dronabinol bestätigt bekommen hat und das auch komplett finanziert wird. Wie agieren die Krankenkassen Ihrer Meinung nach? Denn die sind ja möglicherweise auch davon betroffen.

Georg Wurth: Ich glaube, dass den Krankenkassen das ganze Problem noch gar nicht bewusst ist. Die kämpfen eher allgemein gegen Cannabiskonsum an sich, wie das die Bundesregierung auch macht. Weisen eben auf die möglichen Schäden hin. Da ist heute noch mal von der Techniker Krankenkasse zum Beispiel noch mal ne Warnung rausgegangen.
Aber denen ist nicht bewusst, welche zusätzliche Gefahr eigentlich durch die Streckmittel und letztendlich durch den Schwarzmarkt und das Verbot da hervorgerufen werden.

Der Cannabiskonsum ansich ist natürlich nicht harmlos, hat Risiken und so weiter, aber es gibt eigentlich kein vernünftiges medizinisches Argument im Vergleich zu Alkohol, dass Cannabis verboten ist und Alkohol nicht.
Also - gefährlicher als Alkohol ist Cannabis jedenfalls nicht! Und deshalb sollte man natürlich auch kucken, dass da nicht zusätzliche Gefahren durch das Verbot und die Streckmittel auftauchen.

Moderator: Ich hab mich auf Ihrer Seite mal ein bisschen umgekuckt, vom deutschen Hanfverband.de - is ja Ihre Seite. Da hat man die Möglichkeit, sich auch mal anzukucken, wer quasi Ihre Firmensponsoren, Firmenmitglieder, Fördermitglieder und so weiter sind. Das sind das ja nun erstmal die üblichen Verdächtigen. Da haben wir die ganzen Head- und Grow-Shops, die in jeder Stadt zu finden sind. Wir haben die ganzen Paperfirmen und auch die Magazine, die sich auch damit auseinandersetzen.
Aber sie schaffen es nicht, auf Ihrer Seite, quasi Leute, größere Leute, Organisationen, Publikationen ran zu holen, die sich da offiziell für die Legalisierung von Cannabis quasi aussprechen. Ist das immer noch so nen kleines Nischending?

Georg Wurth: Naja, also, da muss man ja erstmal unterscheiden. Sponsoren und inhaltliche Zusammenarbeit, das ist ja nen Unterschied.
Auf der Seite stellen wir erstmal alle Firmensponsoren dar, die uns unterstützen. Dann haben wir noch ne Menge Privatsponsoren, die nicht auf der Seite auftauchen, weil sie verständlicherweise zum großen Teil kein Interesse daran haben, da auf zu tauchen. Und wir verstehen uns eben als die Lobbyorganisation der Hanffreunde sozusagen. Von Konsumenten, aber auch von Legalisierungsbefürwortern, die eben nicht unbedingt konsumieren müssen.

Das andere ist die Zusammenarbeit mit Experten oder auch anderen Organisationen, die für die Legalisierung sind. Und wir haben die jetzt noch nicht alle auf unserer Seite aufgelistet, aber es gibt da ne Menge Leute, die für eine Legalisierung sind, für ne Entkriminalisierung der Konsumenten. Da finden Sie Professoren quer durch alle möglichen Bereiche - ob das nun Kriminologen sind, Mediziner. Selbst bei der Polizei gibt es Befürworter einer Legalisierung. Oder bei den Wirtschaftswissenschaftlern.
Also das ist kein Problem, da Leute ran zu holen. Und mit denen arbeiten wir auch zusammen.

Moderator: Aber von politischer Eben sieht es doch aber nun so aus, dass die Grünen an der Macht waren, die FDP momentan auch die Freigabe von Cannabis fordert, aber im Endeffekt nichts legalisiert wurde bis jetzt. Was sind denn da Ihre Visionen für eine Zukunft mit Hanf oder mit Cannabis oder mit Ganja, wie auch immer man's bezeichnen will?

Georg Wurth: Ja also, das sind ja erstmal zwei Dinge - Unsere Vision, wie wir uns das vorstellen mit Ganja. Also ich mein, wir leben jetzt auch schon mit Cannabis. Das ist ja ... Uns wird da oft vorgeworfen, wir wollen da nen neues Fass aufmachen und ganz viel Gras jetzt auf den Markt werfen, aber der Markt existiert ja. Die Konsumenten sind da und es gibt auch keinen Hinweis, dass das Verbot die Konsumrate drückt.
Wir wollen einfach nur den Markt anders organisieren. Wir schlagen Hanffachgeschäfte vor. Das heißt Läden, wo das legal gekauft werden kann, aber eben nicht im Supermarkt oder in der Apotheke, sondern nur in Spezialgeschäften, die auch gewissen Regeln unterliegen.

Moderator: Würden die dann 24 Stunden offen haben, wenn ich fragen darf?

Georg Wurth: Zu dem Detail haben wir uns bis jetzt noch keine Gedanken gemacht...

Moderator: Wär ja vielleicht mal nen Denkanstoß.

Georg Wurth: Ja, also. Von mir aus sollen die auch 24 Stunden auf machen. Das ist mir letztendlich relativ egal.
Wichtiger sind mir Fragen jetzt, wie Jugendschutz zum Beispiel, dass man sagt, ab 16 oder ab 18 erst, darunter wird eben nix verkauft. Oder eben ne vernünftige Produktqualität. Ich stelle mit auch ne kleine Ausbildung der Verkäufer vor, die also Bescheid wissen sollten, über Risiken, Nebenwirkungen, vielleicht auch wohin man die Leute vermitteln kann, die vielleicht doch nen Problem haben mit ihrem Konsum. Solche Dinge.

Oder eben auch, dass bei jeder Verkaufseinheit ne Gebrauchsanweisung dabei ist, ne Packungsbeilage, wo auch der THC-Gehalt zum Beispiel drauf steht. Das is ja jetzt auch oft in der Diskussion, dass relativ hohe THC-Gehalte möglich sind. Was vor allem dann ein Problem ist, wenn die Leute davon überrascht werden.
Deshalb wär auch so'ne Deklaration auf jeden Fall nen Fortschritt im Verbraucherschutz.

Jetzt, die andere Frage war ja die politische Realität. Da sind wir natürlich weit davon entfernt, so'ne Utopie jetzt in den nächsten ein, zwei Jahren um zu setzen. Insbesondere bei der großen Koalition.
Die CDU ist sicherlich die Partei, die sich am meisten sperrt. Aber auch die SPD ist da nicht besonders weit. Und die kleinen Parteien, die da eher aufgeschlossener sind, sitzen halt alle in der Opposition. Insofern müssen wir davon ausgehen, dass der Kampf noch ein paar Jahre weiter geht, bis wir da mal zu ner entspannteren Situation kommen.

Moderator: Das sind ja Hoffnungen, die quasi der politischen Realität gegenüberstehen, was natürlich sehr die Arbeit erschwert, oder? Die tägliche Motivation, dass es besser wird?

Georg Wurth: Naja, man muss sich eben darauf einstellen, dass es ne Sache von vielen Jahren ist. Die Legalisierungsbewegung ist ja nu auch nicht mehr drei Tage alt, sondern schon auch Jahrzehnte eher. Und ich glaube, dass das auch so langsam in den Köpfen der Leute angekommen ist, die vielleicht Ende der 90er auf den Paraden noch "Legalisierung jetzt! Sofort!" gefordert haben und vielleicht auch erwartet haben.
Da ist doch jetzt eigentlich klar geworden, dass das ganz dicke Bretter sind, die man da bohren muss und das das ganz kleine Schrittchen sind, die man da gehen muss und das man auch Rückschläge hat. Jetzt grade in den letzten zwei Jahren ist die Stimmung über Cannabis wieder wesentlich schlechter geworden als Anfang des Jahrtausends.

Und wenn man das eben weiß, dass es eben ne langfristige Geschichte ist, dann kann man da wieder ganz entspannt mit umgehen. Weil es hat ja schon etliche andere Drogenverbote gegeben, die dann wieder aufgehoben worden sind, zum Beispiel Alkoholverbot in den USA, aber auch in einigen deutschen Fürstentümern war auch mal Kaffee verboten oder Tabak auch. Und all diese Verbote haben sich letztlich als nicht sinnvoll erwiesen und sind abgeschafft worden.
Das wird bei Cannabis früher oder später auch so sein! Radio Corax über gestrecktes Gras


11.11.2007 - Bleivergiftung durchs Kiffen

Mit den beinahe täglich Meldungen über neue Betroffene, die mit einer Bleivergiftung in Leipziger Krankenhäusern eingeliefert werden, rissen auch die Medienberichte über gestrecktes Cannabis nicht ab. Zum Ende des Jahres 2007 zog der Berliner Kurier Bilanz.

Gangster verkaufen gestreckten Stoff

Wie gefährlich Marihuana und Haschisch sind, darüber wird viel gestritten. Doch jetzt wird eine der beiden Cannabis-Drogen mörderisch, da sind sich alle einig. Skrupellose Dealer strecken Marihuana zunehmend mit gefährlichen Substanzen. In Leipzig landeten 19 Kiffer mit schwersten Bleivergiftungen auf der Intensivstation.
Ihre Dealer hatten Marihuana Bleispäne beigemischt, um die Droge schwerer und teurer zu machen und die Kundschaft zu betrügen. Jetzt geht die Angst um, dass solche Methoden auch nach Berlin kommen. Georg Wundt vom Deutschen Hanf Verband: "Wir schätzen, dass über 200 000 Raucher in Berlin jährlich zehn Tonnen Cannabis verbrauchen."

Seit einem Jahr beobachtet der Verband: Marihuana (getrocknete Cannabisblüten) wird kaum noch ohne Glassplitter, Öl, Plastik oder andere Stoffe angeboten, um das Gewicht zu erhöhen und um durch ein Glitzern einen hohen Anteil des Wirkstoffs THC vorzugaukeln.

Jetzt kam Blei dazu, dessen Folgen von Darmkoliken über Bluthochdruck bis zu Delirium und Nierenversagen reichen. Wundt: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es den ersten Toten gibt." Er schimpft, dass Bundesgesundheitsministerin Ursula Schmidt (SPD) trotz Warnungen seit Monaten nichts tut.
Die Ursache für das verstärkte Strecken sieht Wundt in Holland. Dort wurden "Klein-Bauern", die Cannabis anpflanzen, verstärkt verfolgt und gaben den Handel auf. Gangster übernahmen ihn, verkaufen lebensgefährlichen Dreck. Dabei galt Marihuana bisher als sicherer als Haschisch: Den gepressten harzigen Cannabis-Teilen sieht man Streckmittel schwerer an.

Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux fordert deshalb, dass Berlins Polizei und Gesundheitsbehörden beschlagnahmtes Rauschgift untersuchen, um vor Verunreinigung warnen zu können. Wie der Hanfverband verlangt er, den privaten Anbau weniger Cannabis-Pflanzen zu erlauben, damit die Leute sauberes "Gras" rauchen können. Artikel des Berliner Kurier vom 11.11.2007 " Blei-Vergiftung durchs Kiffen"


13.11.2007 - Lebensgefahr beim Kiffen

Als die Stadt Leipzig eine amtliche Warnung vor bleihaltigem Marihuana herausgab, konnten selbst Skeptiker nicht mehr die Augen verschließen. Georg Wurth gab Spiegel-TV im November Informationen über die aktuellen Entwicklungen.

Spiegel-TV: Dass Rauchen von Cannabis strafbar ist, wissen auch die geschätzten 4 Millionen Cannabiskonsumenten in Deutschland. Trotzdem wächst die Nachfrage nach Marihuana und Haschisch.
Das nutzen skrupellose Dealer aus und stecken die Droge mit gefährlichen Substanzen, damit es mehr wiegt. In Leipzig wurden nun 19 Menschen mit schwerer Bleivergiftung ins Krankenhaus eingeliefert.

Georg Wurth: Uns ist schon seit längerer Zeit bekannt, dass Dealer ihre Ware strecken, um sie schwerer zu machen und so den Gewinn zu erhöhen. Schon seit Sommer letzten Jahres ist das insbesondere bei Marihuana stark, vermehrt aufgetreten und da war Sand im Gras oder feine Steinpartikel, Mineralien oder auch Zucker. Die verschiedensten Sachen.
Blei ist allerdings jetzt noch mal ne neue Dimension, die besonders gesundheitsschädlich ist.
...

Spiegel-TV: Der Deutsche Hanf Verband fordert schon seit längerem eine Legalisierung. Diese könnte auch den Handel mit gestrecktem Marihuana und Haschisch beenden.

Georg Wurth: Wenn die Politik soweit noch nicht ist, wäre unser Vorschlag, erstmal 3 Pflanzen oder 5 Pflanzen pro Nase frei zu geben. Also die Leute nicht zu verfolgen, wenn sie ihre Hanfpflanzen anbauen, um den eigenen Bedarf zu decken.
Damit unterstützen sie den Schwarzmarkt nicht und die kriminellen Strukturen. Und sie können sich sicher sein, dass sie sauberes Gras haben. Spiegel-TV vom 13.11.2007 " Lebensgefahr beim Kiffen -- Marihuana mit Blei gestreckt


13.12.2007 - Blei aus der Tüte

Auch das Fernsehen nahm sich im Jahr 2007 wiederholt des Themas verunreinigte Cannabisprodukte an. Im Dezember befragte das K1-Magazin auch Georg Wurth zu diesem Thema.

K1-Magazin - Blei aus der Tüte

...
Sprecher: Bisher ist mir Blei gestreckter Cannabis nur im Großraum Leipzig aufgetaucht. Aber beim Hanf Verband geht die Angst um, dass solche Methoden bald bundesweit Schule machen könnten. Dass Marihuana gestreckt wird, ist nicht neu.

Georg Wurth: Es gibt alle möglichen Stoffe, die mittlerweile zugefügt werden. Das fängt an bei Sand. Man merkt auch sofort, das knirscht zwischen den Zähnen, was normales Marihuana nicht tut.

Sprecher: Zucker erhöht ebenfalls das Gewicht und gaukelt durch seinen Glanz hohe Qualität vor.

Georg Wurth: Kein Mensch weiß so genau, was passiert, wenn man Zucker raucht und sich damit die Atemwege karamellisiert. Das ist sicher auch nicht gesund, aber das Bleisuflit ist auf jeden Fall ne neue Dimension an Bedrohung für die Konsumenten.

Sprecher: Und wie kann der Konsument erkennen, ob Blei im Marihuana enthalten ist?

Georg Wurth: Man kann eben auch mit so'nem kleinen einfachen Mikroskop sich die Struktur mal genauer ankucken. Wenn man das ein paar mal mit gutem Marihuana gemacht hat, was nicht gestreckt ist, dann sieht man die Unterschiede.
Aber leider gibt es keinen vernünftigen Test, der so einfach ist, um das Blei raus zu finden.
... K1-Magazin vom 13.12.2007 " Blei aus der Tüte"

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