Eine Million Euro für die Cannabis-Lobby

Georg Wurth hat jüngst bei der "Millionärswahl", einer TV-Show von Sat1 und Pro7, eine Million Euro abgeräumt. Das Geld will der Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes (DHV) in den Kampf für die Legalisierung von Cannabis stecken, wie er im Interview mit iley erzählt.

Herr Wurth, Glückwunsch zur Million. Der DHV ist nun reich. Ist er damit auch seinem Ziel, Cannabis zu legalisieren, ein Stück näher gekommen?

Georg Wurth: Ja sicher! Das war eine super PR für unsere Sache. Die vielen Fernsehzuschauer, die abgestimmt haben - das zeigt, wieviele Menschen hinter uns stehen.

Welche Reaktionen hat Ihr Fernsehauftritt ausgelöst?

Das Feedback war überwältigend. Wir haben über 10.000 neue Fans bei Facebook und mehr als 150 neue Mitglieder gewonnen. Die schönste Reaktion war, dass Leute zu mir gesagt haben: Du hast sogar meine Eltern überzeugt.

Gab es auch Kritik?

Nur ganz wenig und wenn, dann ging sie ins Detail. So gefiel einigen das Rede-Setting der ersten Sendung nicht. Es war ihnen zu bombastisch.

Was wollen Sie mit dem vielen Geld, das Sie gewonnen haben, anstellen?

Wir wollen in PR und Werbung investieren. Wir wollen die Debatte über eine Legalisierung von Cannabis in Kreise tragen, die bisher nicht darüber diskutieren oder bislang nur negative Berichte erfahren haben.

Welche Kreise meinen Sie?

Ich spreche insbesondere von älteren Menschen. Bei den 30- bis 40-Jährigen ist die Diskussion bereits angekommen. Ich denke, da gibt es auch eine Mehrheit für die Legalisierung. Bei den älteren ist das anders. Bei ihnen will ich beispielsweise für Cannabis als Medizin werben.

Wo soll die Million außerdem eingesetzt werden?

Wir wollen mit dem Geld Pilotverfahren vor Gericht finanzieren. So gibt Strafverfahren gegen Leute, die Cannabis aus medizinischen Gründen konsumieren, die eine Empfehlung vom Arzt haben, aber nicht die Erlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel. Wir finden, die Leute sollte man in Ruhe lassen. Dann gibt es Leute, die verfügen über eine Genehmigung, doch die Krankenkassen zahlen die Medikamente nicht. Dagegen kämpfen wir an. Cannabis-Produkte aus der Apotheke sind viel teurer als auf dem Schwarzmarkt. Einige Patienten klagen auf ihr Recht, Hanf selbst anzubauen. Auch diese Prozesse wollen wir finanziell unterstützen.

Wie hat der DHV bislang seine Arbeit finanziert?

Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Was kommt da so zusammen?

Nimmt man die Umsätze aus unserem Onlineshop hinzu, konnten wir im Jahr 2012 rund 81.000 Euro auf unserem Konto verbuchen.

Kommt der Verband damit nicht aus?

Geld spielt für uns wie bei jeder anderen Lobbygruppe natürlich eine wichtige Rolle. Die Energie- oder die Pharmeindustrie etwa investieren Millionen Euro in ihre Lobbyarbeit. Wir wollen unsere Struktur verstärken und werden das Geld daher auch in Personal stecken.

Die politischen Parteien, die Ihre Position am ehesten unterstützen, befinden sich im neuen Bundestag in der Opposition. Was macht Ihnen da überhaupt Hoffnung, dass die deutsche Drogenpolitik in den nächsten Jahren liberaler wird?

Die gesellschaftliche und die internationale Entwicklung machen mir Hoffnung. Ich erwarte nicht, dass sich unter dieser Bundesregierung an der Rechtslage etwas ändert. Die müssen wir aussitzen und gleichzeitig die gesellschaftliche Debatte weiter forcieren. Die Medien sind beispielsweise in ihrer Berichterstattung über Cannabis viel objektiver geworden, auch prohibitionskritisch.

Und international?

Cannabis galt die letzten 20 Jahre an allen Ort der Welt als illegale Droge. Mit Uruguay und den US-Bundesstaaten Washington und Colorado scheren nun die ersten aus. Sie legalisieren Cannabis. Ich bin mir sicher, dass weitere folgen werden.

Wann wird es Ihrer Einschätzung nach in Deutschland soweit sein?

Ich fürchte, es wird noch fünf bis zehn Jahre dauern.

Sie fürchten? Unter den aktuellen politischen Konstellationen klingt Ihre Prognose eher zuversichtlich.

Es gibt schon Fortschritte. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht sich für Cannabis als Medizin aus. Auch in der Politik setzt sich die Erkenntnis, dass der Konsum von Cannabis heilende oder schmerzlindernde Wirkung haben kann, allmählich durch.

2011 hat DHV eine Petition zur Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten initiiert und mehr als 30.000 Unterzeichner gefunden. 2012 sah sich wegen des DHV Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrem eigenen Youtube-Kanal mit der Frage der Legaliserung konfrontiert. Sie lehnte rigoros ab. Jetzt die Million. Welche Coup planen Sie als nächstes?

Die Teilnahme an der Millionärswahl war nicht von langer Hand geplant. So eine Idee kommt spontan. Jetzt müssen wir erstmal genau schauen, dass wir die Million vernünftig einsetzen. Dann wollen wir unsere Ehrenamtlichen besser einbinden. Da gibt es eine Menge Potenzial. Die Show hat gezeigt, wieviel Unterstütung wir für unser Ziel haben.

Warum streben Sie keinen Volksentscheid für die Legalisierung von Cannabis an?

Weil es keine Volksentscheide auf Bundesebene gibt, das wird seit Jahren von der CDU blockiert. Deshalb sind wir auch Mitglied bei "Mehr Demokratie", ein Verein, der sich für bundesweite Volksentscheide einsetzt. Wir prüfen aber, ob es auf Länder- oder kommunaler Ebene sinnvolle Möglichkeiten gibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Datum: 
Samstag, 1. Februar 2014
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