Cannabis im Straßenverkehr – Hanfverband kritisiert Rechtslage

Der MDR berichtet über unsere Pressekonferenz zum Start der Führerschein-Kampagne "Klarer Kopf. Klare Regeln!" folgendes:

Wer Canabis konsumiert, kann schnell seinen Führerschein los sein: Bei mehr als 1,0 Nanogramm THC pro Milliliter im Blutserum ist der Lappen weg. Kritiker meinen, dieser Wert sei viel zu niedrig, denn THC bleibe weit über den Rausch hinaus im Blut. Der Hanfverband will sich für eine Erhöhung des Grenzwerts einsetzen.

Führerscheinentzug wegen 1.7 Nanogramm THC pro Milliliter im Blutserum – das ist zu viel. Derzeit liegt der Grenzwert bei 1.0 Nanogramm. Viel zu niedrig, meinen Kritiker. Denn: Ein Rest Cannabis, der über diesem Grenzwert liegt, kann bis zu drei Tage im Blut übrig bleiben, auch wenn der Rausch dann schon längst wieder verflogen ist.

Das meint auch Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes. Man habe überhaupt keine Wirkung, keinerlei Beeinträchtigung, keine Erhöhung des Unfallrisikos, sagt er.

Er und seine Kollegen sind der Meinung, dass Cannabis-Konsumenten häufig zu Unrecht bestraft würden. Auch, wenn sie de facto nüchtern im Straßenverkehr unterwegs seien. Die Grenzwerte müssen angepasst werden, fordert Wurth deshalb.
Die berauschten Fahrer wollen wir ja genauso sanktionieren wie die von Alkohol. Da wollen wir eine Angleichung.
    Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes
Wobei Alkohol ja sogar eine höhere Unfall-Wahrscheinlichkeit mitbringe als Cannabis, werde Cannabis höher bestraft. Das ergebe keinen Sinn.

In anderen Ländern wie der Schweiz oder im US-Bundesstaat Colorado sind die Grenzwerte deutlich höher. Wenn man nicht mehr im Rausch ist und wieder verkehrstauglich ist, macht man sich dort also nicht so einfach strafbar.  

Der nächste Schritt für den Hanfverband ist deshalb: mit Politikern ins Gespräch kommen und dafür sorgen, dass das Thema im nächsten Koalitionsvertrag einen Platz findet.

Für Tim Runge kommt das zu spät. Er kämpft mit einem Anwalt dafür, dass er wieder Auto fahren darf, sein Führerschein ist nun seit zwei Jahren schon weg. Das größte Manko sei, dass er in seiner Autonomie eingeschränkt sei. Er müsse alles von langer Hand planen und könne nicht einfach mal losfahren, um was zu erleben.

Ob das noch passiert, hängt auch von der Arbeit des Hanfverbands ab, der in den nächsten Monaten Stimmung machen will: für tolerantere Grenzwerte und eine politische Diskussion um das Hanf.

Datum: 
Freitag, 16. Juni 2017
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