US-Abstimmungen: Washington

  • Veröffentlicht am: 17. Oktober 2012 - 12:07
  • Von: Georg Wurth

In den USA stehen am 6. November wichtige Volksabstimmungen zu Cannabis an; hier das Feature zum US-Staat Washington, wo über eine vollständige Legalisierung von Cannabis abgestimmt wird. Der Eigenanbau ist hier allerdings ausgeklammert. Worum geht es genau und wie stehen die Chancen?

 

Der Drug War Chronicle ist eine sehr gute Informationsquelle für die Vorgänge in den USA. Hier eine gekürzte Übersetzung von dessen Washington-Feature:

"Washingtons Marijuana-Legalisierungs-Initiative in guter Ausgangslage
by Phillip Smith, 27. September 2012

Etwas mehr als einen Monat vor dem Wahltag scheint die I-502 Marijuana-Initiative zur Legalisierung, Regulierung und Besteuerung schon gut positioniert zu sein, um an der Wahlurne mit kraftvollen Unterstützern, einer Menge Geld und einer gesunden Führung in den Umfragen zu gewinnen. Aber noch ist sie nicht unter Dach und Fach.

I-502, die vom "New Approach Washington" durchgeführt wird, würde den Besitz von bis zu einer Unze (ca. 28 Gramm) Marijuana bei Erwachsenen von mindestens 21 Jahren oder älter legalisieren, ihnen aber den Eigenanbau nicht erlauben. Stattdessen würde ein System aus lizensiertem, besteuertem und reguliertem kommerziellem Marijuana-Anbau sowie der Weiterverarbeitung und des Einzelhandels geschaffen werden, das unter der Überwachung der staatlichen Alkohol-Kontrollbehörde (des Washington State Liquor Control Board, WSLCB) stünde. Medizinische Marijuana-Patienten sind von diesen Bestimmungen ausgenommen.

I-502 schnitt in der letzten Umfrage von vor zwei Wochen mit 57% Zustimmung ab, was eine Zunahme von 3 Punkten seit der Juni-Umfrage ist. Mittlerweile ist die Opposition gegen die Initiative in diesen Umfragen rückläufig, von 37% im Juni auf nur noch 34% in diesem Monat.

Diese guten Zahlen sind zumindest zum Teil auf die einflussreiche Liste an Befürwortern zurückzuführen, die nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Drogenreformgruppen enthält, sondern auch Arbeiter-, Bürgerrechts-, Kinder- und Rentnergruppen, die staatliche Demokratische und die Grüne Partei und eine zunehmend länger werdende Liste der meistgelesenen Zeitungen des Landes, darunter die Seattle Times und den Olympian, die beide der Initiative innerhalb der letzten Woche beipflichteten. Ebenso mit an Bord sind etablierte Strafjustizbeamte wie der Staatsanwalt von Seattle Pete Holmes und der ehemalige US-Staatsanwalt für den westlichen Verwaltungsbezirk Wahingtons John McKay, also der Mann, der den kanadischen "Prince of Pot" Marc Emery verfolgte (welcher die Initiative ebenfalls unterstützt).

Geld hilft natürlich auch, und I-502 hat es. Die Kampagne hat bisher mehr als 3 Millionen Dollar aufgetrieben, worin $715.000 des "Drug Policy Action Network", des Lobbyismus- und Kampagnenarms der "Drug Policy Alliance", $821.000 des Gründers einer fortschrittlichen Versicherung und Drogenreformvaters "Warbucks" Peter Lewis, sowie $450.000 des in Seattle beheimateten Reiseschriftstellers Rick Steves enthalten sind. Das bedeutet, dass, obwohl bisher mehr als eine Million für frühe Werbekäufe ausgegeben wurden, immer noch zwei Millionen auf der Bank sind, und es werden immer noch Spenden gesammelt.

Innerhalb der Drogenreformbewegung hat die Initiative einige Kritik und teilweise vollständige Ablehnung hervorgerufen, insbesondere wegen des Vorschlags der Initiative bezüglich Cannabis und Straßenverkehr. Gemäß I-502 könnten Fahrer mit mehr als 5 Nanogramm längerfristig wirkender THC-Metaboliten im Blut pauschal wegen Fahrens unter Drogeneinfluss (Driving Under the Influence of Drugs (DUID)) verurteilt werden. Unterstützer weisen darauf hin, dass die Initiative die lang-wirksamen THC-COOH-Metaboliten aus dem Geltungsbereich der DUID-Bestimmungen ausschließen würde und dass es der Polizei untersagt wäre, Bluttests anzuordnen, wenn kein hinreichender Tatverdacht auf Fahruntüchtigkeit besteht. Weiterhin argumentieren sie, dass die Initiative das Thema Cannabis und Sraßenverkehr ansprechen muss, um sie denjenigen Wählern im Staat schmackhaft zu machen, deren Sommer sich nicht um das Hanffest drehen.

(Anmerkung DHV: Uns ist nicht ganz klar, was mit längerfristig wirksamen THC-Metaboliten gemeint ist. In Deutschland wird zur Zeit schon ab 1 ng THC pro ml Blut eine Drogenfahrt angenommen. Sollte hier das gleiche gemeint sein, läge dieser Wert immerhin fünfmal höher als in Deutschland. Außerdem wird hierzulande auch das Abbauprodukt THC-COOH mit betrachtet; es ist zwar nicht psychoaktiv, kann aber je nach Wert auf einen regelmäßigen Konsum schließen lassen, der wiederum die Fahrtauglichkeit ausschließt. Auch hier wäre das Ergebnis der Initiative also weniger konsumentenfeindlich als die Praxis in Deutschland. Wenn jemand weiß, was in diesem Text mit „longer-acting THC metabolites“ gemeint ist, möge man uns per Kommentarfunktion zu diesem Artikel aufklären..)

Der New Approach Washington gibt sich verhalten.

"Es wird knapp, weißt du, sehr knapp, alles scheint gut zu laufen, aber es sind immer noch 6 Wochen bis dahin," sagte die Direktorin der Kampagne Allison Holcomb als Rat gegen Selbstgefälligkeit.

"Wir haben mit Sicherheit Geld, um ein ein paar Werbespots zu schalten, aber das Spendensammeln wird bis zum letzten Moment weitergehen," sagte Holcomb. "Wir haben bereits 2 Millionen Dollar von Großspendern gesammelt, aber auch so Einiges aus lokaler Unterstützung. Menschen ohne Bezug zur Drogen- oder Marijuanapolitik machen einen Schritt nach vorne. Sie kapieren, dass wir nicht den Marijuana-Konsum vorantreiben wollen, sondern bessere Marijuana-Gesetze anstreben. Es beginnt Klick zu machen."

Von der internen Kritik einmal abgesehen, gäbe es nur wenig organisierte Opposition, sagte Holcomb.

"Es gibt ungefähr ein halbes Dutzend Gesetzesdurchsetzungs-, Behandlungs- und Präventionsleute, die mit uns die Runde machen und mit uns diskutieren, aber dass organisierte Kampagnen gegen die Initiative gestartet würden, können wir wirklich nicht sehen," sagte sie. "Wir sehen das als Erfolg für den Text der Initiative und die Unterstützungserklärungen an, die wir aufgreifen."

(...)"

Übersetzt von Matthias Heyd

Wir haben einen großen Teil des Textes gekürzt, in dem es um die Streitfragen innerhalb der Szene geht, insbesondere bezüglich Cannabis und Straßenverkehr. Es kommen dort einige Vertreter der Gegner und der großen Legalize-Organisationen der USA zu Wort, s. englischer Original-Text.

 

Mehr zum Thema:

DHV-Meldung vom 21.09.12: NORML - Cannabis-Initiativen führen in Umfragen

Kommentare

Auszug aus dem Wiki-Artikel zum THC-Metabolismus:
"Δ9-THC wird im Menschen überwiegend zu 11-Hydroxy-Δ9-THC (11-OH-Δ9-THC) oxidiert. Dieses Stoffwechselprodukt ist ebenfalls psychoaktiv und wird weiter zu 11-Nor-9-carboxy-Δ9-THC (11-COOH-THC, THC-COOH, THC-Carbonsäure, nicht psychoaktiv) verstoffwechselt."

Insgesamt gibt es laut diesem Wikipedia-Artikel über 100 verschiedene THC-Metabolite im menschlichen Körper von denen die meisten nicht-psychoaktiv sind.

Weil eben nicht alle Metaboliten nicht-psychoaktiv sind, hat man wohl pauschal gesagt, dass im Gesetzestext eben nicht nur THC sondern allgemein alle psychoaktiven THC-Metaboliten als "DUID" gelten sollen. Würde ja auch irgendwie Sinn machen.

Solange THC-COOH ausgeschlossen ist, scheint mir das eine recht vernünftige neue Regelung zu sein!
Von 5ng pro Liter Blut sind wir ja in Deutschland noch meilenweit entfernt.

Also ich drücke mal die Daumen, dass das neue Gesetz in Washington zu stande kommt.

Na die Amis habens geschnaggelt,im Gegensatz zu unserem Volk.
Man sehe sich diese Kommentare mal an:
http://web.de/magazine/unterhaltung/klatsch-tratsch/16492296-wiener-poli...

Toll, am 06. November kommt Halo 4 raus :D

[quote name="TimingOne"]Toll, am 06. November kommt Halo 4 raus :D[/quote]

Wo ist er---wo nur?
Wo ist er,der Bus mit den Leuten die das interessiert?

[quote name="Hihihaha"]Na die Amis habens geschnaggelt,im Gegensatz zu unserem Volk.
Man sehe sich diese Kommentare mal an:
http://web.de/magazine/unterhaltung/klatsch-tratsch/16492296-wiener-poli...

kifferwahn aka Reefer Madness. da fällt man nur noch in deutschland drauf rein. die Amis lachen über solche medienspektakel und lehnen die alte gehirnwäsche längst ab. Man kann sie nicht einmal mit einem vermeintlichen cannabis zombie (miami bath salt zombie) irritieren, da lachen sie nur noch lauter.
vermutlich haben sie verstanden das ihre regierung sie über die medien manipuliert um sie zum werkzeug politischer zwecke machen. mit anderen worten, damit sie aus angst und verwirrung schutz bei ihrem wohlgesonnen staat suchen damit dieser sie dann unbesehen und mit gutem gewissen (die leute wollen es ja so) in die pfanne hauen kann.
Ist es wirklich zu viel verlangt das die leute mal anfangen selber nachzudenken und sich fragen warum in anderen ländern cannabis etwas gutes ist und sogar medizin ist während man es in deutschland weiter als sündenbock für fehlgeschlagene sozialpolitik macht. langsam sollten doch sämtliche alarmglocken läuten !
wann ist endlich mal schluss mit dieser menschenverachtenden zwangsbetreuung. was hat das denn noch mit demokratie zu tun ? :-x

Laut Umfrage von letzter Woche steht es in Washington 54 zu 38 % für die Initiative!

Hier ein Fernseh- Youtube-Spot für die Initiative:
[url]http://www.youtube.com/watch?v=aDlI3bNCQ5w[/url]

aus den aktuellen Infos von NORML:
[url]http://blog.norml.org/2012/10/30/smoke-the-vote-final-week-election-upda...

Leute es müsste uns als Europäern eigentlich gleichgültig sein welche Regelungen die USA treffen. Da dies jedoch nicht der Fall ist, zeugt es von der politischen Inkompetenz unserer Politiker die im allgemeinen dazu verpflichtet sind sich für die Bürger Deutschlands und deren Interessen einzusetzen, und dies auch dann zu tun, wenn es die Interessen eines geringen Prozentsatzes der Gesamtbevölkerung betrifft, da selbst 0,1% des Gesamten Volkes noch immer ein teil des Ganzen Volkes sind. Die Demokratie sollte einen Kompromiss eingehen anstatt das Wohlbefinden einer Minderheit des eigenen Volkes zu unterdrücken. Ich denke von den circa 62 Millionen Wahlberechtigten hat es keinen etwas anzugehen was die Einzelne Person in den eigenen Vier Wänden raucht oder konsumiert so mal es der Person nicht erhebliche Gesundheitliche Schäden zufügt oder dritten schadet oder diese in ihrem eigenen Wohlbefinden belästigt! Es ist NUR im Interesse des Deutschen Staates, die Wahlberechtigten so zu beeinflussen, durch das verteufeln des Marihuanas, dass diese Gezielt wie eine Rinderherde gegen die Befürworter gelenkt werden, was alleine schon an Manipulation der eigenen Meinungsbildung grenzt. Es ist meiner Meinung nach nicht demokratisch etwas zu verbieten mit dem Wissen, dass die betroffenen sich dennoch eindecken mit besagten Stoffen welche jedoch in 85% der fälle verunreinigt sind mit Unzumutbaren, Giftigen, bis hin zu Tödlichen Substanzen. Anstatt eine effiziente Lösung zu finden wird das Thema in eine Schublade gepackt und verdrängt bis in einigen Jahren (und dies wird 100% der Fall sein) Unmengen von Kranken menschen durch die Spätfolgen des Gestreckten Cannabis in Behandlung müssen! Jedoch wird dann nicht einer der Politiker die Schuld tragen wollen von all denen die sich gegen die Legalisierung von Cannabis geäußert haben ohne dementsprechende Kompromisse vorzuschlagen oder eingehen zu wollen!! Das Verbieten des Cannabis in Deutschland widerspricht sich selbst mit den Deutschen Grundrechten! Die freie Entfaltung der Persönlichkeit wird immens beeinträchtigt! Mann ist gezwungen ein veraltetes Gesetz hinzunehmen und wird kriminalisiert wenn Mann seine freie Meinung nicht nur äußern möchte sondern auch dementsprechend Leben! Ich Persönlich bin sehr unzufrieden und enttäuscht von der Führung unserer Regierung! Junge Erwachsene Politiker mit Durchhaltevermögen braucht das Land! Spätestens wenn die letzten Dinosaurier unserer zeit ihre Ämter niederlegen ebnet sich der weg um eine wahre Demokratie auferblühen zu lassen.

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