Pressespiegel zu unserer Frage an Merkel #2

  • Veröffentlicht am: 25. November 2011 - 22:19
  • Von: Maximilian Plenert

Nach dem ersten Pressespiegel mit Artikeln aus der Zeit vor der Beantwortung unserer Frage durch Frau Merkel hier nun die wichtigsten Artikel rund um die Antwort.

 

 

Wir gaben der Nachrichtenagentur dapd ein Interview, das sie in Form folgender Tickermeldung verbreitete. Wir wurden gebeten darauf hinzuweisen, dass diese Meldung nicht unautorisiert verbreitet werden darf, das vollständige Interview ist unten angefügt.

Drogen/Merkel/Internet/YouTube/Verband/INT
(dapd - Interview) (Langfassung) Hanfverband: Merkel "erschreckend uninformiert"

Berlin (dapd). Bundeskanzlerin Angela Merkel ist aus Sicht des Deutschen Hanf Verbands "erschreckend uniformiert" in punkto Drogenpolitik. Dass der Konsum geringer Mengen Cannabis sehr hohe Abhängigkeiten schaffen könne, sei "medizinischer Unsinn", sagte der Vorsitzende Georg Wurth am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Die CDU-Vorsitzende hatte zuvor auf dem Youtube-Kanal der Bundesregierung die Legalisierung von Cannabis abgelehnt.

Wurth kritisierte zudem, dass die Kanzlerin sich nicht ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt habe. "Sie hätte sich vorher bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen informieren sollen. Das hätte ihr einige fachliche Patzer erspart", fügte Wurth hinzu.

Dennoch habe ihn der Auftritt der Kanzlerin nicht überrascht: "Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir Frau Merkel gleich überzeugen werden und sie morgen Cannabis legalisiert", sagte Wurth. Es sei dem Verband vielmehr darum gegangen, einen anderen Umgang mit Cannabiskonsumenten zu erreichen.

Diese und eine Meldung der AFP wurden in einer Vielzahl Zeitungen, Online-Nachrichtenportalen sowie Newstickern von Radios berichtet, darunter das Handelsblatt, der Focus, die Rheinische Post, N24 oder die schweizer Zeitung Der Bund. Stichwort Zeitungen aus dem Ausland, auch einen niederlänsichen Artikel habe ich zufällig gefunden, ansonsten habe ich erstmal nur auf englisch gesucht. Da finden sich nur wenige Berichte, die Deutsche Welle schrieb allgemein über die Youtube-Aktion und erwähnt die Cannabis-Frage. Somit bliebt es an uns, eine Zusammenfassung der Aktion zu schreiben und ins englische zu übersetzen, unsere Kollegen in den USA interessiert es sicher.

Gefreut habe ich mich über die Überschrift auf net-tribune.de - Hanfverband: Merkel "erschreckend uninformiert". Die taz rief auch an für den zweiten Artikel über die Merkel-Aktion und zitiert mich mit den Worten: "Merkel ist gar nicht auf die eigentliche Frage eingegangen". Georg führte ein Telefoninterview mit Der Westen und wird mit den Worten "Drogenkonsumenten sind die letzte staatlich verfolgte Gruppe, die keinem anderen schadet. [...] Hier klafft eine riesige Lücke zwischen Politik und Bevölkerung". zitiert. Zudem schreibt die Zeitung "Er glaube nicht, dass die Legalisierung die Zugangsschwelle senken würde, dafür gebe es empirisch keine Belege. Seiner Meinung nach könnte die kontrollierte Abgabe zum Schutz gerade jugendlicher Konsumenten dienen." Wie wir an einigen Stellen schon anmerken: "Das war natürlich eine tolle PR für unsere kleine Gruppe".

Das Wirken unserer Unterstützer ist im Beck Blog zu sehen, dort hat jemand gleich meine Reaktion als Kommentar unter den entsprechenden Artikel gepostet, Danke dafür! Ebenso wurden Artikel in eine Vielzahl Foren getragen und dort diskutiert. Bemerkenswert ist noch das Intro zu diesem Focus Video, auch beim Spiegel gab es ein Video. Einschlägige Seiten wie cannabis.ch berichteten ebenfalls.

Unsere Pressemitteilung " Hanfverband rockt Merkel auf youtube" erschien in diversen Presseportalen und wurde an unseren Presseverteiler geschickt. Auf unserer Homepage finden sich ebenfalls alle wichtigen Informationen inklusive unserer fachlichen Stellungnahme, damit jeder auch die Möglichkeit hat, sich tiefergehender zu informieren. Zu den Positionen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, die wir Merkel als unabhängige Quelle empfohlen haben, wird es ebenfalls noch einen weiterführenden Artikel geben.

Das Rückgrat unserer Kommunikation und die Plattform mit der meisten Diskussion ist unsere Seite bei Facebook, wobei es auch eine rege Debatte in Form von Kommentaren unter unseren Artikeln auf der DHV-Website und den Youtube Videos gibt.

Das vollständige Interview mit dapd:

1)       Wie bewerten Sie die Antwort der Kanzlerin auf Ihre Frage?

Erschreckend uninformiert. Aussagen wie dass "der Konsum von geringen Mengen sehr, sehr hohe Abhängigkeiten schaffen" könne, ist medizinischer Unsinn, gerade im Vergleich zu Alkohol und Tabak. Dass Cannabis eine Droge sei, Alkohol aber nicht, ist ein Klassiker, über den die Leute nur noch müde lächeln. Ebenso ist die These nicht belegbar, eine Legalisierung und damit Regulierung des Cannabismarktes würde "die Schwelle senken" und damit zu mehr Konsum führen, das zeigt schon das Beispiel Niederlande.

2)       Wie waren Ihre Erwartungen als Sie die Frage eingereicht haben?

Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir Frau Merkel gleich überzeugen werden und sie morgen Cannabis legalisiert. Es ging uns vor allem darum zu zeigen, wie viele Menschen sich einen anderen Umgang mit Hanffreunden wünschen. Es gibt bei dem Thema eine besonders große Kluft zwischen Politik und Bürgern.

3)       Was hätten Sie sich noch mehr von der Kanzlerin gewünscht?

Wir hatten uns gewünscht, dass Frau Merkel genauer auf unsere Frage eingeht, z.B. zum Thema Jugend- und Verbraucherschutz und Suchtprävention. Legalisierung heißt für uns nicht Freigabe, sondern Regulierung eines schon existierenden völlig freien Schwarzmarktes.
Außerdem wird sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht, sich ernsthaft mit der Fragestellung auseinander zu setzten. Sie hätte sich vorher bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) informieren sollen, das hätte ihr einige fachliche Patzer erspart.

4)       Wie haben Sie es geschafft, dass Ihre Frage mit Abstand die beliebteste
geworden ist?

Über unsere Petition "Cannabiskonsumenten entkriminalisieren" mit mehr als 30.000 Unterzeichnern haben wir ein breites Netzwerk an Unterstützern bei Facebook, Youtube, in Blogs und Foren aufbauen können, das wir bei der Abstimmung über die Frage wieder nutzen konnten. Sie betrifft mehrere Millionen Bürger, die zumindest gelegentlich Cannabis konsumieren und für die die Strafverfolgung die schlimmste Nebenwirkung darstellt. Von der Regierung kommt nur ein hilfloses "Weiter so!". Dabei stehen die Zeichen der Zeit längst auf Debatte.

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