Mexikos Drogenkrieg eskaliert- Wie die Prohibition einen Staat zerstört

  • Veröffentlicht am: 4. November 2014 - 17:00
  • Von: Michael Knodt

Die Welt empört sich gerade angesichts der 43 Studierenden, die vermutlich schon im September von der Polizei und dem Kartell der "Guerros Unidos" ermordet wurden. Ermittlungen zufolge hatte Bürgermeister José Luis Abarca auf Geheiß seiner Frau, María de los Ángeles Pineda Villa, der Polizei der Stadt Iguala empfohlen, den jungen Leuten eine "Lehrstunde" zu erteilen, weil sie eine Rede seiner Frau stören wollten. Die Studenten hatten bereits 2013 eine Wahlkampfveranstaltung der Bürgermeister-Gattin gestört und waren auch für 2014 angekündigt. Kurz vor Erreichen des Orts stoppten Polizisten den Bus mit den Studenten und erschossen neun von ihnen, der Rest wurde dem Killer des örtlichen Drogenkartells übergeben. Der Auftragsmörder soll den Rest umgebracht und alle Leichen dann in Ölfässern verbrannt haben. Das Verschwinden der 43 hat in Mexiko landesweit heftige Proteste ausgelöst, waren doch kurz nach dem Verschwinden 22 vermutlich korrupte Polizisten festgenommen worden, die mit den "Guerros Unidos" zusammengearbeitet haben sollen. Der verdächtige Bürgermeister und seine Frau wurden gestern in Mexiko-Stadt festgenommen, nachdem sie sich vier Wochen auf der Flucht befunden hatten.

 

 

Schon 2013 in einen Mord verstrickt

Dass das Verschwinden nicht das erste Kapitalverbrechen war, in welches die "Unidos"- Clique um den Bürgermeister verstrickt war, zeigt, wie korrupt auch die höheren Instanzen der mexikanischen Justiz sein müssen.

Abarca hatte sich 2013 im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit einem linken Aktivisten namens Hernandez angelegt und ihm nach der Veranstaltung mit dem Tod gedroht. Kurze Zeit später wurde Hernandez vom Bürgermeister höchstpersönlich ins Gesicht und die Brust geschossen. Einer von Hernadez' Begleitern wurde ebenfalls erschossen, vier konnten entkommen. Die überlebenden Zeugen hatten bereits kurz nach der Tat ausgesagt, dass neben Abarca auch eine Frau anwesend gewesen sei, die sie nicht identifizieren konnten. Mexikanische Medien vermuten, dass es sich um María de los Ángeles Pineda Villa handelte. Die Dame soll in der Kartell-Hierachie über ihrem Ehemann stehen, der die Drecksarbeit macht.  Der Fall schlug in Mexiko schon 2013 hohe Wellen, doch nichts geschah. Der landesweit bekannte Bischof Raul Vera Lopez machte sich daraufhin auf den Weg zur Commission on Human Rights in Washington D.C. um die Untätigkeit der Bundesbehörden bei diesem Kapitalverbrechen anzuprangern. Die mexikanische Regierung antwortete damals auf Anfrage, ihr seien die Hände gebunden, da der Bürgermeister über eine verfassungsmäßige Immunität verfüge. Abarca und seine Ehefrau scheinen das als Freibrief zum Morden verstanden haben.

Der Chef der "Guerros Unidos", Mario Casarrubias Salgado, wurde bereits im Mai festgenommen. Die mexikanische Regierung gab bekannt, dass Saldago den Heroinmarkt in Chicago von Mexiko aus versorgt hatte. Nach seiner Festnahme übernahm sein Bruder Sidronio die Geschäfte und sorgt seitdem dafür, dass Chicagos Straßen weiterhin mit billigem Heroin versorgt werden. Heroin ist neben Cannabis die Haupteinnahmequelle der mexikanischen Kartelle. Die Re-Legalisierung in einigen Staaten hat den Banden das einst blühende Geschäft mit Cannabis derart verhagelt, dass sie sich nach neuen Geschäftszweigen umsehen müssen. Deshalb wird in Mexiko neben Hanf neuerdings auch Opium angebaut, das zu "Black Tar" verarbeitet wird. Von den Südstaaten der USA ausgehend feiert Heroin in dieser relativ unreinen Form eine Art Comeback, weil in Mexiko immer mehr Opium angebaut wird.

R.I.P. Maria del Rosario Fuentes Rubi

Journalisten und Blogger, die über die Zustände objektiv berichten, riskieren ihr Leben. So wie kürzlich die Bloggerin Maria del Rosario Fuentes, die anonym über die Aktivitäten der Gangs in ihrer Heimat gebloggt hatte. Bis zum 17. Oktober, als sie von bewaffneten Männern entführt und ihr twitter-Account von den Kartellen gehackt wurde:

"An meine Freunde und meine Familie: Mein echter Name ist Maria del Rosario Fuentes Rubio, ich bin Ärztin und mein Leben endet jetzt. Ich habe nichts mehr zu sagen, außer Euch vor den selben Fehlern zu warnen, die ich begangen habe. Ich habe nichts erreicht, im Gegenteil. Das ist mir heute klar geworden. #renosafollow: Ich bin dem Tod begegnet und habe nichts verändert. @Bandolera7, @civilarmado_mx, @Valor Tamaulipas: Schließt Eure Accounts. Riskiert nicht die eigene und die Sicherheit Eurer Familien, so wie ich es tat. Ich bitte um Vergebung. Ich bin für nichts gestorben.

Wir sind näher, als Ihr denkt."

Neben diesem Text posteten die Mörder ein Foto der toten Ärztin.

 

Kommentare

Absolut unverständlich. Mexico muss dringend Uruguay und den 5 amerikanischen Bundesstaaten folgen. Ich denke das wissen die Politiker selber, entweder passiert nichts weil selber involviert oder eben Schiss vorm organisierten Verbrechen.

Nicht die Drogen verderben den Charakter sondern das Geld, das damit verdient wird....

Neuen Kommentar schreiben