Mehr als 200 Kilo Marihuana mit Glassplittern beschlagnahmt

  • Veröffentlicht am: 8. August 2007 - 17:50
  • Von: deradmin

Meldung des DHV vom 8. 8. 2007

Die Medienberichte über mit Glaspartikeln verunreinigtes Marihuana reißen nicht ab. So wurden von aufmerksamen Grenzbeamten in der italienischen Stadt Bozen am vergangenen Wochenende rund 219 Kilogramm gestrecktes Marihuana beschlagnahmt. Nach Behördenangaben hätte der Konsum des verunreinigten Marihuanas zu schweren Lungenproblemen und unter Umständen gar zu Todesfällen führen können.
Damit bestätigen sich Befürchtungen des Deutschen Hanf Verbandes, der die Bundesdrogenbeauftragte seit mehr als einem halben Jahr auffordert, sich mit den Gesundheitsrisiken durch gestreckte Cannabisprodukte zu beschäftigen.

Weil die italienischen Behörden ihre Beamten auf ähnliche Vorfälle in Frankreich und Großbritannien aufmerksam gemacht hatten, wussten die Ordnungshüter, wonach sie zu suchen hatten und wurden bei einer Kontrolle der beschlagnahmten Cannabisprodukte unter dem Mikroskop prompt fündig. Das für den italienischen Markt bestimmte Marihuana war mit winzigen Glaspartikeln durchsetzt. Mit dieser Methode versuchen Drogenhändler ihre Profite zu maximieren, weil die oft minderwertige Ware durch das Glas an Gewicht gewinnt und dank tausender glitzernder Glaskrümel wie hochwertiges Marihuana aussieht.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (Lungenheilkunde) kann die Inhalation der mikroskopisch kleinen Glasteilchen zu gravierenden Lungenentzündungen führen. Langfristig sei eine fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes zu befürchten.

In Deutschland ist solch ein Fund indes nicht möglich. Nicht, dass es nicht auch hier Probleme mit verunreinigten Cannabisprodukten gäbe. So weist der DHV auf seiner Webseite darauf hin, dass in Deutschland erhältliches Marihuana zum Teil neben Glas auch Gewürze, Fette, Öle, Schuhcreme, Sand, Wachs, Zucker oder Haarspray enthalte. An einer Emailaktion, mit der die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing auf diese Situation hingewiesen werden soll, haben sich bereits mehr als 860 Menschen beteiligt. Dennoch verweigert das Gesundheitsministerium bis heute eine offizielle Reaktion. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion zu diesem Thema beruft man sich darauf, dass keine Erkenntnisse über Verunreinigungen vorliegen und die Konsumenten im Übrigen selbst schuld seinen. Warnungen vor Verunreinigungen, wie sie z.B. das englische Gesundheitsministerium herausgegeben hat, seinen als schädliche Konsumentenberatung zu betrachten und würden den normalen Cannabiskonsum verharmlosen.

Weil diese Haltung auch über die Cannabisszene hinaus kein Verständnis findet, hat der DHV am vergangenen Freitag eine neue Aktion gestartet. Diesmal beschränkt man sich nicht darauf, die Bundesdrogenbeauftragte zu informieren, sondern fordert ein Eingreifen der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.
"Sie soll sich mit dem Thema auch öffentlich beschäftigen und die rund 4 Millionen Cannabiskonsumenten so für Verunreinigungen sensibilisieren. Nur so kann eine Zunahme vermeidbarer Atemwegserkrankungen verhindert werden." So Steffen Geyer vom Deutschen Hanf Verband.

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