Landesärztekammer Sachsen blamiert sich in den sozialen Netzwerken

  • Veröffentlicht am: 23. März 2018 - 15:55
  • Von: Michael Knodt

Als der Hanfverband berichtete, wie die Sächsische Landesärztekammer (SLÄK) einen Arzt von einer Cannabis-Verordnung abhielt, gab es zahlreiche Reaktionen in den sozialen Medien. Die SLÄK hatte dem Arzt in dem Brief, der dem DHV vorliegt, berufs- und strafrechtliche Konsequenzen angedroht, falls er einem 27 jährigen ADHS-Patienten Cannabis verschreibe. Die Sächsische Landesärztekammer meldete sich per Twitter zu Wort und schrieb, man habe den betroffenen Arzt im gleichen Brief auf die weiterhin bestehende Therapiefreiheit hingewiesen. Ferner sei das Schreiben auch nicht als Drohung zu verstehen.

"Die Therapiehoheit liegt beim Arzt" stammt aus unserem Brief. Leider nicht als Zitat kenntlich gemacht."

und

„Wir haben dem Arzt nichts angedroht, sondern Empfehlungen ausgesprochen“

zwitscherte die Pressestelle der SLÄK dem DHV am 15. März zu.

Doch das Wort Therapiefreiheit kommt in dem Schreiben von Dr. Prokop, seines Zeichens der Vorsitzende des Ausschusses Berufsrecht, anders als im SLÄK-Tweet behauptet, nicht einmal vor. Richtig hingegen ist, dass die Pressestelle der SLÄK in einer Mail an den Verfasser des Artikels auf die Therapiefreiheit hingewiesen hat und dieser Umstand im Artikel vom 7. März auch entsprechend richtig zitiert wurde.

Ob dieser Satz aus dem Brief an den Arzt

"Letztendlich könnte eine Beibehaltung Ihrer Verordnungsweise als Verstoß gegen berufsrechtliche Bestimmungen gewertet werden. Auch ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (§29 Abs.1 Nr.6 in Verbindung mit §13 Abs. 1 BtMG) kommt in Betracht.[...]."

jetzt als Drohung oder Empfehlung interpretiert wird, ist auch eher nebensächlich. Letztendlich kommt es darauf an, wie die Reaktion der Ärztekammer von den behandelden Ärzten aufgenommen wird - und ihr Verschreibungsverhalten beeinflusst. Dieses Verhalten wirft die Frage auf, welcher niedergelassene Arzt sich nach einen solchen Schreiben noch traut, bei bedürftigen Patienten eine Erstverordnung von Cannabis zu unterstützen?

Die Landesärztekammer des Freistaats hat offensichtlich ein grundlegendes Problem mit dem neuen Gesetz, was sich seit Monaten durch zahlreiche, einseitige Publikationen zur Verwendung von medizinischem Cannabis und ihrem Verhalten in den sozialen Netzwerken belegen lässt. Jetzt scheint es als bekämen Ärzte, die trotzdem Cannabis verschreiben, auf eben diese Art Druck.

Auch die Fragen an die SLÄK-Pressestelle, ob die Ärztekammer Cannabis-Verordnungen in jedem Einzelfall auf diese Art prüfe und ob man bei anderen, verordnungsfähigen Betäubungsmitteln genauso verfahre, bleiben seit drei Wochen unbeantwortet.

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Kommentare

Ich hatte mit denen die letzten Wochen viel Kontakt. Ich stelle gerne das gesamte Protokoll zur verfügung. Die haben sich in wiedersprüche verwickelt und Antworten garnicht mehr.

Die vergleichen den freizeitkonsum mit dem medizinischen und machen auch den chrystal meth vergleich.

Wenn man cannabis als medizin zulässt wäre das ein falsches signal da es dann ja den eindruck erweckt dass cannabis harmlos ist.

Hi Niko,

das kannst du uns gerne an Kontakt[at]hanfverband.de schicken.

LG, Sascha [DHV]

Ich habe euch auch mal meinen Schriftverkehr zukommen lassen

Ich habe die Auswirkungen zu spüren bekommen. Ich bin vor ca. 10 Monaten nach Leipzig gezogen und bin Cannabis Patient wegen ADHS. Bei mir über nimmt die Krankenkasse die kosten und trotzdem ist es mir in der ganzen Zeit noch nicht gelungen hier einen Arzt zu finden der die Behandlung mit Cannabis fortsetzt. Aber Ritalin in jeder Form ist kein Problem und jetzt muss ich diesen Scheiss, der weniger hilft, auch noch nehmen mit allen unangenehmen Nebenwirkungen.

Also bleibt mir nur eine Stunde mit dem Zug zu meinem alten Arzt zu fahren, bringt ja aber auch wenig weil es nur alle 2-3 Monate mal Cannabis in meiner Apotheke gibt und dann auch nur höchstens 30g wenn es gut läuft was dann wieder nur 2-3 Wochen reicht bis ich wieder auf Ritalin umsteigen muss.

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