DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 18.04.2007

  • Veröffentlicht am: 18. April 2007 - 0:00
  • Von: deradmin

DHV-Newsletter: Rundbrief zur Cannabispolitik vom 18.04.2007

Newsletter des Deutschen Hanf Verbandes - Ausgabe April 2007


1. Cannabisanbau und gestrecktes Gras in Europa

Bereits in den vergangenen Monaten mussten wir über den besorgniserregenden Trend zum Einsatz von gesundheitsgefährdenden Streckmitteln in Cannabisprodukten berichten. Nun hat auch das Gesundheitsministerium Luxemburgs offiziell vor den Folgen des Konsums belasteten Cannabis´ gewarnt. Anlass der Warnung war ein Zwischenfall in Frankreich. Dort wurden zwei Marihuanakonsumenten ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie mit winzigen Glassplittern versetztes Marihuana geraucht hatten. Da auch in Belgien von schweren Atemwegsstörungen bei Patienten berichtet wurde, veröffentlichte das Luxemburger Gesundheitsministerium am 04.04. die offizielle Warnung.

Obwohl nun bereits drei europäische Länder amtliche Warnungen vor verunreinigtem Cannabis veröffentlicht haben, streitet die Bundesdrogenbeauftragte dessen Existenz weiter ab. Sie stützt sich dabei auf Aussagen des Bundeskriminalamtes (BKA). Dieses prüft Cannabis zwar nicht auf Fremdstoffe, schließt aber dennoch aus, dass es solche Verunreinigungen gibt.
Auch die drogenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von CDU/CSU glaubt nicht an Glas im Gras. Statt Maßnahmen zu ergreifen, um die Konsumenten vor der unnötigen Gesundheitsgefährdung zu schützen, wies sie in einem Brief an den DHV darauf hin, diese sollten ihren Konsum einfach einstellen. Von ihr könne niemand erwarten, dass sie den Nutzern illegaler Produkte hilft. Ihr Ziel sei vielmehr die drogenfreie Gesellschaft.

Positiver Nebeneffekt der Verbreitung von manipuliertem Marihuana ist es, dass Bewegung in die Diskussion um die Legalisierung des Eigenanbaus von Cannabis kommt. Bereits gut 500 Menschen beteiligten sich am Protestmailer "Stoppt den Chemiecocktail - Eigenanbau legalisieren!" Mehrere Zeitungen griffen das Thema auf und berichteten zum Teil umfangreich über den Trend zum Homegrow. Auch die Polizei reagiert auf die veränderte Situation. Sie will nun noch konsequenter gegen den illegalen Anbau vorgehen.

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2. Drogenkonsum und Führerschein

Das Führerscheinrecht wird mehr und mehr zum verlängerten Arm der Drogenprohibition. So entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster Anfang März, dass bereits der einmalige Konsum von Betäubungsmitteln (BtM) die Fahreignung ausschließt. Mit anderen Worten: obwohl der Konsum von BtM nicht verboten ist, kann man bereits nach einmaligem Gebrauch von Drogen seinen Führerschein verlieren!
Für Hanfkonsumenten gilt weiterhin eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG). Dieses hatte im Juni 2002 klargestellt, dass ein Führerscheinentzug nur dann erfolgen darf, wenn ein unmittelbarer Zusammenhang des Konsums von Cannabisprodukten mit dem Straßenverkehr vorliegt oder der Konsum regelmäßig erfolgt.

Dass die Luft für Kiffer im Straßenverkehr auch ohne die Situation verschärfende Urteile dünn geworden ist, zeigt eine Statistik, die der Baden- Württemberger Innenminister Heribert Rech Mitte März auf einer Pressekonferenz vorstellte. Nach seinen Aussagen konnte die Polizei in BaWü im Jahr 2006 9.135 Fahrten unter Drogeneinfluss verhindern. Den Anstieg der Fallzahlen von 19,1 Prozent erklärt der Minister in erster Linie mit einer Intensivierung der Kontrollen.

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3. Großbritannien: Experten finden Alkohol gefährlicher als Cannabis

David Nutt stellte im vergangenen Monat eine Studie vor, die über Großbritannien hinaus für Aufregung sorgte. Er und seine Kollegen von der University of Bristol hatten zwei unabhängige Expertengruppen gebeten, die häufigsten legalen und illegalen Rauschmittel hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit zu bewerten. Ziel der Forscher war es, eine Drogenrangliste zu erstellen, die sich an den Folgen des Konsums für die individuelle Gesundheit, dem Suchtpotential und den gesellschaftlichen Schäden orientiert.

Das Ergebnis der Befragung von Psychiatern, Polizisten, Juristen und Medizinern steht im Widerspruch zur offiziellen Klassifizierung der verschiedenen Rauschmittel. So finden sich die legalen Rauschmittel in den Top Ten (Alkohol Platz 5, Nikotin Platz 9) der gefährlichsten Stoffe, während die illegalisierten Drogen Cannabis und Ecstasy als vergleichsweise ungefährlich eingestuft wurden.
Die Forscher wiesen darauf hin, dass die legalen Rauschmittel in der Gefährdungsrangliste noch weiter nach oben wandern, wenn man die gesellschaftlichen Effekte der laut Nutt "unwissenschaftlichen Illegalisierung" bestimmter Substanzen herausrechnet.

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4. USA: Streit um medizinisches Marihuana eskaliert

In den USA wird erbittert um die Verwendung von Cannabis als Medizin gerungen.

Mitte März beschloss das Repräsentantenhaus New Mexikos, die medizinische Verwendung von Cannabis zu legalisieren. Damit gibt bereits der 12. Staat der USA seinen Bürgern die Möglichkeit, Cannabis straffrei zu besitzen, wenn es der Erhaltung der Gesundheit dient.
Davon unbeeindruckt verfolgen die Bundesbehörden weiterhin harmlose Kiffer. So verweigerte das Bundesgericht einer Frau aus Kalifornien die Nutzung der alten Heilpflanze unter Hinweis auf die bestehende Gesetzgebung der Vereinigten Staaten. Obwohl die Richter Sympathie für die an einem Gehirntumor erkrankte Klägerin äußerten, ließ ihnen die bestehende Gesetzgebung keine Wahl. Die Richter äußerten jedoch in der Urteilsbegründung die Hoffnung, dass auch der Bundesgesetzgeber die Eignung von Marihuana zur Linderung von Schmerzen anerkennt und eine legale Möglichkeit für Patienten schafft, sich mit Cannabis zu therapieren.

Auf eine solche Gesetzesänderung wollen die Aktivisten von Americans for Safe Access nicht warten. Die mit der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin vergleichbare Organisation reichte deshalb Klage gegen die Food and Drug Administration (FDA) ein. Durch die Klage soll die Arzneimittelbehörde gezwungen werden anzuerkennen, dass Cannabis im Gegensatz zur bisherigen Haltung der FDA sehrwohl einen medizinischen Nutzen hat.
Anlass der Klage ist eine Studie der Universität von Kalifornien, die die positiven Effekte von Cannabis auf HIV- assoziierten Nervenschmerzen belegen konnte.

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5. Hanf-Dämmstoff wird gefördert / Institut entwickelt biogene Wärmedämmstoffe / Faserfabrik testet neues Aufschlussverfahren

Dämmstoffe aus Naturfasern sind aus dem Baugewerbe nicht mehr wegzudenken. Damit die Nutzung der umweltschonenden Materialien aus Hanf und synthetischen Stützfasern sich noch mehr am Markt durchsetzt, hat das Bundesverbraucherschutzministerium mitgeteilt, dass es das Förderprogramm "Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen" rückwirkend zum 1.1.2007 wieder aufnimmt. Bauherren können auch für in diesem Jahr bereits verbaute natürliche Dämmmaterialien noch eine Förderung erhalten. Für die bis zu 35,- Euro pro mł müssen sie einen Antrag bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) stellen.

Das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie hat unterdessen einen neuartigen Dämmstoff vorgestellt, der auf die synthetischen Stützfasern herkömmlicher Wärmedämmung verzichten kann. Dazu entwickelten die Forscher ein Verfahren, das es ermöglicht, Hanffasern mittels eines aus Mais gewonnenen Biopolymers zu binden. Damit ist es erstmals gelungen, ein Dämmmaterial zu entwickeln, das zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Diese biogene Dämmung ist zwar derzeit noch teurer, die Forscher gehen aber davon aus, dass der Preis mit der Serienproduktion sinkt.

In der Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam wurde im März eine neue Faseraufschlussanlage für Hanf eröffnet, die es in sich hat. Hier wird erstmals auf ein von der Technischen Universität Dresden entwickeltes Verfahren gesetzt, das Hanffasern auch in feuchtem Zustand verarbeiten kann. Bisher musste das Hanfstroh vor dem Aufschluss in Schäben und Fasern getrocknet werden. Auch die Europäische Union ist von der Zukunftsfähigkeit der Technologie überzeugt und förderte die neue Fabrik mit mehr als 1 Million Euro.

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